«Time-Out»

18. Dezember 2012 12:29; Akt: 18.12.2012 13:23 Print

Was Mark Streit & Co. unserer Liga bringen

von Klaus Zaugg - Lockout und kein Ende: Die NHL-Stars spielen weiterhin in der NLA. Verfälschen sie die Meisterschaft? Kaum. Mit einer Ausnahme: Beim SCB könnten sich die Verstärkungen fatal auswirken.

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Vancouvers Keeper verstärkte während dem Lockout Ambri-Piotta, bestritt aber am Wochenende vom 5./6. Januar genauso wie alle anderen noch in der Schweiz spielenden NHL-Stars seine letzten Partien. Der kanadische Jungstar von den Colorado Avalanche stiess am 9. Dezember zu Ambri und verliess die Leventiner am 7. Januar wieder. Der Center der Ottawa Senators spielte während dem Lockout für die Rapperswil-Jona Lakers. Am 3. Januar 2013 flog er zurück in die Heimat, in der Hoffnung, dass die NHL den Spielbetrieb in dieser Saison doch noch aufnimmt. Womit er wenige Tage später recht erhielt. Der Stürmer der Boston Bruins lief bis am 31. Dezember für den EHC Biel auf. Nach der Spengler-Cup-Teilnahme mit dem Team Canada kehrte er in seine Heimat zurück. Der Kanadier kam von den Boston Bruins zum HC Lugano. Er verliess den Verein zum Jahreswechsel wieder. Davos nahm am 4. Dezember den 27-jährigen Schweden von den Dallas Stars unter Vertrag. Er war in der letzten Saison der erfolgreichste Skorer seines Teams. Der Captain von Stanley-Cup-Sieger Los Angeles Kings spielte für die ZSC Lions. Der Stürmer der Montreal Canadiens lief während der Lockout-Zeit für Fribourg-Gottéron auf. Der New-York-Rangers-Akteur gab ein Gastspiel bei den Lakers, reiste aber bereits Mitte Dezember wieder ab. Die Nummer 88 von den Chicago Blackhawks verstärkte während des Lockouts den EHC Biel. (vorne) Der Erstrundendraft von 2007 hatte zu Beginn des Lockouts bei Ambri einen kurzen Auftritt. Nach nicht einmal drei Wochen reiste der Stürmer der Montreal Canadiens wieder ab. Angeblich wegen einer Ellenbogen-Entzündung. Der Goalgetter der Detroit Red Wings sorgte beim EV Zug für Furore. Der Teamkollege von Mark Streit bei den New York Islanders stürmte während des Lockouts beim SC Bern. Tavares war in der letzten NHL-Saison achtbester Skorer der Liga. Der Center der Washington Capitals spielte für die Kloten Flyers. Wegen Adduktorenproblemen reiste er aber bereits vor dem Lockout-Ende zweimal in die USA. Der Kanadier gehört seit sechs Jahren zum Stamm der Washington Capitals. Der Stürmer der Buffalo Sabres wurde von den SCL Tigers verpflichtet. Er reiste Ende November für medizinische Abklärungen vorerst zurück nach Nordamerika reisen - und kam auch nicht mehr zurück. Der Verteidiger der Minnesota Wild wurde während dem Lockout ebenfalls von den SCL Tigers verpflichtet. Und auch er musste Ende November für medizinische Abklärungen zurück in die USA reisen. Zurück kam er nicht mehr. Der Ur-Berner von den Nashville Predators spielte während dem Lockout beim SC Bern. Der Kanadier (vorne) gab ein Gastspiel beim HC Genf-Servette. In der NHL spielt der Center für die San Jose Sharks. Anfangs Dezember reiste er aus persönlichen Gründen in die Heimat zurück. Der Verteidiger der New York Islanders lief während des NHL-Lockouts für den SC Bern auf. Wie bereits beim letzten NHL-Lockout lief der Center der San Jose Sharks für den HC Davos auf. Auch der zweite «NHL-Davoser» vom Lockout 2005 kehrte zum HCD zurück. Der Verteidiger der Montreal Canadiens verstärkte für die Dauer des Lockouts den HC Genf-Servette. Der Stürmer, der mit den Detroit Red Wings in seine erste NHL-Saison starten wollte, spielte wie die vier Saisons zuvor beim EVZ. Der Ducks-Verteidiger verstärkte den HC Lugano. Der Verteidiger der Montreal Canadians kehrte während dem Lockout zum EV Zug zurück. Bereits bevor er sein Glück in der nordamerikanischen Ferne gesucht und gefunden hat, war Diaz bei den Innerschweizern acht Jahre lang unter Vertrag. Der Nashville-Predators-Spieler verstärkte Red Ice Martigny für knapp einen Monat. Nach dem Abgang von Hörnqvist sicherte sich Martigny die Dienste des Boston-Bruins-Akteurs. (r.) Der Däne spielte für den NLB-Klub Langenthal. Er steht seit 2008 bei den Ottawa Senators unter Vertrag.

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Erstens haben alle Teams die gleichen Voraussetzungen für die Verpflichtung von NHL-Stars. Die Schlauen und die Reichen haben die besseren Spieler aus Nordamerika geholt als die weniger Schlauen und weniger Reichen. Aber die Schlauen und Reichen transferieren auch die besseren Schweizer Spieler und stehen deshalb jedes Jahr in der Tabelle weiter oben als die weniger Reichen und weniger Schlauen.

Verfälschung als Ausrede

Zweitens ist das Gerede von der Verfälschung bloss eine Ausrede für eigenes Versagen. Die SCL Tigers sind nicht nur auf dem letzten Platz, weil sie nicht so gute NHL-Stars geholt haben wie Bern oder Zug. Sie sind das NLA-Schlusslicht, weil sie nicht gewillt waren, in die Mannschaft zu investieren und schon im Sommer per Medienmitteilung (!) verkündeten, dass sie aus Kostengründen nur mit drei Ausländern spielen wollen. An diesem Tag ist Trainer John Fust bereits gescheitert. Ohne NHL-Spieler in der Liga wären die Langnauer auch Schlusslicht. Die Korrektur des Spar-Irrtums kommt die Emmentaler übrigens teuer zu stehen: Inzwischen haben sie bereits sechs Ausländerlizenzen verbraucht und haben doch nur zwei einsatzfähige Gastarbeiter.

Drittens machen die NHL-Stars alleine eine Mannschaft nicht in jedem Fall besser. Lugano schafft es auch mit Patrice Bergeron und Luca Sbisa nicht, in die Spitzengruppe der Tabelle aufzurücken. Der welsche Schlendrian mit politisch viel zu mächtigen und uncoachbaren Stars gehört halt seit Jahren zu Luganos Kultur.

EVZ für frühere Tüchtigkeit belohnt

Viertens stimmt es zwar, dass der EV Zug ohne seine NHL-Stars nicht in der Spitzengruppe der Tabelle stehen würde. Aber die Zuger werden eben für ihre Tüchtigkeit belohnt: Rafael Diaz haben sie selber ausgebildet und Damien Brunner den Kloten Flyers in einem Tauschgeschäft abgeluchst, das heute als Diebstahl bezeichnet werden darf. Und es geht beinahe vergessen, dass ein Teil der Steigerung auch dem Formanstieg von Zauberflügel Linus Omark geschuldet ist. Der Schwede, Sportchef Jakub Horaks erster grosser Transfer, ist zweitbester Skorer des Teams und kein NHL-Star. Und wir sollten nicht vergessen: Die Zuger haben sich unter Doug Shedden bereits einmal ohne NHL-Stars vom letzten Platz aus noch in die Playoff-Halbfinals vorgekämpft (2008/09).

Fünftens helfen NHL-Stars unter besonderen Umständen sogar beim Sparen. Ohne den Zuzug von John Tavares, Mark Streit und Roman Josi wäre SCB-Trainer Antti Törmänen möglicherweise gar nicht mehr im Amt, und die Berner hätten Geld für einen neuen Trainer ausgeben müssen. Mark Streit hat inzwischen eine bemerkenswerte Wandlung durchgemacht. Bei der WM wegen miserabler Defensivleistung noch als «Captain Minus» kritisiert, hat er sich zum «Mark plus» gewandelt: Beim SCB verzichtet er auf die Jagd nach Skorerpunkten und konzentriert sich im Dienste des Teams auf sauberes Defensivhandwerk. Er hat die beste +/- Bilanz aller Schweizer Verteidiger beim SCB. Die Verpflichtung der NHL-Stars erweist sich als erfolgreiche «Trainer-Stützungsaktion.»

Medieninteresse gewachsen

Sechstens ist es zwar richtig, dass das Geld, das für NHL-Stars ausgegeben wird, nicht hereinzuspielen ist. Nicht durch Zuschauereinnahmen und nicht durch den Verkauf von Fanartikeln. Aber dieses Geld ist eine sehr gute Investition in die globale Werbung für unsere Liga. Die NLA wird wegen der vielen NHL-Spielern in Nordamerika wahrgenommen und beschert uns inzwischen in jeder Ausgabe der «Hockey News» mehrseitige Storys.

Siebtens zeigt das Gastspiel der NHL-Stars, wie gut das Niveau in der NLA ist. Wir haben eine der schnellsten Ligen der Welt und kein NHL-Star kann nach Belieben dominieren. Die NHL-Experten haben schon mit Verwunderung festgestellt, dass Damien Brunner (er ist noch kein NHL-Star) erfolgreicher spielt als Tyler Seguin – und schreiben es in einer für den amerikanischen Hockey-Imperialismus typischen Art und Weise dem Umstand zu, dass sich Brunner als Einheimischer halt mehr anstrenge als Feriengast Seguin.

Fribourg als Hauptbeweis

Achtens steht mit Fribourg-Gottéron ein Team ganz oben, das keine nennenswerten NHL-Stars verpflichtet hat. Auch ein Beweis für die Qualität der Liga und den vielfach überschätzten Einfluss der NHL-Stars auf den Verlauf der Meisterschaft.

Neuntens ein Blick voraus: Jeder Sportchef weiss, dass jeden Tag in der NHL eine Einigung möglich ist und seine Stars zurückgerufen werden können. Das Gejammer, dass man die NHL-Stars verloren habe, sollten wir dann ignorieren. Die Schlaueren und die Reicheren haben die besseren NHL-Spieler bekommen. Die Schlaueren und die Reicheren werden auch die Abreise besser verkraften. Probleme werden die Reichen haben, die nicht schlau sind. Und natürlich auch die Armen, die nicht schlau sind.

Zehntens dürfen wir zusammenfassend behaupten, dass die Tabelle heute ohne NHL-Stars gar nicht viel anders aussehen würde. Einzig Zug wäre etwas schlechter klassiert. Alle anderen stünden auch ohne NHL-Stars ungefähr dort, wo sie jetzt mit NHL-Stars stehen.

Ausnahme: SC Bern

Weil die NHL-Stars die Meisterschaft nicht verfälschen, wird es auch keinen Umsturz bei einer Abreise geben. Wenn es im Arbeitskampf zu einer Einigung kommen sollte und alle NHL-Stars wieder gehen, so werden wir zwar ein Medienspektakel und Spekulieren erleben. Aber ändern wird sich am Ausgang der Qualifikation wenig. Biel, die Lakers, Ambri und die SCL Tigers stehen ja jetzt schon auf den Playout-Plätzen. Die Lakers dürften sogar von einem Ende des NHL-Lockouts profitieren: Eine Diva wie Jason Spezza wird in den Playouts kaum ein Leader sein. Und es könnte für den SCB fatal sein, den auslaufenden Vertrag mit Trainer Antti Törmänen aufgrund der Resultate mit NHL-Stars zu verlängern.

Der SCB sollte schon noch wissen, wie die Mannschaft netto – also ohne die NHL-Stars – spielt. Ein Widerspruch zu meiner These, wonach die NHL-Stars die Meisterschaft nicht verfälschen? Nein. Der SCB ist bloss, wie in so vielen Bereichen, eine Ausnahme, und durch die NHL-Stars des SC Bern wird nicht die Meisterschaft verfälscht. Sondern lediglich die Trainerbeurteilung durch SCB-General Marc Lüthi.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dan The Man am 21.12.2012 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verschuldung durch Verfälschung?

    Ich frage mich übrigens schon die ganze Zeit, mit welchem Budget sich kleinere Vereine wie Zug, Biel oder die Lakers sich plötzlich solche Spieler wie Zetterberg, Spizza oder Seguin leisten können. Wenn es um Spielersaläre oder Weltklasse-Ambiance geht, sollten logischerweise alle erst beim SCB, dem reichsten Club der Liga mit der grössten Zuschauerkulisse Europas ansehen aber sicher nicht in Zug oder Rapperswil...

  • Dan The Man am 21.12.2012 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Klare Verfälschung!

    Viele der Top-Teams der letzten Saisons hatten in diesem Jahr einen harzigen Start: SCB, Davos, Kloten, Zug. Dafür waren vermeintlich Kleinere, wie Biel oder die Lakers plötzlich ganz oben. Eine klare Verfälschung, diese Teams spielen mit Leistungsträgern, die sie vor dem Lockout nie hatten und erzielen Resultate, die sie in den letzten 10 Jahren nicht möglich waren! Am Ende aber ist es das Team, das gewinnt, nur so ist zu erklären, dass Davos, SCB oder Zug trotz hochkarätigen Kadern zu Beginn grosse Mühe hatten, sich zu finden.

  • Petrov am 18.12.2012 16:48 Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich nicht

    Dann bringt doch mal die Tabelle ohne Tore und Assists der NHL Stars! Da bin ja mal gespannt ob Herr Zaugg Recht behalten würde!

  • Simon am 18.12.2012 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Verfälschung?

    Die, die alles für Verfälschung halten, einfach mal auf die Tabelle schauen. 5 Teams kämpfen um 3 Playoffplätze, 5 Team um den Qualisieg. Ich persönlich habe selten so eine spannende/ausgeglichene Saison gesehen. Geniessen wir doch einfach dass diese grossartigen Spieler hier sind und uns entzücken. Was wäre wenn, sehen wir dann, wenn es soweit ist.

  • Urs Huber am 18.12.2012 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Ob mit Junioren, Amateuren oder NHL-Stars: Hauptsache Alle Gottéron! ;)

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