«Time-out»

08. November 2012 11:31; Akt: 08.11.2012 12:19 Print

Ein Freispruch für Sean Simpson

von Klaus Zaugg - Für Nati-Trainer Sean Simpson ist die zweijährige Eiszeit zu Ende. Dank dem Wechsel an der Verbandsspitze bekommt er nun sogar etwas Nestwärme - trotz zweimaliger WM-Enttäuschung.

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Den Schweizern gelingt ein versöhnlicher Turnier-Abschluss. Sie bezwingen die bisher sieglosen Kanadier gleich mit 6:1. Zwar gingen die Ahornblätter in der 8. Minute in Führung, doch danach diktierten die Eisgenossen das Spielgeschehen. Die erste Linie der Schweizer mit Andres Ambühl, Roman Wick und Ryan Gardner erzielte fünf der sechs Schweizer Tore. Deutschland gewinnt gegen die Schweiz 2:0. Damit sind die Chancen auf den Turniersieg für die «Eisgenossen» Geschichte. Trotz einer soliden Leistung kann auch Reto Berra die Niederlage nicht abwenden. Die Schweiz gewinnt ihr Auftaktspiel am Deutschland-Cup gegen die Slowakei mit 3:2. Die Partie war hartumkämpft. Am Ende kontrollierten die Eisgenossen die Partie allerdings und brachten den Sieg ins Trockene. Am Freitag gilt es ernst für die Schweizer. Dann steht die erste Partie am Deutschland Cup gegen die Slowakei an. Sean Simpson äussert sich erstmals seit der misslungenen WM im Frühjahr (Platz 11) vor den Medien. Vom neuen Verbandspräsidenten Marc Furrer erhält der Kanadier viel Rückendeckung. Seit dem Abgang von Philippe Gaydoul scheint eine «Klimaerwärmung» spürbar zu sein: v.l.n.r. Nati-Coach Sean Simpson, Verbandspräsident Marc Furrer, Leistungssportchef Pius-David-Kuonen und Nationalmannschafts-Manager Peter Lüthi. Nati-Trainer Sean Simpson will mit seinen Mannen am Deutschland-Cup den Turniersieg. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bereitet sich in Winterthur auf den Deutschland Cup vor. Andres Ambühl ist nach seiner Gehirnerschütterung auch wieder dabei.

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Mittwoch, 7. November, kurz nach 13 Uhr im VIP-Raum der Eishalle Deutweg zu Winterthur. Medientermin vor dem ersten Einsatz der Nationalmannschaft beim Deutschland-Cup in München. In normalen Zeiten ein Pflichttermin, langweilig wie der Besuch bei der Dentalhygienikerin: Es ginge auch ohne. Aber man geht trotzdem hin. Dieser beissende Spott über Nationalmannschafts-Termine im November stammt von der noblen NZZ.

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Doch diesmal gibt es sogar im November rund um die Nationalmannschaft allerbeste Unterhaltung. Vorne am Tisch sitzen, von links nach rechts, Nationaltrainer Sean Simpson, der neue Verbandspräsident Marc Furrer, Leistungsport-Chef Pius-David Kuonen und Nationalmannschafts-Manager Peter Lüthi.

Sie bieten ein Bild der Harmonie und Einigkeit, wie es während der zweijährigen Amtszeit von Präsident Philippe Gaydoul undenkbar gewesen wäre. Es ist der erste öffentliche Auftritt von Sean Simpson nach der verunglückten WM (11. Platz, zum zweiten Mal hintereinander Viertelfinals verpasst) und die vielversprechende Permiere für den neuen Verbandspräsidenten Marc Furrer.

Klimaerwärmung im Verband

Nach der eisigen Arroganz des Milliardärs Philippe Gaydoul, die auch Sean Simpson stark verunsichert hatte, ist der Wechsel bemerkenswert. Sozusagen eine Klimaerwärmung. Eine Perestroika. Der Begriff steht für die Erneuerung der Sowjetunion durch Michail Gorbatschow. Das Wort Perestroika (Erneuerung) mag Marc Furrer nicht hören, bezeichnet es gar als Provokation und sagt: «Mein Vorgänger hat sehr gute Arbeit geleistet. Er hatte seine Art zu führen und zu kommunizieren und ich habe meine Art.»

Auch wenn es der neue Präsident nicht so sieht: Es ist ein tiefgreifender Stilwechsel, den es so von einem Präsidenten zum nächsten nur selten gegeben hat. Diese neue familiäre Atmosphäre und Einigkeit zwischen Verband und Liga und die Autorität von Sean Simpson werden geradezu zelebriert. Gegenseitig werden Argumente ergänzt und gestützt. Nur geschunkelt wurde vorne am Tisch nicht.

Sean Simpson betont, es sei ausschliesslich seine Entscheidung gewesen, für den Deutschland-Cup (mit Partien gegen die Slowakei, Deutschland und Kanada) auf die NHL-Spieler (Weber, Streit, Josi, Sbisa, Brunner, Diaz) zu verzichten. Die Situation in Nordamerika sei nach wie vor offen. «Die NHL-Profis werden erst zum Team kommen, wenn klar sein sollte, dass in der NHL nicht gespielt wird.» An der WM werde er, wenn immer möglich, die Spieler aus der NHL natürlich wieder nominieren. «Wir können es uns gar nicht leisten, auf unsere besten Spieler zu verzichten.» Und bekräftigt erneut, es sei einzig und sein Entscheid gewesen, auf Streit & Co. zu verzichten. Nationalmannschaftsmanager Peter Lüthi ergänzt, Geld (für die Versicherungen) wäre nicht das Problem gewesen.

Es war nicht Simpsons Entscheid

Wie Simpsons Chef Pius-David Kuonen hinterher gegenüber 20 Minuten Online zugibt, war es allerdings mitnichten Simpsons Entscheid, ohne die NHL-Stars nach München zum Deutschland Cup zu fahren: «Man hat uns signalisiert, dass einige NHL-Spieler jetzt nicht zu haben sind. Der SCB hätte beispielsweise Mark Streit gar nicht freigegeben.» Ein Nationaltrainer ist eben bei uns nie ganz frei in seinen Entscheidungen. Das letzte Wort haben immer die von SCB-General Marc Lüthi angeführten Grossklubs.

Sean Simpson, der diese Saison auch das U20-Nationalteam coacht, hat es also nicht leicht. Umso wichtiger ist deshalb für ihn die Verbands-Perestroika. Anders als während den letzten beiden Jahren weiss er unter Philippe Gaydouls Nachfolger Marc Furrer, woran er ist. Der neue Verbandspräsident steht hinter ihm. Der sensible Kanadier bekommt endlich beim Verband das, was ihm zuletzt so sehr gefehlt hat: Unterstützung, Sicherheit, Vertrauen, ja sogar ein bisschen Nestwärme. Ein hochrangiger Verbandsgeneral, dessen Name mir soeben entfallen ist, sagt es so: «Es war zuletzt unter Philippe Gaydoul für alle nicht einfach. Wir wussten nie, woran wir waren.» Mit seinen hohen Leistungsanforderungen und einer gewissen führungspsychologischen Grobmotorik hatte der heutige Besitzer der Kloten Flyers seine Untergebenen zeitweise überfordert.

Simpson muss nichts ändern

Aber jetzt sind ja wieder alle nett zueinander. Sean Simpson will und muss gegenüber den gescheiterten WM-Missionen von 2011 (9.) und 2012 (11.) nichts ändern. Er habe mit seinem Stil eine Mannschaft zu formen und zu führen in der Vergangenheit auch Erfolg gehabt. Was stimmt (Meister mit Zug und München, Gewinn der Champions League und des Victoria Cups). Sein Vertrag läuft noch bis und mit WM 2014.

Die Erkenntnisse aus der vertiefen Analyse des Scheiterns bei der letzten WM lassen sich nach den übereinstimmenden Aussagen von Sean Simpson, Marc Furrer und Pius-David Kuonen salopp so zusammenfassen: Ein Modus, der die Kleinen benachteilige, ein bisschen zu wenig Glück und eine dumme Strafe von Goran Bezina im Spiel gegen Frankreich.

Wir sind also auf dem richtigen Weg und Sean Simpson kann ruhig sein. Er kann nichts dafür. Er hat schliesslich den WM-Modus nicht erfunden und war im Spiel gegen Frankreich nicht Schiedsrichter. Neben Nestwärme also auch noch ein Freispruch für Sean Simpson.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kloten Flyers 1934 am 09.11.2012 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Nationalcoach

    Ich frage mich, warum Herr Zaugg nicht Nationaltrainer wird? ;-)

  • Hockeyfan am 08.11.2012 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Why?

    Sry Herr Zaugg, aber dieser bissig ironische Unterton zu Simpson am Schluss Ihres Artikels ist doch völlig unangebracht.

    • HockeyFan am 08.11.2012 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Welcome to 'Time Out'

      Ist doch normal das Herr Zaugg sowas macht. Er weiss und kann vermutlich alles am besten im Eishockey.

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