«Time-Out»

14. November 2012 07:27; Akt: 14.11.2012 11:12 Print

Den ZSC Lions fehlt das Hartley-Gen

von Klaus Zaugg - NHL-Star Dustin Brown hat die Erwartungen bereits übertroffen. Dennoch verlieren die ZSC Lions gegen den EV Zug 3:5. Die Härte aus der Meistersaison wird vermisst.

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Ein Hockeyspiel wie ein Rockkonzert: Die ZSC Lions sind durch die Anwesenheit von Dustin Brown offensiv so aufgekratzt, dass sie einfach über Zug hinwegfegen. Der erste Einsatz des rauen NHL-Powerstürmers hat eine aufputschende Wirkung. 26 Minuten lang rocken und rollen die ZSC Lions. Tosender Applaus für gelungene Spielzüge und Checks braust durchs weite Rund des Hallenstadions. Der vermeintliche Höhepunkt ist Dustin Browns Treffer zum 3:1.

Aber dieser Höhepunkt ist das Ende. Mit diesem 3:1 hat Dustin Brown auf seine Mitspieler und das Publikum eine ähnliche Wirkung wie einst Kultgitarrist Pete Townshend (The Who) mit dem Zertrümmern seines Instrumentes: Alle danken, jetzt ist es vorbei. Alles entschieden.

Den Betrieb eingestellt

Aber die Konzerte von «The Who» sind dann eben doch weitergegangen und auch das Spiel gegen den EV Zug war nach diesem 3:1 noch lange, lange nicht zu Ende. Dummerweise spielten die Zürcher nun so, als wäre alles schon vorbei. Sie rockten und rollten nicht mehr. Die wuchtige Dynamik ihres Spiels ebbte ab und die Löwen erlitten eine sensationelle Niederlage. Nach neun Siegen in Serie in Meisterschaft und Playoffs verloren sie erstmals wieder gegen den EV Zug.

Die Zuger haben zwar als einziges Team gleich drei Mann in den Top Ten der Strafenliste (Blaser, Helbling, Brunner). Dadurch erwecken sie den statistischen Eindruck eines Rumpelteams. Doch dieser Eindruck täuscht: Die Zuger sind inzwischen Welten von jenem Team entfernt, das mit seiner Härte und Intensität die Liga während der letzten Qualifikation dominiert hat. Sie sind im Herbst 2012 viel gefährlicher, wenn gespielt statt gerumpelt wird. Ja, wenn man sie lässt, geigen die Zuger Philharmoniker offensive Sinfonien. Und genau das war der Fehler der ZSC Lions: Sie wollten nach dem 3:1 auch ein wenig geigen. Aber es war wie ein Wettstreit zwischen Appenzeller Streichmusikern und den Wiener Philharmonikern.

Die unheimlichen vier

Zug hat das spielerisch beste Quartett der Liga. In lichten Momenten zaubern Henrik Zetterberg, Damien Brunner, Linus Omark und Rafael Diaz wie die Russen im letzten Jahrhundert. Dann bilden sie ein spielerisches Bermudaviereck, das eine gegnerische Mannschaft verschwinden lässt. Wenn dann erst noch Jussi Markkanen im Tor besser spielt als der gegnerische Goalie, dann ist in der Innerschweiz sowieso Hockey-Feiertag. Der Finne wehrte 91,43 Prozent der Schüsse ab. Nationalgoalie Lukas Flüeler bloss 85,71 Prozent. Wobei die Statistik etwas ungerecht ist. Gegen einige der Zuger Kunstschüsse war nichts auszurichten.

Was lernen wir also aus diesem überaus unterhaltsamen Spiel? Erstens: Nur wer 60 Minuten lang mit vier Linien rockt und rollt, kann Zug besiegen. Weil nur so verhindert werden kann, dass Doug Shedden ständig sein Zauber-Quartett forciert.

Zweitens: Dustin Brown wird den ZSC Lions noch sehr, sehr viel Freude bereiten. Er trat bei seinem ersten Einsatz seit der Stanley-Cup-Siegesparty gegen Spieler an, die seit gut drei Monaten intensiv trainieren und seit zwei Monaten eine Meisterschaft bestreiten. Er hat also einen mehrmonatigen Trainings- und Spielrückstand. Und trotzdem hat er gleich auf Anhieb dominiert und ein Tor erzielt (1 Tor/4 Strafminuten/-1). Natürlich hat er seine Härte noch nicht justiert. Er muss sich erst an unsere Lauf- und Tempoliga gewöhnen. Das Timing für Checks ist auf den grösseren Eisfeldern schwieriger. Er braucht fünf bis sieben Spiele Anpassungszeit – und dann wird er rocken und rollen und mit seiner Energie die ganze Mannschaft mitreissen.

Drittens: ZSC-Cheftrainer Marc Crawford hätte diese Niederlage verhindern können. Es ist bis unters Hallenstadiondach zu spüren, dass die Intensität im Spiel seiner Mannschaft nachlässt und sich auf der Gegenseite ein Sturm zusammenbraut. In einem solchen Fall ist ein Bandengeneral nicht hilflos. Es gibt Mittel und Wege, die gegnerischen Stars vom Spiel abzulenken. Am einfachsten ist es, mit zwei, drei kernigen Provokationen oder, wenn das nicht hilft, mit inszenierten Schlägereien Emotionen zu entfachen und die Partie wieder zum Rockkonzert zu machen (aber nicht mit Fouls!). Meistertrainer Bob Hartley hätte es getan und am Ende eines wilden Abends wäre Doug Shedden zornig gewesen, die ZSC Lions hätten doch noch gewonnen und Einzelrichter Reto Steinmann hätte heute Arbeit auf seinem Schreibtisch.

Ja, ja, ich weiss, aus einem Spiel im nebligen November sollten wir nicht zu viel herauslesen. Aber bei den ZSC Lions sehe ich viel Marc Crawford und ein bisschen zu wenig Bob Hartley. Die ZSC Lions sind zu weich; den bösesten Zürcher (Seger) finden wir erst auf Rang 28 der Strafenliste. Vielleicht wird Dustin Brown das ja bald ändern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.p am 14.11.2012 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dramatisieren

    Halloooo Herr Zaugg. Es ist nur ein Spiel verloren gegangen znd keine Meisterschaft.

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  • hans am 17.11.2012 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Weichei

    Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn Brunner ohne Gebiss wieder in die Schweiz zurück kehrt. "Die haben mich gecheckt und der Schiri hat nicht wie in der Schweiz gepfiffen, ich bin mich das nicht gewohnt. Denn man durfte mich nicht anfassen, sonst gabs 2Min." Etwa so stelle ich mir seine Aussagen vor, wenn er geprügelt nach Hause kommt.

  • stubi am 14.11.2012 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zaugg?

    bei welchem club und in welcher liga hat zaugg eigentlich je gespielt? welches team je gecoacht? welchen konstruktiven leitumgsnachweis je erbracht?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • hans am 17.11.2012 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    Weichei

    Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn Brunner ohne Gebiss wieder in die Schweiz zurück kehrt. "Die haben mich gecheckt und der Schiri hat nicht wie in der Schweiz gepfiffen, ich bin mich das nicht gewohnt. Denn man durfte mich nicht anfassen, sonst gabs 2Min." Etwa so stelle ich mir seine Aussagen vor, wenn er geprügelt nach Hause kommt.

  • stubi am 14.11.2012 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zaugg?

    bei welchem club und in welcher liga hat zaugg eigentlich je gespielt? welches team je gecoacht? welchen konstruktiven leitumgsnachweis je erbracht?

    • Jorma Peltonen am 15.11.2012 16:25 Report Diesen Beitrag melden

      leitumgsnachweis !?

      Das wissen wir alle nicht, aber bei Dir können wir es erahnen :-)

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  • B. S am 14.11.2012 23:30 Report Diesen Beitrag melden

    Zu früh

    Als der Z ist zur Zeit besser dran als vor einem Jahr. Von einem fehlenden Gen oder so was zu sprechen, ist eindutig verfrüht und wieder mal typisch Klausi - einfach schwach und nicht viel überlegt. Was der ZSC unter Hartley dann in den Playoffs gezeigt hat, ist logischerweise nicht zu übertreffen...man kann ja nicht mehr als Meister werden.

  • hain am 14.11.2012 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Böse...

    ...werden unsere Jungs erst in den Play offs!Und das mit oder ohne "Brownie".Unser Z wird so stark wie noch nie sein,wenns draufankommt diese Saison!

    • Angry bird am 15.11.2012 11:03 Report Diesen Beitrag melden

      Böse?

      Der ZSC gehört dieses jahr zu den talentiertesten Teams in der Schweiz und mag sicher einige Qualitäten haben. Aber jene böse zu sein, gehört definitiv nicht dazu. Da wir einiges von Brown abhängen. Denn ausser Brown sehe ich keinen wirklich bösen Spieler im Kader.

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  • Marco Schär am 14.11.2012 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Von wegen NHL Spieler

    Wo ist denn das Problem bei den Spielern von Zug? Der einzige NHL Spieler der KEINEN laufenden Vertrag bei Zug hat, ist Zetterberg. Sowohl Diaz als auch Brunner haben Vertrag bei Zug, wenn die NHL nicht läuft. Also mal schön den Ball flach halten!

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