«Time-out»

10. November 2012 22:04; Akt: 11.11.2012 17:02 Print

Die Schweizer sind zu weich

von Klaus Zaugg, München - Nationaltrainer Sean Simpson kann immer noch nicht gewinnen, wenn es darauf ankommt. Das 0:2 gegen Deutschland zeigt: Das Schweizer Hockey war einmal mehr zu nahe am Ballett.

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Den Schweizern gelingt ein versöhnlicher Turnier-Abschluss. Sie bezwingen die bisher sieglosen Kanadier gleich mit 6:1. Zwar gingen die Ahornblätter in der 8. Minute in Führung, doch danach diktierten die Eisgenossen das Spielgeschehen. Die erste Linie der Schweizer mit Andres Ambühl, Roman Wick und Ryan Gardner erzielte fünf der sechs Schweizer Tore. Deutschland gewinnt gegen die Schweiz 2:0. Damit sind die Chancen auf den Turniersieg für die «Eisgenossen» Geschichte. Trotz einer soliden Leistung kann auch Reto Berra die Niederlage nicht abwenden. Die Schweiz gewinnt ihr Auftaktspiel am Deutschland-Cup gegen die Slowakei mit 3:2. Die Partie war hartumkämpft. Am Ende kontrollierten die Eisgenossen die Partie allerdings und brachten den Sieg ins Trockene. Am Freitag gilt es ernst für die Schweizer. Dann steht die erste Partie am Deutschland Cup gegen die Slowakei an. Sean Simpson äussert sich erstmals seit der misslungenen WM im Frühjahr (Platz 11) vor den Medien. Vom neuen Verbandspräsidenten Marc Furrer erhält der Kanadier viel Rückendeckung. Seit dem Abgang von Philippe Gaydoul scheint eine «Klimaerwärmung» spürbar zu sein: v.l.n.r. Nati-Coach Sean Simpson, Verbandspräsident Marc Furrer, Leistungssportchef Pius-David-Kuonen und Nationalmannschafts-Manager Peter Lüthi. Nati-Trainer Sean Simpson will mit seinen Mannen am Deutschland-Cup den Turniersieg. Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft bereitet sich in Winterthur auf den Deutschland Cup vor. Andres Ambühl ist nach seiner Gehirnerschütterung auch wieder dabei.

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0:2 gegen Deutschland, nur 24 Stunden nach dem bäumigen 3:2 im Auftaktspiel gegen den WM-Zweiten Slowakei (mit 12 Spielern aus der Finalmannschaft). Die Mütter dieser 0:2-Niederlage sind die alten Gewohnheiten, die uns zunehmend an der WM bereits in entscheidenden Partien der Gruppenspiele scheitern lassen: Läuferisch und technisch sind wir besser und mit einem schönen Lauf- und Tempohockey optisch überlegen. Hinterher gibt es viele gute Gründe, warum man eigentlich der Mannschaft nicht böse sein kann. Weil wenig gefehlt hat. Dort ein zweifelhafter Schiri-Entscheid, hier eine vergebene Torchance und allenthalben kein Glück. So haben wir 2011 und 2012 die WM-Viertelfinals verpasst und nun gegen Deutschland 0:2 verloren.

Es ist stets das gleiche Bild: Vor dem gegnerischen Tor fehlt das Durchsetzungsvermögen. Der Brecher vor dem gegnerischen Tor. Polemisch lässt sich auch sagen: Die Schweizer sind zu weich. Es fehlt der Biss. Kanadas Gotthelf Al Purdy (1918 – 2000) hat einmal gesagt, Eishockey sei eine Mischung aus Ballett und Mord. Wenn wir diese martialische Charakterisierung des grossen Dichterfürsten heranziehen, dann lässt sich sagen: Unser Spiel war gegen die Deutschen wieder einmal zu nahe am Ballett.

Niederlage ernst nehmen

Dieses 0:2 gegen Deutschland ist zwar bloss ein Spiel, das bald im Ozean der Statistik verschwinden wird. In einem Turnier ohne Prestige. Und doch müssen wir es ernst nehmen. Für die internationale Tauglichkeit der Schweiz sind die Partien gegen Deutschland nämlich ein guter Indikator. Stark vereinfacht gesagt: Unter Ralph Krueger hatten wir ab 2004 eine Phase der regelmässigen Siege über Deutschland und schafften die dauerhafte Rückkehr in die erweiterte Weltspitze. Nun haben wir unter Sean Simpson vier der letzten fünf Partien gegen Deutschland verloren, und zuletzt sind wir an der WM gerade noch auf Platz 11 gekommen. Das schwächste Resultat seit 1997. Die entscheidenden Partien an einer WM laufen eben oft nach dem gleichen taktischen Grundmuster ab wie Spiele gegen Deutschland. So gesehen ist dieses 0:2 kein gutes Omen für die WM 2013.

Ralph Krueger hatte unser Hockey in der Bewertungsskala von Al Purdy vom Ballett weg und hin zum Mord gerückt. Das Resultat war ein hässlich-langweiliges, aber wirkungsvolles Defensiv-Hockey, das uns zwar auch nicht immer, aber doch häufig ins WM-Viertelfinale und dreimal hintereinander ins Olympia-Viertelfinale brachte. Nun hat Sean Simpson unser Hockey mehr Richtung Ballett verschoben. Er trägt so den grossen spielerischen Fortschritten unseres Hockeys Rechnung. Aber die Resultate stimmen nicht mehr. Zuletzt haben wir zweimal hintereinander die WM-Viertelfinals verpasst.

Physisch stark, technisch schwach

Die kräftigen Deutschen pflegen Eishockey zu arbeiten, nicht zu spielen. Es ist ein gut strukturiertes Rumpelhockey. Wie wenig sie spielerisch drauf haben, mag zeigen, dass sie bei fünf gegen fünf Feldspieler den starken Reto Berra nicht zu bezwingen vermochten. Das wegweisende 1:0 fiel im Powerplay (5 gegen 3) und das 2:0 ins leere Tor. Beim Deutschen Rumpelhockey sind Zweikampfstärke, Wille, Kraft wichtiger als Talent und Tempo.

Dieses 0:2 hinterlässt einen einigermassen ratlosen Nationaltrainer. «Ich habe der Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass Charakter entscheiden wird. Es mag sein, dass wir früher gegen die Deutschen nicht genug Charakter gezeigt haben. Aber dieses Mal war es sicherlich nicht der Fall.»

Nicht die bestmögliche Mannschaft

Die Resultate sollten bei diesem Deutschland Cup im Vordergrund stehen. Deshalb hat Sean Simpson für den Deutschland Cup nicht mehr ein «B-Nationalteam» aus jungen Spielern aufgeboten wie vor zwei Jahren. Sondern ein konkurrenzfähiges Team. Nicht die bestmögliche Mannschaft. Die steht während der Saison sowieso nie zur Verfügung. Einige der besten Verteidiger und Topskorer Damien Brunner fehlen. Von der Mannschaft, die an der letzten WM gescheitert ist, sind in München sieben Spieler dabei. Nominell sind die Schweizer hier in München so gut, dass ein Sieg gegen Deutschland gefordert werden durfte. Die letzte Partie des diesjährigen Deutschland Cups spielen die Schweizer heute Sonntag gegen das aus DEL-Spielern (keine NHL-Profis) zusammengestellte Team Canada (13.00 Uhr).

0:2 gegen Deutschland. Beim ersten, echten Test in dieser Saison hat Sean Simpson verloren. So viele gute Gründe es auch geben mag, dieses 0:2 zu entschuldigen – am Ende des Tages zählt eben nur das Resultat. Der Nationaltrainer muss Mittel und Wege finden, um solche Spiele zu gewinnen. Ein Rezept hat er nicht parat. Aber er sagt: «Wir arbeiten daran.»

Wenn Sean Simpson bei der WM 2013 die Viertelfinals zum dritten Mal in Serie verpasst, ist sein Job in Gefahr. Trotz Vertrag bis und mit WM 2014.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Simon Kaiser am 12.11.2012 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    ...seit Jahren

    Das war schon vor 10 Jahren so und wird wohl auch noch in 10 Jahren so sein. Solange man in unserer Liga nach jedem Check eine Strafe pfeifft, wird sich das auch nie ändern...

    • Felice Limacher am 12.11.2012 17:53 Report Diesen Beitrag melden

      Übertreiben ...

      Sowohl die Anzahl Jahre, wie auch die Bezeichnung "jedem", sind wohl arg übertrieben ...

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  • Edgar Salis am 11.11.2012 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu weich

    Kein Wunder wenn man für einen regulären Check 8 Spielsperren erhält ( Ambühl / Blaser ) Das ist die Quittung

    • Bobillier am 13.11.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      Korrekt

      Da bin ich ganz deiner Meinung. Allerdings sind hier auch die Medien zu erwähnen, das war unglaublich wie z.B. ein Boulevardblatt vehement 10 Spielsperren forderte... Zaugg hat aus meiner Sicht nicht unrecht mit seiner Analyse, gegen Schland sind wir zu weich.

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  • 43985j3 am 11.11.2012 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    skdfnj

    Man sollte den NLA Spielern einfach besser beibringen, wie man sich im Zweikampf verhalten muss. So könnte man härter Spielen lassen, hätte aber nicht mehr Verletzte. Ich meine zum Bsp. was Ambühl gegen Zug gemacht hat war einfach nur dumm. Man hätte den EVZ Spieler niemals bestrafen dürfen und somit auch ein Zeichen setzen können aber der Herr Einzelrichter ist einfach total unfähig irgend etwas richtig zu machen.

  • Jürg Dinget5schweiler am 11.11.2012 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig klever vor dem Tor !

    Ja Herr Zaugg, diesmal bin ich mit Ihrer Haltung einverstanden. Jedoch sind die Schweizer vor dem Tor zu wenig klever. Wenn der Center schon allein vor dem Torhüter steht, den Pass von aussen bekommt und dann wie wild mit dem Puck auf den ausgefahren Schohner des Torhüters schlägt, kann die Scheibe nicht hineingehen. Eine normale physikalische Grundregel. Wenn der Stürmer clever reagiert hätte und die Scheibe gelupft hätte, wäre sie wohl im Tor gelandet. Ein Phenomen dass wir auch immer wieder in der NLA sehen. Ich frage mich ob alle Spieler so doof sind.

  • W. Gretzky am 11.11.2012 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    AIs Hoki

    Kommt mal runter die deutschen sind nicht schlechter als wir..

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