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21. Mai 2011 10:29; Akt: 21.05.2011 20:05 Print

Wahnsinn mit Schläpfer-BonusWahnsinn mit Schläpfer-Bonus

von Klaus Zaugg - Harry Rogenmoser wird Trainer der Lakers. Endlich ist der «Hockey-Rassismus» überwunden.

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Wie kann es sein, dass ein ehemaliger Spieler ohne Trainer-Erfahrung gleich eine NLA-Mannschaft führen darf? Ist es ein Wahnsinn? Tatsächlich gehen die Lakers auf den ersten Blick ein enormes Risiko ein. Das Wort Wahnsinn ist bei dieser Trainerwahl auf den ersten Blick nicht zu hoch gegriffen. Denn Rogenmoser ist für diesen Job beruflich nicht qualifiziert. Oder etwa doch?

Umfrage
Ist Harry Rogenmoser der richtige Trainer für die Lakers?
26 %
34 %
40 %

Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass Rogenmoser bei diesem Job nicht in zu grossen Schuhen stehen muss. Erstens hat Rogenmoser bei der Rettung in den Playouts bereits eine Schlüsselrolle gespielt. Er kennt Extremsituationen bereits aus nächster Nähe.

Aber da ist zweitens noch etwas anderes: Jahrzehntelang haben in unserem Hockey nordamerikanische Trainer Teams übernommen, die höchstens gleich gut qualifiziert waren wie Rogenmoser. Oder noch weniger gut. Aber der starker Akzent beim Versuch Deutsch zu radebrechen, machte sie sexy. Weil alles gut war, was von Nordamerika kam. Qualifikationen? Ach was! Da genügten diffuse Angaben über angebliche Diplome und die Erfahrungen als Spieler beschränkten sich oft auf drittklassige Farmteamligen.

Vorurteile gegen Schweizer Trainer

Jahrelang haben sich gut qualifizierte Schweizer Trainer zu Recht geärgert, dass sie keine Chance bekommen. 40 Jahre lang berührte kein Schweizer Trainer den Meisterpokal. Bibi Torriani holte 1962 mit Visp den Titel. Erst 2002 gewann mit Arno Del Curto wieder ein Schweizer Trainer die Meisterschaft.

Schweizer Trainer sind immer wieder das Opfer unseres «Hockey-Rassismus» geworden: Des Vorurteils, dass ein Schweizer kein guter Trainer sein kann. Es hat Jahrzehnte gebraucht, um diesen Rassismus zu überwinden. Es brauchte die Pionierarbeit eines Simon Schenk (Nationaltrainer), Rolf Altdorfer (Aufsteiger mit Olten), Ueli Schwarz (TV-Analyst, Coach, Manager bei verschiedenen Teams), Roland von Mentlen (u.a. Manager der Meisterteams in Bern und Kloten) Alfred Bohren, Jakob Kölliker (Klubtrainer und erfolgreiche Junioren-Nationalcoaches) oder Christian Weber (offensiver Kulttrainer) um eine Schweizer Eishockeykultur auf Trainerebene zu entwickeln. Arno Del Curtos Status als Kult- und Meistertrainer in Davos hat die Sache der Schweizer Trainer noch einmal ein Stück vorangebracht und Kevin Schläpfers Erfolg in Biel dürfte die letzten Zweifel beseitigt haben: Schläpfer hat mit Biel zweimal die Liga-Qualifikation gewonnen – und beim zweiten Mal die Bieler gerettet, als Kulttrainer Kent Ruhnke gescheitert war. Wenn Schläpfer eine Situation zu meistern vermag, die selbst einen wie Ruhnke überfordert – dann sind Schweizer Trainer auf eine Stufe mit den Nordamerikanern zu stellen.

Rogenmosers Anstellung als Cheftrainer der Lakers ist also Wahnsinn mit Schläpfer-Bonus. Das Risiko ist nicht grösser als bei der Anstellung eines Finnen, Kanadiers, Amerikaners oder Schweden. Die Übernahme des Cheftrainerpostens bei den Lakers ist nach den Jahren des Chaos nämlich so oder so ein Wahnsinn. Ganz unabhängig vom Pass und der Erfahrung.