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«Time out»
10. Oktober 2011 07:27; Akt: 10.10.2011 08:47 Print
Auch in New York Berner geblieben
von Klaus Zaugg - Mark Streit ist ganz oben angekommen: Captain der New York Islanders und Dollarmillionär. Aber im Wesen ist er immer noch bernischer denn je. Vielleicht ist das sein Erfolgsgeheimnis.
Die Hockey-Bibel «The Hockey News» orakelte, der junge Flügel Kyle Okposo (23) könnte neuer Captain bei den New York Islanders werden. «Alles Spekulationen», sagt Cheftrainer Jack Capuano gegenüber 20 Minuten Online. «Für uns war nach dem Rücktritt von Doug Weight klar, dass Mark Streit unser neuer Captain wird.» Er schätzt am Schweizer nicht nur die spielerische Klasse. Sondern auch die starke Persönlichkeit und die Fähigkeit, die Stimmung in der Mannschaft zu spüren. Keine Frage: Mark Streit geniesst allerhöchste Wertschätzung. Vom Management. Vom Trainer. Von den Mitspielern.
Bildstrecken So schön können Eishockey-Shirts seinEs ist die Krönung einer erstaunlichen Karriere. Beim SC Bern glaubte Sportchef Bill Gilligan nicht an eine NLA-Karriere und transferierte Mark Streit deshalb 1995 noch im Juniorenalter für 40 000 Franken Transfersumme zu Fribourg-Gottéron. Beim ersten Anlauf in Nordamerika kam Mark Streit 1999 nicht über die AHL hinaus und wurde für zwei Monate sogar in die drittklassige East Coast Hockey League zu den Tallahassee Tiger Sharks relegiert.
Dieses Team gibt es nicht mehr. Dort war der Berner mit 1800 Dollar im Monat entlöhnt worden. Heute kassiert er bei den New York Islanders im Monat fast 400 000 Dollar. «Damals habe ich meine Schwächen erkannt. Ich war zu wenig kräftig.» Er habe sich einen persönlichen Fitnesstrainer gesucht, mit dem er heute noch zusammenarbeite.
Nie zufrieden
Den NHL-Traum hat Mark Streit nie aufgegeben. Er sei ja an den Weltmeisterschaften oft gegen NHL-Profis angetreten, und es habe ihn gewurmt, dass er nicht in dieser Liga spielen dürfe. «Ich war nie zufrieden, ich wollte mich immer weiter verbessern.» Nun ist er ganz oben angelangt. Als nächstes und letztes Ziel bleibt der Stanley Cup. «Zuerst müssen wir die Playoffs erreichen», gibt Mark Streit zu bedenken. «Aber dann ist alles möglich.»
So unwahrscheinlich im Oktober 2011 ein Stanley Cup-Sieg mit der aktuellen Mannschaft auch sein mag: Die Islanders sind vom Stanley Cup weniger weit entfernt als Mark Streit im Herbst 1999 von einem Captain-Amt in der NHL. Er ist der erste Spieler in der modernen NHL-Geschichte, der es aus der drittklassigen East Coast Hockey League heraus zum Captain eines NHL-Teams gebracht hat.
Sich selbst treu geblieben
Mark Streit ist inzwischen fern der Heimat in Nordamerika, in New York, zu einer der grössten Spielerpersönlichkeiten unserer Sportgeschichte gereift. Und ist Berner und sich selbst treu geblieben. Ich erinnere mich an einen Vormittag im Februar 2000 in Hamilton. Weil er beim AHL-Team Springfield überzählig war, hatten wir am Spieltag Zeit zum Plaudern. Er wirkt zwar heute ein bisschen ruhiger, selbstsicherer und gelassener als damals. Immerhin wird er am 12. November 34 Jahre alt. Aber das Geld und der Status als NHL-Captain haben ihn nicht verändert. Er ist bescheiden und höflich wie immer. Keine Spur von Arroganz. Er lebt in Amerika weiterhin nach dem Lebensprinzip der echten Berner: «Lifere, nid lafere».
Streit hat auch mit Millionen auf dem Bankkonto seinen Lebensstil nicht geändert. Er lebt als Dollarmillionär nicht aufwendiger als einst bei den ZSC Lions. Jegliche Form des Prahlens und Protzens ist ihm völlig fremd. Er hat nie abgehoben – und wird nie abheben. Auch das ist ein Teil seines Erfolgsgeheimnisses. Und die Verbindung mit der Stadt Bern ist nie abgerissen: Mark Streit hat im Sommer vier Monate zu Hause verbracht und die ersten Eistrainings mit dem SCB absolviert. Draussen in der Elfenau, im schönsten Teil der Stadt, in der Nähe der Anlage des Tennis Club «Lawn» am Rande des Dälhölzliwaldes, hat er eine Eigentumswohnung gekauft. Den Alterssitz hat er also schon. Beim Tennisspielen lernte er im Sommer seine neue Freundin kennen und lebt jetzt in einer interkontinentalen Fernbeziehung.
Gedanken an Peter Jaks
Mark Streit ist ein erfolgreicher Reisender zwischen zwei Welten. Bern und New York. Amerikanischer als die Amerikaner, wenn es darum geht, sich in der härtesten Liga der Welt zu behaupten. Und doch im Bernbiet geerdet. Ein Berner in New York.
Ja, bald einmal dreht sich unser Gespräch nicht mehr um den völlig missglückten Saisonauftakt (0:2 gegen Florida), um die Schwierigkeiten einer Rückkehr nach einem Jahr Wettkampfpause. Ja, die Tragödie von Peter Jaks beschäftigt auch Mark Streit. Zwei Jahre spielte er mit Jaks bei den ZSC Lions: «Wir kannten alle auch seine drei Töchter und ich habe oft gedacht: Das ist eine glückliche Musterfamilie.»
Eine Antwort auf die Frage warum Peter Jaks freiwillig aus dem Leben geschieden ist, hat auch Mark Streit nicht. Niemand hat eine Antwort auf diese Frage.
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Alle 6 Kommentare
































Sportler des Jahres
Langsam wird es höchste Zeit das Mark Streit Schweizer Sportler des Jahres wird !! Oder reicht das erreichte noch nicht ?!!
Wahnsinn!
Was der Typ geleistet hat, was er durchmachen musste (drittklassige Liga) und jetzt ist er im Hockeyolymp angkommen. Ich gratuliere dem sympathischen Kantonsgenossen und wünsche ihm noch eine lange, erfolgreiche Karriere in Übersee. Ich drücke ihm die Daumen, dass es einmal in seiner Karriere zum Stanley Cup reicht, das hätten sie sich redlich verdient, die Islanders.
Streit
... ist ein Modellathlet. Super umgänglicher Zeitgenosse und ein genialer Sportler. Absolut genial was er schon alles erreicht hat. Hoffentlich führ er die Islanders dieses Jahr in die Playoffs.