«Time out»

10. Oktober 2011 07:27; Akt: 10.10.2011 08:47 Print

Auch in New York Berner gebliebenAuch in New York Berner geblieben

von Klaus Zaugg - Mark Streit ist ganz oben angekommen: Captain der New York Islanders und Dollarmillionär. Aber im Wesen ist er immer noch bernischer denn je. Vielleicht ist das sein Erfolgsgeheimnis.

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(*1977), Verteidiger, New York Islanders. Der Berner verpasste die ganze letzte Saison wegen einer Schulterverletzung. Der drittbeste Skorer der Islanders der Saison 2009/2010 (als Verteidiger notabene) will nun neu durchstarten. Als erster Schweizer überhaupt ist er Captain eines NHL-Teams. (*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. War letzte Saison eigentlich die unbestrittene Nummer 1 der «Enten», doch dann liessen ihn plötzlich seltsame Gleichgewichtsstörungen ausfallen. Diese scheinen überwunden zu sein. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Erhielt im März 2011 einen Millionenvertrag, der ihn für weitere vier Jahre an die «Ducks» bindet. Der Zuger hat sich in der NHL durchgesetzt. (l., *1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. seit 2008 bei den «Habs». In den ersten beiden Jahren jeweils für rund eine Handvoll Partien in der NHL im Einsatz, sonst im Farmteam. 2010/2011 kam Weber dann auf 41 Einsätze (plus 3 Playoff-Partien), was ihm einen neuen Zweijahresvertrag einbrachte. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Erstrunden-Draft erhielt während dem Trainingscamp 2010 einen Dreijahresvertrag und begann die Saison in der NHL. Doch nach nur 9 Spielen musste «El Niño» zurück zu den Junioren. Die Chancen standen gut, die Saison 2011/2012 als Stammspieler der Islanders in Angriff zu nehmen. Doch Niederreiter verletzte sich und wurde deshalb vorerst im AHL-Farmteam aufgebaut. Nach sechs Spielen kehrte er am 14. November zu den Islanders zurück. (l., *1986), Verteidiger, Montreal Canadiens. Mit seinen guten Leistungen an der WM in der Slowakei erspielte sich der Zuger einen Einjahres-Zweiweg-Vertrag bei den «Habs». Der 25-Jährige war auch von Chicago umworben worden. Am 6. Oktober kam Diaz zum Saisonauftakt gegen Toronto (0:2) zu seinem NHL-Debüt und steht seither regelmässig im Kader der Kanadier. (l., *1990), Verteidiger, Nashville Predators. Die erste Saison in Übersee verlief für den Berner nicht nach Wunsch. Er brach sich in der Vorbereitung das Handgelenk und verbrachte daraufhin die gesamte Spielzeit in der AHL bei den Milwaukee Admirals. Auch die zweite Übersee-Saison begann für Josi nicht optimal. Erneut hat er sich im Trainingscamp verletzt. Offiziell war von einer Oberkörperverletzung die Rede, doch eigentlich ist es eine Hirnerschütterung. Die dritte in Josis noch junger Karriere. Am 2. Oktober wurde der Berner deshalb erneut ins Farmteam geschickt. Er darf aber trotzdem auf NHL-Einsätze hoffen. Am 26. November 2011 kam Josi gegen Detroit zu seinem Debüt für die Nashville Predators. (*1992), linker Flügel, Calgary Flames. Der Erstrunden-Draft konnte sich im diesjährigen Trainingscamp knapp nicht durchsetzen. Er wurde zurück zu den Junioren nach Portland geschickt. Bärtschi war der letzte Kreativspieler, der den Kaderschnitt nicht überstand. Nach einer starken Saison mit den Junioren wurde der Langenthaler am 8. März doch noch in die NHL berufen, wo er tags darauf gegen die Winnipeg Jets zum Debüt kam. (*1990), rechter Flügel, Montreal Canadiens. Wurde 2010 doch etwas überraschend ins Trainingscamp der Florida Panthers eingeladen, verbrachte die Saison aber bei den OHL-Junioren der Oshawa Generals. Dort hinterliess der Berner eine derart gute Visitenkarte, dass er von den Montreal Canadiens einen Dreijahresvertrag erhielt. Der 20-Jährige, der nicht gedraftet wurde, konnte sich den Verein gar aus mehreren Offerten aussuchen. Dennoch ist Berger noch nicht für einen Platz in der NHL reif. Die «Habs» haben ihn aus dem Trainingscamp ins Farmteam zu den Hamilton Bulldogs abgeschoben. , (*1978), Torhüter, St. John's IceCaps (AHL). Nach vier Saisons Abstinenz wollte es der Freiburger noch einmal in der NHL versuchen und unterschrieb einen Probevertrag bei den Winnipeg Jets. Der Stanley-Cup-Sieger von 2001 mit Colorado schaffte es nicht ins Team des NHL-Neulings - am 4. Oktober einigte er sich mit dem AHL-Farmteam St. John's IceCaps auf einen Vertrag. Damit wahrt sich Aebischer die Chance auf ein NHL-Comeback auf Umwegen. (*1989), Torhüter, Montreal Canadiens. Die NHL ist für den jungen Schweizer Keeper nach wie vor zu weit entfernt. Mayer wird die Saison erneut im Farmteam bei den Hamilton Bulldogs bestreiten. Immerhin kam er wie im Vorjahr bei einem Testspiel der «Habs» zum Einsatz.

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Die Hockey-Bibel «The Hockey News» orakelte, der junge Flügel Kyle Okposo (23) könnte neuer Captain bei den New York Islanders werden. «Alles Spekulationen», sagt Cheftrainer Jack Capuano gegenüber 20 Minuten Online. «Für uns war nach dem Rücktritt von Doug Weight klar, dass Mark Streit unser neuer Captain wird.» Er schätzt am Schweizer nicht nur die spielerische Klasse. Sondern auch die starke Persönlichkeit und die Fähigkeit, die Stimmung in der Mannschaft zu spüren. Keine Frage: Mark Streit geniesst allerhöchste Wertschätzung. Vom Management. Vom Trainer. Von den Mitspielern.

Es ist die Krönung einer erstaunlichen Karriere. Beim SC Bern glaubte Sportchef Bill Gilligan nicht an eine NLA-Karriere und transferierte Mark Streit deshalb 1995 noch im Juniorenalter für 40 000 Franken Transfersumme zu Fribourg-Gottéron. Beim ersten Anlauf in Nordamerika kam Mark Streit 1999 nicht über die AHL hinaus und wurde für zwei Monate sogar in die drittklassige East Coast Hockey League zu den Tallahassee Tiger Sharks relegiert.

Dieses Team gibt es nicht mehr. Dort war der Berner mit 1800 Dollar im Monat entlöhnt worden. Heute kassiert er bei den New York Islanders im Monat fast 400 000 Dollar. «Damals habe ich meine Schwächen erkannt. Ich war zu wenig kräftig.» Er habe sich einen persönlichen Fitnesstrainer gesucht, mit dem er heute noch zusammenarbeite.

Nie zufrieden

Den NHL-Traum hat Mark Streit nie aufgegeben. Er sei ja an den Weltmeisterschaften oft gegen NHL-Profis angetreten, und es habe ihn gewurmt, dass er nicht in dieser Liga spielen dürfe. «Ich war nie zufrieden, ich wollte mich immer weiter verbessern.» Nun ist er ganz oben angelangt. Als nächstes und letztes Ziel bleibt der Stanley Cup. «Zuerst müssen wir die Playoffs erreichen», gibt Mark Streit zu bedenken. «Aber dann ist alles möglich.»

So unwahrscheinlich im Oktober 2011 ein Stanley Cup-Sieg mit der aktuellen Mannschaft auch sein mag: Die Islanders sind vom Stanley Cup weniger weit entfernt als Mark Streit im Herbst 1999 von einem Captain-Amt in der NHL. Er ist der erste Spieler in der modernen NHL-Geschichte, der es aus der drittklassigen East Coast Hockey League heraus zum Captain eines NHL-Teams gebracht hat.

Sich selbst treu geblieben

Mark Streit ist inzwischen fern der Heimat in Nordamerika, in New York, zu einer der grössten Spielerpersönlichkeiten unserer Sportgeschichte gereift. Und ist Berner und sich selbst treu geblieben. Ich erinnere mich an einen Vormittag im Februar 2000 in Hamilton. Weil er beim AHL-Team Springfield überzählig war, hatten wir am Spieltag Zeit zum Plaudern. Er wirkt zwar heute ein bisschen ruhiger, selbstsicherer und gelassener als damals. Immerhin wird er am 12. November 34 Jahre alt. Aber das Geld und der Status als NHL-Captain haben ihn nicht verändert. Er ist bescheiden und höflich wie immer. Keine Spur von Arroganz. Er lebt in Amerika weiterhin nach dem Lebensprinzip der echten Berner: «Lifere, nid lafere».

Streit hat auch mit Millionen auf dem Bankkonto seinen Lebensstil nicht geändert. Er lebt als Dollarmillionär nicht aufwendiger als einst bei den ZSC Lions. Jegliche Form des Prahlens und Protzens ist ihm völlig fremd. Er hat nie abgehoben – und wird nie abheben. Auch das ist ein Teil seines Erfolgsgeheimnisses. Und die Verbindung mit der Stadt Bern ist nie abgerissen: Mark Streit hat im Sommer vier Monate zu Hause verbracht und die ersten Eistrainings mit dem SCB absolviert. Draussen in der Elfenau, im schönsten Teil der Stadt, in der Nähe der Anlage des Tennis Club «Lawn» am Rande des Dälhölzliwaldes, hat er eine Eigentumswohnung gekauft. Den Alterssitz hat er also schon. Beim Tennisspielen lernte er im Sommer seine neue Freundin kennen und lebt jetzt in einer interkontinentalen Fernbeziehung.

Gedanken an Peter Jaks

Mark Streit ist ein erfolgreicher Reisender zwischen zwei Welten. Bern und New York. Amerikanischer als die Amerikaner, wenn es darum geht, sich in der härtesten Liga der Welt zu behaupten. Und doch im Bernbiet geerdet. Ein Berner in New York.

Ja, bald einmal dreht sich unser Gespräch nicht mehr um den völlig missglückten Saisonauftakt (0:2 gegen Florida), um die Schwierigkeiten einer Rückkehr nach einem Jahr Wettkampfpause. Ja, die Tragödie von Peter Jaks beschäftigt auch Mark Streit. Zwei Jahre spielte er mit Jaks bei den ZSC Lions: «Wir kannten alle auch seine drei Töchter und ich habe oft gedacht: Das ist eine glückliche Musterfamilie.»

Eine Antwort auf die Frage warum Peter Jaks freiwillig aus dem Leben geschieden ist, hat auch Mark Streit nicht. Niemand hat eine Antwort auf diese Frage.

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  • ein Bewunderer am 10.10.2011 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sportler des Jahres

    Langsam wird es höchste Zeit das Mark Streit Schweizer Sportler des Jahres wird !! Oder reicht das erreichte noch nicht ?!!

  • Hans Muster am 10.10.2011 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wahnsinn!

    Was der Typ geleistet hat, was er durchmachen musste (drittklassige Liga) und jetzt ist er im Hockeyolymp angkommen. Ich gratuliere dem sympathischen Kantonsgenossen und wünsche ihm noch eine lange, erfolgreiche Karriere in Übersee. Ich drücke ihm die Daumen, dass es einmal in seiner Karriere zum Stanley Cup reicht, das hätten sie sich redlich verdient, die Islanders.

  • Simon Kaiser am 10.10.2011 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Streit

    ... ist ein Modellathlet. Super umgänglicher Zeitgenosse und ein genialer Sportler. Absolut genial was er schon alles erreicht hat. Hoffentlich führ er die Islanders dieses Jahr in die Playoffs.