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18. Oktober 2011 10:28; Akt: 18.10.2011 10:41 Print
Auf den Spuren eines Meistertrainers
von Klaus Zaugg - Hans Kossmann (49) ist der neue John Fust (39). Und er beweist: Manchmal ist ein cleverer Nobody der bessere Trainer als ein ehemaliger Star.

Fribourg-Trainer Hans Kossmann hat im Moment gut Lachen. (Bild: Keystone/AP)
Weder John Fust noch Hans Kossmann waren als Spieler eine grosse Nummer. Beide verkörperten den genau gleichen Stürmer-Typ: Langsam, aber schlau. Teuflisch schlau. Fust galt bei den SCL Tigers zeitweise sogar als bester langsamer Stürmer der NLA. Kossmann in Bülach und Rapperswil-Jona als bester langsamer Stürmer der NLB. Für den Job eines Ausländers wären beide nicht einmal in der NLB gut genug gewesen. Sie sind in der Nationalliga zu Profiverträgen gekommen, weil sie kanadisch-schweizerische Doppelbürger sind.
John Fust hatte als Coach Erfolg in der NLB (Visp). Aber den Job in Langnau hat er nur bekommen, weil Trainer Christian Weber die Option nützte, um bei den SCL Tigers vorzeitig aus einem weiter laufenden Vertrag auszusteigen. Wie wir heute wissen, hat er damit seine Trainer-Karriere ruiniert.
Vom Hintergrund in den Vordergrund
Hans Kossmann hat als Assistent von Chris McSorley und Larry Huras das Trainerhandwerk erlernt und so mit Servette das Playoffinale erreicht und mit dem SC Bern den Titel gefeiert. Aber er ist bei Gottéron nur Trainer geworden, weil Bob Hartley und Slawa Bykow abgesagt haben.
Hans Kossmann hat in Bern noch etwas gelernt: Den Umgang mit den Schillerfaltern Christian Dubé und Simon Gamache. Ein Trainer muss sie behandeln wie Schmetterlinge in den hohlen Händen: Drückt er zu stark, brechen die offensiven Flügel, drückt er zu wenig stark, flattern sie davon. Dieses Wissen ist unbezahlbar: Es ist kein Zufall, dass bei Gottéron Schillerfalter Andrey Bykow endlich sein bestes Hockey spielt und Teamtopskorer ist: Zum ersten Mal in der Geschichte sind Vater (Slawa Bykow) und Sohn (Andrej Bykow) Topskorer beim gleichen Team.
Im Wesen und Wirken sind Hans Kossmann und John Fust verblüffend ähnlich. Beide sind starke Persönlichkeiten. Aber weil sie als Spieler nie Stars waren, ist das Ego klein und braucht wenig Streicheleinheiten und lässt Selbstironie zu. Beide haben einen Sinn für nordamerkanisch-britischen Humor, bisweilen auch für ein wenig Sarkasmus. Beide sind sehr starke Kommunikatoren. Sie können in wenigen, holzschnittartigen Sätzen und guter Bildsprache den Spielern erklären, was erwartet wird. Und beide können, so es nötig ist, auch toben. Sie erstarren nicht in Ehrfurcht vor ihren Stars.
Die Handschriften tragen Früchte
John Fust und Hans Kossmann haben sehr ähnliche Jobs: Sowohl die SCL Tigers als auch Fribourg-Gottéron waren bei ihrem Amtsantritt defensiv verwahrlost. Die Langnauer hatten unter Christian Weber nicht einmal als offensiv stärkstes Team der Liga die Playoffs erreicht. Und Fribourg-Gottéron ist geradezu legendär für offensive Feuerkraft und schludrige Defensivarbeit. Der einzige Trainer, der Gottéron seit dem Aufstieg von 1980 das Defensivspiel beizubringen vermochte, heisst Gaston Pelletier. Der Aufstiegstrainer von 1980.
Es gibt noch eine Parallele zu 1980. Im damaligen Aufstiegsfrühjahr und in den ersten NLA-Jahren hatte Fribourg-Gottéron letztmals einen überdurchschnittlichen Torhüter mit Schweizer Pass. Damals war es Robert «Robelon» Meuwly, heute ist es Cristobal Huet. Dazwischen gab es zwar grosse Goalies (zuletzt Sébastien Caron) – aber die brauchten jeweils eine Ausländerlizenz, die für Feldspieler fehlte.
John Fust und Hans Kossmann habe noch eine Gemeinsamkeit: Sie kennen die verschiedenen Mentalitäten in unserem Hockey. Keiner ist ein Taktiker, der meint, seine Hockeylehre sei die einzig seligmachende auf dem Planeten Hockey. Beide verlangen defensive Disziplin. Aber beide wissen auch, dass Offensivspieler Freiheiten brauchen. In defensiven Ketten kann keiner ein offensives Spektakel inszenieren. Es ist kein Zufall, dass in Langnau wie in Fribourg zurzeit je ein Schweizer Spieler von diesen offensiven Freiheiten profitiert und den gelben Helm des Topskorers trägt: Simon Moser in Langnau und Andrej Bykow bei Gottéron. Und auch Julien Sprunger spielt unter Hans Kossmann endlich wieder sein bestes Hockey.
Kossmann kann noch mehr erreichen
John Fust gelang in der letzten Saison die perfekte Balance zwischen Offensive und Defensive und bescherte Langnau die ersten NLA-Playoffs. In dieser Saison hat er damit noch ein wenig Mühe, hat aber soeben bravourös mit Siegen gegen Davos (h) und Servette (a) eine Krise abgewednet. Hans Kossmann hat diese Balance gefunden und Gottéron erstmals seit 1998 wieder an die Tabellenspitze der NLA geführt. Mehr noch: Wenn es ihm gelingt, diese Balance zu halten, kann Gottéron erstmals seit dem verlorenen Playof-Finale von 1994 wieder um den Titel spielen. Gottéron ist dreimal hintereinander im Finale gescheitert: 1992 am SC Bern, 1993 und 1994 an Kloten. Auch deshalb, weil Torhüter Dino Stecher (heute Trainer-Assistent in Biel) im entscheidenden Augenblick die Fanghand gezittert hat. Jetzt steht mit Cristobal Huet ein Goalie im Kasten, der mit Lugano die NLA und mit Chicago den Stanley Cup gewonnen hat.
Die SCL Tigers galten als «Unplayoffbar» bis John Fust gekommen ist. Der HC Fribourg-Gottéron gilt als «Unmeisterttitelbar» – als Team, das einfach nicht Meister werden kann. Aber jetzt ist Hans Kossmann da. Er kann ein Meistertrainer werden, wenn die Hockeygötter Gottéron nicht wieder mit irgendeiner Gemeinheit bestrafen. Beispielsweise indem sie einem NHL-Manager den Unsinn in den Kopf setzen, Torhüter Cristobal Huet zu verpflichten: Huet steht noch bis Saisonende bei Chicago unter Vertrag und kann theoretisch jederzeit von Chicago zurückgeholt oder einem anderen NHL-Team verpflichtet werden.
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Alle 13 Kommentare

































3 Punkte,...
...die Zaugg mindestens als Gotteron-Banause entlarven: 1) Dubé und Gamache bilden den schlechtesten Sturm Gottérons. 2) Stecher spielte jeweils grosse Saisons, um in den Playoffs zu enttäuschen - genau wie Huet meistens auch. 3) (Plüss,) Bykov und Sprunger sind immer stark. Sie sind das Gegenteil von Schillerfaltern und DER Baustein, wenn Gotteron erfolgreich sein will.
Dubé + Gamache = schlecht???
Da muss ich dir aber wiedersprechen! Dubé und Gamache sind bei Weitem nicht der schlechteste Sturm! Von schlecht sollte man auch nicht reden, da nicht jeder Sturm eine so offensive Ausrichtung hat wie Sprunger, Bykov und Plüss. Die 3te Sturmlinie beispielsweise hat zwar weniger Tore erziehlt aber es ist auch nicht ihre primäre Aufgabe. Und das Forechecking, welches Gamache an den Tag legt ist sehr gut. Dubé war verletzt, sonst wäre seine Statistik auch besser. Rosa zeigt ja auch was er kann. Und ja ich bin regelmässig an den Matches der Drachen... seit Jahren.
Die Irrungen und Wirrungen des K. Zaugg
Klaus Zaugg wechselt seine Meinung einmal mehr häufiger als andere Leute ihre Unterwäsche! Noch zu Saisonbeginn liess er verlauten, Hans Kossmanns Trainerjob sei wohl bereits diesen Herbst wieder neu zu besetzen und nun sieht er ihn bereits als möglichen Meistertrainer..... Seine Texte sind amüsant in Stil und Wortwahl, aber wenig aussagekräftig.
Zu spät für Prognosen
Unter Serge Pelletier spielte Fribourg in der Verteidigung äusserst stabil. Über mehrere Saisons hinweg. Sogar. Und ob Reguläre Saisonspiele mit Playoffspielen vergleichbar sind werdet Ihr spätestens merken wenns der kleine Bykov nicht mehr bringt.
Pelletiers Verteidigung
Hallo Anton Anscheinend warst du nicht sehr oft an den Gotteron-Spielen, ansonsten würdest Du nicht solche Aussagen machen wie Freiburgs Verteidigung sei unter Serge P. stabil gewesen ....solche Aeusserungen sind ja nun wirklich ein Witz und zum Lachen !!.... das war ein einziges Panik-Orchester und ein Hühnerhaufen