«Time out»

12. September 2011 10:14; Akt: 12.09.2011 11:30 Print

Das «Schurkenteam»–RisikoDas «Schurkenteam»–Risiko

von Klaus Zaugg - Der EV Zug ist nach zwei von 50 Qualifikationsrunden das Team der Stunde. Ob die Innerschweizer erstmals seit 1998 ins Finale kommen, entscheidet auch Präsident Roland Staerkle.

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Neben ihrem Tor-Instinkt zeigen gewisse Zuger Spieler auch übertriebene Härte. (Bild: Keystone/AP)

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Biels erste Tabellenführung seit dem 13. Januar 1989 ist eine Fussnote der Hockeygeschichte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das Team der Stunde ist nach dem ersten Meisterschaftswochenende der EV Zug. Wegen seiner ungestümen Offensivkraft (10 Tore, 7 mehr als Leader Biel und Meister Davos). Und wegen des Ausrasters von Josh Holden (20 Minuten Online berichtete).

Die offensive Durchschlagskraft und Dynamik der Zuger ist zweifelsfrei meisterlich. Aber zu einem Titelkandidaten werden die Zuger nur, wenn sie eine Balance zwischen Offensive und Defensive finden. Und wichtiger noch: Wenn sie lernen, die Emotionen zu kontrollieren und nur dann böse zu sein, wenn es etwas bringt. Einschüchterung des Gegners als Strategie kann funktionieren, wenn sie gelenkt wird: So sind die Philadelphia Flyers zweimal Stanley-Cup-Sieger geworden. So hat der SC Bern die Dynastie des HC Lugano gestürzt und bis zu einem gewissen Grade der EV Zug 1998 den einzigen Titel geholt. Die Kraft des Bösen zerstört hingegen die eigene Mannschaft, wenn der Trainer die Emotionen nicht zu kontrollieren vermag. Und genau das droht den Zugern.

Präsident Roland Staerkle hat noch 48 Runden und sieben Monate Zeit, um dieses Problem zu lösen. Ob Zug Finalist oder gar Meister wird, hängt also auch von ihm ab. Und Ex-Präsident Fredy Egli kann ihm den Weg zum Titelgewinn aufzeigen.

Der schwere Gang in «Fredy's Office»

Zugs erfolgreichste Mannschaft der Geschichte war auch wild. Rock’n’Roller wie Billy McDougall, Misko Antisin oder Franz Steffen sorgten auf und manchmal auch neben dem Eis für Spektakel. Aber im entscheidenden Moment waren die wilden Jungs bei der Sache. Ausraster wie jener von Josh Holden gegen Christian Dubé wurden nicht geduldet. Oder besser gesagt: Duldete Präsident und Patriarch Fredy Egli nicht. So wild es vor allem die Nordamerikaner in Zug auch trieben – vor einem Mann hatten sie einen Heidenrespekt. Vor ihrem Präsidenten. Der Gang in «Fredy's Office» fürchteten sie. Den dort stellte Fredy Egli jeden in die Schuhe und selbst der vorlaute Billy McDougall senkte seine Stimme und wurde kleinlaut. In vier Jahren erreichten die Zuger zwischen 1995 und 1998 dreimal das Finale und 1998 wurden sie Meister. Ohne die präsidiale Rückendeckung und die Disziplinierungssitzungen mit den Stars in «Fredy's Office» wäre Zugs Meistertrainer Sean Simpson mit Karacho gescheitert.

Fredy Egli und der aktuelle Präsident Roland Staerkle haben eine Gemeinsamkeit: Beide sind Männer mit abgeschlossener Vermögensbildung. Die Differenz: Der ehemalige Rohstoffhändler und Kranzschwinger Fredy Egli konnte bei Bedarf toben als sei der Leibhaftige vom Zugerberg herabgefahren. Erst später, nach seiner Zeit als EVZ-Obmann, reifte er mit einsetzender Altersmilde zum Diplomaten und bewährte sich auch als exzellenter Verbandspräsident.

Wenn Fredy Egli Feuer war, dann ist der aktuelle Präsident Roland Staerkle Wasser: Ein kluger Pragmatiker, der auf die Vernunft seiner Mitarbeiter setzt. Und genau das ist das Problem: Trainer Doug Shedden oder Sportdirektor Patrick Lengwiler können Josh Holden (und andere Herren mit kurzen Zündschnüren) nicht verlässlich zur Vernunft bringen. Eishockey ist halt nicht immer ein vernünftiger Sport.

Die Gefahr, ein «Schurkenteam» zu werden

Ganz oben, auf der Ebene des Verwaltungsrates, braucht es einen Grundsatzentscheid: Wollen wir ein Spitzenteam haben, das alles tut, um Meister zu werden? Dann braucht es die Disziplinierung des Trainers und einiger Stars von höchster Stelle durch den Präsidenten und dann darf Josh Holdens Ausraster weder extern noch intern schöngeredet werden. Oder sind wir damit zufrieden, dass es rockt und rollt, die Zuschauer gut unterhalten werden, und nehmen halt in Kauf, dass hin und wieder einer ausrastet und der EVZ das Profil eines «Schurkenteams» entwickelt?

Dann kann der Präsident einfach alles so weiterlaufen und weitertreiben lassen wie bisher. Und das wäre schade: Denn die Zuger haben ein Musterunternehmen aufgebaut, sie haben die Strukturen, die Finanzen und die Mannschaft, um eines der führenden Hockeyunternehmen im Lande zu sein.

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  • Steiner Tina am 12.09.2011 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Der Trainer ist das Problem

    Holden hat bewusst (und wiederholt) die Gesundheit eines Spielers gefährdet. Ohne Reaktion von Trainer Doug Shedden. Wenn jedoch ein eigener Spieler ein wenig hart angegangen wird, dann tobt, dann rastet der gleiche Trainer aus...

  • albern am 12.09.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hä? Ausraster?

    äähm, man kann über den Check diskutieren wie man will, der Begriff "Ausraster" hat aber nicht wirklich was damit zu tun. Stimmungsmache.

  • Reto A am 12.09.2011 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    Nur 2 Runden gespielt

    Zwei Runden gespielt! Sagt noch gar nichts aus.!