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25. Januar 2012 07:58; Akt: 25.01.2012 08:16 Print
Der Irrtum, der die Playoffs kosten kann
von Klaus Zaugg - Beim 5:2 in Biel spielte Luca Cunti (22) bei den ZSC Lions eine zentrale Rolle. Er hätte diese Saison für Biel stürmen können. Kostet ein Irrtum Biel die Playoffs?

Luca Cunti erzielte für die ZSC Lions den wegweisenden Treffer gegen den EHC Biel. (Bild: Keystone/AP)
Die Entscheidung um den letzten Playoffplatz wird zwischen Biel und Servette so knapp fallen, dass wir uns schon auf beste Unterhaltung freuen dürfen. Und hinterher werden wir natürlich wissen, warum es so oder so herausgekommen ist. Bekommt Biels «Phantomtor» beim 4:3 gegen Servette entscheidende Bedeutung? Oder der aberkannte 3:3-Ausgleich der SCL Tigers gegen Biel?
Bildstrecken Die Lions feiern gegen Biel einen wichtigen SiegAber vielleicht zählt in der Schlussabrechnung auch ein Irrtum von Biels Trainer und Sportchef Kevin Schläpfer. Er hat Luca Cunti nicht unter Vertrag genommen. Dafür kann er allerdings mildernde Gründe geltend machen. Er erklärt sich gegenüber 20 Minuten Online so: «Wir hatten Luca Cunti vor rund einem Jahr zum Probetraining eingeladen. Er kam leicht angeschlagen und erwischte während dieses Probetrainings bei einem Check bereits nach einer halben Stunde eine leichte Gehirnerschütterung. So konnte er sich nicht richtig zeigen. Er kehrte zu den GCK Lions zurück und wir haben uns nicht mehr weiter mit ihm beschäftigt.»
Der weite Weg des Luca Cunti
Und so stürmt Luca Cunti diese Saison halt für die ZSC Lions. Kein anderer Spieler ist nach einem so langen Umweg doch noch in der NLA angekommen: Ausgebildet bei den GCK Lions ging der Schillerfalter sozusagen auf Welttournee: Thurgau (NLB), Dübendorf, Weinfelden (1. Liga), Chicago Steel (USA), Rimouski (Ka), Langnau und schliesslich im Sommer 2010 wieder heim nach Zürich zu den GCK Lions. Dazu noch vergebliche Probetrainings beim SC Bern – und eben beim EHC Biel. Weil ihm niemand mehr eine Chance geben mochte, blieb ihm nur die Rückkehr zu seinem einstigen Ausbildungsclub.
Inzwischen ist klar: Ohne Bob Hartley wäre Luca Cuntis Karriere eine unvollendete Hockey-Sinfonie geblieben. Traditionell spielen die ZSC Lions ihr erstes Vorsaisonspiel gegen ihr Farmteam, die GCK Lions. In dieser Partie hat Hartley am 11. August Luca Cunti gesehen. «Er ist mir in einer einzigen Szene gegen Patrick Geering aufgefallen und ich sagte nach dem Spiel zu unserem Sportchef: Diesen Spieler will ich in unserem Team haben. Edgar Salis hat mir abgeraten. Aber ich sagte, ich will diesen Spieler und es interessiere mich nicht, was gewesen sei.»
Wegweisendes Tor gegen Biel
So ist Luca Cunti, der Neffe der Arosa-Legende Pietro Cunti, doch noch in der NLA angelangt. Es ist sein Glück, dass Simon Schenk, der Geschäftsführer der GCK Lions, unbeirrt an ihn glaubte und ihm im letzten Sommer noch einmal eine Chance gab, und dass die ZSC Lions mit Bob Hartley einen Trainer geholt haben, der keinerlei Vorurteile kennt und seinem Gespür für Spieler vertraut. Nun ist Cunti der kreativste und spektakulärste Einzelspieler der ZSC Lions geworden. In 29 Partien hat er diese Saison bereits 10 Tore und 7 Assists beigesteuert. Beim 5:2 in Biel erzielte er das wegweisende 2:1 und assistierte zum alles entscheidenden 4:2. In dieser Form im Team der Bieler – und die Partie wäre am Dienstag anders ausgegangen.
Zäh und mental stark
Luca Cunti ist an der Zürcher Goldküste aufgewachsen (Erlenbach). Er gilt als «Jahrhundert-Talent» und wird sogar als NHL-tauglich eingestuft (Nr. 75 im NHL-Draft 2007/Tampa). Die Kombination aus göttlichem Talent und einer «Goldküsten-Herkunft» tragen ihm bald den Ruf eines zu weichen, schwierig zu führenden Schillerfalters ein, und diesen Ruf wird er in unserer kleinen Hockeykultur einfach nicht mehr los. Doch es gibt auch die ganz andere Analyse: Er ist einer der zähesten, mental stärksten Spieler seiner Generation: Er lässt sich einfach nicht unterkriegen. Er glaubt unbeirrt an seine Chance, an die Erfüllung seines Traumes von einer Profikarriere. Seine Geschichte ist nicht die eines beinahe gescheiterten Jahrhundert-Talents. Sondern die eines Spielers, der nie von seinem Weg hat abbringen lassen und den Tatbeweis erbringt: Wer nicht aufgibt, kommt immer ans Ziel.
Luca Cunti in Biel statt bei den ZSC Lions – und die Geschichte der Qualifikation 2011/12 müsste womöglich umgeschrieben werden. Aber es gibt einen noch viel grösseren Irrtum als diese falsche Einschätzung von Luca Cunti. Wir müssten die Hockeygeschichte der letzten drei Jahre wahrscheinlich umschreiben, wenn die Zürcher bei der Besetzung der Goalieposition auf Leonardo Genoni (24) oder Reto Berra (24) statt Lukas Flüeler (23) gesetzt hätten. Genoni und Berra, in Zürich ausgebildet, sind bei der Konkurrenz gelandet, weil sie bei den ZSC Lions keine Chance bekommen haben.
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Alle 16 Kommentare
































Berra beim ZSC?
Und hätte der ZSC die letzten Saisons auf Berra in seiner damaligen Form gesetzt (nicht die Form dieser Saison), ich kann mir vorstellen, was für Berichte Klaus Zaugg dann geschrieben hätte... In Zürich kann man es sich bei der Goalieposition nicht leisten, ein Experiment einzugehen, da steht nicht ein Trainer je nachdem eine ganze Saison lang auch bei Flops dahinter. Sondern es steht ein Publikum, welches nach 2-3 schlechten Spielen pfeift und den Kopf fordert! Wie dies ja bei Flüeler oft passiert...
Soso
Haben wir wohl den Artikel von Thomas Roost gelesen, dass mehr oder weniger dasselbe hier steht?!
Lugano
Erinnert mich irgendwie an Lugano. Immer irgend welche NHL Dinos zu verpflichten die wohl mal gut waren aber längst den Zenit überschritten haben oder aber heimische sogenannte grosse und teure Spieler, die Titel versprechen. Dabei gibt es genug Talent in den Abteilungen der Junioren. Wenn ich bei Lugano bleiben darf: Bertaggia (Alessio- nicht Sandro!), Balmelli, Caffi oder aber ein Simion- Jungs die mit Herzblut sich schmutzig machen. Forza Lugano