Aufwärtstrend

20. November 2011 11:24; Akt: 20.11.2011 11:44 Print

Der SC Bern hat wieder CharismaDer SC Bern hat wieder Charisma

von Klaus Zaugg - Der SC Bern hat nach dem gewonnenen Spitzenkampf gegen Fribourg (4:1) erstmals in dieser Saison die Ausstrahlung einer Siegermannschaft.

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Das erfolgreichste Wochenende im Herbst 2011 für den SC Bern: Der erste Derby-Sieg der Saison gegen Biel (3:1) und anschliessend zu Hause der erste Drei-Punkte-Erfolg gegen Fribourg-Gottéron (4:1). Erstmals zeigt sich seit der Entlassung von Trainer Larry Huras ein echter Aufwärtstrend.

Ausstrahlung eines Siegerteams

Die Berner spielen mit Antti Törmänen zwar nicht grundsätzlich anders als zuvor unter Larry Huras. Schliesslich kann kein Trainer das Eishockey neu erfinden. Aber der Finne hat das «System Larry» verfeinert: Im gut strukturierten Spiel läuft die Scheibe nun schneller, die Pässe sind präziser und der Energieaufwand ist geringer. Das Spiel ist deshalb nicht mehr so hektisch. Der SCB spielt nicht mehr so als wäre er auf der Flucht. Die Mannschaft strahlt mehr Selbstsicherheit, Ruhe und phasenweise eine gesunde Arroganz aus: Der SCB hat endlich die Ausstrahlung eines Siegerteams, der SCB hat wieder Charisma und tritt auf dem Eis so auf wie es sich für eines der bedeutendsten Eishockey-Unternehmen Europas gehört und langweilt die Zuschauer nicht mehr so wie in der ersten Phase der Saison.

Die Berner haben nun seit der Entlassung von Larry Huras unter dem neuen Cheftrainer Antti Törmänen sieben von neun Partien gewonnen, zuletzt vier in Serie. Hat es SCB-Manager Marc Lüthi am Ende doch ernst gemeint, als er sagte, Törmänen habe eine echte Chance, über die Saison hinaus Cheftrainer zu sein? Natürlich ist hat der SCB noch lange nicht das Charisma der besten Zeiten unter Bill Gilligan, Bryan Lefley, Kent Ruhnke oder Larry Huras (ja, die gab es). Aber wenigstens zeigen sich die zarten Knospen einer erfreulichen Entwicklung.

Die Ruhelosigkeit von Marc Lüthi

Im November werden allerdings keine Meistertitel gewonnen. Aber der SCB kann sich auch im November Durchhänger viel weniger leisten als die ZSC Lions oder die Kloten Flyers oder Lugano oder Davos oder Zug. Die 45-Millionen-Umsatzmaschine muss rattern und knattern. SCB-Manager Marc Lüthi hat emotionalen Entscheidungs-Biss und greift inzwischen in die sportlichen Belange ein, ohne seinen tüchtigen Sportchef Sven Leuenberger zu konsultieren. Wie bei der Entlassung von Larry Huras. Diese «Fankultur» in der Chefetage hat Einfluss auf die Mannschaft. Es ist eine Wechselwirkung: Siege auf dem Eis beruhigen Lüthi, die Ruhe in der Chefetage stärkt die Mannschaft und sorgt so für weitere Siege. Larry Huras ist die umgekehrte Dynamik zum Verhängnis geworden. Windstill und langweilig ist es im SCB nie über eine längere Zeitspanne, die Ruhelosigkeit von Marc Lüthi führt zu einer Eigendynamik und verhindert Stillstand.

Der SCB also erstmals in dieser Saison wie ein echtes Spitzenteam. Da Fribourg-Gottéron und der SCB nun mit gleich vielen Punkten auf Platz eins stehen, drängt sich die Frage auf: Ist auch Gottéron eine Spitzenmannschaft?

Gottéron war nicht bereit

Trainer Hans Kossmann ist tatsächlich mit einer sehr guten, aber nicht mit einer grossen Mannschaft nach Bern gekommen: Sehr gut, weil er eher die besseren Einzelspielern als der SC Bern zur Verfügung hat und das Spiel gut strukturiert und ausbalanciert hat. Nicht gross, weil in diesem Spiel das Selbstvertrauen, die Ruhe und die Arroganz eines echten Spitzenteams fehlten: Gottéron hat die Gipfelpartie durch eine viel zu passive und mutlose Spielweise in der ersten Viertelstunde verloren. Der SCB machte aus der ersten Chance nach 54 Sekunden das 1:0 und aus dem ersten Powerplay nach 3:55 Minuten das 2:0. Damit waren die Emotionen bei Gottéron erloschen und kehrten nie mehr richtig zurück. Emotionen sind aber der Treibstoff des Spiels dieser Mannschaft.

Der HC Fribourg-Gottéron, seit neun Jahren (2003) in der Qualifikation nie besser als im 7. Schlussrang klassiert und im Derby gegen Bern fast immer in der Rolle des Aussenseiters, muss sich erst daran gewöhnen, ein Spitzenteam zu sein. «Wir haben in den letzten Wochen sehr gut gespielt und einige glaubten wohl schon, wir seien die Grössten» ärgerte sich Gottérons Leitwolf Christian Dubé. «Das Spiel in Bern war für uns ein erster Test, ob wir wirklich ein Spitzenteam sind. Wir sind bei diesem Test durchgefallen. Es war eines unserer schlechtesten Saisonspiele. Wir waren nicht bereit. Aber der SCB war es.»

Christian Dubé ist froh um samstägliche Lektion in Bern: «Ein Spitzenteam zu werden ist ein langer Prozess. Wir haben das Talent für den ersten Platz. Aber Talent alleine macht auf Dauer noch kein Siegerteam. Die Chemie in unserer Mannschaft ist gut und wir werden aus dieser Niederlage lernen.» Der Kanadier mit Schweizer Lizenz weiss aus langjähriger Erfahrung in Lugano (1999 bis 2002) und Bern (2002 bis 2011) wie schwierig es ist, sich während einer ganzen Qualifikation in der Spitzengruppe der Liga zu behaupten.


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  • Pädu22 am 21.11.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Medien blabla

    Da Spielt Bern mal so gut wie man es von diesen teuren Spieler mindestens erwarten muss und schon schreiben die Medien euphorisch... Andere Manschaften, allen voran Gotteron, leisten dieses Jahr etliches mehr und liefern Sport mit grösserer Qualität (Herzblut, Kampf, Kameratschaft). Aber darüber schreiben Herr Zaugg und seine Kollegen lieber nicht... zu wenig skadalös oder medienwirksam... wenigstens kann man sich als Fan aussuchen, was man lesen und schauen will.

  • Bärner Fan am 20.11.2011 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie schön..

    ..von Ihnen Herr Zaugg, dass Sie hin und wieder Erbarmen haben mit dem SCB und auch mal etwas positives schreiben :) Und man muss Ihnen recht geben, ich war in der Allmend und es kam wirklich dieses Gefühl von Freude auf in der endlich wieder einmal vollen Arena zu sehen wie jeder Spieler voll mit Leidenschaft dabei war und nicht nur seinen Job machte, sondern sichtlich Spass hatte am Eishockey spielen.