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Bob Hartley
27. November 2011 10:30; Akt: 27.11.2011 11:18 Print
Der ZSC-Trainer zwischen Zorn und Diplomatie
von Klaus Zaugg - Die ZSC Lions verlieren in Biel 0:4 und Trainer Bob Hartley beginnt zu reden wie ein langjähriger NLA-Trainer. Das ist besorgniserregend.
Es war die Mutter aller Fehlprognosen: Ich hatte im August in einer Prognosenrangliste die ZSC Lions auf Platz 1 gesetzt. Spätestens nach dem 0:4 in Biel, der ersten Niederlage gegen diesen Gegner seit 17 Jahren, ist klar: Die Zürcher müssen froh sein, wenn sie nicht noch um die Playoffs zittern müssen.
Dabei hatte es doch gute Gründe für eine grosse Saison gegeben: Ist die Mannschaft denn nicht besetzt wie ein Meisterteam? Andres Ambühl, Thibaut Monnet, Patrik Bärtschi, Domenico Pittis und Adrian Wichser sind Stürmer, die alle schon mindestens einmal mehr als 40 Punkte pro Saison gebucht haben. Die neue Tanzmaus Jeff Tambellini müsste mehr als 50 Punkte produzieren. Von den Verteidigungsministern Mathias Seger und Severin Blindenbacher und von Nationaltorhüter Lukas Flüeler wollen wir gar nicht erst reden.
Die Ratlosigkeit von Bob Hartley
Aber der wichtigste Grund für meine optimistische Prognose war der Trainer: Bob Hartley (51). Endlich ein richtiger NHL-General. Einer, der völlig unbelastet kommt, seine Vorstellungen durchsetzen kann und kein Blatt vor den Mund nehmen und keine politische Rücksichten nehmen muss, weil er auf den Job in Zürich nicht angewiesen ist. Einer, der vom Management so durch alle Böden hindurch gestützt wird wie kein anderer ZSC-Trainer seit dem Wiederaufstieg von 1989: ZSC-Manager Peter Zahner steht noch kompromissloser zu Bob Hartley als BDP-Präsident Hans Grunder zu Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Einer, der alle gleich behandelt und nicht aus diplomatischen Gründen vor grossen Namen kuscht. Einer, der eine neue Leistungskultur aufbauen kann. Wenn nicht Bob Hartley, der Stanley Cup-Sieger, wer dann soll die ZSC Lions zu neuen Triumphen coachen?
Ja, inzwischen stellt sich die Frage: Kann das überhaupt jemand? Kann diese Mannschaft noch einmal in die Spitzengruppe der Liga zurückkehren? Nach vielversprechenden Ansätzen ist auch Bob Hartley ratlos. Dabei hatte es nach einem harzigen Start so gut ausgesehen, und beim Sieg in Bern (2:1 n.V.) kämpften die Zürcher so leidenschaftlich und taktisch geschickt, dass ein Optimist sogar die Ansätze eines Meisterteams erkennen konnte.
Davon ist nichts mehr übrig geblieben. 0:4 in Biel! Chancenlos in Biel! Welch eine Schmach! Nach dem Spiel bleibt die ZSC-Kabine lange geschlossen. Der Medienlaufbursche des Teams sagt, es sei heute wahrscheinlich nicht möglich, mit dem Chef zu reden. Aha, denke ich: Jetzt tobt er! Endlich! Die ZSC Lions sind doch noch nicht verloren.
Bob Hartley ist Profi. Er weiss, dass sich ein Trainer auch nach einer schmählichen Niederlage den Reportern zu stellen hat. Er wird schon auftauchen und ich freue mich auf kernige Statements. Wenn jetzt der Coach nicht Tacheles redet – wann dann?
Spielen können viele, gewinnen nur wenige
Bob Hartley kommt und stellt sich den Fragen. Er hat sich unter Kontrolle. Aber unter der freundlichen Oberfläche wühlt der Zorn in seiner Hockeyseele. Und tatsächlich setzt er immer wieder zu einer schonungslosen Analyse an. Er sagt, die Zuschauer hätten Geld bezahlt um Leistung zu sehen – und diese Leistung hätten seine Spieler nicht gebracht. Er schmäht die Routiniers, die jetzt Verantwortung übernehmen müssten und nicht dazu in der Lage seien, das Team zu führen.
Es ist angerichtet für eine Polemik. Denn Bob Hartley hatte bereits in der NHL keine Angst vor grossen Namen und sorgte ligaweit für Schlagzeilen, als er in Atlanta einmal Superstar Ilja Kowaltschuk auf die Tribune setzte. Das ist so, wie wenn in Davos Reto von Arx, in Langnau Simon Moser, in Bern Ivo Rüthemann oder in Fribourg Julien Sprunger zuschauen müssten. Wer muss beim nächsten Spiel am Samstag in Lugano zuschauen? Severin Blindenbacher? Thibaut Monnet? Oder am Ende gar Mathias Seger?
Deshalb die Frage an Bob Hartley: Wer ist der Ilja Kowaltschuk der ZSC Lions? Jetzt kann er Klartext reden und einen Spieler oder besser noch mehrere Spieler nennen, die wegen miserabler Leistung auf die Tribune gehören. Doch genau in diesem Augenblick verliert der temperamentvolle Kanadier den Mut. Sein Zorn verraucht. Er erfasst den Sinn der Frage, verwandelt sich in einen Diplomaten und antwortet lächelnd: «Wir haben bei den ZSC Lions keinen Kowaltschuk.» Tja, das ist die Wahrheit. Dagegen lässt sich nichts sagen.
Bob Hartley schont also die ZSC-Versager. Er nennt keine Namen, und als die Frage auftaucht, was er nun tun werde, um die Krise zu meistern, lässt er sich auch nicht auf die Äste hinaus. Er erklärt, es geben viele Möglichkeiten. So sei es halt auch in Nordamerika: Spielen können viele, gewinnen nur wenige. Ein Trainer zwischen Zorn und Diplomatie.
Scheitern vorprogrammiert
Bob Hartley ist nach Zürich geholt worden, um eine neue Leistungskultur aufzubauen. Doch nun zeichnet sich immer mehr ab: Die ZSC Lions zähmen auch Bob Hartley. Der Kanadier beginnt zu reden wie ein langjähriger NLA-Trainer: Sorgsam darauf bedacht, die Stars nicht zu kritisieren und ja niemanden gegen sich aufzubringen. So kann er die Mentalität der ZSC Lions nicht ändern.
Oder ist Bob Hartley drauf und dran zu resignieren? Denkt er am Ende gar daran, nach Nordamerika zurückzukehren? Er hat bei den ZSC Lions einen Vertrag bis ins Frühjahr 2013. Aber sein Name wird in der NHL immer wieder genannt, wenn ein Trainerstuhl wackelt. Die Frage deshalb: Bob Hartley, ist es denkbar, dass Sie Zürich verlassen und in die NHL zurückkehren? Was ist von diesen Gerüchten zu halten? Er antwortet ruhig und gelassen: «Es sind Gerüchte. Nichts anderes als Gerüchte.» Jetzt macht er erstmals einen entschlossenen Eindruck. Als ob er in Zürich eine Mission zu erledigen habe.
Aber wenn der Mann, der es in der NHL wagte, Ilja Kowaltschuk auf die Tribune zu setzen, nun in Zürich all die Versager, von A wie Ambühl bis Z wie Ziegler nicht in die Schuhe zu stellen wagt, dann ist sein Scheitern im Hallenstadion vorprogrammiert.
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Alle 17 Kommentare
































Anspruch und Leistung
Oft wird gesagt, dass die Manschaft an der Erwartungshaltung des Zücher-Publikums zerbricht.....hallo??? Anscheinend versuchen sie es nun dann ohne das Publikum. Weil mit dieser Leistung geht auch kein Mensch mehr in die Halle. Unglaubliche Transferentscheidungen wie Schomer gehen zu lassen...Hallo??? Wie oft war zu sehen, dass gerade Schomer, Schäppi und Ryser diejenigen waren die sich auf dem Eis noch in Richtung gegnerisches Tor bewegten.... Solche Entscheidungen stützt nur die alten "Leistungsträger" . Schlicht unbegreiflich und nicht Zukunftsgerichtet.
Salis als Sportchef
Salis war ein top Verteidiger. Aber als Sportchef ist er nicht brauchbar. Es ist unglaublich wieviele gute junge Talente der Z verliert und noch unblaublicher, wie sehr man an den sogeannten Stars festhält. Der Z braucht auch mehr Härte und mehr Kämpfer, diese Spieler fehlen ebenfalls.
Ratlos
Der Versuch mit Salis ist defintiv gescheitert. Wie kann man Sejna nach Davos ziehen lassen und gleichzeitig Blaine Down einen Vertrag geben - nur eines von vielen Beispielen. Monnet skorte in den letzten Jahren immer über 40 Punkte, dieses Jahr? Auch andere wie Bärtschi, Pittis, Bühler, Bastl Blindenbacher und Seger völlig ausser Form, zwei mittelmässige Torhüter und ein Trainer der wie alle seine Vorgänger mit stoischer bzw. letargischer Ruhe an der Bande steht. Schade zwischen 1999 und 2005 war der Z wirklich ein geiles Team!