«Time-Out»

10. Februar 2012 11:54; Akt: 10.02.2012 15:38 Print

Der beste Mark Streit, den es je gabDer beste Mark Streit, den es je gab

von Klaus Zaugg, New York - Mark Streit spielt als Leitwolf der New York Islanders überragendes Hockey. Er ist besser als je zuvor. Für einen neuen NHL-Vertrag wird er vielleicht die WM-Teilnahme absagen.

storybild

Mark Streit hat in der NHL seit 2005 insgesamt 426 Partien bestritten und dabei 57 Tore und 191 Assists erzielt. (Bild: AFP)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Mark Streit kann zwar statistisch nicht ganz an seine besten NHL-Zeiten anknüpfen: Die 62 Punkte seiner ersten Islanders-Saison (2007/08) wird er nicht mehr erreichen. Aktuell steht er nach 53 Partien bei 30 Punkten. Aber der ehemalige SCB-Junior ist heute mehr als «nur» ein produktiver Verteidiger. Er ist seit dieser Saison Captain der New York Islanders und spielt als Leitwolf bei der Entwicklung der jungen Mannschaft eine Schlüsselrolle.

Spektakulär hat sich dies erneut im letzten Spiel gegen die Montréal Canadiens gezeigt: Die Islanders dominieren. Aber es fehlen Ruhe und Abgeklärtheit, um den grossen Aufwand mit Toren zu krönen. Erst 1:53 vor Schluss trifft Streit zum 2:3 und bringt die Hoffnung zurück. Er ist der überragende Einzelspieler. In 26 Einsätzen steht er 25 Minuten und 50 Sekunden auf dem Eis. Er treibt seine Mitspieler immer wieder nach vorne, gibt ihnen Energie, steuert Ebbe und Flut des Spiels. Ganz einfach Weltklasse.

«Es ist noch alles möglich»

Doch am Ende steht es 2:4. Eine bittere Niederlage. Denn die Canadiens sind ein direkter Konkurrent im Kampf um die Playoffs. 29 Runden vor Schluss haben die Islanders zehn und die Canadiens neun Punkte Rückstand auf den 8. und letzten Playoffplatz. Streit gibt nicht auf: «Es ist noch alles möglich. Wir haben eine junge Mannschaft. Um in der NHL bestehen zu können, braucht es einfach einen Reifeprozess. Als Spieler und als Mannschaft. Die fehlende Erfahrung zeigt sich bei uns oft bei Scheibenverlusten in der neutralen Zone. Das führt zu schnellen Gegenstössen und Gegentreffern.»

Mit dem 2:4 gegen Montréal ist für Mark Streit auch das «Schweizer Duell» verloren gegangen: Yannick Weber (23) verteidigte zwar nicht für die Canadiens. Er fällt durch eine Innenbandverletzung im linken Knie rund zehn Tage aus (20 Minuten Online berichtete). Für Weber kehrte nach zwei Partien auf der Tribune Rafael Diaz (26) ins Team zurück und assistierte zum 3:0 – dem Tor, das sich am Ende als der Siegestreffer erweisen sollte.

Streit ist der erste NHL-Captain aus der Schweiz

Ob es nun für die Playoffs reicht oder nicht: Mark Streit ist auch in der NHL zu einer grossen, charismatischen Spielerpersönlichkeit gereift. Das war er auch schon in der NLA bei den ZSC Lions und in der Nationalmannschaft. Doch jetzt ist er in der wichtigsten Liga der Welt ganz einfach noch eine Nummer grösser geworden. Er spielt nicht nur auf, sondern auch neben dem Eis eine wichtige Rolle: Er kümmert sich um sein Team. Als Captain - Streit ist der erste und einzige Schweizer, dem dieses Amt in der NHL übertragen worden ist - macht er sich Gedanken, warum es gegen die Canadiens nicht gereicht hat. Manchmal müsse er sich zurückhalten. «Man kann ja nicht mehr tun, als das Maximum geben, und eine weitere Teamsitzung bringt uns auch nicht weiter.»

Mark Streit war zwar einst auch Captain der ZSC Lions. «Aber das war eine andere Zeit und ich war ja viel jünger. In Zürich konnte ich als Captain schon mal ausrasten und einen Massagetisch zertrümmern. Das geht hier nicht. Meine Erfahrung hilft mir heute, die Stimmungen im Team besser zu spüren.»

«Training kann Spielpraxis nicht ersetzen»

Die Leaderrolle, die der ehemalige SCB-Junior bei den Islanders spielt, ist auch deshalb so beeindruckend, weil er eine Doppelbelastung zu verkraften hat: Einerseits trägt er als Captain die Verantwortung fürs Team und andererseits musste er wieder Tritt in der NHL fassen: Die ganze letzte Saison hatte er wegen einer schweren Schulterverletzung verloren. «Noch so gutes Training kann Spielpraxis nicht ersetzen. Ich habe diese Saison gut 40 Spiele gebraucht, um mich wieder ganz sicher zu fühlen und um das Timing wieder zu finden.»

In der NHL stehen grosse Veränderungen an und auch damit beschäftigt sich Mark Streit. Der Gesamtarbeitsvertrag zwischen der Spielergewerkschaft (NHLPA) und der Liga (NHL) läuft aus und die nächste Saison kann nur beginnen, wenn ein neuer Vertrag unterzeichnet wird. Dieser Kontrakt regelt alle Arbeitsbedingungen und vor allem die Saläre: Die Teambesitzer möchten die Löhne kräftig senken. Die Löhne sollen künftig höchstens 50 Prozent der Gesamteinnahmen der Teams ausmachen, aktuell sind es noch 57 Prozent.

Nächste Saison spielt Streit um einen neuen Vertrag

Die Spieler reden bei Verhandlungen um den Gesamtarbeitsvertrag mit. Zurzeit ist die Spielergewerkschaft daran, 30 Spieler auszuwählen, die am Verhandlungstisch sitzen werden. Und Mark Streit hat eine Anfrage erhalten, als bisher einziger Europäer neben Detroits Henrik Zetterberg. «Ja, das stimmt», bestätigt er gegenüber 20 Minuten Online - und hat noch nicht entschieden, ob er das Angebot annehmen wird. Es sei gewiss lehrreich, bei diesen Verhandlungen mit dabei zu sein.

«Aber ich muss zuerst wissen, welche zeitliche Belastung diese Aufgabe ab dem Sommer mit sich bringt, und wie stark dadurch mein Sommertraining beeinträchtigt wird.» Er müsse sich in allererster Linie um seine persönliche Vorbereitung kümmern, damit er im nächsten Herbst topfit ins Camp der Islanders einrücken könne. «Es wäre etwas anderes, wenn ich einen Fünfjahresvertrag und damit eine gewisse Sicherheit hätte. Aber mein Vertrag mit den Islanders läuft im Frühjahr 2013 aus und ich spiele nächste Saison um einen neuen Vertrag.» Er gehe davon aus, dass die Gewerkschaft eine Einigung mit der Liga (den Teambesitzern) erzielt und die nächste Saison tatsächlich gespielt wird.

Mark Streit hat in der NHL inzwischen seit 2005 insgesamt 426 Partien bestritten (57 Tore/191 Assists) und gehört zu den Grossen in der wichtigsten Liga der Welt. Er verdient bei den Islanders 4,10 Millionen Dollar pro Saison, und wenn er sein aktuelles Niveau halten kann, hat er gute Chancen, in der NHL nochmals einen Vertrag über zwei bis vier Jahre mit einem Jahressalär zwischen zwei und fünf Millionen zu bekommen. Aber eben: Nur dann, wenn er auch nächste Saison auf dem aktuellen Niveau durchspielen kann.

Vielleicht lässt Streit die WM sausen

Nationaltrainer Sean Simpson hat Mark Streit im Laufe dieser Saison in Long Island, New York, besucht. «Es waren gute Gespräche», sagt der Captain des Schweizer Nationalteams der WM 2009 und des Olympiaturniers 2010. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Unter dem neuen Nationaltrainer hat Mark Streit noch nie gespielt.

Selbst wenn die Islanders die Playoffs nicht schaffen sollten, so ist es noch keineswegs sicher, dass der Berner bei der WM 2012 in Helsinki für die Schweiz verteidigen wird: Nach seiner schwersten NHL-Saison braucht er die bestmögliche Erholung und im Hinblick auf die für seine NHL-Karriere-Fortsetzung so entscheidende nächste NHL-Saison das bestmögliche Sommertraining. Ob die WM in dieser Planung Platz haben wird, hat Mark Streit noch nicht entschieden.

Er wird entscheiden, wenn der Zeitpunkt da ist, diesen Entscheid zu fällen. Er hat für die Schweiz bereits 87 (!) Partien an WM- und Olympiaturnieren bestritten (11 Tore/33 Assists). Der beste Schweizer Verteidiger aller Zeiten hat sich längst das Recht zur WM-Absage erarbeitet.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
  • HockeyFan am 11.02.2012 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Naja...

    Naja, in den Internet Foren wird Streit als Enttäuschung beurteilt...! Er hat die drittschlechteste +/- Bilanz aller NHL Verteidiger. Hoffentlich findet er möglichst bald wieder zu alter (defensiver) Stärke!

  • Oleg F. am 11.02.2012 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KHL

    die nhl ist nicht mehr die wichtigste liga der welt, in der khl ist das niveau viel höher und attraktiver als in der nhl

  • Hockeyaner am 10.02.2012 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die beste Saison

    Dieser Artikel ist merkwürdig. Eigentlich spielt Streit seine schwächste Saison bei den Islanders, nicht seine beste. Und was bringt es uns wenn er der "beste CH Verteidiger aller Zeiten" ist wenn er wegen Verträgen nicht mehr für die Schweiz antritt? Das bringt uns schweizer Fans nichts.