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«Time-out»
28. September 2011 10:46; Akt: 28.09.2011 13:26 Print
Ist Bob Hartley noch ein NHL-Bandengeneral?
von Klaus Zaugg - Nach dem 0:3 gegen Ambri schrumpfte der charismatische NHL-General Bob Hartley zum gewöhnlichen NLA-Trainer. Erstmals zeigen sich bei den ZSC Lions Krisensymptome.

Wie lange brüllt ZSC-Trainer Bob Hartley noch an der Bande? (Bild: Keystone/AP)
Wie ist es möglich, dass 72 Stunden nach der besten Saisonleistung (3:4 gegen Davos) die schwächste Darbietung (0:3 gegen Ambri) folgt? Es ist eben leicht, gegen Davos spektakulär zu spielen. Der HC Davos ist mit seinem Tempospiel wie ein guter Tänzer, der eine untalentierte Partnerin sicher und elegant übers Parkett führt. Gegen Davos müssen die Gegner nur mitlaufen und schon sehen sie gut aus.
Ganz anders ist es, wenn sich der Gegner – so wie Ambri am Dienstag - auf sorgfältige Defensivarbeit konzentriert und nicht Tempo macht. Nicht tanzt. Wenn die Musik nicht spielt. Die ZSC Lions, die gegen den Meister noch so schön mitgetanzt haben, fielen gegen Ambri aus dem Takt. Aber eine Mannschaft mit dem Talent und dem Selbstverständnis der ZSC Lions muss dazu in der Lage sein, im Hallenstadion gegen Ambri Ebbe und Flut, Tempo und Takt des Spiels zu bestimmen.
Der erfahrene Meteorologe kann durch Beobachtung verschiedener Naturerscheinungen das Wetter voraussehen. Beispiel: Wenn Wolken aufziehen, gibt es bald Regen. Es gibt aber auch viel subtilere Anzeichen. Je nach der Flugbahn der Bussarde, dem Haarwuchs des Hofhundes und dem Schlafverhalten der Stubenkatze kann ein erfahrener Bauer voraussagen, ob der Winter kalt oder warm, kurz oder lang, schneereich oder trocken wird.
Die Suche nach Erklärungen
Im Eishockey ist es ganz ähnlich. Was dem Bauern die Flugbahn der Bussarde, der Haarwuchs des Hofhundes und das Schlafverhalten der Stubenkatze, das sind dem Hockeychronisten Erklärungen der Trainer nach dem Spiel.
Nach dem 0:3 gegen Ambri ist der grosse NHL-General Bob Hartley, Triumphator im Stanley Cup-Feldzug von 2001, zum ganz gewöhnlichen NLA-Trainer geschrumpft. Nach dem 5:6 n.V. gegen Zug hatte er Headschiedsrichter Didier Massy noch von oben herab und lautstark zusammengefaltet. Nach dem 0:3 gegen Ambri bellte er Brent Reiber nur noch kurz an und verzog sich in die Kabine.
Und kurz darauf trat er nicht mehr als grosser Kommunikator vor die Reporterinnen und Reporter. Sondern kleinlaut wie ein ganz gewöhnlicher Trainer. Er war zum ersten Mal ratlos. Und erstmals seit seinem Amtsantritt waren Durchhalteparolen zu hören. Bob Hartley präsentierte mehrere Ausreden-Klassiker.
Erstens: «Ich wäre beunruhigt über unsere Offensivleistung, wenn wir keine Chancen hätten. Aber wir hatten tonnenweise Chancen.»
Die Wahrheit ist: Die ZSC Lions haben nun in 14 von 22 Dritteln in dieser Saison kein Tor erzielt (das Drittel im abgebrochenen Spiel in Biel mitgezählt) und alle fünf Heimspiele verloren. Sie hatten gegen Ambri nicht «tonnenweise» Chancen. Sondern höchstens «pfundweise». Im letzten Drittel kamen sie gerade noch auf vier Torschüsse.
Zweitens: «Es mag auf der Tribüne nicht so ausgesehen haben. Aber ich hatte auf der Bank den Eindruck, dass meine Spieler leidenschaftlich gekämpft haben.»
Die Wahrheit ist: Nach dem haltbaren 0:1 war schon beinahe Lichterlöschen. Leidenschaft und Kampfgeist fehlten.
Drittens: Auf die Bemerkung, dass das erste und dritte Gegentor haltbar waren, sagte Bob Hartley: «Wir haben das Spiel nicht in der eigenen, sondern in der gegnerischen Zone verloren.»
Die Wahrheit: Ari Sulander (beim 3:4 gegen Davos) und Lukas Flüeler (beim 0:3 gegen Ambri) waren durchschnittliche Goalies. Und nicht dazu in der Lage, das Spiel für ihre Mannschaft zu gewinnen. Es wird noch eine Weile dauern, bis es Sportchef Edgar Salis und Manager Peter Zahner wagen, die Torhüter zu thematisieren.
Viertens: Auf die Frage, ob er gerne einen neuen Ausländer hätte, sagte Bob Hartley, er coache das Team, das ihm zur Verfügung stehe.
Die Wahrheit ist: Wer ein Spiel der ZSC Lions sieht, kann unmöglich feststellen, wer die vier ausländischen Feldspieler sind. Sind die Schweizer so gut? Nein, die ausländischen Arbeitnehmer sind inzwischen nicht mehr dazu in der Lage, eine Leaderrolle zu übernehmen.
Hartley ist gefordert
Natürlich weiss Bob Hartley, dass die ZSC Lions gegen Ambri nicht viele Torchancen hatten, dass seine Spieler mit zu wenig Leidenschaft kämpften und dass er ein Torhüterproblem hat. Und natürlich hätte er gerne einen neuen, besseren ausländischen Stürmer. Aber er wagt es nicht mehr Klartext zu reden.
Der Anfang vom Ende für jeden Trainer ist das Schönreden bzw. Ausblenden der Wirklichkeit. So lange er das nur nach aussen tut, ist er noch nicht verloren. Wenn er aber auch nach innen nicht mehr sagt, was er denkt und sich Leistungen wie jene gegen Ambri bieten lässt – dann hat er keine Chance mehr.
Wenn Bob Hartley noch ein NHL-Bandengeneral ist, lässt er sich Leistungen wie jene gegen Ambri nicht bieten und wird toben. Wenn er schon ein gewöhnlicher NLA-Trainer geworden ist, entschuldigt er diese Leistung und wird ein milder Spielerversteher sein. Die entscheidende Frage ist also: Ist Bob Hartley noch ein NHL-Bandengeneral?
Wir stehen vor einer unterhaltsamen ZSC-Saison. Noch ist alles möglich. Im Guten wie im Bösen. Noch sind die Herbstkrisenfestspiele im Hallenstadion nicht eröffnet. Das wird erst der Fall sein, wenn Sportchef Edgar Salis oder Manager Peter Zahner offiziell erklären, der Trainer sei kein Thema.
Bereits am Freitag gibt es in Ambri die Gelegenheit zur Korrektur. Bisher lässt sich lediglich sagen: Um so zu spielen wie bisher, wäre es nicht notwendig gewesen, den ehemaligen Trainer Colin Muller zu feuern.
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Alle 14 Kommentare

































Mehrere Probleme
Beim ZSC ist sicherlich nicht der Trainer das Problem sondern ganz andere. Der Fisch stinkt bekanntlich am Kopf das heisst im Managment, Durchschnitts Torhüter reicht einfach nicht aus. Man hätte ende letzter Saison mal richtig ausnisten müssen und einen neu Anfang beginnen sollen (radikales Vorgehen) ansonsten ändert sich in dieser Mannschaft nichts. Warum haben andere Mannschaften gute ausländer? der ZSC hat nur durchschnittliche ausländer oder kaum scheinbar. Das Problem liegt oben in der Führung! Warum spielt ein Adrian Wichser mit hohem Salär bei den GCK Lions? Es gibt haufen Fragen.
Ist der Sportchef überhaupt kompetent?
Das Team ist immer noch falsch zusammengestellt! Wer ist dafür verantwortlich? Ja, der Sportchef und wohl auch der CEO. Es gibt in diesem Team immer noch fast keine Leadertypen. Und man hat es versäumt dies nachzuholen. Die Zuzüge bringen diesbezüglich keine Besserung, sie sind bestenfalls Durchschnitt - auch in diesem Team!Und warum verlängert man mit unterdurchschnittlichen Mitläufern wie Stoffel und Bastl? Unerklärlich! Und wann kommt einmal ein Spieler von den GCK Lions, welcher sich nachhaltig aufdrängt und Einfluss auf das Spiel hat? Und über Flüeler muss man gar nicht mehr sprechen.
Mannschaft?
Namhafte Spieler machen eben noch keine gute Mannschaft aus. Das Problem ist nicht beim Trainer zu suchen, sondern bei jedem einzelnen Spieler. Denen ist einfach nicht bewusst wie viel Geld sie garnieren und Sie eigentlich als Vorbild agieren und auf dem Eis kämpfen müssen. Hey Jungs, ich habe eine Saisonkarte und möchte für das Geld entschädigt werden durch Einsatz und Kampfgeist auf dem Eis, Sieg hin oder her. Also reisst Euch endlich mal zusammen!