«Time-Out»

06. Oktober 2011 15:03; Akt: 06.10.2011 15:03 Print

Raphael Diaz auf den Spuren von Mark StreitRaphael Diaz auf den Spuren von Mark Streit

von Klaus Zaugg - Der 25-jährige Raphael Diaz beginnt die NHL-Saison mit den Montreal Canadiens. Mit ein bisschen Glück wird er nie im Farmteam spielen.

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(*1977), Verteidiger, New York Islanders. Der Berner verpasste die ganze letzte Saison wegen einer Schulterverletzung. Der drittbeste Skorer der Islanders der Saison 2009/2010 (als Verteidiger notabene) will nun neu durchstarten. Als erster Schweizer überhaupt ist er Captain eines NHL-Teams. (*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. War letzte Saison eigentlich die unbestrittene Nummer 1 der «Enten», doch dann liessen ihn plötzlich seltsame Gleichgewichtsstörungen ausfallen. Diese scheinen überwunden zu sein. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Erhielt im März 2011 einen Millionenvertrag, der ihn für weitere vier Jahre an die «Ducks» bindet. Der Zuger hat sich in der NHL durchgesetzt. (l., *1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. seit 2008 bei den «Habs». In den ersten beiden Jahren jeweils für rund eine Handvoll Partien in der NHL im Einsatz, sonst im Farmteam. 2010/2011 kam Weber dann auf 41 Einsätze (plus 3 Playoff-Partien), was ihm einen neuen Zweijahresvertrag einbrachte. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Erstrunden-Draft erhielt während dem Trainingscamp 2010 einen Dreijahresvertrag und begann die Saison in der NHL. Doch nach nur 9 Spielen musste «El Niño» zurück zu den Junioren. Die Chancen standen gut, die Saison 2011/2012 als Stammspieler der Islanders in Angriff zu nehmen. Doch Niederreiter verletzte sich und wurde deshalb vorerst im AHL-Farmteam aufgebaut. Nach sechs Spielen kehrte er am 14. November zu den Islanders zurück. (l., *1986), Verteidiger, Montreal Canadiens. Mit seinen guten Leistungen an der WM in der Slowakei erspielte sich der Zuger einen Einjahres-Zweiweg-Vertrag bei den «Habs». Der 25-Jährige war auch von Chicago umworben worden. Am 6. Oktober kam Diaz zum Saisonauftakt gegen Toronto (0:2) zu seinem NHL-Debüt und steht seither regelmässig im Kader der Kanadier. (l., *1990), Verteidiger, Nashville Predators. Die erste Saison in Übersee verlief für den Berner nicht nach Wunsch. Er brach sich in der Vorbereitung das Handgelenk und verbrachte daraufhin die gesamte Spielzeit in der AHL bei den Milwaukee Admirals. Auch die zweite Übersee-Saison begann für Josi nicht optimal. Erneut hat er sich im Trainingscamp verletzt. Offiziell war von einer Oberkörperverletzung die Rede, doch eigentlich ist es eine Hirnerschütterung. Die dritte in Josis noch junger Karriere. Am 2. Oktober wurde der Berner deshalb erneut ins Farmteam geschickt. Er darf aber trotzdem auf NHL-Einsätze hoffen. Am 26. November 2011 kam Josi gegen Detroit zu seinem Debüt für die Nashville Predators. (*1992), linker Flügel, Calgary Flames. Der Erstrunden-Draft konnte sich im diesjährigen Trainingscamp knapp nicht durchsetzen. Er wurde zurück zu den Junioren nach Portland geschickt. Bärtschi war der letzte Kreativspieler, der den Kaderschnitt nicht überstand. Nach einer starken Saison mit den Junioren wurde der Langenthaler am 8. März doch noch in die NHL berufen, wo er tags darauf gegen die Winnipeg Jets zum Debüt kam. (*1990), rechter Flügel, Montreal Canadiens. Wurde 2010 doch etwas überraschend ins Trainingscamp der Florida Panthers eingeladen, verbrachte die Saison aber bei den OHL-Junioren der Oshawa Generals. Dort hinterliess der Berner eine derart gute Visitenkarte, dass er von den Montreal Canadiens einen Dreijahresvertrag erhielt. Der 20-Jährige, der nicht gedraftet wurde, konnte sich den Verein gar aus mehreren Offerten aussuchen. Dennoch ist Berger noch nicht für einen Platz in der NHL reif. Die «Habs» haben ihn aus dem Trainingscamp ins Farmteam zu den Hamilton Bulldogs abgeschoben. , (*1978), Torhüter, St. John's IceCaps (AHL). Nach vier Saisons Abstinenz wollte es der Freiburger noch einmal in der NHL versuchen und unterschrieb einen Probevertrag bei den Winnipeg Jets. Der Stanley-Cup-Sieger von 2001 mit Colorado schaffte es nicht ins Team des NHL-Neulings - am 4. Oktober einigte er sich mit dem AHL-Farmteam St. John's IceCaps auf einen Vertrag. Damit wahrt sich Aebischer die Chance auf ein NHL-Comeback auf Umwegen. (*1989), Torhüter, Montreal Canadiens. Die NHL ist für den jungen Schweizer Keeper nach wie vor zu weit entfernt. Mayer wird die Saison erneut im Farmteam bei den Hamilton Bulldogs bestreiten. Immerhin kam er wie im Vorjahr bei einem Testspiel der «Habs» zum Einsatz.

Diese Schweizer versuchen sich in der besten Eishockey-Liga der Welt.

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Die guten Leistungen an der WM (auch je ein Kunstschuss-Tor gegen Kanada und die USA) hatten in Montreal die letzten Zweifel beseitigt: Raphael Diaz ist gut genug für die NHL. Die Montreal Canadiens haben ihn mit einem Einjahres-Zweiweg-Vertrag zu den bestmöglichen Konditionen verpflichtet. Diaz wird in der NHL rund 900 000 Franken verdienen. Im Farmteam aber knapp 100 000 Franken.

Wie stehen die mittel- und langfristigen Chancen für Diaz? Sehr gut. Er kann der nächste Mark Streit werden. Denn Montreals Pierre Gauthier ist ein General-Manager, der weit über den nordamerikanischen Tellerrand hinaus blickt. Er schätzt die europäische Hockeykultur. Mark Streit verdankt seine Karriere Gauthier. Der Kanadier hat Streit nicht nur «entdeckt» und in seiner früheren Funktion als Chef der Scouting-Abteilung nach Montreal geholt. Er hatte seinerzeit auch das «Experiment Streit» überwacht: Gauthier ordnete an, dass Streit nicht ins Farmteam zurückversetzt werden darf, sondern bei den Canadiens ans NHL-Niveau herangeführt wird. Er hatte das Potenzial Streits richtig eingeschätzt.

Wenn Gauthier auf einen Spieler setzt, dann sind die Chancen sehr gross, dass dieser Spieler die denkbar besten Bedingungen erhält. Damit sind die Voraussetzungen für Diaz ungleich besser als beispielsweise seinerzeit für Andres Ambühl (in der Organisation der New York Rangers gescheitert). Bei den Rangers wusste kaum jemand, dass im Farmteam noch ein Schweizer steckt.

Diaz' Spielertyp ist in der NHL gefragt

Raphael Diaz ist spielerisch längst gut genug für die NHL. Der Zuger hat die Intelligenz und die Beweglichkeit für die wichtigste Liga der Welt. Wenn er noch vier oder fünf Kilo Muskelkraft zulegt und robuster wird, hat er alles für die NHL. Diese Kilos kann er sich durch Krafttraining holen. Diaz hat auch deshalb gute Chancen, weil sein Typ («puck-moving defenseman») gesucht ist. Er verkörpert im Grunde den Spielertyp, der aus der Schweiz heraus die grössten Chancen in der NHL hat: Gut ausgebildet und überdurchschnittlich talentiert. «Rumpelspieler» gibt es hingegen in Nordamerika mehr als genug.

Zudem steht der 56fache Internationale für einen von zwei Wegen in die NHL. Es gibt die Möglichkeit, als Junior nach Nordamerika zu gehen und über die nordamerikanischen Juniorenligen in den Draft und in die NHL zu kommen: Luca Sbisa, auch ein Zuger, steht für diese Variante. Der andere Weg führt über die NLA: Erst die spielerische Ausbildung in unserer höchsten Spielklasse beenden und zu einer Spielerpersönlichkeit reifen, die eine Mannschaft führen kann. Und dann der Wechsel in die NHL. Inzwischen ist klar: Wer als Schweizer in der NLA spielerisch dominiert, ist gut genug für die NHL. Der nächste, der den gleichen Weg wie Diaz gehen kann (und mit grösser Wahrscheinlichkeit gehen wird) ist auch ein Zuger: Damien Brunner (25). Er ist reif für die NHL.