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«Time-Out»
28. Oktober 2011 13:06; Akt: 28.10.2011 15:08 Print
Warum nicht den Assistenten feuern?
von Klaus Zaugg - Die Montréal Canadiens feuern den Assistent des Cheftrainers und kommen aus der Krise. Der SC Bern feuert den Cheftrainer und ist noch nicht aus der Krise. Dafür gibt es Gründe.
Diese Trainer mussten seit der Saison 2004/2005 ihren Stuhl räumen.
Die Trainer werden in der NHL und in der NLA aus ähnlichen Gründen gefeuert, und die Geduld der NHL Manager mit ihren Übungsleitern ist nicht viel grösser und manchmal noch weniger gross als bei uns. Ob Trainerwechsel helfen oder nicht, ob sie Probleme lösen oder nicht, steht nicht zur Debatte. Die Entlassung des Trainers war, ist und bleibt die populärste Massnahme im Krisenmanagement.
Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, durch Wechsel in der Führung Einfluss auf das Wesen und Wirken der Mannschaft zu nehmen. Bei uns fliegt immer der Chef und in der Regel übernimmt vorübergehend oder bis Saisonende der Assistent.
In der NHL ist es nicht üblich, einem der Assistenten die Führung des Teams zu überlassen. Eher wird der Cheftrainer des Farmteams heraufgeholt oder gleich ein Ersatz präsentiert – schliesslich sitzen immer mehrere NHL-Trainer ohne Job in den TV-Studios und langweilen sich.
NHL: Entlassung von Assistenztrainer als Option
Weil der Trainerstab in der NHL viel grösser ist als in der NLA, wird hin und wieder die «Light-Variante» der Trainerentlassung praktiziert. Entlassen wird nicht der Cheftrainer, sondern einer seiner Assistenten. Wie zuletzt bei den Montréal Canadiens. Perry Pearn, einer von vier Assistenten, musste nach sieben Niederlagen in acht Spielen gehen – und seither haben die Canadiens zweimal hintereinander gewonnen.
Die Trainerteams sind in der NHL verschworene Gemeinschaften. Oft Jungs, die sich seit Jahren die Treue halten und sich gegenseitig die Jobs zuhalten, wenn einer irgendwo eine Chefposition erarbeitet hat. Der Cheftrainer ist, anders als bei uns, nicht ein «Mädchen für alles». Sondern der Chefstratege der darüber entscheidet, wer mit wem zum Einsatz kommt. Die tägliche Detailarbeit – Trainingsgestaltung und – leitung, Einschulen des Powerplays und des Boxplays, Videoanalysen etc. – übernehmen die Assistenten.
Entlassung des Assistenten als Weckruf
Wenn der General Manager mit seinem Cheftrainer nicht mehr zufrieden ist – wie Pierre Gauthier mit Jacques Martin in Montréal – dann gibt es eine subtile Massnahme, um dem Headcoach Feuer unterm Hintern zu machen. Eine Massnahme, die auch in anderen Teamsportarten in Nordamerika hin und wieder zum Zuge kommt: die Entlassung des Assistenten. Im Fachjargon wird dann von der Hinausstellung des «drinking boy» gesprochen: Es geht dabei nicht um die Trinkgewohnheiten oder unseriösen Lebenswandel. Der Ausdruck bedeutet so viel wie «der beste Freund des Trainers». Also der Mann, mit dem der Cheftrainer bei einem Bierchen die Probleme bespricht. Die Vertrauensperson. Mit dieser Massnahme wird der Cheftrainer aufgeschreckt und dazu gezwungen, sich neu zu orientieren. Es ist im besten Sinne des Wortes ein «Wake Up Call». Auch für die Spieler. Denn die Assistenten pflegen in der Regel den intensiveren Kontakt mit den Spielern. Das soziale Netzwerk innerhalb der Teamstruktur wird neu aufgemischt.
Die Entlassung eines Assistenten hat also nichts mit dessen Sachkompetenz zu tun – wie bei Trainerentlassungen ja fehlende Sachkompetenz fast nie der Grund ist. Perry Pearn (einst auch in Ambri als Cheftrainer gefeuert) ist in Montréal bei der Krisenbewältigung so etwas wie das Bauernopfer geworden. Immerhin: Kurzfristig hat es gewirkt. Kehrt die Krise jedoch wieder zurück, steht nicht mehr der Job eines weiteren Assistenten zur Debatte. Sondern jener von Cheftrainer Jacques Martin.
Option in der NLA?
Die Entlassung des Assistenten hat gleich mehrere Vorteile: Die Kosten sind tiefer und die Polemik in den Medien ist bei weitem nicht so gross wie bei der Absetzung des Chefs. Es könnte sich für die Manager/Sportchefs in der NLA also durchaus lohnen, einmal darüber nachzudenken, ob es im Falle eines Falles nicht besser wäre, den Assistenten zu feuern. SCB-General Marc Lüthi hätte sich jedenfalls schon viel Ärger ersparen und wohl die gleiche Wirkung erzielen können, wenn er statt Lary Huras dessen Assistenten Antti Törmänen vor die Türe gesetzt hätte.
Für das werte Publikum hier einmal die Namen der Assistenten, die statt des Chefs gefeuert werden könnten: Diego Scandella in Ambri, Lars Leuenberger (neu) beim SC Bern, Dino Stecher in Biel, René Matte in Fribourg, Felix Hollenstein in Kloten, Remo Gross in Davos, Louis Matte bei Servette, Patrick Fischer in Lugano, Roland Schmid bei den Lakers, Alex Reinhard in Langnau, Jacques Clouthier bei den ZSC Lions und Walteri Immonen in Zug.






























