«Time-Out»

27. Oktober 2011 16:28; Akt: 27.10.2011 18:21 Print

Wie gut ist Huras im «Altersturnen»?Wie gut ist Huras im «Altersturnen»?

von Klaus Zaugg - Eigentlich gilt: Trau im Eishockey keinem Rückkehrer. Aber das Experiment mit Larry Huras kann beim HC Lugano kurzfristig funktionieren.

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Wie gut kommt Larry Huras mit den alteingesessenen Spielern des HC Lugano zurecht? (Bild: Keystone/AP)

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Der Glaube an die Magie grosser Namen ist beim HC Lugano stärker als bei allen anderen Hockeyunternehmen im Lande. Seit John Slettvoll in den 1980er Jahren aus einem zerstrittenen Haufen eines der erfolgreichsten Teams unserer Hockeygeschichte gemacht hat, sind Luganos Macher vom Grundsatz «Yes, he can!» überzeugt. Deshalb holen sie in Zeiten der Not immer und immer wieder alte, grosse Namen an die Bande: John Slettvoll ist mehrmals zurückgekehrt bis es ihm gelungen ist, das stolze Lugano in den Playouts zu versenken und die ehemaligen Kultspieler wie Mats Waltin, Philippe Bozon und Kenta Johnasson kamen als Trainer zurück und scheiterten.

Und nun kommt Larry Huras, Luganos Meistertrainer von 2003 zurück, und wie 2002/03 übernimmt er die Mannschaft im Laufe der Saison: Damals am 14. November, jetzt am 26. Oktober. 2006 ist der Kanadier nach einem 0:2-Rückstand im Viertelfinale gefeuert worden und Nottrainer Harold Kreis holte den Titel 2006.

Huras' Wechsel bringt zusätzliche Unterhaltung

Huras ist der vielleicht beste Kenner unseres Hockeys: Keiner hat so viel Erfahrung mit Entlassungen und Neuanstellungen, mit den verschiedenen Unternehmenskulturen in der Liga und dem Wesen und Wirken der Stars, Manager und Präsidenten. Er hat mit den ZSC Lions (2001), dem HC Lugano (2003) und dem SC Bern (2010) den Titel geholt und mit Ambri das Playofffinale erreicht (1999).

Die Rückkehr von Huras nach Lugano ist zu beklatschen: Der ohnehin hohe Unterhaltungswert der Liga steigt weiter an. Zumal Huras, der fliessend Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch spricht auch ein glänzender Kommunikator und Unterhalter ist. Die Entlassung in Bern dürfte die grösste Schmach sein, die Huras in seiner Karriere erlitten hat. Er ist nun ein Mann auf einer Mission. Er wird mit Lugano einen Feldzug um die Wiederherstellung seiner Ehre führen und es ist kein Zufall, dass SCB-Manager Marc Lüthi jetzt schon das Datum des nächsten Spiels gegen Lugano mit Fracksausen auswendig aufsagen kann: 20. Dezember 2011 in Bern.

Die Mannschaft der HC Lugano ist gut genug, um den Titel zu holen. Aber das war sie auf dem Papier auch im Frühjahr 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011. Aber die Tessiner sind nie mehr über das Viertelfinale hinausgekommen und zweimal ins Playout gestürzt.

Bringt Huras beim HCL den Umschwung?

Das Problem in Lugano ist die Leistungskultur. Die viel zu grosse Macht der teilweise alteingesessenen Platzhirsche, die ihre Position mehr vergangenem Ruhm, hohem Ansehen beim Management und weniger den aktuellen Leistungen verdanken. Ein Problem, das alle grossen Mannschaften in allen Ligen der Welt immer wieder in grosse Schwierigkeiten bringt. Zum Beispiel auch die ZSC Lions und den SC Bern. Im 21. Jahrhundert hat bisher nur Arno Del Curto beim HC Davos geschafft, eine Meistermannschaft laufend zu erneuern.

Ein Trainerwechsel während der Saison bringt noch keine Erneuerung der Leistungskultur. Aber ein Zwischenspurt darf erwartet werden. Um es etwas blumig zu sagen: Mit Larry Huras kommt ein neuer Gärtner, zupft da und dort Unkraut aus, schneidet die Sträucher und wischt das Laub weg. Wo das Gartenhaus mit den Werkzeugen steht weiss er ja und die Gartenanalge kennt er auch schon. Er kann also grad sofort und ohne lange Einführungszeit loslegen. Aber der Garten müsste umgegraben, neu angelegt und bepflanzt werden. Doch dafür hat Huras weder die Zeit noch wird er dafür die Kompetenz vom Management bekommen. Die Spieler wissen es zu verhindern.

Zähmen der Leitwölfe angesagt

Und doch: Kurzfristig kann das Experiment gelingen. Alles hängt davon ab, ob es Larry Huras gelingt, die grauen Leitwölfe bei Laune zu halten, dass Fell ihres Egos so zu bürsten dass es schön glänzt, und sie so zu hegen und zu pflegen, dass die Energietanks für die Playoffs gefüllt sind. Dann sind Petteri Nummelin (39), Kimmo Rintanen (38), Rob Niedermayer (38), Jaroslav Bednar (35), und Hnat Domenichelli (35) dazu in der Lage, einen letzten Meister-Tango zu tanzen. Lugano wie es lacht und singt.

Einfach wird es für Larry Huras nicht: Barry Smith hat trotz seiner reichen Erfahrung im «Altersturnen» das Handtuch geworfen. Er hatte als Assistent von Scotty Bowman in Detroit den Stanley Cup mit acht Schlüsselspielern gewonnen, die 30 oder älter waren. In Lugano sind es sogar neun. Alles hängt davon ab, wie gut Larry Huras im «Altersturnen» ist.