Michail Juschni

09. September 2010 17:00; Akt: 09.09.2010 17:44 Print

Der Exzentriker mit speziellem SiegesgrussDer Exzentriker mit speziellem Siegesgruss

von Philipp Reich - Wenn Stanislas Wawrinka heute seinen ersten Major-Viertelfinal gegen Michail Juschni bestreitet, ist alles möglich. Hauptsache, der Romand muss sich am Schluss nicht den speziellen Siegesgruss des Russen ansehen.

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Michael Juschni schlägt sich den Kopf blutig. (Video: Youtube) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Wenn der Name Michail Juschni fällt, denkt der Tennisfan sofort an eine Szene: Wie sich der Russe 2008 bei den Sony Ericsson Open in Miami nach einem verlorenen Punkt den Kopf blutig schlägt. Sein Gegner Nicolas Almagro serviert der dritten Runde zum Matchgewinn, doch Juschni hat Breakpoint. Nach einem langen Ballwechsel schlägt er eine einfache Rückhand völlig unbedrängt ins Netz und beginnt mit sich selbst zu hadern.

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Mehrmals schlägt sich der Russe mit seinem Racket gegen den eigenen Kopf, bis er an der Stirn zu bluten beginnt. Juschni muss behandelt werden. Nach kurzer Pause kehrt er zurück und macht sieben Punkte in Serie. Auch die Partie geht schliesslich zu seinen Gunsten aus.

Viel Talent, wenig Konstanz

Keine andere Szene beschreibt den Tennisspieler Michail Juschni besser als diese «erfolglose Selbstzerstörung». Der Russe besitzt zwar ein enormes Potenzial. Wenn es ihm läuft, kann er sich durch seine emotionale Art in einen Rausch spielen. Trotzdem steht Juschni erst zum vierten Mal bei einem Grand-Slam-Turnier unter den letzten acht. Die Konstanz fehlt. Immer wieder steht sich der Russe auf dem Weg zum ganz grossen Erfolg selbst im Weg. Wenns nicht läuft, hadert er mit sich selbst, beginnt zu zaudern, schreit herum und bringt sich damit aus dem Tritt.

Der 28-jährige Moskauer erinnert stark an den anderen russischen Tennis-Exzentriker Marat Safin. Während seiner ganzen Karriere stand Juschni, der 2008 für kurze Zeit den Sprung in die Top 10 schaffte, im Schatten der ehemaligen Weltnummer 1. Dabei war er es doch, der 2002 im Davis-Cup-Finale beim 3:2 gegen Frankreich seinem Land den entscheidenden Punkt sicherte. Nach 0:2-Satzrückstand drehte er in Paris die Partie durch eine unglaubliche Willensleistung noch und holte die «hässlichste Salatschüssel der Welt» nach Russland.

Wutausbrüche gehören zum Spiel

In der Heimat war man sich sicher. Mit dem damals 20-jährigen Juschni wächst der nächste russische Tennis-Star heran. Aber eben - sein Temperament stand dem sechsfachen Turniersieger zu oft im Weg. Mittlerweile ist man sich die Wutausbrüche des Russen gewohnt und sie gehören einfach zu seinem Spiel. Beim US Open hatte sich Juschni bislang aber im Griff. Es lief schliesslich auch alles nach Plan. Der Russe hat in seinen vier Partien erst drei Sätze abgegeben und durfte sich beim Publikum jedes Mal mit seinem speziellen Siegesgruss für die Unterstützung bedanken. Dabei hält er sich das Racket mit der linken Hand über den Kopf und hebt die rechte zum Salut.

Duell der «Tennis-Zwillinge»

Juschni pflegt einen ähnlichen Spielstil wie sein heutiger Gegner Stanislas Wawrinka. Die beiden könnten gar «Tennis-Zwillinge» sein. Sowohl die russische Weltnummer 14 als auch der um 13 Plätze schlechter klassierte Wawrinka verfügen über eine äusserst starke einhändige Rückhand - sie gehören sicherlich zu den besten auf der Tour - , eine solide Vorhand und einen starken ersten Aufschlag. Wobei Wawrinka beim Service Vorteile haben dürfte.

In den Direktduellen steht es vor der fünften Begegnung 2:2. Juschni hat aber beide Partien auf Hartplatz für sich entscheiden können und in New York auch schon Rafael Nadal aus dem Turnier geworfen. Auf Wawrinka wartet also ein starker und unberechenbarer Gegner, doch das scheint den Romand nicht zu stören. «Ich habe hier sicher meine Chance», sagt er voller Selbsttrauen und hat damit sicher nicht Unrecht.

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