Stanislas Wawrinka

06. September 2010 07:18; Akt: 06.09.2010 09:27 Print

«Eines meiner besten Spiele»«Eines meiner besten Spiele»

von Philipp Reich - Der Sieg gegen Andy Murray ist der wohl grösste Erfolg in Stanislas Wawrinkas Karriere. Der Romand zeigte sich ungewohnt nervenstark und freute sich nach der Partie zu Recht über seine tolle Leistung.

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Roger Federer konnte das Traumfinale mit Rafael Nadal nicht perfekt machen. Der Schweizer unterlag einem entfesselten Novak Djokovic in fünf Sätzen mit 7:5, 1:6 7:5, 2:6 7:5. Der Serbe wehrte im finalen Durchgang beim Stande von 4:5 und eigenem Aufschlag zwei Matchbälle ab und breakte Federer danach bei dessen Aufschlag. Dabei endet für Federer das US Open zum ersten Mal seit sieben Jahren vor dem Final. Zwei bandagierte Beine und viel Frust: Stanislas Wawrinka verliert gegen Michail Juschni mit 6:3, 6:7, 6:3, 3:6, 3:6. Auch das Racket musste unter seinem Frust leiden. Diesen Bewegungsablauf dürfte Wawrinka in nächster Zeit üben: den Aufschlag. In den letzten beiden Sätzen brachte der Romand beinahe keinen ersten Service ins Feld. Roger Federer lässt Robin Söderling keine Chance und zieht nach einem Dreisatzsieg ins Halbfinale ein. Der Schwede liess seinem Ärger beim 4:6, 4:6 und 5:7 frein Lauf. Stanislas Wawrinka ist dank einem hart erkämpften Fünfsatzsieg über den Amerikaner Sam Querrey zum ersten Mal in seiner Karriere in einen Viertelfinal eines Major-Turniers eingezogen. Der Schweizer spielte wie schon gegen Murray sehr angriffig. Querrey war beim 7:6. 6:7, 7:5, 4:6 und 6:4 aber der erwartet schwere Gegner. Im Entscheidungssatz hatte auch der Amerikaner seine Chance, das Match für sich zu entscheiden. Gegen Jürgen Melzer blieb Roger Federer wieder ohne Satzverlust. Beim 6:3, 7:6, 6:3 musste der Schweizer im Tie Break des zweiten Satzes aber auch etwas Glück in Anspruch nehmen. Der Schweizer war überall auf dem Feld anzutreffen und untermauerte mit seiner Leistung seine Favoritenrolle auf den Titel. Für den Österreicher war es zum Verzweifeln. Auch im zweiten Duell mit Roger Federer blieb Melzer chancenlos. Stanislas Wawrinka traf auf Andy Murray. Der Turnierfavorit holte sich den ersten Satz unverdient. Dann schlug Wawrinka zu und gewann die nächsten Sätze mit 7:6 (7:4), 6:3 und 6:3 und besiegte den Schotten nach zuletzt drei Niederlagen. Für Murray wirds wieder nichts mit dem ersten Grand-Slam-Sieg. Yanina Wickmayer kann es nicht fassen. Sie gewinnt den Krimi gegen Patty Schnyder. Mit 6:7 (5:7), 6:3, 6:7 (6:8) setzt sich die Belgierin durch. Damit sind alle Schweizerinnen ausgeschieden. Auch in seinem dritten Spiel war Roger Federer nicht zu stoppen. Der Schweizer besiegte den Franzosen Paul-Henri Mathieu klar in drei Sätzen. Der Aussenseiter erspielte sich beim 6:4, 6:3 und 6:3-Sieg der Weltnummer 2 zwar vier Breakchancen, aber auch Mathieu konnte Federers Service nicht durchbrechen. Bittere Niederlage für Marco Chiudinelli. Der Baselbieter unterlag dem amerikanischen Service-Giganten John Isner 3:6, 6:3, 6:7 (7:9), 4:6. Wie erwartet war der Aufschlag der grösste Faktor zugunsten des Mannes, der in Wimbledon mehr als elf Stunden auf dem Platz verbracht hatte. Am Schluss wies die Statistik 24 Asse und nur einen Doppelfehler aus - einen sensationellen Wert! Stanislas Wawrinka konnte bei seinem klaren Dreisatzsieg gegen Juan Ignacio Chela überzeugen. Vor allem bei den Big Points behielt der Romand für einmal die Nerven. Chela blieb beim 7:5, 6:3, 6:4-Erfolg des Schweizers absolut chancenlos. Wawrinka trifft in der nächsten Runde nun auf Andy Murray. Zwar ohne zu zaubern, aber dennoch äusserst souverän zog Roger Federer in die dritte Runde ein. Der «Zauberer» liess dem Deutschen Andreas Beck beim 6:3, 6:4 und 6:3 nicht den Hauch einer Chance. Federers Schuhe mit der New Yorker Skyline. Auch Patty Schnyder gewann ihr Zweitrundenspiel ohne grössere Probleme. Die routinierte Schweizerin schlug die Spanierin Martinez Sanchez in zwei Sätzen mit 7:6 und 6:4. Als Letzter qualifizierte sich Marco Chiudinelli für Runde 2. Er räumte den jungen Jack Sock (USA) mit 6:1, 6:4, 1:6, 6:1 aus dem Weg. Nur drei Sätze benötigte Stanislas Wawrinka zum Auftakt. Der Romand besiegt den Kasachen Michail Kukuschkin mit 6:3, 6:2, 6:2. Patty Schnyder erreichte endlich ihren 100. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier. Mit 6:1, 6:3 gegen Kirsten Flipkens (Be) erreichte sie souverän die 2. Runde. Dominika Cibulkova (Slk) war dagegen für die dritte Schweizerin eine Nummer zu gross. Die Slowakin setzte sich gegen Stefanie Vögele mit 6:2, 4:6, 7:5 durch. Vögele ist somit die zweite Schweizerin, welche an der Starthürde scheiterte. Roger Federer setzte sich gegen den Argentinier Brian Dabul souverän in drei Sätzen durch. Beim 6:1, 6:4 und 6:2 begeisterte Federer wie im Vorjahr mit einem zauberhaften Winner zwischen den Beinen hindurch das Publikum. Der fünffache Champion konnte seine Freude am gelungenen Trickschuss nicht ganz verbergen. Bereits ausgeschieden ist Timea Bacsinszky. Die Westschweizerin verlor gegen die Chinesin Zheng Jie mit 7:6 und 7:6.

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Der Auftritt von Stanislas Wawrinka gegen Andy Murray war schon beeindruckend. Der sonst in wichtigen Spielen oft zögerliche Wawrinka fand beim überzeugenden Viersatzsieg gegen den britischen Mitfavoriten die richtige Mischung aus Angriff und Vorsicht. Der Romand, der auch das Publikum auf seiner Seite hatte, machte fast keine Fehler und blieb auch in wichtigen Momenten ruhig.

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«Das war mit Sicherheit eines meiner besten Spiele und der schönste Sieg meiner Karriere. Ich war sehr aggressiv. Alles funktionierte bestens», erklärte Wawrinka nach der Partie. «Ich glaube, mein Aufschlag war heute der Schlüssel zum Erfolg. Ich servierte sehr gut und kam zu vielen Gratispunkten. Das ist immer wichtig gegen solch starke Spieler.» Am Ende des ersten Satzes habe er ein bisschen zu defensiv gespielt und Murray zu sehr ins Spielen kommen lassen. «Das konnte ich im zweiten Durchgang zum Glück aber wieder ändern.»

Andy Murray, der weiter auf seinen ersten Grand-Slam-Titel warten muss, zeigte sich als fairer Verlierer. «Er spielte einfach besser als ich und servierte gut, wenn er es brauchte. Mehr gibt's dazu eigentlich nicht zu sagen», erklärte der sichtlich enttäuschte Schotte. Während der Partie ärgerte sich Murray immer wieder über Wawrinka. Der Romand liess sich zwischen den Ballwechseln immer sehr viel Zeit und strapazierte Murrays Geduld.

Mit Lundgren endlich auf die Erfolgsspur?

Für Wawrinka ist der Sieg gegen Andy Murray einer der wichtigsten in seiner Karriere. Zwar stand Wawrinka bereits fünfmal im Achtelfinal eines Grand-Slam-Turniers, doch gegen Topspieler bekundete der Schweizer in seiner Karriere an Major-Turnieren grosse Mühe und konnte gerade gegen die besten der Welt nur selten sein bestes Tennis abrufen. Immer wieder musste der Schweizer sich vorwerfen lassen, in den wichtigsten Momenten nervlich zu versagen. Das scheint sich nun geändert zu haben.

Grossen Anteil an Wawrinkas Wandel hat sicherlich sein neuer Trainer Peter Lundgren. Der ehemalige Coach von Roger Federer hat mit seinem Schützling in den letzten Wochen sehr hart gearbeitet. «Er sieht die Sachen im technischen Bereich anders, er spricht anders und bringt eine andere Vision rein», sagte Wawrinka vor dem US Open. Der Schwede sorgte dafür, dass beim Romand das Selbstvertrauen zurückkehrte und dass Wawrinka auch noch an sich glaubt, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Im Achtelfinal wartet Querrey

Im Achtelfinal trifft Wawrinka am Dienstag auf Sam Querrey. Im bisher einzigen Duell mit dem 22-Jährigen siegte Wawrinka 2009 in Indian Wells knapp mit 2:6, 7:5, 7:6 (8:6). «Das war ein verrücktes Spiel. Sam hat in den letzten zwei Jahren grosse Fortschritte gemacht, ich schätze ihn sehr stark ein. Er hat einen ausgezeichneten Aufschlag, eine gute Rückhand. Es ist nie einfach, gegen ihn zu spielen. Ich muss wie gegen Andy aggressiv bleiben, denn er mag es nicht, wenn man ihn unter Druck setzt.»
Mit einem Sieg würde Wawrinka zum ersten Mal in seiner Karriere in einen Viertelfinal eines Grand-Slams-Turniers vorstossen.