US Open

07. September 2010 14:04; Akt: 08.09.2010 11:09 Print

Wawrinka gewinnt Fünfsatz-KrimiWawrinka gewinnt Fünfsatz-Krimi

Stanislas Wawrinka hat einen weiteren Meilenstein realisiert: Der Romand ist durch einen Fünfsatzsieg über Sam Querrey erstmals in einen Major-Viertelfinal eingezogen.

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Roger Federer konnte das Traumfinale mit Rafael Nadal nicht perfekt machen. Der Schweizer unterlag einem entfesselten Novak Djokovic in fünf Sätzen mit 7:5, 1:6 7:5, 2:6 7:5. Der Serbe wehrte im finalen Durchgang beim Stande von 4:5 und eigenem Aufschlag zwei Matchbälle ab und breakte Federer danach bei dessen Aufschlag. Dabei endet für Federer das US Open zum ersten Mal seit sieben Jahren vor dem Final. Zwei bandagierte Beine und viel Frust: Stanislas Wawrinka verliert gegen Michail Juschni mit 6:3, 6:7, 6:3, 3:6, 3:6. Auch das Racket musste unter seinem Frust leiden. Diesen Bewegungsablauf dürfte Wawrinka in nächster Zeit üben: den Aufschlag. In den letzten beiden Sätzen brachte der Romand beinahe keinen ersten Service ins Feld. Roger Federer lässt Robin Söderling keine Chance und zieht nach einem Dreisatzsieg ins Halbfinale ein. Der Schwede liess seinem Ärger beim 4:6, 4:6 und 5:7 frein Lauf. Stanislas Wawrinka ist dank einem hart erkämpften Fünfsatzsieg über den Amerikaner Sam Querrey zum ersten Mal in seiner Karriere in einen Viertelfinal eines Major-Turniers eingezogen. Der Schweizer spielte wie schon gegen Murray sehr angriffig. Querrey war beim 7:6. 6:7, 7:5, 4:6 und 6:4 aber der erwartet schwere Gegner. Im Entscheidungssatz hatte auch der Amerikaner seine Chance, das Match für sich zu entscheiden. Gegen Jürgen Melzer blieb Roger Federer wieder ohne Satzverlust. Beim 6:3, 7:6, 6:3 musste der Schweizer im Tie Break des zweiten Satzes aber auch etwas Glück in Anspruch nehmen. Der Schweizer war überall auf dem Feld anzutreffen und untermauerte mit seiner Leistung seine Favoritenrolle auf den Titel. Für den Österreicher war es zum Verzweifeln. Auch im zweiten Duell mit Roger Federer blieb Melzer chancenlos. Stanislas Wawrinka traf auf Andy Murray. Der Turnierfavorit holte sich den ersten Satz unverdient. Dann schlug Wawrinka zu und gewann die nächsten Sätze mit 7:6 (7:4), 6:3 und 6:3 und besiegte den Schotten nach zuletzt drei Niederlagen. Für Murray wirds wieder nichts mit dem ersten Grand-Slam-Sieg. Yanina Wickmayer kann es nicht fassen. Sie gewinnt den Krimi gegen Patty Schnyder. Mit 6:7 (5:7), 6:3, 6:7 (6:8) setzt sich die Belgierin durch. Damit sind alle Schweizerinnen ausgeschieden. Auch in seinem dritten Spiel war Roger Federer nicht zu stoppen. Der Schweizer besiegte den Franzosen Paul-Henri Mathieu klar in drei Sätzen. Der Aussenseiter erspielte sich beim 6:4, 6:3 und 6:3-Sieg der Weltnummer 2 zwar vier Breakchancen, aber auch Mathieu konnte Federers Service nicht durchbrechen. Bittere Niederlage für Marco Chiudinelli. Der Baselbieter unterlag dem amerikanischen Service-Giganten John Isner 3:6, 6:3, 6:7 (7:9), 4:6. Wie erwartet war der Aufschlag der grösste Faktor zugunsten des Mannes, der in Wimbledon mehr als elf Stunden auf dem Platz verbracht hatte. Am Schluss wies die Statistik 24 Asse und nur einen Doppelfehler aus - einen sensationellen Wert! Stanislas Wawrinka konnte bei seinem klaren Dreisatzsieg gegen Juan Ignacio Chela überzeugen. Vor allem bei den Big Points behielt der Romand für einmal die Nerven. Chela blieb beim 7:5, 6:3, 6:4-Erfolg des Schweizers absolut chancenlos. Wawrinka trifft in der nächsten Runde nun auf Andy Murray. Zwar ohne zu zaubern, aber dennoch äusserst souverän zog Roger Federer in die dritte Runde ein. Der «Zauberer» liess dem Deutschen Andreas Beck beim 6:3, 6:4 und 6:3 nicht den Hauch einer Chance. Federers Schuhe mit der New Yorker Skyline. Auch Patty Schnyder gewann ihr Zweitrundenspiel ohne grössere Probleme. Die routinierte Schweizerin schlug die Spanierin Martinez Sanchez in zwei Sätzen mit 7:6 und 6:4. Als Letzter qualifizierte sich Marco Chiudinelli für Runde 2. Er räumte den jungen Jack Sock (USA) mit 6:1, 6:4, 1:6, 6:1 aus dem Weg. Nur drei Sätze benötigte Stanislas Wawrinka zum Auftakt. Der Romand besiegt den Kasachen Michail Kukuschkin mit 6:3, 6:2, 6:2. Patty Schnyder erreichte endlich ihren 100. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier. Mit 6:1, 6:3 gegen Kirsten Flipkens (Be) erreichte sie souverän die 2. Runde. Dominika Cibulkova (Slk) war dagegen für die dritte Schweizerin eine Nummer zu gross. Die Slowakin setzte sich gegen Stefanie Vögele mit 6:2, 4:6, 7:5 durch. Vögele ist somit die zweite Schweizerin, welche an der Starthürde scheiterte. Roger Federer setzte sich gegen den Argentinier Brian Dabul souverän in drei Sätzen durch. Beim 6:1, 6:4 und 6:2 begeisterte Federer wie im Vorjahr mit einem zauberhaften Winner zwischen den Beinen hindurch das Publikum. Der fünffache Champion konnte seine Freude am gelungenen Trickschuss nicht ganz verbergen. Bereits ausgeschieden ist Timea Bacsinszky. Die Westschweizerin verlor gegen die Chinesin Zheng Jie mit 7:6 und 7:6.

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Erstmals stehen damit gleich zwei Schweizer Männer im Viertelfinal eines Major-Turniers. Bei den Frauen war dieses Kunststück Martina Hingis und Patty Schnyder dreimal gelungen (1998: French und US Open, 2006: Australian Open). Für Wawrinka selber ist die Premiere etwas ganz Spezielles: Er hatte seine ersten sechs Major-Achtelfinals alle verloren.

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Im Vergleich zur Partie gegen Murray musste sich Wawrinka mit einem ganz anderen Spielstil auseinandersetzen. Er gewöhnte sich aber rasch an die «Aufschlag-Bomben» des 198 Zentimeter langen Amerikaners, nachdem er in dessen drei ersten Servicegames buchstäblich praktisch keinen Ball gesehen hatte.

Querrey ebenbürtig

Wawrinka gewann den ersten Satz mit seiner fünften Chance und hatte dann im zweiten Durchgang die Möglichkeit, für die Vorentscheidung zu sorgen. Bei 5:4 und eigenem Aufschlag hatte er vier Satzbälle, einige davon sehr machbar, in dieser Phase versagte aber vor allem seine Vorhand.

Nach dem Satzgleichstand durch den von der Grundlinie phasenweise überraschend starken Querrey geriet Wawrinka gleich 0:3 in Rückstand, verlor aber in einer ähnlichen Situation wie gegen Murray (6:7, 0:3) wieder nicht die Nerven. Mit einer 2:1-Satzführung im Sack, komplizierte er die Angelegenheit aber selber, in dem er nur 43 Prozent erster Bälle ins Feld brachte.

Angriffig im Entscheidungssatz

Obwohl er sich im letzten Satz aber am dick einbandagierten Oberschenkel behandeln lassen musste, steckte er nicht auf und verwertete nach 4:28 Stunden den Matchball mit einem Backhand- Volley. Symptomatisch für den «neuen Wawrinka»: er rückte auf den zweiten Aufschlag Querreys vor und setzte den Riesen unter Druck. Er beendete das US Open nicht nur für Querrey, sondern auch für das gesamte Gastgeberland. Zum zweiten Mal in Serie und zum zweiten Mal überhaupt in der Open Era steht kein Amerikaner im Viertelfinal.

Wawrinkas nächste Aufgabe wird erneut nicht einfach zu lösen sein, beklagen darf er sich aber nicht. Er trifft nun auf Michail Juschni (Russ/12), der Tommy Robredo sicher im Griff hatte. Juschni im Viertelfinal ist kein schlechtes Los, der hoch begabte aber auch unkonstante Mann aus Moskau ist zu allem fähig. Auch in New York: Hier hat er einst Rafael Nadal im Viertelfinal geschlagen, im Vorjahr unterlag er hingegen Marco Chiudinelli. Zwischen Wawrinka und Juschni steht es im Head-to-Head 2:2.


Flushing Meadows, New York. Grand-Slam-Turnier (22,668 Mio. Dollar/Hart). Männer. Achtelfinals:
Roger Federer (Sz/2) s. Jürgen Melzer (Ö/13) 6:3, 7:6 (7:4), 6:3.
Stanislas Wawrinka (Sz/25) s. Sam Querrey (USA/20) 7:6 (11:9), 6:7 (5:7), 7:5, 4:6, 6:4.
Robin Söderling (Sp/5) s. Albert Montañes (Sp/21) 4:6, 6:3, 6:2, 6:3.
Michail Juschni (Russ/12) s. Tommy Robredo (Sp) 7:5, 6:2, 4:6, 6:4.

Viertelfinal-Tableau: Nadal (1)/Lopez (23)- Ferrer (10)/ Verdasco (8), Wawrinka (25) - Juschni (12); Monfils (17) - Djokovic (3), Söderling (5) - Federer (2).

Frauen. Achtelfinals: Caroline Wozniacki (Dä/1) s. Maria Scharapowa (Russ/14) 6:3, 6:4.
Vera Swonarewa (Russ/7) s. Andrea Petkovic (De) 6:1, 6:2.

Viertelfinal-Tableau: Wozniacki (1) - Cibulkova, Kanepi (31) - Swonarewa (7); Schiavone (6) - Venus Williams (3), Stosur (5) - Clijsters (2).

(pre/si)