US Open

05. September 2010 16:01; Akt: 06.09.2010 09:39 Print

Wawrinka eliminiert Murray sensationellWawrinka eliminiert Murray sensationell

von Reto Fehr - Wieder nichts: Andy Murray scheitert am US Open. Stanislas Wawrinka sorgt für die bisher grösste Sensation mit einem beherzten Viersatzsieg.

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Roger Federer konnte das Traumfinale mit Rafael Nadal nicht perfekt machen. Der Schweizer unterlag einem entfesselten Novak Djokovic in fünf Sätzen mit 7:5, 1:6 7:5, 2:6 7:5. Der Serbe wehrte im finalen Durchgang beim Stande von 4:5 und eigenem Aufschlag zwei Matchbälle ab und breakte Federer danach bei dessen Aufschlag. Dabei endet für Federer das US Open zum ersten Mal seit sieben Jahren vor dem Final. Zwei bandagierte Beine und viel Frust: Stanislas Wawrinka verliert gegen Michail Juschni mit 6:3, 6:7, 6:3, 3:6, 3:6. Auch das Racket musste unter seinem Frust leiden. Diesen Bewegungsablauf dürfte Wawrinka in nächster Zeit üben: den Aufschlag. In den letzten beiden Sätzen brachte der Romand beinahe keinen ersten Service ins Feld. Roger Federer lässt Robin Söderling keine Chance und zieht nach einem Dreisatzsieg ins Halbfinale ein. Der Schwede liess seinem Ärger beim 4:6, 4:6 und 5:7 frein Lauf. Stanislas Wawrinka ist dank einem hart erkämpften Fünfsatzsieg über den Amerikaner Sam Querrey zum ersten Mal in seiner Karriere in einen Viertelfinal eines Major-Turniers eingezogen. Der Schweizer spielte wie schon gegen Murray sehr angriffig. Querrey war beim 7:6. 6:7, 7:5, 4:6 und 6:4 aber der erwartet schwere Gegner. Im Entscheidungssatz hatte auch der Amerikaner seine Chance, das Match für sich zu entscheiden. Gegen Jürgen Melzer blieb Roger Federer wieder ohne Satzverlust. Beim 6:3, 7:6, 6:3 musste der Schweizer im Tie Break des zweiten Satzes aber auch etwas Glück in Anspruch nehmen. Der Schweizer war überall auf dem Feld anzutreffen und untermauerte mit seiner Leistung seine Favoritenrolle auf den Titel. Für den Österreicher war es zum Verzweifeln. Auch im zweiten Duell mit Roger Federer blieb Melzer chancenlos. Stanislas Wawrinka traf auf Andy Murray. Der Turnierfavorit holte sich den ersten Satz unverdient. Dann schlug Wawrinka zu und gewann die nächsten Sätze mit 7:6 (7:4), 6:3 und 6:3 und besiegte den Schotten nach zuletzt drei Niederlagen. Für Murray wirds wieder nichts mit dem ersten Grand-Slam-Sieg. Yanina Wickmayer kann es nicht fassen. Sie gewinnt den Krimi gegen Patty Schnyder. Mit 6:7 (5:7), 6:3, 6:7 (6:8) setzt sich die Belgierin durch. Damit sind alle Schweizerinnen ausgeschieden. Auch in seinem dritten Spiel war Roger Federer nicht zu stoppen. Der Schweizer besiegte den Franzosen Paul-Henri Mathieu klar in drei Sätzen. Der Aussenseiter erspielte sich beim 6:4, 6:3 und 6:3-Sieg der Weltnummer 2 zwar vier Breakchancen, aber auch Mathieu konnte Federers Service nicht durchbrechen. Bittere Niederlage für Marco Chiudinelli. Der Baselbieter unterlag dem amerikanischen Service-Giganten John Isner 3:6, 6:3, 6:7 (7:9), 4:6. Wie erwartet war der Aufschlag der grösste Faktor zugunsten des Mannes, der in Wimbledon mehr als elf Stunden auf dem Platz verbracht hatte. Am Schluss wies die Statistik 24 Asse und nur einen Doppelfehler aus - einen sensationellen Wert! Stanislas Wawrinka konnte bei seinem klaren Dreisatzsieg gegen Juan Ignacio Chela überzeugen. Vor allem bei den Big Points behielt der Romand für einmal die Nerven. Chela blieb beim 7:5, 6:3, 6:4-Erfolg des Schweizers absolut chancenlos. Wawrinka trifft in der nächsten Runde nun auf Andy Murray. Zwar ohne zu zaubern, aber dennoch äusserst souverän zog Roger Federer in die dritte Runde ein. Der «Zauberer» liess dem Deutschen Andreas Beck beim 6:3, 6:4 und 6:3 nicht den Hauch einer Chance. Federers Schuhe mit der New Yorker Skyline. Auch Patty Schnyder gewann ihr Zweitrundenspiel ohne grössere Probleme. Die routinierte Schweizerin schlug die Spanierin Martinez Sanchez in zwei Sätzen mit 7:6 und 6:4. Als Letzter qualifizierte sich Marco Chiudinelli für Runde 2. Er räumte den jungen Jack Sock (USA) mit 6:1, 6:4, 1:6, 6:1 aus dem Weg. Nur drei Sätze benötigte Stanislas Wawrinka zum Auftakt. Der Romand besiegt den Kasachen Michail Kukuschkin mit 6:3, 6:2, 6:2. Patty Schnyder erreichte endlich ihren 100. Sieg an einem Grand-Slam-Turnier. Mit 6:1, 6:3 gegen Kirsten Flipkens (Be) erreichte sie souverän die 2. Runde. Dominika Cibulkova (Slk) war dagegen für die dritte Schweizerin eine Nummer zu gross. Die Slowakin setzte sich gegen Stefanie Vögele mit 6:2, 4:6, 7:5 durch. Vögele ist somit die zweite Schweizerin, welche an der Starthürde scheiterte. Roger Federer setzte sich gegen den Argentinier Brian Dabul souverän in drei Sätzen durch. Beim 6:1, 6:4 und 6:2 begeisterte Federer wie im Vorjahr mit einem zauberhaften Winner zwischen den Beinen hindurch das Publikum. Der fünffache Champion konnte seine Freude am gelungenen Trickschuss nicht ganz verbergen. Bereits ausgeschieden ist Timea Bacsinszky. Die Westschweizerin verlor gegen die Chinesin Zheng Jie mit 7:6 und 7:6.

Die Schweizer am US Open.

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Wawrinka war im ersten Satz der bessere Spieler. Insbesondere nach dem Break zum 3:1 dominierte der Romand die Partie. Beim Stand von 5:3 und 30:0 riss aber plötzlich der Faden. Wawrinka kassierte das Break und der Satz musste ins Tiebreak. Dort agierte der Schweizer zu fehlerhaft. Murray sicherte sich den ersten Satz nach 70 Minuten mit 7:6 (7:3).

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Im zweiten Satz lief dann gar nichts mehr. Murray führte nach wenigen Minuten mit einem Break 3:0. Doch Wawrinka kämpfte sich zurück und glich wenig später zum 3:3 aus. Der Satz schien dem Romand erneut zu entgleiten, als er Murray ein unnötiges Break zum 3:5 zugestand. Wieder war die Reaktion des Schweizers darauf jedoch stark: Er schaffte das sofortige Rebreak zum 4:5. Wieder musste der Satz ins Tiebreak. Dieses Mal lief es für Wawrinka besser: Nach 68 Minuten gewinnt er die Kurzentscheidung mit 7:4 und gleicht zum 1:1 nach Sätzen aus.

Den Schwung konnte Wawrinka in den dritten Satz mitnehmen. Allerdings kassierte er erst ein Break zum 0:1, bevor er vier Games in Serie für sich entscheiden konnte und auf 4:1 davonzog. Dieses Mal gab er die Führung nicht mehr her und nutzte seinen zweiten Satzball nach 48 Minuten zum 6:3 und der 2:1-Satzführung.

Jetzt gegen Sam Querrey

Beide Spieler mussten sich jetzt pflegen lassen. Doch Wawrinka startete auch in den vierten Satz besser. Er nahm Murray sogleich den Aufschlag zum 1:0 wieder ab. Auf das sofortige Rebreak hatte der 25-Jährige sogleich wieder eine Antwort bereit. Ihm gelang der Servicedurchbruch zum 3:2. Es hätte noch besser kommen können. Kurz darauf hatte Wawrinka drei Breakbälle in Serie, um auf 5:2 zu erhöhen, was wohl die Entscheidung gewesen wäre. Doch Murray kämpfte sich zurück und verkürzte auf 3:4. Vor dem nächsten Game musste sich die Weltnummer 4 in diesem Krimi erneut pflegen lassen. Wenig später hatte Wawrinka den ersten Breakball, welchen Murray noch abwehren konnte. Doch mit dem zweiten Matchball nach 3:56 Stunden holte sich der Romand den 6:7, 7:6, 6:3, 6:3 Sieg und steht in der Runde der letzten 16.

Im Achtelfinal trifft Wawrinka auf Sam Querrey. Der Amerikaner ist die Hoffnung der New Yorker. Im bisher einzigen Duell mit dem 22-Jährigen siegte Wawrinka 2009 in Indian Wells knapp mit 2:6, 7:5, 7:6 (8:6).

Für Murray ist das Aus bitter. Vor dem Duell mit Wawrinka gab er keinen Satz ab und zeigte sich in der nordamerikanischen Hartplatzsaison zuvor sehr stark. So wartet Grossbritannien aber weiterhin auf den ersten Grand-Slam-Sieger seit Fred Perry 1936 – und auch Murray darf sich noch nicht Major-Sieger nennen.


Flushing Meadows, New York. US Open. Grand-Slam-Turnier (22,668 Mio. Dollar/Hart). Männer. 3. Runde:
Stanislas Wawrinka (Sz/25) s. Andy Murray (Gb/4) 6:7 (3:7), 7:6 (7:4), 6:3, 6:3.
Michail Juschni (Russ/12) s. John Isner (USA/18) 6:4, 6:7 (7:9), 7:6 (7:5), 6:4.
Tommy Robredo (Sp) s. Michael Llodra (Fr) 3:6, 7:6 (8:6), 6:4, 2:1 w.o.

Achtelfinal-Tableau: Nadal (1) - Lopez (23), Ferrer (10) - Verdasco (8), Wawrinka (25) - Querrey (20), Juschni (12) - Robredo; Gasquet - Monfils (17), Fish (19) - Djokovic (3), Söderling (5) - Montañes (21), Melzer (13) - Federer (2).