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US-Open-Gipfeltreffen
07. September 2011 12:13; Akt: 08.09.2011 07:18 Print
So gewinnt Federer gegen Tsonga
von Fabian Vogt - Obwohl Jo-Wilfried Tsonga die letzten zwei Duelle mit Roger Federer gewann, ist der Schweizer der bessere Spieler. Wir zeigen, wie Roger gewinnen und in den Halbfinal einziehen kann.
Die lustigsten Bilder der US Open 2011.
High Noon in New York: Nur noch acht Spieler sind an den US Open dabei, die besten. Zu ihnen gehört, seit Jahren, Roger Federer. Der Baselbieter ist schon lange der bekannteste Schweizer der Welt und für viele der beste Tennisspieler aller Zeiten. Doch die Vergangenheit zählt nicht. Nicht heute. Denn heute hat Federer nur ein Ziel: ins Halbfinale einzuziehen. Sein Gegner: Jo-Wilfried Tsonga.
Bildstrecken Die Karriere von Roger Federer Video
Unüberwindbarer Federer gewinnt Ballwechsel
Ausgerechnet der Modellathlet aus Frankreich also, der in diesem Jahr zu den besten Tennisspielern der Gegenwart aufgestiegen und zum Angstgegner Federers mutiert ist.
Der Aufstieg Tsongas
Wenn man in Zukunft über das Tennisjahr 2011 spricht, wird natürlich jeder von Novak Djokovics Dominanz reden. Mit Recht. Allerdings kann man fast im gleichen Atemzug auch Jo-Wilfried Tsonga erwähnen, der den Schritt vom ewigen Talent zum Superstar geschafft hat. Zwar widerspiegelt sich diese Entwicklung (noch) nicht im Ranking – Tsonga liegt wie vor einem Jahr auf Rang 11 – aber in den Resultaten. Zu Beginn des Jahres blieben diese noch aus, in Paris verlor er nach einer 2:0-Satzführung in der 3. Runde gegen Stanislas Wawrinka. Doch dieses Spiel markierte irgendwie den Wendepunkt in Tsongas Spiel- und Denkweise.
War er bislang als Spieler bekannt, der sein Potenzial oft nicht ausschöpfen konnte, weil er zu schnell aufgab, mutierte er nun zur Kämpfernatur. In Queens besiegte er im Viertelfinal Rafael Nadal, bevor er im Final gegen Lokalheld Andy Murray nur knapp scheiterte und kurz darauf in Wimbledon zur grossen Show ansetzte: Go Soeda, Grigor Dimitrov, Fernando Gonzalez, David Ferrer. Der Weg für Tsonga in den Viertelfinal war schon kein einfacher und dort wartete der Grand-Slam-Rekordchampion. Roger Federer holte sich die ersten beiden Sätze und wohl niemand hätte mehr einen Pfifferling auf den Franzosen gegeben. Doch dieser spielte in der Folge den eigentlich gut aufgelegten Federer an die Wand und gewann die letzten drei Sätze mit jeweils einem Break 6:4, , bevor er dann in der nächsten Runde an Djokovic scheiterte. Aber Tsongas Nachricht war klar: Ich bin ein neuer Spieler. Das bewies er auch vor einem Monat in Montreal, als er erneut Roger Federer besiegte und die Endstation wieder Djokovic hiess, wieder im Halbfinale.
Wie stoppt man den Franzosen?
Dorthin könnte Tsonga auch mit einem Sieg über Federer einziehen – und wer würde wohl warten? Natürlich Novak Djokovic. Doch bevor der Franzose seinen Revanchegelüsten frönen kann, hofft die Schweiz, dass Roger Federer seine befriedigt. Denn er hat die spielerischen Mittel, um Tsonga zu besiegen. So kann er ihn schlagen:
-Viele erste Aufschläge im Feld. Tsonga retourniert den ersten jeweils von weit hinter der Grundlinie, dadurch kann Federer von Beginn weg die Kontrolle übernehmen. Tsonga gewann über den Verlauf des Jahres nur in 28 Prozent der Fälle den Punkt, wenn er einen ersten Service retournieren musste. Beim zweiten sind es immerhin 48 Prozent, was zwar auch keine berauschende Zahl ist, aber diese geben dem Franzosen die Möglichkeit, seine Rückhand zu umlaufen.
-Den Gegner laufen lassen. Auch wenn Tsonga ein schneller Spieler ist: Es gibt mit Sicherheit schnellere. Zudem mag er es nicht, improvisieren zu müssen. Wird er einmal auf dem falschen Fuss erwischt, hat er den Punkt praktisch verloren. Ebenfalls hat er Probleme, wenn er die Rückhand aus vollem Lauf cross schlagen muss.
-Die Cross-Duelle gewinnen. Beide Spieler versuchen, den anderen auf der Backhand anzuspielen, da sowohl Federer als auch Tsonga einen enormen Druck mit der Vorhand entwickeln können und praktisch keine Bälle aus dem Halbfeld verschlagen. Darum wird es viele Backhand-Cross-Duelle geben, bei denen vor allem der Franzose versucht, die Rückhand zu umlaufen. Das muss Federer ausnutzen.
-Erste Aufschläge zurückbringen. Tsongas Service gehört zu den besten auf der Tour. Nur drei Spieler (John Isner, Feliciano Lopez, Ivo Karlovic) haben in diesem Jahr mehr Asse geschlagen als er. Ist der erste Service im Feld, gewinnt Tsonga zu 77 Prozent den Punkt. Darum muss Roger versuchen, möglichst viele Aufschläge zu returnieren, damit Tsonga mehr Risiko nehmen muss. Beim zweiten Service nämlich sieht die Statistik anders aus, da reüssiert der Franzose nur zu 52 Prozent und liegt damit auf Rang 23 aller aktiver Spieler.
-Variabel spielen. Die grosse Stärke Federers, die Schwäche Tsongas. Alle wissen, was der Franzose kann: Attackieren mit vor allem schnörkellosen Vorhandbällen, zudem hat er auch in der Verteidigung enorme Fortschritte gemacht. Wenn die Bälle gerade kommen, steht er gut zum Ball. Streut aber Federer in den Cross-Duellen Slices ein, ändert den Winkel und Tsonga muss sich bewegen, ist der Trefferpunkt des Franzosen nicht mehr optimal.
-Chancen nutzen. Da beide Spieler über einen hervorragenden Aufschlag verfügen, gibt es nicht viele Breaks, beide gewannen in diesem Jahr fast 90 Prozent ihrer Service-Games. Also geht es darum, die wenigen Chancen zu nutzen. Federer bestach Jahre lang durch seine Effizienz in diesem Bereich, doch in diesem Jahr konnte er nur 39 Prozent aller Breakpunkte verwerten, Rang 47 in der Rangliste. Tsonga liegt da deutlich vor dem 30-Jährigen, auf Rang 22. Sollte ein Satz ins Tiebreak gehen, wird es wirklich eng: Mit einer Statistik von 301-156 ist zwar Federer der erfolgreichste Tiebreak-Spieler aller Zeiten, Tsonga steht aber mit 87-58 auch bereits auf Rang 10, und betrachtet man die direkten Kurzvergleichentscheide der beiden, führt Tsonga 3:2.
Man sieht: Federer hat viele Möglichkeiten, gegen Tsonga zu gewinnen und zum achten Mal in Folge ins Halbfinale der US Open einzuziehen. Doch natürlich weiss Jo-Wilfried Tsonga mittlerweile auch, wie er den Schweizer besiegen kann und er dürfte zudem im mentalen Bereich Vorteile haben. Es verspricht ein Duell der Extraklasse zu werden!
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