Wie schwierig ...

17. August 2010 13:24; Akt: 17.08.2010 23:39 Print

... ist eigentlich Stabhochsprung?... ist eigentlich Stabhochsprung?

von M. Brand & R. Fehr - Am Donnerstag steigt das Diamond League Meeting in Zürich. Vier Meter wird die Anfangshöhe bei den Stabhochspringerinnen sein – wir scheiterten früher.

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Wie schwierig ist eigentlich Stabhochsprung? (Video: M. Bangerter/M. Gilliand) Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Der erste (nicht anerkannte) Weltrekord im Stabhochsprung datiert von 1849. Damals übersprang Francis Temple 3,15 Meter. Den ersten offiziellen Weltrekord stellte 1912 Marc Wright mit 4,02 Metern auf. Mittlerweile gilt bei den Frauen die Bestmarke von 5,06 Metern, will ein Mann den Weltrekord verbessern, muss er 6,14 Meter überspringen. Die ersten (Flug-)Versuche der 20-Minuten-Online-Redaktoren Monika Brand und Reto Fehr kamen nicht im Entferntesten in die Nähe dieser Höhen – trotz der fachkundigen Anleitung der Schweizer Meisterin Anna Katharina Schmid, welche im Letzigrund auch am Start sein wird. Damit wir wenigstens eine Höhe als «persönliche Bestleistung» auf den Weg nehmen können, mussten wir bei unseren Versuchen mit dem ganzen Körper ein Gummiseil überspringen. Dass der Stab danach ins Seil krachte, war irrelevant.

So werden wir auch am Donnerstag «Weltklasse Zürich» mitverfolgen und uns bei den Ästheten mit dem Stab fragen: Wie machen die das bloss?

Monika Brand: Harte Arbeit, viel Vertrauen – und enormes Suchtpotenzial

Stabhochsprung. Das wollte ich schon immer einmal machen. Dementsprechend gross war meine Motivation bei dieser Folge von «Wie schwierig ist eigentlich…?». Was im Fernsehen so locker und filigran aussieht, ist in Wahrheit ein hartes Stück Arbeit. Schon nur während dem Anlauf den Stab kerzengerade in die Luft zu halten erfordert einiges an Muskelkraft.

Doch zum Glück gabs für Reto und mich – beides blutige Anfänger versteht sich – die etwas leichtere Einstiegsvariante. Dabei musste der Stab nur knapp über Boden und nicht in die luftige Höhe gehalten werden. Dann ging es los. Zuerst ein paar Testsprünge, um den Anlauf und das Gefühl für den Absprung zu finden. Letzterer passte bei mir haargenau. Wohl zum einen, weil ich aufgrund von meiner etwa gleichen Körpergrösse von den Werten von Schweizer Meisterin Anna Katharina Schmid profitieren konnte. Zum anderen weil mir das Vertrauen auf eine gleichmässige Schrittlänge von vergangenen Weitsprung- und Speerwurf-Zeiten nicht ganz fremd war.

Es folgte die erste Steigerung: Nicht nur abspringen und auf die Matte hopsen, sondern beim Absprung die Beine in die Höhe hieven, sich vom Stab in die Luft katapultieren lassen – und auf dem Rücken landen. Schon nur das brauchte viel Vertrauen: in sich, seinen Anlauf – und erst recht in den Stab! Doch siehe da: Es ging. Und noch viel mehr: Es machte auch höllisch Spass. Zeit also, um das Gummiseil zu montieren. Eine Latte, wie sie bei den Wettkämpfen zum Einsatz kommt, wäre für uns noch zu gefährlich gewesen.

Die 1,70 Meter Anfangshöhe wirkten viel weniger hoch, als die Zahl bedeutet. Dennoch hatte ich meine liebe Mühe mit der Anfangshöhe, der Respekt war wohl zu gross – und ich riss dreimal. Reto stellte sich da schon besser an – wenn auch technisch völlig untalentiert - und ich musste ihm mehr oder weniger kampflos den Sieg überlassen.

Doch einfach so auf mir sitzen lassen, konnte ich diese Pleite nicht. Zu gross war der Ehrgeiz. Also versuchte ich mich nach dem Video-Dreh noch zweimal auf der Anfangshöhe – und schaffte sie dann doch noch. Auch wenn das, was wir da ausprobiert haben, noch wenig mit Stabhochsprung zu tun hatte: Es besteht tatsächlich Suchtpotenzial!

Reto Fehr: Alles falsch gemacht und doch reüssiert

Wenn ich zwei Sportarten nennen müsste, bei denen ich garantiert talentfrei bin, dann wären dies Kunstturnen und der Sprint. Kombiniert ergibt sich in etwa Stabhochspringen. Die Voraussetzungen waren also entsprechend schlecht. Doch eines schon vorneweg: Man muss nicht gut sein, um Spass zu haben.

Bis jetzt kannte ich Stabhochspringen nur als Sofa-Sport vor dem TV. Ja, sie springen hoch. Aber nein, es macht nicht wirklich Eindruck und wäre mir wohl zu langweilig. Das alles ändert sich schlagartig, wenn man selber mit dem Stab in der Hand vor der Matte steht. Die Anspannung ist schon beim Anlauf gross: Treffe ich das Loch oder endet alles schon, bevor es angefangen hat? Und dann den ganzen Körper irgendwie in die Höhe und über das Gummiseil. Das «irgendwie» verrät mich schon. Elegant sah ich nicht aus. Eigentlich habe ich gar ziemlich alles falsch gemacht: Erst der Absprung mit dem falschen Bein und dann auch noch auf der falschen Seite am Stab vorbeigeschwungen. Dass ich am Ende auf der richtigen Seite am Stab vorbeikam, habe ich hingekriegt. Der korrekte Absprung, ging motorisch einfach nicht. Eigentlich unerklärlich.

Nachdem ich die 1,70 Meter relativ locker geschafft hatte, dachte ich mir, dass 2 Meter möglich sein müssten. Am Ende übersprang ich 2,30 Meter und scheiterte erst bei 2,50 Meter. Für mich ein fantastisches Ergebnis. Und man stelle sich vor, ich würde den Absprung noch hinkriegen ...

Viel entscheidender als die Höhe war das Gefühl. Der Höhenrausch wird zur Sucht. Auch wenn die Versuche nicht wirklich viel mit Stabhochsprung zu tun hatten, der Spass ist enorm und sehr weiterzuempfehlen. Mit jeder Höhe steigt der Kick. Was muss es erst für ein Gefühl sein, wenn sich der Stab biegt, man kopfüber in der Luft steht und sich dann noch in die Höhe katapultiert? Ich werde es nie erfahren. Aber ich beneide alle, die es können.