Wie schwierig ist eigentlich?

13. Januar 2011 15:38; Akt: 14.02.2011 18:05 Print

Ein Bubentraum aus Schaumgummi

von Patrick Toggweiler - Mat Rebeaud gehört zu den weltbesten Freestyle-Motocross-Fahrern (FMX) der Welt. 20 Minuten Online durfte über eine seiner Trainings-Schanzen springen – und hat sich für einmal nicht verletzt.

(Video: 20 Minuten Online)
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Wenn Mat Rebaud einlädt, über eine seiner Trainingsschanzen zu springen, ist das vielleicht mit einer Offerte eines Klitschkos, ihn ins Gesicht zu schlagen, zu vergleichen: Technisch nicht sehr anspruchsvoll und begleitet von Angst vor Verletzungen (des eigenen Körpers) – vor allem aber eine einmalige Gelegenheit. Die Boxgeschichte wird mir wohl ein Leben lang vorenthalten bleiben, dank Mat Rebeaud weiss ich nun aber, wie schwierig FMX ist.

Eine einmalige Gelegenheit

Mats Schanzenpark hinter der Kartbahn in Payerne ist ein wahrer Bubentraum. Welcher Junge wünscht sich nicht ein Trampolin im Garten. Und hier stehen gleich mehrere – für Motorräder – umso besser. Herz der Anlage ist das enorme Schaumgummi-Becken. Da hinein kann Mat Rebeaud relativ gefahrenlos neue Sprünge einstudieren. FMX-Laien wie mir bietet sie optimale Voraussetzungen für einen ersten Sprung. Herzklopfen. Motorradfahren kann ich. So richtig abgehoben bin ich aber noch nie. Ich tendiere eher zum Easyriding als zum Ich-pushe-Mann-und-Maschine-ans-Limit.

Mat macht mir klar, dass, wenn ich mich richtig verhalte, nichts schiefgehen kann. Den Töff mit beiden Beinen zusammenklemmen – etwas Gas auf der Rampe – nicht schalten – und vor allen Dingen, egal was passiert, das Motorrad nicht loslassen. Letzteres ist Hauptverletzungsursache.

Zu schnell für Erinnerungen

Letztendlich wird der Sprung zu einer Mutprobe. Mehr nicht. Die Grenze, bei der Draufgängertum in Dummheit umschlägt, wird hier nicht überschritten. Deshalb springe ich. Wie vor einem Jahr beim Skispringen fehlen mir dazu heute jegliche Erinnerungen. Zu schnell war es vorbei. Schade, sehr schade. Ich weiss nur noch, wie glücklich ich war, als ich kopfüber im Schaumgummi steckte, das 90-Kilo-Motorrad über mir.

Später erfahre ich vom besorgten Mat Rebeaud, dass ich beinahe die Wand touchierte – und dass ich weniger Gas geben soll, damit ich mich in der Luft nicht wieder so arg drehe. Ich befolge seinen Rat und ich schaffe es mit meinem Minisatz beinahe nicht in den Schaumgummiteich. Der Gashahn reagiert ultrasensibel. Mir wird bewusst, wie wenig über einen tollen Sprung oder einen fürchterlichen Crash entscheidet.

Die Kehrseite der Medaille

Mats Konkurrenz schläft nicht. Der Sport verlangt nach immer noch schwierigeren und spektakuläreren Sprüngen. Während ich mich nach einem aufregenden Erlebnis wieder in die Sicherheit der Redaktion verkriechen kann, ist dies erst die Vorstufe von Mats täglichem Brot. Das Schaumgummibecken nur die Feigling-Version von FMX. Mats Boden der Realität ist pickelhart, aus Dreck und Steinen. Die riesige Anlange ist nicht einfach nur Bubentraum, sondern vor allem eine Vorsichtsmassnahme, damit Mat Rebeaud nicht bei jedem Training das Leben riskieren muss. In diesem Sinn: Alles Gute, Mat!