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Harte Kufen, weiche Kerle
16. Februar 2010 16:04; Akt: 08.03.2010 16:12 Print
Wie schwierig ist eigentlich Eishockey?
Bevor die Schweiz ins Olympische Eishockey-Turnier startet, stieg die 20-Minuten-Onlineredaktion in die Hosen, um den besten Eishockeyspieler zu küren. Für fast alle Teilnehmer wurde dieses Unterfangen jedoch zum Debakel.
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Die Sportredaktoren Reto Fehr und Patrick Toggweiler und Reporterchef Marius Egger trafen sich morgens um 6.00 Uhr vor der Kolping Arena in Kloten, um unter den Expertenaugen von Sportredaktorin Monika Brand, selber Eishockeyspielerin, endgültig auszujassen, wer von ihnen der beste Eishockeyspieler ist. Fazit: Kraft und ein grosses Mundwerk alleine machen noch keinen Meister. Und selbst der beste Techniker kann an einer Torhüterin verzweifeln. So sahen die vier Beteiligten den kleinen Wettkampf:
Eishockey ist auch eine Gleichgewichtsfrage.
Wie schwierig ist eigentlich?
Dieser Titel steht für eine lose Serie, in welcher 20 Minuten Online SportredaktorInnen verschiedene Sportarten testen. Die Disziplinen sollen dabei nicht in allen Einzelheiten und technischen Finessen ausgearbeitet, sondern vor allem von der Seite Spassfaktor angegangen werden.
Monika Brand (Trainerin): Bleibt doch beim Fussball
Eishockey lebt von harten Checks, Tempo, Technik und Leidenschaft. Zumindest an Letzterem hats bei den drei Jungs nicht gefehlt. Die Checks haben wir aussen vor gelassen, dass wäre wohl zu gefährlich gewesen. Das Tempo – naja, reden wir nicht davon. Und wenigstens bei der (Stock-)Technik gabs ein, zwei Lichtblicke. Mehr aber auch nicht. Reporterchef Marius schürte beim hohen Slapshot die Hoffnungen, Reto zeigte beim Penaltyschiessen, dass er schon das eine oder andere Video von NHL-Crack Alexander Owetschkin gesehen hat. Die Umsetzung dann aber mangelhaft. Torhüterin Vanessa Clavadetscher von den GCK Lions liess sich von den «Kapriolen» des Sportchefs nicht beirren.
Den nächsten Eishockey-Superstar habe ich nicht gefunden. Doch witzig war die ganze Aktion allemal – vor allem für mich als Zuschauerin. Meine Demonstration in der Disziplin «hoher Slapshot» wird den drei «harten Kerlen» wohl noch etwas am Ego nagen – auch ihre Chancenlosigkeit gegen Torhüterin Vanessa. Ein kleiner Tipp von mir: Bleibt doch beim Fussball …
Marius Egger (blaues Dress): 50 Cent auf Kufen
Als ich noch klein war, spielten wir im Winter jeden Mittwochnachmittag auf der KEBA (Kunsteisbahn Aarau) Eishockey. Ich hielt mich für technisch versiert (wie Wayne «The great one» Gretzky), ich hielt mich für torgefährlich (wie Ron Wilson 1984) und ich hielt mich für wendig (wie Andres Ambühl). Ich hab jetzt eine andere Meinung.
Problem eins: Ich blieb klein. In die Eishockeyrüstung im XL-Format hätte ich auch noch einen Kollegen mitnehmen können. Doch als «50 Cent auf Kufen» ertränkte sich meine Wendigkeit in übergrossen Hockeyhosen, die erst in den Kniekehlen stecken blieben. Im Geschicklichkeitsparcours hatte ich so – auch wenn es immer noch schmerzt - gegen Reto keine Chance.
Problem zwei: Meine Torgefährlichkeit auf der KEBA stellte ich jeweils ohne Torhüter unter Beweis. Das war diesmal anders. Seit ich fünfmal auf das «weibliche Monster» zwischen den Pfosten zuraste und nicht einen Puck versenkte, weiss ich, dass die Weisheit «Die Angst des Schützen vor dem Elfmeter» auch für das Eishockey gilt. Das «Monster» war schlicht zu gut und nahm mir endgültig die jugendliche Illusion, ich wäre ein guter Hockeyspieler geworden. Es wurde auch langsam Zeit.
Reto Fehr (gelbes Dress): Beim Slapshot überfordert
Auf dem Eis stand ich schon oft. Meist allerdings irgendwo auf einem gefrorenen Weiher mit entsprechend unebener Unterlage. Vom «chneblen» in der Jugend weiss ich: Ich bin mehr der technisch versierte Schönspieler, als der eiskalte Hammermann von der blauen Linie. Mehr der Passgeber, als der Vollstrecker. Mehr Bykow, als Chomutov – auf anderem Niveau natürlich.
Darum kommen wir auch gleich zur Problemdisziplin: Der hohe Slapshot. Keinen der fünf Versuche brachte ich im Tor unter, einer kam immerhin hoch. Viel zu hoch allerdings. Übers Tor nämlich. Wie das ging? Keine Ahnung. Es ist schon peinlich, den hohen Slapshot – die Königsvariante des Schusses - nicht im Griff zu haben. Das ist fast so, wie wenn eine Sekretärin das Zehnfingersystem auf der Tastatur nicht kann, ein Beachvolleyballer den Smash nicht beherrscht oder ein Clown die Leute nicht zum lachen bringt. Immerhin letzteres dürfte uns geglückt sein. Auch in den zwei weiteren Disziplinen habe ich nicht brilliert, aber meine Konkurrenten immerhin besiegt. Das macht die Schlagschuss-Schmach vergessen.
Patrick Toggweiler (rotes Dress): Schade, schade
Eishockeyspieler sind keine Weicheier. Abfällig wird über die verweichlichten Fussballer gelacht und eine Portion Snus nachgeschoben. Und wenn sich dann drei Männer in dieser Sportart messen, dann geht es um mehr als nur um Stocktechnik und eisläuferische Qualitäten. Dann geht es um die Männerehre. Kein anderes «Wie schwierig ist eigentlich...» hätte ich lieber gewonnen. Niederlagen im Radball oder Tischtennis – alles Kinkerlitzchen. Den Sieg im Skiakrobatik hätte ich gerne eingetauscht, um einfach nicht im Eishockey zu verlieren. Vor allem der hohe Slapshot: Null von fünf... ich kann es nicht fassen.
Und da wäre noch etwas: Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Wieso habe ich diese Sportart nicht früher richtig entdeckt? Vielleicht zehn, fünfzehnmal nur, war ich in meinen Jugendjahren «chneblen». Zu weit weg war die Eishalle. Sogar wenn man sich auf dem Velo ans Töffli des Kollegen anhängte. Schade. Denn diese Sportart fordert ab, was ich mir unter einer anständigen Herausforderung vorstelle: Kraft, Technik, Teamgeist, Übersicht, Spielwitz, Härte – und eine Prise Aggressivität. Ein Triumph blieb mir dann doch noch: Ich war der einzige, der den Stock kaputtschoss. Wenigstens das.
(mon/tog/meg/fox)




























