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Skischuhe im Sommer
30. August 2011 15:04; Akt: 30.08.2011 17:05 Print
Wie schwierig ist eigentlich Gras-Skifahren?
von Reto Fehr - T-Shirt, Turnhose und Skischuhe: Skifahren über grüne Wiesen ist gewöhnungsbedürftig, macht aber extrem Spass – selbst wenn man kein Alberto Tomba auf der Piste ist.
Skifahren im Sommer. Der Widerspruch ist offensichtlich. Bei strahlendem Sonnenschein rüste ich mich mit T-Shirt, Turnhose und Skischuhen aus. Ziel ist der Freizeitpark Atzmännig im Goldingertal. Dort findet die Grasski-WM 2011 statt – und ich werde erstmals auf Grasskis stehen.
Video
Wie schwierig ist eigentlich...FMX?
Wie schwierig ist ein Prolog?
Grasski-WM, Programm
Dienstag, 30.08.:
18.18 Uhr: Eröffnungszeremonie
Mittwoch, 31.08.:
09.30 Uhr: Riesenslalom JuniorInnen, 1. Lauf
12.30 Uhr: Riesenslalom JuniorInnen, 2. Lauf
16 Uhr: Super-G Damen/Herren
Donnerstag, 01.09.:
10.30 Uhr: Slalom JuniorInnen, 1. Lauf
14.00 Uhr: Slalom JuniorInnen, 2. Lauf
Freitag, 02.09.:
10.30 Uhr: Slalom Damen/Herren, 1. Lauf
14.00 Uhr: Slalom Damen/Herren, 2. Lauf
Samstag, 03.09.:
09.30 Uhr: Super-G JuniorInnen
12.30 Uhr: Super-Kombi Super-G, Damen/Herren
16.00 Uhr: Super-Kombi Slalom, Damen/Herren
Sonntag, 04.09.:
10.00 Uhr: Riesenslalom Damen/Herren, 1. Lauf
12.30 Uhr: Riesenslalom Damen/Herren, 2. Lauf
Kaum richtig angekommen, schlägt das Wetter um. Dunkle Wolken ziehen auf, es beginnt zu regnen. Ich verfluche Petrus innerlich, weil ich annehme, dass die Fahrt auf nasser Wiese schneller und schwieriger wird. Nicht gerade ideal für einen Anfänger. Immerhin, Skifahren kann ich ziemlich gut. Das vereinfacht einiges, wie mir gesagt wird. Ich ziehe die Skischuhe an, erhalte die Grasskis, ein Paar Skistöcke, Helm und Handschuhe. Dann gehts auch schon mit dem Ölen der Rollen los. Der Regen hat sich schon wieder verabschiedet und Mirko Hüppi, aktuell Dritter im Gesamtweltcup, Schweizer Medaillenhoffnung und mein Privattrainer, beruhigt: «Wenn es nass ist, wird die Piste langsamer.» Ich danke Petrus still.
Mein Dilemma
Wir montieren die Grasskis und lassen uns mit dem Schlepplift an den Start ziehen. Das funktioniert ziemlich problemlos. Mein Selbstvertrauen steigt. Nach einigen Tipps und zwei-, dreimal quer über die Piste fahren soll ich die ersten Kurven versuchen. Gekurvt wird mit Gewichtsverlagerung und ist bei langsamem Tempo nur schlecht möglich. Ich muss also schneller fahren. Womit wir bei meinem Dilemma wären: Je schneller ich fahre und je einfacher dadurch das Kurven wird, desto schmerzhafter sind auch allfällige Stürze.
Da sind wir auch schon bei meinem zweiten Problem angekommen: Wenn es mal fährt, dann fährt es. Der Stemmbogen wie auf Schnee ist unmöglich, «rutschen» funktioniert ebenso wenig. Will man bremsen, fährt man entweder bergauf (was die Kurventechnik voraussetzt) oder man stürzt. Fast 100 km/h beträgt die gemessene Höchstgeschwindigkeit der Profis. Wie schnell fahre ich? «Vielleicht 40 km/h», schätzt Swiss-Grasski-Präsident Bruno Hüppi und ich will schon fast stolz sein auf diese Zahl. Da korrigiert er: «Obwohl, es sind vermutlich eher 30 km/h.» Wir einigen uns am Ende auf 35 Stundenkilometer.
Knapp dem Sturz entgangen
Gestürzt bin ich dann doch nicht. Aber es fehlte nicht viel. Bei einer der ersten Fahrten versuche ich eine Kurve zu fahren. Ich setze jedoch zu viel Kraft ein und «würge», anstatt es mit Technik und Eleganz zu versuchen. Meine Beine gehen auseinander, das Gleichgewicht ist weg. Die Worte von Mirko Hüppi schiessen mir durch den Kopf: «Nein, Beinverletzungen sind selten. Schultern werden schon mal ausgerenkt, Schlüsselbeine gebrochen. Vielleicht gibt's auch mal einen Armbruch», meinte er zuvor auf meine Frage nach den häufigsten Verletzungen. Ich seh mich schon kopfüber hinfallen, da rettet mich wohl irgendeine Bodenwelle und ich verhindere irgendwie den Sturz.
Vom Slalom überfordert
Nichtsdestotrotz soll jetzt der ausgesteckte Slalom bezwungen werden. Eine für mich unüberwindbare Hürde. Spätestens das fünfte Tor verpasse ich jeweils, fahre dann etwas neben dem Kurs und passiere die letzten drei Tore wieder regulär. Ich wirke wohl wie ein Ski-Exote bei den Olympischen Spielen: Ungelenk, langsam, falsch. Egal. Hüppi glaubt gar, dass ich einen Riesenslalom absolvieren könnte.
Wie auch immer. Ich bin schon glücklich, überhaupt den - zugegeben nicht gerade steilen - Hang unbeschadet bezwungen zu haben. Wie beim Skifahren: Rennen, nein danke, freies Fahren jederzeit. Über die grünen Wiesen zu flitzen, ist ein Riesengaudi. Würde es öffentliche Grasski-Gebiete, ähnlich gross wie heutige Ski-Gebiete, hierzulande geben, ich wäre dabei.
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Alle 5 Kommentare
































Wie lustig..
.. aber irgendwie auch eine unnötige sportart
kompliment
Lieber auf latten fahre als nur die latte treffen...... tja sieben lässt gruessen....... aber kompliment ist immer wieder lustig......
Faszinierend!
Wenigstens braucht man dazu keine Schneekanonen