Man fällt nicht tief ...

18. August 2009 09:35; Akt: 18.08.2009 11:28 Print

Wie schwierig ist eigentlich Radball?

von Patrick Toggweiler und Herbie Egli - Radball ist wie Fussball auf dem Velo. Und es sieht so einfach aus. Zwei 20-Minuten-Online-Redakteure haben es gegen einen ehemaligen Weltmeister und seinen Teamkollegen aufgenommen. Der grosse Gegenspieler war aber ein anderer.

(Video: 20 Minuten Online / Mathieu Gilliand)
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Die älteren Semester mögen sich noch erinnern, als Beni Thurnheers Haar noch voll war und «Sport am Wochenende» erst um 18.45 Uhr begann. Das Radball-Duo Peter Kern und Marcel Bosshart gewann einen WM-Titel nach dem anderen und über den Sport wurde regelmässig berichtet.

Heute bestimmen andere Sportarten den Medien-Kalender – auch bei 20 Minuten Online. Und das, obwohl Schweizer Radballer international immer noch vorne mitmischen: 2002 gewann Peter «Pistol Pit» Jiricek mit Paul Loser den Weltmeistertitel. Mit seinem neuen Partner Marcel «Macho» Waldispühl gelang Jiricek in diesem Jahr gleich auf Anhieb den Weltcupsieg. Und genau diese beiden Weltklassemänner zeigten 20 Minuten Online, wie leicht Radball bei ihnen aussieht, und wie schwierig es tatsächlich ist.

Wilder Hengst

Es ist nicht so, dass die beiden Journalisten sich kaum auf einem Velo halten können. Radsportfan Herbie Egli macht auf seinem Rennvelo regelmässig die Runde und Patrick Toggweiler war früher mal ein passabler Einradfahrer. Trotzdem: Aufs erste Aufsitzen folgte auch gleich das Absitzen. Der Sattel eines Radball-Rades ist so weit hinten angebracht, dass sich bei jedem halbherzigen Antritt das Gefährt wie ein wilder Hengst aufbäumt. Doch was soll das, mit dem Sattel dort hinten? «Mehr Fläche um den Ball abzuwehren», klärt Waldispühl auf. Sitzen tut man beim Radball sowieso nur, um zwischen den Toren kurz zu pausieren.

Die Basics: Velobeherrschung

Während dem eigentlichen Spiel wird das Rad im Stehen gefahren. Deshalb auch der geweihartige Lenkbügel. Aber nicht nur der Lenker, sondern auch der Antrieb ist speziell: An Strassenvelos noch szenig, verfügen die Radballräder alle über einen Starrlauf. Das bedeutet: Was die Beine strampeln, wird auch gefahren - auch rückwärts. Wer es in Sachen Gleichgewicht auch nur halbwegs mit Ozzy Ozbourne aufnehmen kann, vermag mit so einem Rad schon nach kurzer Zeit an Ort und Stelle zu stehen. Dies ist auch bitter nötig, denn als Torhüter muss man das können. Der Profi macht
das ohne Hilfe der Hände. Diese benutzt er um die 80 km/h scharfen Schüsse abzuwehren.

Gute Radballer können sogar rückwärts fahren. Der klägliche Versuch der beiden 20-Minuten-Online-Journalisten kann im Video betrachtet werden und bedarf keines weiteren Kommentares.

Erst trainieren, dann spielen

Eigentlich geht es beim Radball darum, das Runde ins Eckige zu befördern. Am besten über eine schöne Kombination mit dem Teamkollegen. Bis es dazu kommt, bedarf es allerdings einiger Übungsstunden. Nur schon den (stehenden) Ball kontrolliert in eine Richtung zu bewegen ist eine kleine Kunst. Hoch zu schiessen für den Laien sowieso aussichtslos. Im Gegensatz zu Fussball, Handball oder Unihockey kann der absolute Anfänger also nicht gleich während der ersten Trainingslektion ein bisschen spielen. Gewisse Fähigkeiten auf dem Velo sind dazu erforderlich. Und die lernt man nicht in wenigen Stunden. Deshalb blieb trotz Weltcupsieger das Velo der grösste
Gegenspieler dieses Abends.

Fazit

Radball ist schwierig. Die Beherrschung einer nicht alltäglichen Fortbewegungsart steht im Zentrum. Dazu kommt Ballgefühl, Verständnis für die Spielsituation, Athletik und Kreativität. Elemente, welche nicht getestet werden konnten – weil es den Journalisten schlichtweg an den technischen Basics mangelte. Aber sogar auf der Stufe von absoluten Anfängern macht Radball jede Menge Spass. Vor allem deshalb, weil sich stetig kleine Lernerfolge einstellen. Und weil es einfach eine riesengrosse Freude ist, mit diesen schrägen Velos durch die Turnhalle zu brettern.