Verwirrspiel

24. Januar 2012 17:12; Akt: 24.01.2012 22:03 Print

Tschagajew dementiert EntlassungenTschagajew dementiert Entlassungen

Bulat Tschagajew hat seine Xamax-Spieler nicht freigestellt, sondern «nur» in die Ferien geschickt. Am Mittag kehrten diese aus dem Trainingslager in Dubai zurück und wurden in ein Genfer Hotel bestellt.

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Diese Xamax-Spieler sind zu haben.

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Das Chaos um Neuchâtel Xamax geht weiter - und das Ende des Traditionsvereins naht. Mehrheitsaktionär Bulat Tschagajew schickte die Mannschaft nach deren Rückkehr aus dem Trainingslager in die Ferien.

Die Mannschaft war am Dienstagmittag aus dem Trainingslager in Dubai in die Schweiz zurückgekehrt und wurde unverzüglich in ein Hotel in Genf gefahren, wo sie von Tschagajew und dem Vize-Präsidenten Islam Satujew über die Entwicklungen der letzten Tage unterrichtet wurde. Die in Russisch gehaltene Rede, die ins Spanische und Französische übersetzt wurde, sorgte jedoch - einmal mehr - für Verwirrung. Während Staff und Spieler Tschagajews Aussagen als Freistellung interpretiert hatten, liess der Tschetschene Stunden später via dem Klubanwalt Pierre Toffel in einem Communiqué verlauten, dass es sich um ein Missverständnis handle und er die Spieler «nur» in die Ferien geschickt habe. «Im Gegensatz zu ersten Ankündigen hat Herr Tschagajew die Spieler nicht freigestellt. Er hat den Spielern ein paar frei Tage gewährt, bis die Swiss Football League einen definitiven Entscheid gefällt hat», lässt sich Toffel zitieren.

Wenige Stunden zuvor hatte es vonseiten der Direktbeteiligten anders getönt. «Für mich ist klar, Xamax hat am Dienstag in Dubai zum letzten Mal trainiert», sagte der Teamverantwortliche Raoul Savoy im Anschluss an die Ansprache Tschagajews. Als teilweise unverständlich und konfus beschrieb Savoy die halbstündige Ansprache des Tschetschenen. Die Nachricht sei seiner Ansicht nach allerdings unmissverständlich gewesen. «Wir alle sind freigestellt und können uns eine neue Zukunft suchen», so Savoy. Einzelne Spieler hatten bereits zuvor erste Gespräche mit anderen Vereinen geführt. Vullnet Basha und Sébastien Wüthrich waren vom FC Sion schon als Neuzuzüge präsentiert worden; sie absolvierten mit den Wallisern bereits das erste Training. Gar nicht nach Neuenburg zurückgekehrt war Xamax' spanischer Trainer Victor Munoz.

SFL bleibt hart

Bevor Tschagajew seine Angestellten mündlich informierte, hatte Martin Sterchi, der Präsident des Rekursgerichts der Swiss Football League (SFL), das Gesuch des Vereins um sofortige Gewährung der aufschiebenden Wirkung mit einer richterlichen Verfügung zurückgewiesen. Sterchi hatte die Kopien des Rekursgesuches an den Präsidenten der SFL-Disziplinarkommission und an die SFL-Direktion weitergeleitet. Das Komitee der SFL hat bis am morgen Nachmittag Zeit, sich zum Prinzip der Gewährung der aufschiebenden Wirkung zu äussern. Mit dem Urteil ist frühestens am Wochenende zu rechnen. Möglicherweise ist dieses Urteil jedoch nicht mehr relevant. Der Genfer Spielerberater Ralph Isenegger hat beim Zivilgericht in Neuenburg ein neues Konkursbegehren eingereicht. Die Verhandlung findet am Freitagnachmittag statt.

Die Verantwortlichen von Xamax hatten am Montag im Zuge der Rekurseingabe von der SFL verlangt, ihnen am gleichen Tag die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Zudem monierten sie, dass die Disziplinarkommission gar nicht befugt gewesen sei, die Lizenz zu entziehen. Diese war Neuchâtel Xamax am 18. Januar von der Disziplinarkommission der SFL wegen fehlender Dokumente über die Überweisung der Gehälter und Sozialabgaben und des Verdachts auf Urkundenfälschung für die laufende Meisterschaft in der Axpo Super League entzogen worden.

Tschagajews Chaos-Herrschaft

Noch ist Tschagajew Präsident von Neuchâtel Xamax. Wie es mit dem Klub weitergeht, ist nicht klar. Fakt ist: Der tschetschenische Milliardär hat den Neuenburger Fussballklub in den vergangenen acht Monaten in den Abgrund geführt. Anbei die Eckdaten seiner Chaos-Herrschaft:

Am 16. April 2011 kursieren erste Gerüchte einer Übernahme durch den tschetschenischen Milliardär Bulat Tschagajew, rund einen Monat später ist der Deal perfekt: Tschagajew wird Besitzer, Andrei Rudakow Präsident.

Juni 2011: Sportchef Paolo Urfer, Geschäftsführer Philippe Salvi, Marketing-Chef Alexandre Rey und sein Assistent Cédric Pellet verlassen den Verein. Bis zu diesem Zeitpunkt entliess Xamax mit Didier Ollé-Nicolle und Bernard Challandes zwei Trainer. Der Brasilianer Sonny Anderson wird als Nachfolger präsentiert, dieser hat aber keine Uefa-Pro-Lizenz. So wird Anderson zum technischen Direktor umbenannt und François Ciccolini ist der neue Trainer. Ende Juni ist das Duo Anderson/Ciccolini und Goalie-Trainer Jean-Luc Ettori in Neuenburg nicht mehr erwünscht.

Im Juli überschlagen sich die Ereignisse. Nachwuchstrainer Adrian Ursea wirft das Handtuch, Andrei Rudakow wird zum Transferchef degradiert und Islam Satujew übernimmt das Amt des Präsidenten. Zudem wird am gleichen Tag Joaquin Casparros (früher Athletic Bilbao) als neuer Trainer präsentiert. Der Spanier ist innert zwei Monaten bereits der vierte Trainer unter der neuen Klubführung. Am 2. September wird Casparros seinen Posten räumen müssen. Victor Munoz wird ihn ersetzen und bis zum Schluss Trainer von Xamax bleiben.

Am 29. August 2011 ändert Tschagajew an einer ausserordentlichen Generalversammlung die Statuten des Vereins und lässt sich zum Präsienten wählen, Islam Satujew gleichzeitig zum Vize.

Xamax entgeht am 9. September 2011 einem ersten Konkursverfahren. Die Stadt Neuenburg gibt bekannt, dass Xamax die offenen Stadionrechnungen bezahlt hat. Die Geldsorgen häufen sich fortan: Es kommt raus, dass die Neuenburger offenbar bei 25 Gläubigern mit 3,2 Millionen Franken in der Kreide stehen.

Am 29. September 2011 schaltet sich erstmals die Swiss Football League ein. Diese reicht Anzeige gegen Xamax ein, weil der Klub die gefordeten Informationen, insbesondere jene zur Finanzlage, nach der Übernahme des Klubs durch Tschagajew nur teilweise ablieferte.

Anfangs November kann Tschagajew einen weiteren Konkurs abwenden. Dem Verein wird von der Disziplinarkommission eine erste Busse von 20 000 Franken auferlegt. Kurz darauf beginnt die Suche nach den Millionen des Tschetschenen. Ein Bericht des Westschweizer Fernsehens deckt auf, dass ein Dokument, das beweist, dass Tschagajew 35 Millionen bei der Bank of America liegen hat, gefälscht ist. Zwei Tage später wird Strafanzeige gegen den Xamax-Besitzer eingereicht. Danach folgen Durchsuchungen bei Tschagajews Firmen und in seinem Haus.

Xamax hatte es bis zum 11. November 2011 versäumt, die Bestätigung für die September-Löhne und die Sozialangaben einzureichen. Die SFL eröffnet ein drittes Verfahren. Am 18. November ist alles klar: Der Neuenburger Staatsanwalt Pierre Aubert bestätigt, dass das Bankdokument nicht echt ist.

24. November 2011: Tschagajew muss sich vor der Genfer Staatsanwaltschaft verantworten. Die Vorwürfe: Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsführung, versuchter Betrug und Geldwäscherei.

Am 14. Dezember spricht die Liga eine zweite «Busse» aus. Wegen wiederholter Verstösse gegen das Lizenzierungs-Reglement (u.a. Lohnzahlungen, Sozialversicherungsbeiträge) werden Xamax vier Punkte abgezogen.

3. Januar 2012:
Die Disziplinarkommission der SFL zieht Neuchâtel Xamax erneut vier Punkte ab. Der Verein hatte es erneut versäumt, die geforderten Bestätigungen einzureichen.

4. Januar 2012: Tschagajew entlässt zum Rückrundenstart vier Spieler: Stéphane Besle, Haris Seferovic, Javier Arizmendi und Vincent Bikana.

Xamax wird am 18. Januar 2012 aus der Super League verbannt. Die SFL nimmt dem Verein die Lizenz mit sofortiger Wirkung weg.

24. Januar 2012: Tschagajew teilt seinen Spielern mit, dass sie den Verein per sofort verlassen können.

(si)

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  • Michael Lins am 25.01.2012 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Rasselbande fernab der Realität

    Ganz einfach: Betrüger gehören vor Gericht und entsprechend der Taten bestraft. Die ganze Entourage des dubiose Herrschers entfernen.

  • Stefan Holliger am 24.01.2012 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Leistenbruch

    Na da hat sich Borat ja mächtig übernommen...

  • fcsg-fan am 24.01.2012 22:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    r.i.p. traditionsverein

    das hat xamax nicht verdient.