Zwei Klassiker im Vergleich

14. Januar 2010 17:03; Akt: 14.01.2010 17:04 Print

Wengen vs. Kitzbühel: Wo gibts mehr Spektakel?Wengen vs. Kitzbühel: Wo gibts mehr Spektakel?

von Peter Haab - Das Lauberhorn-Rennen in Wengen ist die längste Abfahrtsstrecke im Weltcup-Zirkus. Aber die «Streif» in Kitzbühel gilt als schwierigste Piste im ganzen Kalender. Doch welches der beiden Rennen ist für die Zuschauer das attraktivere?

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Ich gebe es gerne zu: Der Blick aus dem Starthaus in Kitzbühel war furchterregend. Und ich verspürte nicht die geringste Lust, vor meinen Journalisten-Kollegen den Helden zu spielen. Denn wer auf der Hahnenkamm-Abfahrt einmal aus dem Start-Tor gefahren ist, kann sich nur noch selbst helfen und in dem brutal steilen Starthang die Ski ganz einfach laufen lassen. Dazu fehlte mir schlicht der Mut, denn es gibt auf jener Streckenpassage nicht die geringste Chance, auch nur ein bisschen abzubremsen. Zumindest nicht mit jener Art von Skis, welche wir Hobby-Fahrer benutzen. Jene wenigen Berufskollegen, die es damals trotzdem versucht haben, werden es übrigens auch nie wieder tun.

Die Besichtigung mit dem Raupen-Fahrzeug war mir da schon viel lieber. Denn auf der «Streif» folgt eine Mutprobe auf die andere: Wenn mal die berüchtigte Mausefalle überwunden ist, folgt bereits der nicht minder gruselige Steilhang. Und seit diesem Tag vor mehr als zehn Jahren ist für mich endgültig klar: Jeder Rennfahrer, der die berühmt berüchtigte «Streif» in Kitzbühel bezwungen hat, verdient den grössten Respekt. Ganz egal, wo sein Name in der Rangliste zu finden ist.

Die vielen steilen Passagen in Kitzbühel sind auch für gestandene Weltcup-Profis ein Schocker. Die grösste Neigung wird am Beginn der Mausefalle mit 85 Prozent erreicht. Die weitesten Sprünge werden in der Mausefalle mit teilweise mehr als 80 Metern gestanden. Die Höchstgeschwindigkeit erreichen die Fahrer in der Zielschuss-Kompression die mit über 140 km/h passiert wird. Das war in etwa auch das Tempo, mit dem Daniel Albrecht vor Jahresfrist auf der «Streif» seinen folgenschweren Unfall hatte.

Lauberhorn «gemächlicher»

Wie es sich fürs gemütliche Berner Oberland gehört, beginnt die Fahrt auf der Lauberhorn-Strecke etwas beschaulicher. Die erste grosse Überwindung ist für die Fahrer beim «freien Fall» am Hundschopf gefragt. Und obwohl die furchtlosen Ski-Stars am Ende des Haneggschusses ebenfalls eine Höchstgeschwindigkeit um die 140 km/h erreichen, wirkt die Lauberhorn-Abfahrt auf die TV-Zuschauer – mit Ausnahme des kniffligen Ziel-S, wo die Oberschenkel wegen der ungewohnten Streckenlänge bereits brennen – weit weniger spektakulär als der wilde Ritt auf der «Streif».

Das Tückische an der Lauberhorn-Strecke: Sie ist rund 4,5 Kilometer lang. Und spätestens im Ziel-S zeigt sich jeweils, wer im Sommer gutes Konditionstraining gemacht hat. Nach einer Distanz, bei der alle grossen Abfahrts-Rennen bereits zu Ende sind, folgt am Lauberhorn eine einzigartige, technisch äusserst anspruchsvolle Schlüsselpassage, die alle Zwischen-Resultate nochmals auf den Kopf stellen kann. Der Fahrer ist bei der Einfahrt ins Ziel-S bereits extrem müde. Aber er weiss, dass er hier alles verlieren oder auch die entscheidenden Sekundenbruchteile zum Sieg herausfahren kann. Für die meisten geht es hier, nach über zwei Minuten Fahrzeit, aber nur noch ums Durchkommen. Manch einer ändert an dieser Schlüsselstelle ganz kurzfristig nochmals die Taktik und wird seiner im Training einstudierten Linie untreu – weil er entweder auf einmal mehr Müdigkeit verspürt, oder weil er die Geduld und die Nerven nicht mehr hat. Die drei engen Kurven sind jeweils völlig vereist und extrem unruhig. Die maximale Neigung finden wir in Wengen beim Sprung in den Zielhang mit 42 Prozent.

Legende vs. «Monaco»

Keine Frage: Die aussergewöhnliche Lauberhorn-Strecke ist und bleibt eine Legende. Aber aus Sicht der Kitzbüheler Organisatoren ist eben doch die «Streif» die berühmteste Abfahrt der Welt. Das darf man den umtriebigen Österreichern in Wengen nicht übel nehmen. Denn das mondäne Kitzbühel gilt als «Monaco» des Ski-Zirkus. Hier ist auch neben der Rennstrecke permanent der Bär los. Dafür dürfen sich die Schweizer in Adelboden mit dem «Chuenisbärgli» über den schwierigsten Riesenslalom-Hang des ganzen Weltcup-Kalenders freuen. Und auch den Lauberhorn-Organisatoren ist ein Rekord für die Ewigkeit sicher: Ein derart langes Abfahrts-Rennen wie in Wengen wird es in der Moderne des Abfahrts-Rennsportes nie wieder geben. Eines müssen wir unseren österreichischen Nachbarn jedoch neidlos zugestehen: Die Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel ist für die TV-Zuschauer das spektakulärste Ereignis im ganzen Weltcup-Winter.

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  • Rolf am 14.01.2011 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Amateure

    Interessant wie manche hier erzählen, als wären sie selbst im Rennen...

  • GerryBerry am 16.01.2010 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    Kitzbühel forever

    wer stimmung und spass will geht nach kitzbühl weil die schweizer gehen zum lachen in den keller...

  • Toine Zürich am 15.01.2010 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Streiff und nochmals Streiff

    Die Streiff ist vom Start bis ins Ziel Spektakel. Wengen, ausgenommen der Hundschopf und die Minschkante ist total langweilig.