Nach Abschiebung

02. November 2010 07:38; Akt: 02.11.2010 12:03 Print

«Da gehöre ich nicht hin»

von Jürg Federer, New York - Nino Niederreiter muss zurück in die Juniorenliga. Nun blickt der 18-Jährige auf seine neun NHL-Spiele zurück und wagt einen ersten Ausblick.

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(*1982), Torhüter, Anaheim Ducks. Mit 59 Spielen in der Regular Season letzte Saison die absolute Nr. 1 der «Enten». Dies ist auch 2010/2011 so. Derzeit laboriert der Schweizer Nati-Goalie allerdings an Gleichgewichtsstörungen herum. Er fällt auf unbestimmte Zeit aus. (*1990), Verteidiger, Anaheim Ducks. Wurde vergangene Saison nach 8 Spielen zu den Junioren zurückgeschickt. Auch dieses Jahr begann er bei den «Grossen», wurde aber schnell in die AHL abgeschoben. Bereits im November wurde der Verteidiger wieder ins NHL-Team zurückgerufen. Am 23.11. erhielt er die Bewilligung, vom Hotel in eine eigene Wohnung zu ziehen. Das ist in der NHL gleichbedeutend mit einem Stammplatz. (*1988), Verteidiger, Montreal Canadiens. 11 NHL-Spiele (8 Regular Season/3 Playoffs) hat der Neuenburger bis Ende Saison 2009/2010 bestritten. Weber erhielt in den Testspielen der «Habs» zur aktuellen Spielzeit viel Vertrauen, trotzdem wurde er in die AHL abgeschoben. Im November erhielt er aber eine zweite Chance. Diese hat Weber gepackt. (*1974), Torhüter, Edmonton Oilers. Der Emmentaler wurde ins AHL-Team Oklahoma City Barons abgeschoben, wurde Mitte November von den Oilers aber wieder ins NHL-Team zurückgeholt. Am 25.11. kam er gegen Colorado zu seinem NHL-Comeback, nach nur zwei Spielen musste er am 1.12. aber wieder zurück ins Farmteam. Am 26.2. erhält er erneut den Marschbefehl fürs NHL-Team, da sich Oilers-Goalie Nikolai Khabibulin im Training am Auge verletzt hatte. Allerdings nimmt Gerber nur vorübergehend die Rolle des Ersatztorhüters ein. (*1977), Verteidiger, New York Islanders. Der Berner ist ein gestandener Mann in der NHL. Mit 49 Punkten war er vergangene Saison sogar drittbester Skorer seines Teams - und das als Verteidiger. Nun hat sich Streit aber im Trainingscamp an der Schulter verletzt und fällt deshalb wohl ein halbes Jahr aus. (*1985), rechter Flügel, Ottawa Senators. Der Klotener wurde nach seiner tollen Leistung an den Olympischen Spielen in Vancouver (5 Tore in 5 Spielen) unter Vertrag genommen. Er ist allerdings eher als Investition für die Zukunft zu betrachten. Wick wird eher im Farmteam wertvolle Erfahrungen sammeln. Vorerst wurde er in die AHL zu den Binghamton Senators geschickt. Am 24. Februar 2011 wird er erstmals in die NHL beordert. Am 25. kommt er zu seiner ersten NHL-Partie gegen die Buffalo Sabres. Nach zwei Spielen musste er wieder in die AHL, kam aber ab dem 17. März zu einer zweiten Chance. Nach vier weiteren NHL-Spielen musste der Schweizer am 25. März erneut zurück ins Farmteam. (*1992), Stürmer, New York Islanders. Der Erstrunden-Draft hat während dem Trainingscamp einen Dreijahresvertrag erhalten und konnte die Saison in der NHL beginnen. Nach guten Leistungen in den ersten Spielen hat «El Niño» seine Ansprüche auf einen NHL-Stammplatz unterstrichen. Nach neun Spielen wurde er jedoch zu den Junioren nach Portland abgeschoben. (*1983), Verteidiger, Dallas Stars. Für Blindenbacher gilt Ähnliches wie für Roman Wick. Der Zürcher hat sich zuletzt in Schweden einen Namen gemacht und versucht nun die NHL zu erobern. Doch auch er musste die Saison in der AHL beginnen. Am 23.11. erhielt er den «Marschbefehl» für die NHL. Ohne eine Minute Eiszeit wurde er am 1. Dezember zurück ins Farmteam geschickt. Am 14. Februar 2011 bricht er das Abenteuer Nordamerika ab. (*1990), Verteidiger, Nashville Predators. Der Berner hat auf eigenen Wunsch eine zusätzliche Saison in der Schweiz verbracht und sich in dieser Zeit in der NLA zu einem sicheren Wert etabliert. Wegen einer Handgelenk-Verletzung beginnt er aber die Saison beim Farmteam Milwaukee Admirals. Trotz solider Leistungen in der AHL wartet Josi noch auf sein NHL-Debüt. (*1990), rechter Flügel, Florida Panthers. Die Einladung ins Trainingscamp war für ihn schon ein Erfolgserlebnis. Für die NHL reichts dieses Jahr aber noch nicht. Er wird die Saison bei den OHL-Junioren der Oshawa Generals bestreiten. (*1989), Torhüter, Montreal Canadiens. Die NHL ist für den jungen Schweizer Keeper noch zu weit entfernt. Mayer will sich deshalb als Nummer 1 im Tor des AHL-Farmteams Hamilton Bulldogs etablieren. Immerhin hat er in einem Testspiel gegen Ottawa sein NHL-Debüt erlebt. (*1991), Verteidiger, Edmonton Oilers. Die Einladung ins Trainingscamp der Oilers war eine Überraschung und eine Belohnung für die guten Leistungen im «Rookie Camp». Schlumpf wurde am 20.9.2010 nach wenigen Tagen im Camp zu seinem Junioren-Team Shawinigan geschickt, mit dem er die Saison in der Juniorenliga QMJHL bestreiten wird. (*1987), rechter Flügel, Boston Bruins. Der schweizerisch-slowakische Doppelbürger hat auch im vierten Versuch den Sprung ins NHL-Stammkader bei Tampa Bay nicht geschafft und wartet weiterhin auf seinen ersten Einsatz in der härtesten Liga der Welt. Er spielte in der AHL für die Norfolk Admirals, bevor er am 10. Dezember zu den Boston Bruins getradet wurde und anschliessend in der AHL für Prividence spielte. Im Januar 2011 entschloss sich Simek für eine Rückkehr in die Schweiz und unterzeichnete einen Vertrag bei Servette.

Schweizer in der NHL.

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20 Minuten Online: Nino Niederreiter, war es hart, die NHL zu verlassen?
Nino Niederreiter:
Es war hart, von den neu gewonnenen Freunden Abschied zu nehmen. Ich habe aber gespürt, dass es soweit kommen würde und ich war vom Entscheid der New York Islanders, mich zurück zu den Junioren zu schicken, nicht überrascht.

Umfrage
Macht Niederreiter seinen Weg auch in der Juniorenliga?
88 %
12 %
Insgesamt 751 Teilnehmer

Wann haben Sie gespürt, dass Sie diese Saison nicht in der NHL spielen würden?
Mir wurde nach dem sechsten von neun Spielen bewusst, dass ich nur temporär einen Platz in diesem Kader haben würde. Ich habe gesehen, wie sich Spieler wie Kyle Okposo, Trent Hunter oder Rob Schremp von ihren Verletzungen erholt haben und da war für mich klar, dass ich in der dritten oder vierten Linie landen würde. Und da gehört ein Goalskorer wie ich einfach nicht hin. Wenn man Tore erzielen kann, braucht man die Mitspieler, die einem die Pässe dazu spielen. Die gibt es aber nicht einmal in den besten NHL-Teams in den hinteren Sturmreihen. Deshalb wusste ich, wie meine unmittelbare Zukunft aussehen würde.

Was haben Sie in neun NHL-Spielen mit den New York Islanders gelernt?
Dass es in der NHL extrem schwierig ist, sich Chancen zu erarbeiten. Und dass es in der NHL notwendig ist, die Chancen, die man sich erarbeitet, auch zu verwerten.

Und was müssen Sie noch lernen, bis Sie ein Stammspieler in der NHL sind?
Ich muss schneller laufen, schneller denken und schneller spielen. So einfach ist das.

Kann man das in einer Juniorenliga wie der WHL lernen?
Diese Frage ist berechtigt. Normalerweise spielt man immer auf dem Niveau des Gegners und das ist in der WHL tiefer als in der NHL. Deshalb bemühe ich mich nun, trotz schwächerer Gegner, einfach auf meinem NHL-Level weiterzuspielen. Nur so kann ich an meinen eigenen Leistungen wachsen.

Sie hatten einen furiosen Start in die NHL, Sie haben alle Gegner weggecheckt und dann wurde es immer ruhiger um Nino Niederreiter. Wie beurteilen Sie Ihre Leistung über neun NHL-Spiele selbst?
Was Sie ansprechen hat mit meiner Entwicklung in diesen neun Spielen zu tun. Am Anfang der Saison habe ich mir nur zugetraut, mit physischer Präsenz ein Zeichen zu setzen. Mit zunehmender Dauer habe ich mich aber mehr getraut, auch mit dem Puck etwas zu kreieren. Deshalb liess meine physische Präsenz nach. Alles in allem bin ich zufrieden mit meiner Leistung. Die New York Islanders haben mich gedraftet, weil ich ein Goalskorer bin und nicht weil ich Checks austeilen kann.

Was sind Ihre besten Erinnerungen an die letzten Wochen in der NHL?
Ganz klar das erste Spiel mit den New York Islanders gegen die Dallas Stars. Dann natürlich mein erstes Tor in der NHL und auch die Spiele in Kanada gegen Montreal und gegen Toronto waren eine grossartige Erfahrung.

Und was war Ihre schlimmste NHL-Erfahrung?
Glücklicherweise wurde ich von schlimmen Erfahrungen verschont.

War es der Stockschlag von Mike Cammalleri in der Saisonvorbereitung, der Sie kurzfristig ausser Gefecht gesetzt hat?
Nun ja, das war vielleicht mein schlimmster Moment. Aber ich habe ihn schon längst weggesteckt.

Ihr NHL-Vertrag läuft noch nicht, das besagt das NHL-Reglement. Haben Sie für Ihre Einsätze in der NHL trotzdem Geld erhalten?
Ja, die New York Islanders haben mich ganz normal für meine neun Einsätze mit meinem NHL-Salär (900 000 US Dollar für 82 Spiele, die Red.) entschädigt. Hinzu kommt ein Unterschriftsbonus von 90 000 US Dollar. Ich habe nun mehr als genügend Geld, um mein Leben zu bestreiten.

Ihre Eltern bezahlen also erstmals nicht mehr für Ihre Karriere.
Ja, meine Eltern müssen gar nichts mehr bezahlen. Ich stehe nun auf eigenen Füssen.

Aber das Leben in der WHL ist dennoch anders als in der NHL. Leben Sie nun wieder bei einer Gastfamilie?
Ja, das ist eine grosse Umstellung, auf Long Island habe ich im Hotel gelebt. Ich meine, es ist angenehm, dass man ein Zuhause hat und dass jemand das Abendessen für einem kocht. Aber ich muss auch um 11 Uhr zuhause sein, das ist etwas mühsam.

Sie haben Sven Bärtschi, Ihren neuen Schweizer Teamkollegen in Portland, vorher schon gekannt?
Ja, wir haben in Junioren-Nationalteams zusammen gespielt und wir waren schon länger wirklich gute Freunde. Ich freue mich auf die Junioren-Weltmeisterschaft in Buffalo mit ihm.

Ihr letztes Ziel, die NHL im Eiltempo zu erobern, haben Sie verpasst. Was sind Ihre neuen Ziele?
Wir haben hier in Portland ein extrem gutes Team. Die Chancen, den Memorial Cup zu gewinnen, sind sehr gut. Deshalb will ich mit den Winterhawks so lange erfolgreich spielen wie möglich. Und ich weiss, dass das mein letztes Jahr bei den Junioren sein wird. Ich habe viel Selbstvertrauen und ich bin optimistisch, dass ich nächstes Jahr NHL-Eishockey spielen werde. Eigentlich habe ich ja dieses Jahr schon jeden Kaderschnitt der New York Islanders überstanden. Es war mein Pech, dass die Islanders so viele Verletzte hatten, dass sie zuletzt sogar AHL-Spieler befördern mussten. Die sind mir schlussendlich vor der Sonne gestanden. Nächstes Jahr passiert mir das nicht mehr. Nächstes Jahr spiele ich in der NHL.

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