NHL

09. Juni 2017 11:12; Akt: 09.06.2017 11:36 Print

Mark Streits grosses Leid während des Stanley-Cup

Mark Streit ist bei den Pittsburgh Penguins zum Zuschauen verdammt. Der Schweizer NHL-Star über die brutale Finalperiode.

Überragend: Pittsburgh deklassiert Nashville mit 6:0 - und Mark Streit ist im Stadion nur Zuschauer. (Video: NHL)

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Mark Streit, Sie sind in den Playoffs in 24 Spielen bloss dreimal zum Einsatz gekommen, im Final noch gar nie. Wie schwierig ist es da, die Spannung zu halten?
«Ich habe es schon lange nicht mehr erlebt, nicht zu spielen. Es ist eine grosse Herausforderung. Vom Physischen her geht es noch. Ich trainiere und mache extra Sachen im Kraftraum. Was das Mentale betrifft, ist es allerdings eine Achterbahnfahrt. Einerseits verlierst du nie die Hoffnung. Im Halbfinal kam ich von einem auf den anderen Tag zum Einsatz. An einem Spieltag ist es aber schon hart und brutal. Du musst jedoch darüber hinwegkommen. Am nächsten Tag gehst du wieder ins Training, bist positiv und schaust nach vorn.»

Es kann sein, dass Ihr Team zum zweiten Mal in Folge den Stanley-Cup gewinnt, Sie aber sind im Final keine einzige Minute zum Einsatz gekommen. Wie ordnen Sie diese Situation ein?
«Es ist sicherlich ein spezielles Gefühl. Für diejenigen Spieler, die nicht zum Zug kommen, ist es sehr hart. Ich kann es jedoch nicht ändern. Wenn ich in den Spiegel schaue, realisiere ich, dass ich in der Qualifikation und auch in den Playoffs sehr gute Leistungen gezeigt habe. Mehr konnte ich nicht machen. Es ist der Entscheid des Trainers, wer auf dem Eis steht. Ich nehme es, wie es kommt. Aber schlussendlich gehörst du zum Team. Im Falle eines Triumphs hätte ich ebenfalls einen Teil dazu beigetragen, wenn auch einen sehr kleinen.»

Sie sind im Januar zum ersten Mal Vater geworden. Hilft Ihnen das in dieser schwierigen Zeit?
«Das relativiert vieles. Einen Grossteil meines Lebens ordnete ich alles dem Sport unter. Er war für mich das absolut Wichtigste auf der Welt. Das hat sich verändert. Eishockey zu spielen ist immer noch cool. Ich liebe den Sport. Aber wenn man die Schwangerschaft, die Geburt und nun die ersten Monate erlebt, dann ist das emotional nochmals etwas ganz anderes. Wenn du nach Hause kommst und die Tochter in den Arm nimmst, dann ist vieles vergessen. Dann ist dir klar, dass es noch viel Wichtigeres gibt als Eishockey.»

Sie sind nicht der einzige Schweizer, der in den Stanley-Cup-Final involviert ist. Bei Nashville stehen mit Roman Josi, Yannick Weber und dem derzeit verletzten Kevin Fiala gleich drei Schweizer unter Vertrag. Eine sehr spezielle Situation.
«Ja, sicher. Das ist für das gesamte Schweizer Eishockey etwas Besonderes. Vor zehn Jahren hätte man sich das nicht vorstellen können. Es ist einzigartig.»

Mit Josi und Weber bestreiten Sie jeweils das Sommertraining. Sie sind mit beiden befreundet. Was sagen Sie zu den beiden?
«Bei Roman (Josi) zeichnete sich ab, dass er ein grosser Spieler in dieser Liga wird. Er verfügt über eine sehr hohe Spielintelligenz und liest das Spiel gut. Es gelang ihm, sich kontinuierlich zu steigern. Aber auch er hat viel dafür gemacht und hart gearbeitet. Er hat hohe Ansprüche an sich selbst. Den Weg von Weber finde ich genial. Er hat keine einfachen Jahre hinter sich, musste sich durchkämpfen. Er hätte sicherlich die Möglichkeit gehabt, in der Schweiz einen schönen Vertrag zu unterschreiben. Aber er ist stark geblieben und hat den Traum, in der NHL zu spielen, immer weiterverfolgt. Ich finde das extrem cool. Nun spielt er eine sehr solide Saison und steht im Stanley-Cup-Final. Ich gönne es ihm von Herzen. Der Durchhaltewille hat sich ausbezahlt.»

Man kann ganz allgemein sagen, dass sich das Schweizer Eishockey im Aufwind befindet. Ende Juni dürfte Nico Hischier als Nummer 1 oder 2 gedraftet werden. Worauf führen Sie das zurück?
«Ich glaube, bei den Vereinen und auch in der Nationalmannschaft wird gut gearbeitet. Man ist auf dem richtigen Weg. Das Schweizer Eishockey hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt. Das ist aber auch vielen anderen Nationen gelungen. Wenn man nur etwas nachlässt, ist man sofort im Hintertreffen. Man darf die tägliche Arbeit nicht vernachlässigen, man muss sich stetig weiterentwickeln – das heisst bei der Juniorenförderung, bei der Trainerausbildung. Es freut mich, dass immer mehr Schweizer Trainer werden. Es ist wichtig, ehemalige Spieler dazu zu animieren und sie nachher in der U16, U17 oder U18 zu integrieren. Das bringt das Eishockey weiter.»

Der Aufschwung hat auch mit Ihnen zu tun. Sie haben mit Ihrem Durchhaltewillen in Nordamerika einige Türen geöffnet. Macht Sie das stolz?
«Das ist sicherlich schön. Als ich nach Übersee ging, dachten wohl die wenigsten, dass ich zwölf Jahre später immer noch in der Liga bin. Ich bin stolz, dass ich mich durchsetzen konnte. Ich finde es schön, dass viele junge Schweizer den Weg in die Juniorenligen oder in die AHL auf sich nehmen, um den Traum von der NHL zu verfolgen. Das ist ihnen hoch anzurechnen. Es ist hart hier. Du bist oft einsam. Es gibt viele Hochs und Tiefs. Aber viele bissen sich durch. Ich hoffe, dass noch mehr Schweizer diesen Schritt wagen, dass sie nicht zufrieden sind, in der Nationalliga A top zu sein.»

Sie spielen erst seit März für Pittsburgh. Der Draft kam unerwartet. Wie gingen Sie damit um?
«Es war eine turbulente und aufregende Zeit. Ich bin froh, eine unkomplizierte und starke Frau zu haben, die mich unterstützt. Es ging alles sehr schnell. Am Anfang war es schwierig, da ich zwei Wochen allein war. Es war hart, das Kind so lange nicht zu sehen.»

Dafür spielen Sie nun in einem Team mit Superstars wie Sidney Crosby und Jewgeni Malkin. Wie ist das?
«Es ist eine super Erfahrung. Ich hatte noch nie die Möglichkeit, in einem solchen Topteam zu spielen. Crosby ist weltweit der beste Spieler. Es ist beeindruckend, wie er für den Sport lebt, wie professionell und begabt er ist. Er ist aber auch ein akribischer Arbeiter, der Tag und Nacht für den Sport lebt, im Sommer und im Winter. Es ist keine Überraschung, dass er der beste Spieler ist.»

Ihr Vertrag läuft nach dieser Saison aus. Streben Sie ein weiteres Engagement in der NHL an?
«Grundsätzlich will ich weiterspielen. Ich lasse es aber auf mich zukommen. Nach der Saison brauche ich erst einmal eine Pause, um emotional etwas runterzufahren. Dann schaue ich, was es für Möglichkeiten gibt. Klar ist aber, dass es auch für die Familie stimmen muss. Sie hat Priorität. Ich würde jedoch sehr gern noch mindestens ein Jahr weiterspielen.»

Die Nationalliga A ist kein Thema?
«Nein. Das sage ich nun so. Ich will die Karriere hier beenden. Das Spiel hier ist eher auf mich zugeschnitten als jenes in der Nationalliga A auf dem grossen Eisfeld.»

(sr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roberto Sibonetti am 09.06.2017 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Well done Marc

    Tolles Interview und vor allem die richtige Einstellung seine Karriere in der NHL beenden zu wollen. Ein Comeback In der NLA würde in einem Desaster enden. Ich wünsche ihm nochmals irgendwo einen Two Year Contract. Verdient hätte er es.

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  • Swissman am 09.06.2017 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    leider

    hat der Transfere zu den Penguins Marc Streits Karriere vermutlich beendet. Ob er in seinem Alter nochmals einen Vertrag erhält ist mehr als fraglich.

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  • wednesday am 09.06.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NHL

    Es ist eigentlich erstaunlich das Streit sich so lange in der NHL halten konnte und das spricht für seine Fähigkeiten. Aber in der NHL warten viele auf die Chance ihr Können in der höchsten Spielklasse zu zeigen. Sie warten darauf deinen Platz einzunehmen. Die Meisterfeier sollte für mich in Nashville stattfinden und die drei Schweizer bringen den Pokal in die Schweiz. Nach Bern und in die Ostschweiz.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sydor am 10.06.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Niederreiter vor Wechsel

    Im Übrigen was ganz anderes: Niederreiter soll kurz vor einem Trade stehen ("The Hockey News") oder aber ungeschützt in den Expension Draft gehen. Da würden die VGK wohl zugreifen...

  • sony am 09.06.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das ist die realität

    das zeigt nur wie gut streit wirklich ist, bei einem top team hat er keine chance. streit wurde in den letzten 10 jahren einfach überschetzt. josi ist viel besser.

    • kurt am 09.06.2017 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Darum war er mal Captain und auch bei einem All-Star Game dabei weil er einfach überschätzt wurde...Realität ist das Du nicht allzu viel von der Sache verstehst.

    • sony am 09.06.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @kurt

      das war eine andere situation, bei den n. y. islanders spielen zu können war viel einfacher, da es keine stars wie ein crosby hatte usw., daher haben es die islanders auch nur selten hinbekommen in die playoffs zu kommen. bei den n.y. war der richtige platz für streit.

    • kurt am 09.06.2017 21:35 Report Diesen Beitrag melden

      @sony

      Egal in welches es ist NIE einfach in ein NHL Team zu kommen...dann in einem so schwachen Team wie Du sagst 62 Scorer Punkte in 81 Spielen zu machen als Verteidiger war ja auch ganz einfach...hat übrigens noch meines Wissens noch kein Schweizer geschafft.

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  • Sydor am 09.06.2017 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Streit

    Es gibt Gerüchte, wonach insbesondere Columbus und Los Angeles an einer Verpflichtung interessiert sein sollen. Im Übrigen scheint Hischier - gemäss nordamerikanischen Experten - millerweile bessere Chancen haben auf die No. 1 Position als N.P.! Das wäre ein dickes Ding für das schweizerische Eishockey...

    • moca am 09.06.2017 23:15 Report Diesen Beitrag melden

      Hirschier top aaaaber

      Das Ding mit Hirschier ist sicherlich eine geile Sache...allerdings ist es so, dass dies die schwächste Draftklasse seit einer Ewigkeit ist. Die Top drei wären letztes Jahr nicht unter den Top 5 aufgetaucht. Einige (Blogger, Experten, Reporter) meinen sogar es gäbe keinen echten Franchise Player im Draft.

    • Sydor am 10.06.2017 13:10 Report Diesen Beitrag melden

      @ moca

      Danke für die Replik. Es gibt da verschiedene Meinungen. Scheinbar soll das die Mehrheit der Scouts etwas differenzierter sehen (zumindest nach Aussage von Craig Button)! Ich würde meinen, dass der diesjährige Draftjahrgang in der Spitze schlechter ausfällt als z.B. 2016 oder 2015. In der Breite (sagen wir mal 1. Runde) sähe ich das nicht ganz so kritisch. Da kann der 17-Jahrgang durchaus mithalten. Für Hischier spielt das jedoch so oder anders keine Rolle und für das schweizerische Eishockey wäre ein eidgenössischer "First Overall" ein Riesending! Gruss.

    • Sydor am 10.06.2017 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      @ moca

      Ich wette, dass sowohl Hischier als auch Patrick - wenn er gesund bleibt - sicherlich Franchise-Player werden. Es spricht nun wirklich nichts dagegen. Einen Liga Superstar sehe ich hingegen auch nicht.

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  • wednesday am 09.06.2017 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NHL

    Es ist eigentlich erstaunlich das Streit sich so lange in der NHL halten konnte und das spricht für seine Fähigkeiten. Aber in der NHL warten viele auf die Chance ihr Können in der höchsten Spielklasse zu zeigen. Sie warten darauf deinen Platz einzunehmen. Die Meisterfeier sollte für mich in Nashville stattfinden und die drei Schweizer bringen den Pokal in die Schweiz. Nach Bern und in die Ostschweiz.

  • Swissman am 09.06.2017 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    leider

    hat der Transfere zu den Penguins Marc Streits Karriere vermutlich beendet. Ob er in seinem Alter nochmals einen Vertrag erhält ist mehr als fraglich.

    • Sydor am 09.06.2017 17:45 Report Diesen Beitrag melden

      @ Swissman

      Weshalb? Sein Kontrakt wäre auch bei den Flyers ausgelaufen. Durch die Aufnahme der Golden Knights als 31. Franchise, dürften sich durchaus auch für S. Türen auftun.

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