Marco Maurer

13. März 2010 16:50; Akt: 13.03.2010 16:53 Print

Der checkende Flügel des BandengeneralsDer checkende Flügel des Bandengenerals

von Klaus Zaugg - Zum ersten Mal in der 24-jährigen Playoff-Geschichte hat ein «Rollenspieler» einer Serie eine andere Richtung gegeben: Die Checks von Servettes Marco Maurer gegen Serge Aubin und Adam Hasani haben eine ganze Mannschaft in den Grundfesten erschüttert.

storybild

Marco Maurer ist bei Servette für die harten Aufgaben zuständig. (Bild: Keystonte)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Den 30. Dezember 2006 wird Marco Maurer nie mehr vergessen. Es war der Tag, als er an der U20-WM dem Tod in die Augen blickte. Nach einem fairen Check des Finnen Tuomas Huhtanen stürzte Maurer so unglücklich in die Bande, dass er mit einem gebrochenen Genick auf dem Eis liegen blieb. Er hatte Glück im Unglück. Das Rückenmark blieb unversehrt, und auch die Halswirbelfraktur zog keine irreparablen Schäden nach sich.

Mit unerschütterlichem Willen und eiserner Disziplin hat Maurer die harte Therapaiearbeit durchgestanden und Rückschläge weggesteckt - keine zwölf Monate später kehrte er mit dem EV Zug aufs Eis zurück und verteidigte für die Schweiz wieder an der U20-WM. Aber in Zug war der Lift nach oben in der Verteidigung besetzt. Er kam nie über die Rolle des Lückenbüssers hinaus und in 111 NLA-Einsätzen nur auf sechs Skorerpunkte.

Das ist der Grund, warum er ins Welschland gegangen ist. Er hat in Genf einen neuen Anlauf in Richtung NLA genommen. Mit einem Tor und drei Assists aus 49 Qualifikationsspielen ist ihm auch bei Chris McSorley der Aufstieg in die Business-Klasse der NLA-Verteidiger nicht gelungen. Maurer wird voraussichtlich nächste Saison deshalb bei den Lakers verteidigen.

McSorleys Griff in die Trickkiste

Ironie der Geschichte: Der Modellathlet (188 cm, 90 kg) mit dem guten Timing im Zweikampf hat nun zum ersten Mal Einfluss auf das Wesen und Wirken des Schweizer Eishockeys genommen. Aber nicht als Verteidiger, sondern als Stürmer. Chris McSorley hat Maurer zum Rollenspieler am Flügel umfunktioniert.

Und damit kommen wir zum Kernpukt der Geschichte: Chris McSorloey ist der beste Bandengeneral der Liga. Er hat aus einem aus seiner Sicht unbrauchbaren Verteidiger einen Flügelstürmer gemacht, der womöglich die Serie gegen Gottéron entscheiden wird. McSorley hat wie nur wenige Coaches in dieser Liga begriffen, welche Bedeutung «Rollenspieler» haben. Spieler, die zu limitiert, zu wenig komplett sind, um eine Partie zu dominieren. McSorley ist einer der Coaches, der seine Spieler ganz genau kennt und deshalb dazu in der Lage ist, ihnen eine ganz besondere Rolle zuzuweisen.

Die Rolle des Spielzerstörers

Maurer hat nun am Flügel die Rolle, Gottéron mit seinen Checks zu zerstören. Er hat im zweiten Spiel in Fribourg im ersten Drittel drei Einsätze gehabt - und bei zwei davon hat er einen Spieler von Gottéron mit harten Checks verletzt: Erst den kanadischen Leitwolf Serge Aubin (Kreuzband im Knie gerissen), dann das bedauernswerte Jungtalent Adam Hasani (Schulterverletzung). Für beide ist die Saison zu Ende.

Einzelrichter Reto Steinmann hat auf Anregung von Gottéron den Check von Marco Maurer gegen Serge Aubin untersucht und ist nach dem Studium der TV-Bilder zum Schluss gekommen, dass Maurers Check regulär war. Die Knieverletzung habe sich Aubin nicht beim Zusammenprall, sondern beim anschliessenden unglücklichen Sturz zugezogen. Damit ist dieser Fall erledigt.

Im ersten Spiel dieser Serie wurde Eishockey gespielt, Tempo, Talent und Kreativität entschieden und Gottéron gewann in Genf. In der zweiten Partie ist richtiges Eishockey im Sinne der Kanadier geworden, ein Spiel, das Kanadas Dichterfürst als eine Mischung aus Ballet und Mord bezeichnet hat. Tempo, Talent und Kreativität spielten nicht mehr die entscheidende Rolle. Sondern Härte und Einschüchterung. Und Servette hat die Serie ausgeglichen.

Heins Durchdreher nach dem Time-out

Und hier sei noch eine Frage gestellt: Was zum Teufel ist beim Time-Out ausgeheckt worden, das Chris McSorley kurz vor Schluss genommen hat? Das Spiel war ja mit 5:1 längst entschieden, taktische Anweisungen war nicht mehr notwendig. Warum ich diese Frage stelle? Ganz einfach: Kurz darauf drehte Shawn Heins durch.

Nun hat Gottéron mit Shawn Heins und Serge Aubin seine wichtigsten Feldspieler verloren. Und vieles deutet darauf hin, dass Gottéron selbst beseelt vom «heiligen Zorn» zu naiv und zu weich ist, um gegen dieses Servette bestehen zu können. Aus Sicht von Gottéron ist Servettes grosser Zampano Chris McSorley schon so etwas wie des Teufels Bandengeneral (frei nach dem Filmklassiker mit Curd Jürgens in der Hauptrolle).

ZSC-Lions-TV
Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen