«Time-Out» mit Klaus Zaugg

07. Februar 2010 13:45; Akt: 07.02.2010 13:53 Print

Verpasste Chancen und AbstiegssorgenVerpasste Chancen und Abstiegssorgen

von Klaus Zaugg - Zwei Runden vor Schluss ist nun klar: Die Lakers, die SCL Tigers, Ambri und Biel spielen gegen den Abstieg. Die Lakers hätten die Playoffs erreichen müssen und Biel Platz 8 schaffen können. Eine Bilanz der Entscheidung am Strich.

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Die Hockeygötter haben den Aussenseitern in der Qualifikation 2009/10 die Sensation auf dem Silbertablett präsentiert. Doch keiner hat zugegriffen. Hier die Analyse im Detail.

Lakers: Die selbstverschuldete Krise

Hätten die Lakers die Playoffs erreichen können? Ja. Sie hätten einen Platz über dem Strich auf Kosten von Fribourg und/oder Lugano schaffen müssen. Sie haben in dieser Saison auf dem Papier die beste Mannschaft seit dem Aufstieg von 1994 und mit Torhüter Daniel Manzato ist die Torhüterposition so stark besetzt wie noch nie.

Warum sind die Lakers gescheitert? Noch nie seit Einführung der Playoffs (1985/86) ist eine Mannschaft so klar am Trainer gescheitert. Selbst nach der Entlassung von Raimo Summanen wäre eine Wende möglich gewesen. Aber am Tag, als John Slettvoll seine Arbeit aufgenommen hat, sind die Playouts gebucht worden. Slettvoll als Nothelfer zu verpflichten, ist etwa so, wie wenn der Wagenschmied, der die letzte Gotthardkutsche baute, eine Computerpanne einer Boeing 747 beheben sollte. Mit steinzeitlichem, passivem Betonhockey hatte Slettvoll 2008 sogar das noch bessere Lugano in die Playouts versenkt. Das Verletzungspech alleine hätte unter einem kompetenten Trainer die Lakers noch nicht um die Playoffs gebracht.

Die Aussichten für die Playouts: Die Mannschaft ist so gut besetzt, dass sie sich bereits in der ersten Playout-Runde retten müsste. Aber mit Slettvolls destruktiv-passivem Hockey wird es schwierig. Unter keinen Unständen dürfen die Lakers in die Liga-Qualifikation. Dort droht, sollte Lausanne die NLB gewinnen, der Abstieg. Zudem wird sich die ohnehin schlechte Chemie des Teams in der Olympiapause unter Slettvoll weiter verschlechtern.

Die Aussichten für die nächste Saison: Die Lakers haben neben dem Eis in den letzten Jahren alles richtig gemacht. Aber dabei die Sensibilität für die sportlichen Bereiche verloren. Mit dem Engagement von Trainer Christian Weber ist das grösste Problem gelöst. Weber wird mit seinem kreativen, gut strukturierten Tempohockey als «Arno Del Curto des Flachlandes» das ganze Unternehmen auf und neben dem Eis positiv verändern. Die Playoffs sind nächste Saison möglich, aber nur mit viel Glück: Lugano und Fribourg dürften besser sein. Und auf Kosten von wem wollen die Lakers die Playoffs schaffen?

EHC Biel: Reto Berras Fehlgriffe

Hätte Biel die Playoffs erreichen können? Ja, sie hätten es auf Kosten von Fribourg und/oder Lugano schaffen können.

Warum sind die Bieler gescheitert? Weil sie kein Glück hatten. Eine Depression im Herbst mit 12 Niederlagen in Serie (24. Oktober bis 28. November) kosteten die Playoffs. Die Ursachen: Beim schmalen Kader können verletzungsbedingte Ausfälle (Bordeleau, Fata, Nüssli, Bärtschi, Seydoux, Gossweiler) nicht kompensiert werden. Vielleicht hätte es auch mit einem erstklassigen Torhüter gereicht. Aber Reto Berra (23) ist erst auf dem Weg dazu, sein Potenzial auszuschöpfen und eine echte Nummer 1 für die NLA zu werden. Seine Fehlgriffe kosteten entscheidende Punkte. Trainer Kent Ruhnke hat alles richtig gemacht und es bleibt ihm wenigstens der Trost, dass Biel neben Servette und Zug die Überraschungsmannschaft dieser Saison ist. Die Bieler haben schon 12 Punkte mehr als am Schluss der letzten Qualifikation.

Aussichten für die Playouts: Trotz allem ein besserer Torhüter als vor einem Jahr, bessere Ausländer, ein gesunder Martin Steinegger und ein Trainer, der mit Extremsituationen umgehen kann: Diesmal müssen die Bieler nicht in die Liga-Qualifikation.

Aussichten für die nächste Saison: Die Mannschaft wird nominell nicht viel besser sein. Aber Torhüter Reto Berra dürfte sich um 20 Prozent steigern. Es gibt eine Chance auf die Playoffs. Aber sie wird nicht grösser sein als diese Saison. Weil mit einer Steigerung von Lugano und Fribourg gerechnet werden muss.

SCL Tigers: Die Auflösung eines Unternehmens

Hätten die SCL Tigers die Playoffs erreichen können? Nein, sie hatten nie eine Chance.

Warum sind die Langnauer gescheitert? Bitter für die SCL Tigers: Mit der letztjährigen Mannschaft, die mit 69 Punkten den 8. Platz erst im 50. und letzten Spiel um einen Zähler verpasste, hätten sie erstmals die Playoffs geschafft und sich mit ziemlicher Sicherheit vor Lugano und Fribourg klassiert. Aber die SCL Tigers AG, ist in einem beispiellosen Sommertheater praktisch aufgelöst worden. Kein anderes Hockeyunternehmen hat in so kurzer Zeit einen so dramatischen Umbruch verkraften müssen. Die gesamte Führung auf und neben dem Eis (Präsident, Verwaltungsrat, Manager, Trainer, Assistenten) und drei der vier Ausländer sind ausgetauscht worden. Ein beispielloser Verrat (Trainer Christian Weber, seine Assistenten Nick Hess und Marco Bayer, Captain Fabian Sutter, die Nationalspieler Eric Blum und Matthias Bieber haben während der Saison bei der Konkurrenz unterschrieben) hat zeitweise zu einer Auflösung der Leistungskultur geführt und gipfelte in der Freistellung von Trainer Christian Weber. Seither steht Ausbildungschef und Juniorentrainer Konstantin Kuraschew an der Bande.

Aussichten für die Playouts. Nie mehr seit der ersten NLA-Saison nach dem Wiederaufstieg, als sich die Tiger im Frühjahr 1999 erst im 7. und letzten Spiel der Liga-Qualifikation in Chur retteten, war die Abstiegsgefahr so gross wie jetzt. Wenn die Rettung in den Playouts nicht gelingt und Lausanne die NLB gewinnt, dann stehen die Langnauer zu 80 Prozent in der NLB. Eine Liga-Qualifikation wird im Grenzbereich entschieden - und dorthin werden sich Fabian Sutter, Matthias Bieber und Eric Blum nicht mehr begeben.

Aussichten für nächste Saison. Wenn die sportliche Rettung gelingt, werden auch die wirtschaftlichen Probleme gelöst. Die wichtigsten Positionen (Torhüter, Trainer) sind durch Benjamin Conz und John Fust für nächste Saison gut besetzt. Eine Chance auf die Playoffs werden die Tiger auch nächste Saison nicht haben. Aber sie werden wieder einmal den SC Bern besiegen.

Ambri: Zu früh aufgegeben?

Hätte Ambri die Playoffs erreichen können? Nein, höchstens den zweitletzten Platz.

Warum ist Ambri gescheitert? Die Schlüsselpositionen sind gut besetzt (Torhüter, Ausländer), Paolo Duca ist ein charismatischer Leitwolf und das Management hat in keiner Minute den kühlen Verstand verloren. Das Potenzial für eine Überraschung war also da - aber es hätte nur unter optimalen Bedingungen genützt werden können. Der Kader ist so schmal und die offensive Feuerkraft ist so sehr auf Duca, Kirby Law und Eric Westrum zentriert, dass bereits eine leichte atmosphärische Störung zwischen Westrum und Trainer/Sportchef Benoit Laporte Ambri um jede Chance gebracht hat. Und im Rückblick wird klar: Ambri hat (zu?) früh alle Hoffnungen fahren lassen.

Aussichten für die Playouts: Benoit Laporte hat seine Mannschaft intakt durch die Fährnisse der Qualifikation gesteuert. Aber die Spieler und der Trainer und das Management haben sich seit Wochen daran gewöhnt, dass das Resultat keine Rolle spielt. Selbst der beste Trainer der Welt kann unter diesen Voraussetzungen einen gewissen Larifari-Betrieb nicht verhindern. Wenn es gelingt, rechtzeitig vom Ferien/Trainingsbetrieb auf den Ernst des Hockeylebens umzustellen, ist der Liga-Erhalt nicht in Gefahr. Ein Gang in die Liga-Qualifikation bringt Ambri in Abstiegsgefahr, wenn Lausanne die NLB gewinnen sollte.

Aussichten für nächste Saison: Das Ziel kann nur Liga-Erhalt heissen. Aber immerhin müsste es möglich sein, die Playoff-Hoffnungen ein bisschen länger am Leben zu erhalten. Aber spätestens Mitte Januar 2010 ist Playoff-Lichterlöschen.

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