Stanley-Cup-Champion

12. Juni 2017 12:27; Akt: 12.06.2017 12:33 Print

Mark Streits Krönung in der Garderobe

Der Berner Verteidiger erringt mit den Pittsburgh Penguins den heiligen Hockey-Gral. Seine Lust am Spiel ist damit aber noch nicht gestillt.

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Mark Streit hat eine lange Reise hinter sich. Eine ungewöhnliche Reise, die nun, mit 39, ihre Krönung erfahren hat. Der Berner darf sich seit Sonntagabend nennen, wovon jeder Eishockeyspieler träumt: Stanley-Cup-Sieger. Dass es der Verteidiger in Pittsburghs 25 Playoff-Partien lediglich dreimal aufs Matchblatt schaffte, mochte für ihn schwer zu ertragen sein, ändert aber nichts daran, dass er Teil der Mannschaft war.

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Streit litt während Spiel 6 in Nashville (2:0) nicht auf der Tribüne, sondern in der Garderbobe, erzählte er nach dem Triumph. «Es war brutal. Ich war noch nie so nervös, habe noch nie so emotional mitgefiebert, wenn ich nicht selbst spielte.» Am Ende flossen gar die Freudentränen, Stolz und Genugtuung mischten sich in die Euphorie. «Klar wäre es schön gewesen, eine andere Rolle zu spielen. Ich habe aber das Beste aus der Situation gemacht. Das ist der Höhepunkt meiner Karriere», sagte er.

Schock-Transfer zum Siegerteam

Seine Teamkollegen goutierten, dass der Routinier seine Nebenrolle klaglos akzeptierte. Es ist als Zeichen der Wertschätzung zu deuten, dass Streit den Silberpokal bereits als sechster Spieler seiner Mannschaft in die Luft strecken durfte. «Ich fühle mich geehrt, dass ich den Pokal so schnell bekommen habe. Das zeigt, wie die Jungs hier sind», sagte Streit. «Sie schätzen es, wenn man positiv bleibt und sie unterstützt, auch wenn man selber in keiner einfachen Situation ist.»

Dass Streit im Spätherbst seines sportlichen Schaffens Teil eines Siegerteams ist, verdankt er einem Erlebnis, das im ersten Moment ein Schock gewesen war. Am 1. März, als die NHL-Transferfrist endete, gab Philadelphia seinen Assistenzcaptain wider Erwarten an Tampa Bay ab, das ihn direkt nach Pittsburgh weiterreichte. «Privat ist dieser Transfer für mich und meine Familie ein echter Einschnitt», sagte Streit, der seit Januar Vater einer Tochter ist, damals. Seine Ernüchterung wich jedoch schnell der Vorfreude auf das neue Abenteuer.

Rücktritt? Mitnichten

Plötzlich hatte er beste Aussichten, die begehrteste Auszeichnung seines Sports doch noch zu erringen. Er, den der SC Bern als Junior für zu wenig gut befunden und nach Freiburg abgeschoben hatte. Der nach Davos weiterzog und nach drei Saisons im Landwassertal erstmals den Sprung nach Übersee wagte, aber scheiterte. Der 2000, nach einem Jahr ohne NHL-Einsatz, dafür mit vielen Erfahrungen aus den Niederungen des nordamerikanischen Hockeys, zu den ZSC Lions stiess und 2005 in Montreal einen neuen Anlauf nahm. Der sich durchbiss und zum Schweizer Pionier mit bis heute 818 NHL-Partien (100 Tore, 349 Assists) und über 50 Millionen Dollar Bruttoeinnahmen wurde.

Nun, wo er auf dem Gipfel angekommen ist und im Dezember 40 wird, würde sich ein Rücktritt anbieten, oder? «Dazu spiele ich zu gern. Und ich habe gezeigt, dass ich noch zu guten Leistungen fähig bin», sagte Streit und fügte mit einem Lächeln an: «Es ist mit der Familie besprochen, dass ich weitermache.» Streit ist «unrestricted free agent», er kann seinen nächsten Club also frei wählen, sollte er Angebote erhalten. Ein, zwei Jahre dürften es gern noch sein, allerdings nur in der NHL.

Seine sportliche Reise soll dort enden, wo ihn einst nicht einmal die kühnsten Prognostiker gesehen hatten.

(kai)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Taurus am 12.06.2017 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    So viel zu "überbewertet"

    Viele Hobby-Kommentatoren plappern Zeugs wie "überbewertet", "nicht gut genug", etc... Leute, Zitat aus dem Artikel: "818 NHL-Partien (100 Tore, 349 Assists). Noch Fragen? Ich bin auch überzeugt von Josi, doch diese Marke muss auch er zuerst einmal erreichen.

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  • Bravo Mark am 12.06.2017 13:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein wahrer Champion

    Ein wahrer Champion. Wenn es einer als Hockeyspieler verdient hat, dann er. Egal für welchen Club ich in der Schweiz, Fan bin. Bravo Mark, Du bist das Vorbild für die Hockey Jugend in der Schweiz !

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  • wednesday am 12.06.2017 13:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mark Streit ist ein Champ.

    Streit hätte sicher lieber eine aktive Rolle auf dem Eis gehabt beim erkämpfen des Pokals. Doch er hat offenbar seine erzwungene Rolle gut gemeistert und sein Team goutierte es, als sechster durfte er ihn in die Luft heben. Das ist ein Wertschätzung. Ich wünsche ihm noch einige Jahre aktiv auf dem Eis in der NHL. Mark Streit ist ein Champ. Ohne Frage. Er hat sehr viel für das Schweizer Eishockey getan. Er zeigt das ein Schweizer Feldspieler sich in der NHL durchsetzen kann. Gratulation Mark Streit zur Krönung einer grossen Karriere.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marc Senn am 13.06.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Champion

    Mark Streit ein Champion? Leider nein! Mitläufer höchstens....

  • Jan am 13.06.2017 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Coca Cola Light?

    Warum um Himmelsgottwillen hat Streit ein Coca in der Hand

    • Andreas am 13.06.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Coors, nicht Cola

      Coors, das Bier ;) Sieht nur aus wie der Cola-Schriftzug

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  • Leilo Gampeler am 13.06.2017 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Winston Churchill sagte:

    Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird. : Mark Streit hat bewiesen, dass es genau so ist!

  • Syd the kid am 13.06.2017 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Eben doch ein wahrer Champion..

    Was mich am meisten beeindruckt hat, ist, wie professionell Streit mit seiner Rolle als Reservist umgegangen ist. In sämtlichen Interviews war er stets positiv, hat immer über das Team gesprochen und die Leistungen seiner Kameraden honoriert und wurde bei den freiwilligen Trainings immer aufgelistet.. Hier könnten sich Kollegen (ich meinte Sheary war es), die ein einziges Spiel nicht gespielt hatten und bereits jammerten, als sie danach gefragt wurden, eine Scheibe abschneiden.. Genau wegen dieser Einstellung hat er es eben doch verdient, sich Champion nennen zu dürfen!

  • Sh. Wuktelli am 13.06.2017 01:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bla bla

    Streit hatte so viel mit dem Stanley Cup Sieg zu tun wie etwa ein Maurer damit zu hatte das 20 neue Bäume gepflanzt wurden... also gar nichts :D Niete

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