Shootingstar Bärtschi

20. März 2012 12:31; Akt: 20.03.2012 12:37 Print

«Nicht überlegen und Vollgas-Hockey spielen»

von Jürg Federer, USA - Sven Bärtschi sagt, er habe in den Tagen bei den Calgary Flames das beste Hockey seines Lebens gespielt. Doch dazu wäre es fast nicht gekommen: Er hätte beinahe den Flug verschlafen.

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Drei Tore in fünf Spielen für die Calgary Flames: Sven Bärtschi erhielt einen Check zum Abschied und will nun seinen Eltern, dem Bruder und seiner Freundin ein Geschenk kaufen. (Bild: Keystone)

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Drei Rookie-Tore in drei aufeinanderfolgenden Spielen, das ist im Kader der Calgary Flames zuletzt einem anderen Schweizer gelungen. Hnat Domenichelli hat in der Saison 1997/98 ebenfalls in Serie für die Flames getroffen, damals reichte es am Ende nicht für die Playoff-Qualifikation. «Ich habe Domenichelli immer verfolgt, als ich noch in der Schweiz gespielt habe», sagt Sven Bärtschi. «Ich hoffe, ich konnte in den letzten zehn Tagen etwas zum Erfolg der Calgary Flames beitragen.» Bärtschi hat in fünf Spielen drei Tore erzielt, er hat alle Chancen genutzt, die ihm geboten wurden. «Eigentlich hätte ich bereits im Heimspiel gegen Winnipeg treffen sollen», sagt er. «Als wir dann nach Minnesota gereist sind, hatte ich dieses komische Gefühl vor dem Spiel, ich habe mich unglaublich gut gefühlt. Irgendwie lag mein erster Torerfolg in der Luft.»

Bärtschi wurde letzten Sommer in Minnesota in die NHL gedraftet, nun gelang ihm im selben Stadion das erste Tor. «Glauben Sie mir, ich reise gerne nach Minnesota», sagt Bärtschi. «Diese Stadt liegt mir.» Er rekapituliert sein erstes Tor. «Es war, als hätte ich alle Zeit der Welt. Der Abpraller, der Nachschuss, das Tor, alles lief wie in Zeitlupe vor meinen Augen ab.» Das erste NHL-Tor ist für jeden Spieler ein unvergesslicher Moment, doch Bärtschi sagt, die eindrücklichste Erinnerung war sein zweiter Treffer. «Da kam die Heimkulisse hinzu. Sie können sich nicht vorstellen, wie frenetisch die Zuschauer gejubelt hatten. Dieses Tor ist mein Highlight der zehn Tage in der NHL.» Bärtschi war in dieser Zeit drei Mal auf Titelseiten von lokalen Medien, sein Name war in der Olympiastadt von 1988 omnipräsent. «Ich kann noch gar nicht glauben, was in Calgary passiert ist, ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich in dieser Saison noch so eine Chance erhalten würde.»

«Ich habe mir die Tore alle aufgespart»

Den «Call-up» in die NHL hätte Bärtschi ursprünglich fast verschlafen. «Wir waren in Kamloops auf einem 'Roadtrip', als am Morgen mein Handy geklingelt hat. Ich lag noch im Bett und dachte mir, das sei sicher nicht so wichtig. Also schlief ich weiter. Als das Telefon kurz darauf wieder geläutet hat, stand ich halt auf. Der Assistenztrainer hat mir dann gesagt, dass ich sofort zum Stadion kommen müsse. Ich wollte wissen, was denn los sei, doch er verriet mir nichts. Also ging ich zu Fuss zum Stadion und da wurde mir dann mitgeteilt, dass mein Flugzeug nach Calgary auf mich warte. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich in dieser Saison noch so eine Chance erhalten würde.»

In Calgary hat Bärtschi zuerst mit der Mannschaft trainiert, Headcoach Brent Sutter machte ihm Mut und sagte: «Es ist normal, dass Du Fehler machen wirst. Folge einfach Deinem Instinkt.» Das Resultat waren drei Bärtschi-Tore, keine Abstauber oder Ablenker sondern alles klassische «Sniper-Tore». Einen «Sniper» nennen die Nordamerikaner kaltblütige Scharfschützen, Stürmer, die einen Torriecher haben. Eigentlich ist Bärtschi ein Spielmacher, ein Garant für den letzten, tödlichen Pass. Bei den Portland Winterhawks hat er doppelt so viele Torvorlagen geleistet als Tore erzielt. «Ich habe mir die Tore halt alle für Calgary aufgespart», scherzt Bärtschi und erklärt: «Bei den Junioren hat man bei jedem Spielzug eine Sekunde lang Zeit zu überlegen, was man mit dem Puck anstellen will. Und da entscheide ich mich oft für den Pass zu einem besser positionierten Stürmer. In der NHL fehlt einem diese Zeit. Da erhält man pro Spiel eine oder zwei Möglichkeiten, wenn man nicht sofort abdrückt, kommt die Chance nie mehr zurück.»

Der Coach war beeindruckt

An seinem zehnten Tag in der NHL haben Calgarys General Manager Jay Feaster und Headcoach Brent Sutter Bärtschi auf der Heimreise von Edmonton im Flugzeug mitgeteilt, dass die verletzten Spieler, für die er einspringen durfte, nun für die Playoffs fit gespielt werden müssen, seine Zeit in der NHL sei vorläufig vorüber. Anders als zehn Tage zuvor hat Brent Sutter nicht mehr von Bärtschis Fehlern gesprochen, sondern von seinen Qualitäten. «Er versicherte mir, dass er viel dafür geben würde, mich im Team zu behalten. Ich hätte ihn beeindruckt, sagte er, doch das Reglement lasse ihm halt keine Wahl.» Teamcaptain Jarome Iginla hat dann noch mit Bärtschi gesprochen, er gab ihm mit auf den Weg, an was er noch arbeiten solle. «Neben dem Headcoach war Iginla meine wichtigste Bezugsperson. Er nahm mich oft zur Seite, gab mir viel Selbstvertrauen. Aber manchmal fragte er mich auch einfach, ob ich etwas brauche. Iginla ist ein Musterathlet, ein Leader wie er im Buch steht. Einen besseren Captain können Sie sich nicht vorstellen», sagt Bärtschi.

Die Erwartungen an Bärtschi sind gestiegen

Anders als im Spätsommer, als Bärtschi frustriert nach Portland reiste, weil er aus dem Saisonvorbereitungscamp ausgeschieden war, trat er die Heimreise nun mit erhobenem Haupt an.«Ich hoffe, Calgary qualifiziert sich für die Playoffs, es liegt nun in den Händen der Mannschaft. Ich glaube, ich kann mit gutem Gewissen sagen, ich habe meine Mission erfüllt. Ich denke, ich habe in diesen zehn Tagen das beste Eishockey meines Lebens gespielt.» Im Gepäck hatte Bärtschi den Stock, mit dem er das erste Tor erzielt hat, der Puck wird ihm von der NHL noch nachgeliefert. Und ein schöner Check mit einer fünfstelligen Summe wurde ihm auch noch mitgegeben. «Mir geht es nicht ums Geld», sagt er. «Ich habe doch alles, was ich brauche. Ich werde meinen Eltern, meinem Bruder Kevin, Reto Kläy vom SC Langenthal, meinem Agenten Andre Rufener und meiner Freundin ein schönes Geschenk machen. Jetzt kann ich ihnen etwas von dem, das sie in mich investiert hatten, zurückgeben.»

Nun stehen in Portland die Playoffs der höchsten kanadischen Juniorenmeisterschaft an. Ohne Bärtschi im Kader haben die Winterhawks zwei von fünf Partien verloren. Im Sommer wird Bärtschi dann nach Calgary zurückkehren, um sich im Saisonvorbereitungscamp für die nächste NHL-Saison aufzudrängen. Die Erwartungen an ihn sind in den zehn Tagen zwischen dem 7. und dem 17. März exorbitant gestiegen. «Aber jetzt weiss ich, welches Level von mir erwartet wird. Ich werde es genau gleich handhaben wie am 7. März. Nüt überlege, vollgas usegah und päng Hockey spile.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tschuls Störni am 20.03.2012 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achtung

    Er ist sicherlich ein Top Stürmer, ABER dies ist auch Niederreiter und der wurde am Anfang auch so hochgejubelt und jetzt? Jetzt spielt er in der 4. Linie und hat fast keine Eiszeit. Bärtschi muss aufpassen, dass ihm nicht das Gleiche passiert.

    • Rudy Mentair am 23.03.2012 08:16 Report Diesen Beitrag melden

      Wird es nicht...

      Nino ist auf den Schlittschuhen zu langsam und unbeweglich. Zudem hat er einen Trainer der ne katastrophe ist... schrecklich... Da hat sven ein ganz anderes Umfeld...

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  • NHL-Fan am 20.03.2012 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    fragliche Beschreibung

    "Das Resultat waren drei Bärtschi-Tore, keine Abstauber oder Ablenker sondern alles klassische «Sniper-Tore»." Nr. 1 Schuss blaue Linie; Ablenker Bärtschi; Rebound versenkt.. Nr. 2 Schuss Iginla; Rebound versenkt.. Nr. 3 Querpass abefangen und eiskalt versenkt.. Haben sie die Tore eigentlich auch gesehen oder schreiben Sie nur darüber?

  • NHL Profi am 20.03.2012 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Calgary Flames 3

    Super Sache! Ich hoffe er kommt weit in der NHL! Einfach wird es bestimmt nicht aber er spielt sehr gut! Beste Chancen viel zu erreichen!

  • Küde am 20.03.2012 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    Legend!

    Klasse der Junge! Bärtschi hat das Zeug zum Star in der NHL!

    • weba am 20.03.2012 14:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      super

      da hast du recht!

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