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«Time-out» mit Klaus Zaugg
11. März 2010 13:56; Akt: 11.03.2010 14:30 Print
Hat Zug-Trainer Shedden die Hosen voll?
von Klaus Zaugg - Polemik um Zugs Trainer Doug Shedden: Mit einer umstrittenen Defensivstrategie hat er das erste Playoff-Spiel gegen die ZSC Lions verloren. Hatte der Kanadier zu viel Respekt vor der Offensivkraft der Zürcher?
Gib nie einem kanadischen Coach zu viele ausländische Verteidiger. Gerade nordamerikanische Bandengeneräle neigen in Extremsituationen wie in den Playoffs zu konservativen, taktischen Entscheidungen, verlieren den offensiven Mut und setzen auf defensive Sicherheit. Denn die alte Weisheit sagt ja: In der Offensive werden einzelne Spiele, in der Defensive aber Meisterschaften gewonnen. Ganz nebenbei: Die Fähigkeit, bei Bedarf vorwärts zu fräsen oder hinten zu mauern, ist ein wichtiger Grund, warum der HC Davos die erfolgreichste Mannschaft des 21. Jahrhunderts ist. Aber von allen Teams der Liga hat nur der HCD diese taktische Flexibilität.
Doug Shedden setzte im ersten Spiel gegen den ZSC auf die Defensive: Ein Fehler.(Bild: Keystone)
Gegen die ZSC Lions hat Doug Shedden in der Qualifikation auf den Ausländerpositionen die beiden Stürmer Josh Holden und Dale Mc Tavish eingesetzt und so 6:4 und 5:4 gewonnen und 1:4 verloren. Eine Partie wurde nicht gespielt (Abbruch wegen Rauchpetarde).
Erste Playoff-Polemik
Logisch wäre also, wenn Shedden auch im ersten Playoffspiel vor eigenem Publikum McTavish und Holden eingesetzt hätte. Aber Anfang Januar holten die Zuger den finnisch-schwedischen Doppelbürger Josef Boumedienne. Damit hat Shedden nun fünf Ausländer zur Verfügung: Torhüter Jussi Markkanen, die Verteidiger Boumedienne und Micki Dupont sowie die beiden Stürmer Josh Holden und Dale McTavish.
Der Entscheid, im Startspiel gegen die ZSC Lions die vier Ausländerpositionen mit einem Torhüter (Markkanen), zwei Verteidigern (Boumedienne und Dupont) und nur noch einem Stürmer (Holden) zu besetzen, hat die Zuger mit ziemlicher Sicherheit die 1:2-Pleite beschert. Und auf jeden Fall die erste Playoff-Polemik ausgelöst. In der «Neuen Luzerner Zeitung» hat McTavish die Taktik seines Trainers offen kritisiert und erklärt, er verstehe nicht, warum er draussen bleiben musste. Doug Shedden verteidigt sich mit dem Argument, die ZSC Lions seien nur über eine bessere Defensive zu besiegen, für einen offenen Schlagabtausch sei seine Mannschaft offensiv nicht stark genug. Die Statistik gibt ihm scheinbar Recht: Die ZSC Lions haben die Qualifikation mit einem Torverhältnis von 185:165 abgeschlossen. Der EVZ mit 165:125.
Wenn McTavish spielt, laufen die Offensiv-Motoren
Salopp gesagt: Der EVZ-Trainer hatte die Hosen voll und zu viel Respekt vor der Offensivkraft der Zürcher. Denn: Der ZSC-Angriff steht gewissermassen auf tönernen Füssen: Nur zwei Verteidiger (Suchy und Seger) bleiben im Gewitter eines heftigen Forecheckings ruhig und gelassen. Die beste Verteidigung gegen diesen ZSC: Das Angriffspiel bereits tief in der Zone der Zürcher stören und dafür sorgen, dass das Spektakel mehrheitlich vor Ari Sulander und nicht vor Jussi Markkanen aufgeführt wird.
Weder Dupont noch Boumedienne gehören zu der Businessklasse der NLA-Verteidiger. Ob mit beiden ausländischen Verteidigern oder nur mit einem, ist im Grunde für die Stabilität der EVZ-Abwehr gehüpft wie gesprungen. Hingegen ist der Einsatz von Josh Holden und Dale McTavish für die offensive Feuerkraft entscheidend: McTavish ist der drittbeste Torschütze des Teams. Der Kanadier war vor einem Jahr auch ein Schlüsselspieler beim Playoff-Triumph über den SC Bern. Wenn er nicht spielt, laufen die offensiven Motoren der Zuger nicht auf allen Zylindern.
Van Boxmeer als Negativ-Vorbild
Schon einmal hat ein grosser kanadischer Bandengeneral eine Meisterschaft verloren, weil er keinen Mut zur Offensive hatte: Im Frühjahr 2007 setzte SCB-Cheftrainer John van Boxmeer im Finale gegen den HC Davos die beiden ausländischen Verteidiger Toni Söderholm und Michal Barinka ein. Der extra für die Playoffs verpflichtete kanadische Stürmer und Bösewicht Nathan Perrot blieb auf der Tribune. Die Berner gewannen alle drei Heimspiele, aber den für den Titelgewinn notwendigen Auswärtssieg schafften sie nicht und verloren das siebte Spiel in Davos 0:1. Im Rückblick auf diese Serie bedauert es John van Boxmeer, dass er nie den Mut hatte, Perrot einzusetzen um so den Gegner zu überraschen. Er coachte konservativ und setzte auf die Defensive und die Berechenbarkeit – und verlor.
Auch Doug Shedden hat zum Auftakt der Playoffs die konservative Lösung gewählt. Er hatte die Hosen voll. Das kann ihn die Halbfinals kosten.



























