NHL oder NLA?

02. März 2012 15:24; Akt: 02.03.2012 15:47 Print

«Ich will noch einmal einen Titel gewinnen»

von Jürg Federer, St. John's - David Aebischer sagt, ihm liege das nordamerikanische Eishockey besser als das europäische. In den nächsten Monaten muss er beweisen, dass er noch immer auf NHL-Niveau spielen kann.

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David Aebschischer im Interview mit 20 Minuten Online. Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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David Aebischer hat 214 NHL-Spiele absolviert, er hat den Stanley Cup gewonnen, an zwei Olympischen Winterspielen und an fünf Eishockey-Weltmeisterschaften teilgenommen. Er war in Turin der Held beim Sieg gegen Tschechien, ist der Schweizer Torhüter mit der grössten Erfahrung neben Martin Gerber. Doch nach seiner Rückkehr in die Schweiz zum HC Lugano sank Aebischers Stern am Schweizer Eishockeyhimmel. Mit dem Freiburger im Tor verpasste der HC Lugano erstmals in der Klubgeschichte die Playoffs, drei Jahre später wiederholte sich das Debakel. «Wir waren als Mannschaft nicht gut und auch ich habe nicht gut gespielt. Als der HC Lugano dann Benjamin Conz als Torhüter verpflichtete, war es für Lugano und für mich das Beste, dass wir uns trennen», erklärt Aebischer gegenüber 20 Minuten Online. Was den ehemaligen Stanley-Cup-Gewinner entlastet: Conz ist im Dress des HC Lugano auch nur noch ein durchschnittlicher NLA-Torhüter.

Ein «Buyout» von Lugano

Sechs Monate lang hat Lugano Aebischers Salär noch weiter bezahlt, seither spielt der Goalie in St. John's für den Lohn eines Vorarbeiters in der AHL. «Schon als ich zurück in die Schweiz kam, war es mein Ziel nach Nordamerika zurückzukehren. Mit einem guten Camp in Winnipeg habe ich im Herbst bewiesen, dass ich noch auf NHL-Niveau spielen kann», sagt Aebischer. Er möchte es noch einmal schaffen, in die Rolle eines zweiten Torhüters einer NHL-Organisation zu schlüpfen. Aebischer hat einen Vertrag im Farmteam bei den St. John's Ice Caps erhalten, einen NHL-Vertrag hat er keinen. «Das hat Vor- und Nachteile. Zwar holt mich Winnipeg nicht kurzfristig in die NHL, dafür kann mich jedes andere Team verpflichten, wenn es will.»

Aebischer hat die Winnipeg Jets im Training von seinen NHL-reifen Leistungen überzeugt, doch im Ernstkampf reichte es vorerst nicht einmal für die AHL. «Zum Saisonstart lief es mir nicht gut, ich war der schlechteste von allen drei Torhütern der Ice Caps», gibt er zu. Der Schweizer wurde in stundenlangen Diskussionen von Winnipegs Goalieausbilder Rick St. Croix (Ex-EV Zug) unterstützt, gemeinsam haben sie Aebischers alte Form wieder gefunden. «Aebischer ist ein Denker», analysiert St. Croix. «Er hat das Talent und die Erfahrung für die NHL, doch seine Selbstzweifel hielten ihn davon ab, einfach und gut Eishockey zu spielen.»

Es hat drei Monate gedauert, bis der Freiburger den Spielfluss fand, der ihn einst zu einem Torhüter von internationalem Format gemacht hat. «Manchmal hatte ich die Niederlagen mit dem HC Lugano noch im Kopf», erklärt Aebischer und fügt an: «Bei einem Eishockeytorhüter ist es wie bei einem Golfspieler. Man kann keine perfekte Partie spielen und doch versucht man es jeden Abend von Neuem. Gegentore gehören zum Geschäft, je weniger Fehler man macht, desto weniger Gegentore erhält man.» Deshalb sei der Erfolg der Mannschaft für den Goalie noch wichtiger als für einen Feldspieler. «Mit einer einzigen Parade kann man den Sieg retten, mit einem Fehler hingegen stellt man den Spielverlauf komplett auf den Kopf.»

Schweizer Meister oder Stanley Cup?

Mittlerweile dominieren die Ice Caps die AHL-Meisterschaft mit Aebischer im Tor. Seit Dezember hat der Schweizer im Durchschnitt drei von vier Punkten für sein Team gewonnen. Er ist in eine Vorbildrolle für seinen jungen Torhüterkollegen Eddie Pasquale gewachsen und er gewinnt die Spiele, für die der NHL-Aspirant noch geschont wird. «Als ich jung war haben mir immer Leute geholfen, nun probiere ich dasselbe mit Eddie zu tun», erklärt Aebischer die Arbeitsteilung mit seinem 21-jährigen Torhüterkollegen. In Nordamerika hat Aebischer längst bewiesen, dass er das Talent hat, in der NHL Spiele zu gewinnen. Doch man zweifelt daran, dass der Schweizer auch Meisterschaften entscheiden kann.

Mit den St. John's Ice Caps hat er die Chance, seine Kritiker zu überzeugen. Die Mannschaft spielt an der Spitze der AHL und gilt als Favorit auf den Gewinn des Calder Cup. Erreichen die Ice Caps das Playofffinale, erhält Aebischer im Alter von 34 Jahren vielleicht eine letzte Chance als Backup-Goalie in der NHL. «Mir liegt das amerikanische Eishockey besser als das europäische», sagt er und er versichert, dass er sich gut vorstellen kann, ein weiteres Jahr in der AHL zu spielen. Im Verlauf seiner Karriere hat Aebischer über sechs Millionen Dollar verdient, heute spielt er nicht mehr für den Geldbeutel sondern für die Galerie. «Es wäre übertrieben zu sagen, ich hätte finanziell ausgesorgt, aber ich kann mir einen guten Lebensstil leisten.»

Eine Rückkehr in die Schweiz schliesst Aebischer nicht aus. In Rapperswil (2012), Zug, Kloten, Lausanne und Biel (ab 2013) ist die Torhütersituation mittelfristig nicht geklärt. «Der Stanley-Cup-Gewinn mit Colorado war das Highlight meiner Karriere. Ich will in den nächsten Jahren noch einmal einen Titel gewinnen. Sei es der Stanley Cup, der Calder Cup oder den Pokal in der NLA.» Bereits die nächsten Monate werden entscheiden, ob Aebischer ein guter Goalie ist oder ein Meistergoalie – ob er um eine nordamerikanische Trophäe oder um die Schweizer Meisterschaft spielen wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • nino bosch am 03.03.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Taten nicht Worte

    Aebischer muss den Worten die Taten folgen lassen. Wir werden sehen, die Zukunft wird die Antwort geben.

    • Renato am 04.03.2012 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Vorarbeit

      Abby hat den Weg in die NHL für viele Schweizer leichter gemacht, indem er gezeigt hat das es auch ein Swiss boy packen kann.... Abby hat niemandem mehr etwas zu beweisen. Er hat unglaubliches für den Swiss Hockeysport geleistet. Wünsche ihm nochmals eine Saison in der NHL. Am besten als Backup bei den Islanders oder Ducks :-)

    einklappen einklappen
  • Hamasch am 02.03.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Abby

    Hopp Abby... Ich möcht es Dir von Herzen gönnen!!!

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