Karjala Cup

08. November 2017 10:21; Akt: 08.11.2017 23:57 Print

Kanada zeigt der Schweiz den Meister

Dem Eishockey-Nationalteam ist in Biel der Saisonstart nur 26 Minuten lang nach Wunsch gelungen. Nach dem Führungstreffer sind die Schweizer aber eingebrochen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit dem Karjala Cup in Helsinki und dem Länderspiel in Biel gegen Kanada startete das Eishockey-Nationalteam in die Saison. Doch die Partie lief nur bis zur Minuten 26 nach Schweizer Gusto, als Michael Fora, der 22-jährige Captain des HC Ambri-Piotta, die Schweiz mit seinem ersten Goal im dritten Länderspiel verdientermassen in Führung schoss.

Erstaunlicherweise führte dieses Tor aber zu einem Bruch im Schweizer Spiel. Fortan (und bis zum turbulenten Finish) gelang nicht mehr viel. Innerhalb von acht Minuten machten die Kanadier aus dem 0:1-Rückstand eine 3:1-Führung.

Kompletteinbruch der Abwehr

In dieser Phase brachen die Schweizer ein. Die defensive Ordnung und Organisation, die Nationalcoach Patrick Fischer ab dem ersten Saisonspiel sehen wollte, wurden über Bord geworfen. Es hätte in diesen Momenten sogar noch mehr Gegentore absetzen können. Die Schweizer kassierten drei Strafen hintereinander.

Félicien Du Bois, ein Routinier in der Abwehr, verlor beim Stand von 0:0 als hinterster Mann den Puck an einen kanadischen Angreifer. Goalie Jonas Hiller rettete. Und beim Skore von 1:1 rettete Hiller nochmals magistral mit dem Fanghandschuh im allerletzten Moment gegen Wojtek Wolski.

Aber auch Hiller durfte am Ende nicht zufrieden sein. Beim 1:1-Ausgleich liess er einen Weitschuss nach vorne abprallen, direkt auf den Stock von Gilbert Brulé. Und auch dem dritten Gegentreffer (durch Matt Ellison) ging ein Abpraller nach vorne voraus, wobei sich bei dieser Szene aber auch die beiden Schweizer Backs übertölpeln liessen.

Goalie Scrivens rettete Kanada

Der Leistungsabfall nach dem Führungstor sorgte für Ernüchterung und entschied dieses erste Länderspiel der Saison. Zuvor zeigte das Schweizer Team aber während 26 Minuten eine sehr starke Leistung. Bis zum 1:0 kamen die Schweizer fast zu doppelt so viele Torschüssen wie die Kanadier. Schon im ersten Abschnitt boten sich Gregory Sciaroni (11.) und dem Debütanten Sven Ryser (18.) gute Chancen zur Führung.

Zu Beginn des zweiten Abschnitts standen Gregory Hofmann (der einen Schuss von Andres Ambühl abfälschte/21.) und zweimal Cody Almond (22./26.) dem 1:0 sehr nahe. Ben Scrivens, vor zwei Jahren Nummer-1-Torhüter der Edmonton Oilers in der NHL, hielt sein Team im Spiel (26 Paraden).

Ein letztes Aufbäumen kurz vor Schluss

Im Finish trieben die Fans die Schweizer nach vorne. Romain Loeffel gelang mit dem zweiten Schweizer Verteidigertor des Abends 119 Sekunden vor Schluss der Anschlusstreffer. Und obwohl in den Schlusssekunden in Unterzahl, erspielten sich die Schweizer tatsächlich noch zwei Ausgleichschancen.

Die Partie zeigte auf, dass die Schweizer gegen die stärksten Gegner vorerst in der Aussenseiterrolle bleiben – ob mit oder ohne NHL-Akteure. Gegen Kanada gingen vier der letzten fünf Länderspiele klar verloren, nur an der Weltmeisterschaft in Paris, dem einzigen Spiel mit NHL-Spielern, setzte es nach einem 0:2-Rückstand einen 3:2-Sieg ab.

Die Kanadier bereiten die Olympia-Mission ausserdem mit mehr Aufwand vor als die Schweizer. Das Team Canada bestreitet im Dezember nebst dem Spengler Cup auch noch ein Länderturnier in Russland.

«Wir wollen erfolgreich spielen»

Die Chance zum ersten Erfolgserlebnis der Saison bietet sich den Schweizern ab Freitag in Helsinki. Am Donnerstag fliegt das Team von Patrick Fischer in den hohen Norden, am Freitagnachmittag treffen die Schweizer auf Tschechien. Die Tschechen sind ebenso wie Kanada an den Winterspielen in Pyeongchang Vorrundengegner der Schweizer.

Fischer bezeichnete das Sechsländerturnier in Helsinki als «Leckerbissen». Die drei Spiele gegen Kanada (Mittwoch), Tschechien (Freitag) und Russland (Samstag) seien der ideale Gradmesser gegen starke Gegner. «Ich erwarte, dass wir unser System so schnell wie möglich wieder finden», sagte Trainer Fischer im Vorfeld. «Und wir wollen erfolgreich spielen. Wir wollen Moral und Selbstvertrauen tanken.»

Schweiz - Kanada 2:3 (0:0, 1:3, 1:0)
Biel. - 5476 Zuschauer. - SR Stricker/Vinnerborg (SUI/SWE), Fluri/Kaderli.
Tore: 26. Fora (Almond) 1:0. 29. Brulé (Genoway, Després) 1:1. 36. O'Dell (Stollery) 1:2. 37. Ellison (Kinrade) 1:3. 59. Loeffel (Du Bois, Ambühl) 2:3 (ohne Torhüter).
Strafen: 5mal 2 Minuten gegen die Schweiz, 3mal 2 Minuten gegen Kanada.

Schweiz: Hiller; Fora, Kreis; Diaz, Furrer; Du Bois, Genazzi; Loeffel; Sciaroni, Walser, Ryser; Ambühl, Corvi, Hofmann; Praplan, Cunti, Hollenstein; Martschini, Almond, Suri.

Kanada: Scivens; Lee, Stollery; Després, Genoway; Blacker, Kinrade; Whitecloud; Bourque, O'Dell, Thomas; Brulé, Vey, Wolski; Kozun, Ellison, Klinkhammer; Purcell, Howden, Spaling.

Bemerkungen: Schweiz ohne Senn (Ersatztorhüter). Timeout Schweiz (58.). - Powerplay-Ausbeute: Schweiz 0/3; Kanada 0/5. - Schüsse: Schweiz 28 (13-7-8); Kanada 30 (9-15-6).

(fal/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 08.11.2017 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kritik ist unangebracht.

    "zeigt der Schweiz den Meister." Diverse fehlende Spieler, nur 2:3. An der WM haben wir mit Topbesetzung nur knapp gewonnen nach Verlängerung. Selbst das ist eine Sensation, gegen einen wiederholenden Weltmeister! Sorry, aber enttäuscht sein wegen einem 2:3 gegen Kanada ist schon Luxus. Die Schweizer Mannschaft macht stolz, sei es mit der letzten WM oder dem Final gegen Schweden. Weiter so. Bitte!

    einklappen einklappen
  • Henry am 08.11.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterhaltsames Spiel

    Die Schweiz musste zeitweilig arg unten durch hat sich aber immer wieder ran gekämpft. Einige Schweizer mussten erkennen, dass es auf diesem Niveau nicht reicht. Zum Glück gibt es ja noch einige neue Spieler die zum Team stossen. Absolut verdienter Sieger.

  • Lena Müller am 08.11.2017 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst mit der Vorgabe

    dass man an Olympia keinerlei NHL Spieler haben wird, ist dieses Team doch im Moment maximal Schweiz B... wenn nicht C. Viele sind noch angeschlagen - oder spielen CHL, oder was auch immer. Gut gekämpft. Gar nicht so übel.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralph am 09.11.2017 01:33 Report Diesen Beitrag melden

    Gut und Erschreckend

    ALso ich fand die Leistung gut, die Kanadier wollen sich alle für Olympia beweisen, da die NHL ja nicht pausiert. Was ich aber sehr erschreckend finde ist, dass die Schweizer, auch in der Liga, praktisch unfähig sind Direktabnahmen (One Timer) zu machen. Allmond hätte das sichere 1:0 aber wartet bis der Torwart bereit ist und die Verteidiger hauen meistens über den Puck oder schießen ins nirgendwo..

  • Lena Müller am 08.11.2017 23:04 Report Diesen Beitrag melden

    Selbst mit der Vorgabe

    dass man an Olympia keinerlei NHL Spieler haben wird, ist dieses Team doch im Moment maximal Schweiz B... wenn nicht C. Viele sind noch angeschlagen - oder spielen CHL, oder was auch immer. Gut gekämpft. Gar nicht so übel.

    • Eishockeyexperte am 08.11.2017 23:35 Report Diesen Beitrag melden

      @Lena Müller

      Dilletantisch, dieses Team als Schweiz B zu bezeichnen. Sorry, aber die ganzen Gegenargumente in einem Satz zu widerlegen sprengt den Rahmen der Zwangsgrenze. Nur mal soviel: Beobachten Sie mal die CH-League auch jahrwegs untendurch, die (ok einzelnen) NHL-Spieler, etc.. Dann: stellen Sie ein Team usammen. Und verlieren Sie dann "nur" 1:3 (ok: 2:3 mit Risiko) gegen Kanada! Dann stellen Sie dieses Team zusammen! Ausser, Sie sind Feminist, etc. dann nicht. Dann wären 11 Spielerinnen die Konsequenz. Diese Mannschaft ist die beste die wir haben! Widersprüche warum? Argumente?

    • Eishockeyspieler National League A am 08.11.2017 23:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Lena

      Dann spiel mal selber? Schweiz B Männer? Eher E. Spiele selber, weiss das (leider) einzuschätzen. Und sage dir, "kene" Chance. Frauen sind leider nicht Männer, nicht im Eishockey.

    • Mann und Frau am 09.11.2017 00:01 Report Diesen Beitrag melden

      frauen-hockey und männer-hockey

      wieso sollten sich frauen eigentlich überhaupt über sportliche (eishockey-)leistungen von männern aufregen können? ist es umgekehrt erlaubt? auch nicht, oder?. eben. äussert euch darum bitte nur immer NEUTRAL zu eurem metier, auch dem frauen-hockey. Sollte möglich sein, oder? Ich kann mich kritisch gegenüber den Frauen-Nationalmannschaft äussern, nur wird es nie veröffentlicht. kritisch, sexistisch, etc. Bitte gleiche Regeln für alle!

    • Ein ehrlicher Mann am 09.11.2017 00:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Lena

      als Frau etwas über die Männer-Mannschaft lästern. Ist die Frauen-Mannschaft denn für internationale Leistungen nicht gut genug? Nicht? Warum? Trainieren andere Frauen härter/besser?

    • Johnny Schmidt am 09.11.2017 00:44 Report Diesen Beitrag melden

      Aha, ein paar Männer beleidigt?

      Kapiert ihr Herren überhaupt, was die Frau sagte? Oder ist das Testosteron schon zu hoch? Sie sagte, dieses Team habe gut gekämpft... aber auf Olympia komme es noch viel besser, weil noch viele Spieler im Moment fehlen. Sie hat 100% recht. Es ist maximal das B Team. Übrigens: Eine Frau, die regelmässig Männerhockey sieht, kann das genau so gut einschätzen, wie jeder Mann, wenn der selber noch nie Eishockeyspieler war...

    • François Meunier am 09.11.2017 00:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Ein ehrlicher Mann

      Ehrlich sein ist gut, informiert sein ist aber besser - die Damen haben im Eishockey momentan Bronze an Olympia. Aber darum geht's nicht. Auch Lena Müller hat dazu nichts gesagt - also mal kühlen Kopf bewahren! Das hier ist allerhöchstens Schweiz B - da fehlen ja noch viele Spieler (selbst ohne die NHL). Was will sich ein Mann beklagen, wenn eine Frau offensichtlich regelmässiger die Resultate und Spiele verfolgt und mehr Spieler kennt? Oder war hier jemand mal Profi ;)

    • Joe G.I: am 09.11.2017 00:56 Report Diesen Beitrag melden

      @Eishockeyspieler National League A

      Ich hoffe, das ist ein Witz... weil sonst ... es gibt dieses Vorurteil mit 'Sportler und Intelligenz'. Da schreibt eine Frau, das hier sei maximal Schweiz B (stimmt ja, sogar ohne NHL Spieler... fehlen ja noch Ausfälle, auch durch die CHL), Fischer hat Einige nachnomminieren müssen... und was kommt? Eine normale, kritische aber zuversichtliche Aussage reicht, dass bei einigen die Hormone kochen - es wird sofort persönlich oder 'ad femina' wie man hier sagen müsste aggressiv gemotzt. "If you got balls, you don't need that" sag ich da.

    • Kleine am 09.11.2017 00:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Johnny Schmidt

      Gut geantwortet. Danke

    • Lena Müller am 09.11.2017 01:02 Report Diesen Beitrag melden

      Ich weiss zwar nicht

      wo ich über das Team gelästert haben soll x-) Man nennt nun mal eine zweite Garde ohne die beste Aufstellung 'Team B' - aber bitte ;c))

    • Ein ehrlicher Mann am 09.11.2017 01:18 Report Diesen Beitrag melden

      @Lena Müller

      bitte nenne uns mal 3 Spielerinnen der A-Mannschaft der Frauen-Nationalmannschaft, dann die Kritikpunkte dieser Mannschaft, und dann die Kritikpunkte der Herren-Mannschaft. Das meine ich damit. Ich kann Kritikpunkte gegenüber der Herren und Frauen-A-Mannschaft bringen. Als Mann. Das meine ich mit den Kritikpunkten.

    • Mauro Caviezel am 09.11.2017 02:13 Report Diesen Beitrag melden

      @Ein ehrlicher Mann

      Herrje. Nicht "ehrlich", sondern "einseitig"! Die Frau muss gar keine 3 Spielerinnen der Frauen nennen - wozu auch? Sie redet über nix Anderes als die Herren... und sagt, es sei momentan "Schweiz B". Glaubst du nicht? Aha, und wo sind die Spieler, die alle wegen der CHL oder Verletzungen jetzt nicht dabei sind? Eben... nicht dabei. Mit denen wär's dann vermutlich im Moment unsere "Schweiz A" (ausser NHL). Was soll das Getue überhaupt? Wozu soll sich wer rechtfertigen?

    • Danydee am 09.11.2017 13:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Experten

      Ich kann mir nicht helfen. Beim Kommentar von Lena Müller verstehe ich jedes Wort - aber diejenigen der NLA-Spieler / Experten kann ich 3x lesen und komm immer noch nicht nach, was gemeint sein soll. Bin aber halt auch kein Experte - schaue nur seit einigen Jahrzehnten Eishockey und verfolge kritisch die Folgen vom sinkenden Bildungsbudget im Kanton Zürich.

    einklappen einklappen
  • Schweizer am 08.11.2017 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kritik ist unangebracht.

    "zeigt der Schweiz den Meister." Diverse fehlende Spieler, nur 2:3. An der WM haben wir mit Topbesetzung nur knapp gewonnen nach Verlängerung. Selbst das ist eine Sensation, gegen einen wiederholenden Weltmeister! Sorry, aber enttäuscht sein wegen einem 2:3 gegen Kanada ist schon Luxus. Die Schweizer Mannschaft macht stolz, sei es mit der letzten WM oder dem Final gegen Schweden. Weiter so. Bitte!

    • A. Meyer am 09.11.2017 01:20 Report Diesen Beitrag melden

      Freut euch des Eishockeys!

      Finde ich auch, war eine ansprechende Leistung. Klar fehlen einige Spieler, aber die Aussenseiter haben alles gegeben um sich aufzudrängen. Kanada war auch nach einem Eistraining nicht gerade eingespielt, und auch da gibt es weitere Kandidaten. Ich würde sagen, nettes, unterhaltsames Spiel, Tendenzen sichtbar aber noch wenig aussagekräftig, für beide Mannschaften noch viel Luft nach oben. Die Chancen für die Schweiz auf Olympia-Edelmetall waren wohl schon lange nie so gut, ich glaube aber, dass RUS, CAN, SWE und FIN noch besser sind. Rang 5, Überraschung möglich. Ist doch Toll!

    • mgrz am 09.11.2017 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schweizer

      topbesetzung an der wm ?? wir hatten keine nhl cracks ausser malgin und der scorte nicht..

    einklappen einklappen
  • Henry am 08.11.2017 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterhaltsames Spiel

    Die Schweiz musste zeitweilig arg unten durch hat sich aber immer wieder ran gekämpft. Einige Schweizer mussten erkennen, dass es auf diesem Niveau nicht reicht. Zum Glück gibt es ja noch einige neue Spieler die zum Team stossen. Absolut verdienter Sieger.

  • bluediver am 08.11.2017 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Erkenntisse von heute Abend

    Ein Duzend Spieler kann man als Olympia Untauglich aussortieren. Auch an Medaillen sollte man keine Gedanken mehr verschwenden. Beruhigend immerhin, an Olympia kann man nicht absteigen.

    • rolf am 08.11.2017 22:48 Report Diesen Beitrag melden

      Danke

      Danke auf Deine Worte hat die ganze Sport Schweiz gewartet.Wo genau bist Du Trainer?Ach ja beim Jass Club Hasenstrick...

    • Meine Erkenntnis von heute Abend am 08.11.2017 23:06 Report Diesen Beitrag melden

      @bluediver

      Dieselben Nörgler findet man in der Schweiz überall... da muss es irgendwo eine Quelle geben...

    • bluediver am 09.11.2017 00:04 Report Diesen Beitrag melden

      sorry , wollten niemanden

      aus seinen Medallien-Träumen reissen ...

    einklappen einklappen
ZSC-Lions-TV
Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen