Nach Saisonende

19. März 2010 13:06; Akt: 19.03.2010 13:17 Print

Lugano vor dem teuersten Umbau aller ZeitenLugano vor dem teuersten Umbau aller Zeiten

von Klaus Zaugg - Wie geht es weiter in Lugano? Welche Baustellen werden zuerst aufgeräumt? Sportchef Roland Habisreutinger dazu: «Das Ausseneisfeld. Es wird umgebaut.» Immerhin der Humor ist noch da.

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Der HC Lugano steht vor einem grossen Umbau.

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Er schliesst beim Eisfeld-Umbau allerdings aus, dass dabei sein Bruder Bruno zum Zuge kommt. Der hat im Bernbiet eine eigene Firma (Habisreutinger Gebäudehülle GmbH) aufgebaut. Wir sehen also, dass in Lugano wenigstens der Humor noch nicht ganz verloren gegangen ist.

Ansonsten hat Habisreutinger wenig zu lachen. Die Ankündigung, dass «Köpfe rollen werden» ist billig, die Ausführung teuer. Sehr teuer sogar. Will Lugano umbauen, dann kostet es mehr als der grösste Auftrag, den Spenglermeister Habisreutingers Gebäudesanierungs-Firma je bekommen hat.

Entscheide nach «Besinnungswoche»

Kein Wunder, hat Roland Habisreutinger keine Eile. Schliesslich ist er nicht mit einer vergleichbar einfachen Gebäude-, sondern mit einer äusserst komplizierten Mannschaftssanierung beschäftigt. Die Playoffversager (0:4 gegen Bern) geniessen erst einmal eine «Besinnungswoche»: Diese Woche werden keine Gespräche geführt. Das bedeutet auch, dass ausser Mauro Jörg (spielt mit B-Lizenz in Visp) alle in Lugano bleiben müssen. Schliesslich laufen die Verträge ja bis Ende April. Erst ab nächstem Montag beginnen gemäss Habisreutinger (dem Mannschafts-, nicht dem Gebäudesanierer) die Einzelgespräche. «Es ist für alle besser, wenn wir die Emotionen ein wenig abkühlen lassen, bevor wir unsere Situation analysieren.»

Keine Rücksicht auf politische Verbindungen

Bevor diese Gespräche geführt worden sind, schliesst Habisreutinger nichts aus. Es gibt also im Voraus keine Freisprüche für Spieler oder den Trainer. Damit signalisiert der Sportchef, dass diesmal in Lugano die Analyse ohne Rücksicht auf politische Verbindungen und Verdienste gemacht werden soll.

Habisreutinger mag keine Angaben über den Wasserstand in der «Krisen-Kriegskasse» machen. Dieser Wasserstand wird bei der Krisenbewältigung in Lugano allerdings entscheidend sein, weil alle wichtigen Spieler, die sich als Sündenböcke eignen würden, weiterlaufende Verträge haben: Randy Robitaille, David Aebischer, Johan Akermann und Timo Helbling bis 2011, Brady Murray und Flavien Conne bis 2012, Julien Vauclair und Petteri Nummelin bis 2013 und Hnat Domenichelli bis 2014.

REchnung für die «Günstlingswirtschaft»

Der Umbau der Mannschaft wird also der teuerste der Geschichte im Schweizer Eishockey. Nun gekommt Lugano die Rechnung für die «Günstlingswirtschaft» der letzten Jahre präsentiert: Ein Mickey-Mouse-Management, beaufsichtigt von Operettenpräsidenten und begleitet von unkritischen Medien, hat sich langwierige Verhandlungen erspart und den Spielern seit 2006 alle Wünsche erfüllt - in der Hoffnung, dass dann im Gegenzug entsprechende Leistungen gebracht werden. Und bei den Transfers auf Talent, aber viel zu wenig auf Arbeitseinstellung und Persönlichkeit geachtet. Diese Strategie hat seit der Einführung des Profisportes (um die vorletzte Jahrhundertwende) noch in keinem Land, in keiner Liga und in keiner Sportart funktioniert.

«Die Affen managen den Zoo»

So ist die Mannschaft zwar mit Talent bis unter die Dachfirst hinauf gesegnet («Harlem Globetrotters des Eishockeys» aber dabei «uncoachbar» geworden. Die Nordamerikaner haben für die Zustände in Lugano einen wunderbaren Ausdruck kreiert: «The monkeys are running the Zoo» («die Affen managen den Zoo»). Nun muss Habisreutinger die Affen wieder in die verschiedenen Gehege einschliessen und selber das Management übernehmen. Das wird mit Sicherheit teurer als der Umbau des Ausseneisfeldes. Als ehemaliger Spieleragent (er leitete die Europa-Niederlassung des einflussreichen NHL-Agenten Roly Thompson) weiss er zu gut, was es kostet, Spieler aus laufenden Verträgen auszukaufen oder mit weiterlaufenden Verträgen zu transferieren.

Erschwerend kommt hinzu, dass Luganos Sportchef am Verhandlungspokertisch keine Chance hat, zu bluffen. Weil er sozusagen mit umgedrehten, für den Gegner sichtbaren Karten pokern muss: Alle wissen, dass Lugano Spieler abgeben möchte. Wer einen der vermeintlichen Lugano-Versager mit weiterlaufendem Vertrag will, hat guten Chancen, dass Lugano noch einen schönen Teil des Salärs für die nächste oder übernächste Saison übernimmt.

Wichtigste Baustellen: Trainer und Torhüter

Damit zeichnet sich ab, dass die Sanierung der Mannschaft länger dauert als der Umbau des Ausseneisfeldes: Es brauch zwei bis drei Jahre, bis Lugano wieder eine Leistungskultur aufgebaut hat. Für einen ersten Schritt zurück in die obere Tabellenhälfte sind zwei Personalfragen entscheidend: Erstens der Trainer und zweitens der Torhüter.

Habisreutinger hat noch keine Kontakte zu neuen Trainern und neuen Goalies und damit hat Nottrainer Philippe Bozon eine Chance auf einen neuen Vertrag. Aber zwei Namen stehen auch auf Habisreutingers «to do»-Liste: Bill Gilligan (soeben in Graz als Qualifikationssieger in der ersten Runde gescheitert) und Martin Gerber.

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