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03. Januar 2012 08:31; Akt: 03.01.2012 09:08 Print
Dank irregulären Punkten in die Playoffs?
von Klaus Zaugg - Wahrscheinlich hat Biel in Langnau irregulär 3:2 gewonnen und sich so den letzten Playoff-Platz gesichert. Die Bieler profitieren derzeit von einem sportlichen «Schneeball-System».

Biels Torhüter Reto Berra spielt derzeit sein bestes Eishockey. (Bild: Keystone)
Warum darf Biel auf die Playoffs hoffen und Langnau nicht? Die Antwort gibt diese eine Partie in Langnau. Die ganze bisherige Saison lässt sich auf dieses 3:2 von Biel in Langnau reduzieren.
Letzte Saison gelang den Langnauern dank dem «Schneeball-System» alles – und am Ende der Qualifikation standen sie auf Rang 6 und zum ersten Mal in den NLA-Playoffs. Torhüter Benjamin Conz spielte sein bestes Hockey (er war zeitweise der beste Goalie der Liga), das Defensivsystem funktionierte mit der Präzision eines Uhrwerkes, und die Selbstsicherheit aus den ersten Erfolgen der Saison (ein 2:1 nach Penaltyschiessen am 21. September 2010 in Bern) führte dazu, dass jeder Langnauer spielte, als sei er ein paar Zentimeter grösser, ein paar Kilo schwerer und ein paar Stundenkilometer schneller. Der Puck ging den Weg der Langnauer und John Fust wurde Hockey-Trainer des Jahres.
Absturz ist eine Frage der Zeit
Langnau profitierte vom «Schneeball-System»: Jeder Sieg produziert neues Selbstvertrauen und neue Siege, ohne dass eine entsprechende spielerische Substanz vorhanden ist. Die Rechnung muss in der Regel in der Folgesaison mit einem Absturz bezahlt werden.
Zurzeit gelingt den Bielern dank dem «Schneeball-System» alles. Torhüter Reto Berra spielt sein bestes Eishockey (er ist zeitweise der beste Goalie der Liga), das Defensivsystem funktioniert mit der Präzision eines Uhrwerkes, und die Selbstsicherheit aus den ersten Erfolgen der Saison (ein 2:1 nach Penaltyschiessen am 10. September 2011 in Bern) führt dazu, dass jeder Bieler spielt, als sei er ein paar Zentimeter grösser, ein paar Kilo schwerer und ein paar Stundenkilometer schneller. Der Puck geht den Weg der Bieler und Kevin Schläpfer dürfte Hockey-Trainer des Jahres werden.
Langnau bezahlt nun für den Playoff-Erfolg
Den Langnauern gelingt in dieser Saison nichts mehr. Nun muss die Rechnung für das «Schneeball-System» bezahlt werden. Die Torhüter (Robert Esche und Urban Leimbacher) spielen nicht ihr bestes Hockey (sind zeitweise die schwächsten Goalies der Liga), das Defensivsystem funktioniert nicht mehr mit der Präzision eines Uhrwerkes, und die Zweifel aus den ersten Niederlagen der Saison haben dazu geführt, dass jeder Langnauer spielt, als sei er ein paar Zentimeter kleiner, ein paar Kilo leichter und ein paar Stundenkilometer langsamer. Der Puck geht nicht mehr den Weg der Langnauer.
So ist am 2. Januar 2012 die Partie zwischen den Langnauern, denen nichts mehr gelingt, und den Bielern, denen alles gelingt, eine der kuriosesten, dramatischsten und aufschlussreichsten der Saison geworden.
Symptomatische Szenen am Schluss
Zwei Szenen, die alles sagen: Verteidiger Martin Stettler und Torhüter Urban Leimbacher foulen gleich hintereinander im gleichen Spielzug und die Langnauer müssen ein Drei-gegen-fünf-Powerplay der Bieler überstehen (52:03 Min.). Der Siegtreffer zum 3:2 fällt exakt eine Sekunde vor Ablauf dieser beiden Strafen (54:02 Min.).
Und am Ende der Partie steht die kurioseste Szene dieser Saison. Sie ist lehrreich und es lohnt sich, dass wir uns mit dieser Schlussphase näher befassen. Es ist sozusagen der letzte Akkord einer Melodie, deren Misstöne die Langnauer schon während des ganzen Spiels im Ohr hatten, der Höhepunkt einer Spielentwicklung, die bereits mit dem ersten Bully begonnen hatte.
Das Spiel ist vorbei – und die Spieler beider Teams jubeln: Die Langnauer über den vermeintlichen Ausgleich zum 3:3 in letzter Sekunde und die Bieler, weil sie überzeugt sind, dass die Zeit bereits abgelaufen und der Sieg in trockenen Tüchern ist.
Es ist auch regeltechnisch ein überaus interessantes Finale. Head Marco Prugger entscheidet sofort: Kein Tor! Er muss, bevor er das Video konsultiert, einen Entscheid fällen. Dann erst darf er auf dem Video nachschauen und nur wenn er den Beweis sieht, dass sein Entscheid falsch war, darf er korrigieren.
Veraltete Technik
Das Problem: Weil die Ligaführung sich gegen die Knausrigkeit der Klubs nicht durchsetzen kann, ist die Matchuhr nicht mit der Hintertorkamera gekoppelt. Zudem haben die Schiedsrichter während der Qualifikation keinen Zugriff auf die TV-Bilder – weil auch diese technische Einrichtung etwas kostet und von den Klubs nur während den Playoffs finanziert wird. Im 21. Jahrhundert ist unsere NLA die einzige wichtige Liga der Welt, die es nicht fertigbringt, die moderne Technik für die Schiris zugänglich zu machen.
Deshalb müssen die Unparteiischen in der letzten Minuten eines Spiels wie vor 50 Jahren arbeiten, als es noch kein Farbfernsehen und keine Hintertorkameras gab: In den letzten Sekunden schaut einer der beiden Linienrichter jeweils auf die Anzeigetafel und pfeift, sobald die Zeit abgelaufen ist.
War die Zeit bereits um?
Diese Aufgabe hat Linienrichter Daniel Zosso übernommen und er erzählt hinterher: «Als die Langnauer das 3:3 erzielten, war die Zeit um.» Zossos Pfiff, der ein akustischer Beweis gewesen wäre, kann Head Prugger im Hexenkessel Ilfisstadion allerdings nicht hören und auch die Sirene ertönt nicht. Er muss also nach optischen Beweisen suchen: «Ich schaute auf dem Video nach, ob sich allenfalls die rote Lampe im Plexiglas spiegelte, das war aber nicht der Fall.»
Was die Situation noch heikler macht: Langnaus Curtis McLean hat noch klar vor Ablauf der Zeit getroffen, der Puck kommt aber wieder raus und dann erst fällt im zweiten Versuch das umstrittene 3:3. Prugger wird nachher dazu sagen: «Die Bilder der Hintertorkamera zeigen, dass der Puck beim ersten Anlauf die Linie nicht vollständig überschritten hatte und als dann das 3:3 schliesslich fiel, war die Zeit um.»
Schiedsrichter zu Unrecht ausgebuht
So ist es beim 3:2-Sieg der Bieler geblieben. Fiel das 3:3 der Langnauer tatsächlich zu spät? Oder vielleicht doch nicht? Ist der Sieg der Bieler also regulär oder irregulär? Der letzte Beweis durch die Technik fehlt, wird immer fehlen. Die Schiedsrichter sind zu Unrecht ausgebuht worden. Sie haben alles richtig gemacht.
Es kann gut sein, dass die eventuell irregulär erkämpften Punkte in Langnau den Kampf um den letzten Playoff-Platz zwischen Biel und Servette entscheiden werden. Es läuft schliesslich diese Saison alles für die Bieler. Zumindest bis zu diesem 2. Januar 2012.
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Alle 32 Kommentare
































Frage zur Matchuhr
Die Frage ist, ob die Teleclub Zeit mit der offiziellen Matchuhr gekoppelt ist, denn: Beim Standbild auf Teleclub/Bluewin sieht man zwar 0.2 Sekunden auf der Uhr ABER die grüne Lampe, welche ganz sicher mit der Matchuhr gekoppelt ist, brennt bereits!
Seit gestern wehre ich mich sowieso...
noch einmal bei einem National League Spiel zuzuschauen. Wenn ernsthaft ein Jurastudent ein Spiel der oberen Spielklasse pfeifen darf, fehlt etwas Grundsätzliches. Nämlich Professionalität. In den richtigen Eishockeyligen gibt es offizielle Kameras für die Schiedsrichter, wo die offizielle Spielzeit eingeblendet ist. Beispiel New York Rangers. Sie trafen mit 0,1 Sekunden zum Siegestor. Ohne diese Technik hätte man das reguläre Tor sicherlich nicht gegeben.
Ciao
Dann schauen sie eben NHL, freue mich auf Ihren Umzug nach NA
Wer die Tore nicht macht,......
Die Tiger haben den Sieg vorher verspielt. Als man 4 min in Überzahl spielen konnte, hätte man den Sack zumachen müssen. Aber wie so oft, wer sie nicht macht, der bekommt sie.. Da wir eh keine Chance mehr auf die Playoffs haben, ist der verpasste Sieg halb so tragisch, Video-Tor-Ja?-Nein?-Gschtürm hin oder her. Aber die Gemeinsamkeiten Langnau 2010 und Biel 2011 sind amüsant...:)
Sachlich angeschaut
Sehr richtig, es freut mich das es genau ein SCL Anhänger zum Punkt brachte, komplimente aus Biel !