«Time-Out»

17. November 2012 08:07; Akt: 17.11.2012 08:49 Print

Der logische Sturz des HCD unter den Strich

von Klaus Zaugg - Der HC Davos ist im November 2012 erstmals seit dem Titelgewinn von 2002 defensiv nur noch eine gewöhnliche Mannschaft.

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Sechs Teams haben in dieser Saison weniger Tore kassiert als der HC Davos (66 Gegentreffer): Servette (48), die ZSC Lions (59), der SCB (52), Fribourg (58), Kloten (60) und Zug (64). Das hat es nicht mehr gegeben, seit der HC Davos mit dem Titelgewinn von 2002 definitiv ein Spitzenteam geworden ist.

Nun hat zum ersten Mal überhaupt eine Niederlage gegen den SC Bern auch gleich zum Sturz unter den Trennstrich geführt. Nach dem 2:4 in Bern ist der HCD auf Rang 9 abgerutscht.

Sieg ausser Reichweite

Der Klassiker zwischen dem SC Bern und dem HC Davos war ein gutes, aber auch ein seltsames Spiel. Seltsam, weil der HCD nie eine Chance hatte, diese Partie zu gewinnen. Am Schluss, als alles längst entschieden war, provozierte HCD-Trainer Arno Del Curto noch ein bisschen Verwirrung. Zweimal standen die Berner schon lange fürs Anspiel parat, aber er hielt seine Jungs noch immer zurück. «Ich war verwirrt, dass ich fünf Feldspieler aufs Eis schicken durfte. Ich hatte mich daran gewöhnt, dass wir nur zu vier spielen dürfen und ich wollte eigentlich nur vier Spieler aufs Eis schicken...»

Der HCD-Trainer spielte damit auf eine Besonderheit dieser Partie an: Der SCB durfte neunmal Powerplay spielen (bis zur 50. Minute Zweiminuten-Strafenverhältnis 2:10) und erzielte dabei drei Treffer. «Diese Strafen haben wir wohl zurecht erhalten», sagt Arno Del Curto. «Aber dreimal gab es vor unserer Regelwidrigkeit ein Foul der Berner.» Anerkannte aber auch: «Der SCB hat sehr stark gespielt und bei so vielen Ausschlüssen ist es nicht möglich, in Bern zu gewinnen.»

Waren also die beiden Headschiedsrichter Brent Reiber und der Deutsche Daniel Piechaczek die Hauptdarsteller? Nein. Mag sein, dass diese oder jene Strafe nicht gegeben worden ist. Es war eine durchschnittliche Schiedsrichterleistung. Aber eben keine normale Leistung des HC Davos.

Solide Leistung des SCB

Um nicht in Verdacht zu geraten, so den SCB-Sieg abwerten und indirekt Antti Törmänen zu kritisieren, sei erst einmal die SCB-Leistung gewürdigt. Die Berner haben zwar nicht fehlerfrei gespielt. Aber alles, was beurteilt werden kann, stimmte. Und zwar bei allen vier Blöcken: Spielorganisation, Spiel ohne Scheibe, Passqualität, Tempofestigkeit, Timing im Forechecking, Zweikampfstärke und Powerplay.

In regelmässigen Wellen rollte die SCB-Offensive über die Davoser hinweg und in beinahe jeder Situation waren die Berner schneller im Denken und Laufen. Ein grosser, mächtiger SCB, so wie er in den Saisonvorschauen beschrieben und auf Platz ein den Prongosen-Ranglisten gesetzt worden ist. Das «Shedden-Experiment» – das unbedingte Festhalten an einem hart kritisierten Trainer, so wie es einst Zug mit Doug Shedden gemacht hat – scheint SCB-General Marc Lüthi zu gelingen. Vorläufig wenigstens.

Mit grosser Wahrscheinlichkeit wären die Berner gestern auch mit einem HCD in Hochform fertig geworden. Oder hätten ihn zumindest in Bedrängnis gebracht. Aber von dieser Hochform war der HCD diesmal weit entfernt.

Ungewohnte defensive Nachlässigkeit

Eine HCD-Niederlage in Bern ist kein Grund zur Sorge. Aber die für ihre Schnelligkeit, Präzision, Disziplin und defensive Stabilität geradezu legendäre Mannschaft erwies sich als defensiv ungewohnt nachlässig. Die Berner, die sonst bei Widerstand schnell zu «Helikopter-Hockey» neigen – Kreisen in den Ecken ohne Torgefahr – fanden diesmal in der HCD-Verteidigungszone immer wieder die direkten Linien zum Tor. Weil der HCD defensiv im November 2012 ein gewöhnliches Team geworden ist.

Der HCD ist eine Mannschaft im Umbruch. Das mag die ungewohnten Defensivschwächen zu einem Teil erklären. Torhüter Leonardo Genoni ist ein vergessener Held und kein Sündenbock: Mit 91,67 Prozent Abwehrquote ist er der beste Torhüter der vier Teams unter dem Trennstrich. David Aebischer (Lakers/ 90,04 %), Thomas Bäumle (Langnau/ 87,29 %) und Nolan Schaefer (Ambri/ 89,84 %) sind statistisch schwächer. Der HCD hat also kein Torhüterproblem.

So spektakulär und dynamisch der HCD in den letzten Jahren offensiv gespielt hat - das HCD-Fundament war immer die sehr gute Defensivorganisation. Trainer Arno Del Curto hat lange vor der Konkurrenz jenes Defensivverhalten eingeschult, das schon ganz vorne, in der gegnerischen Zone, beim Forechecking beginnt und jeden Spieler mit einbezieht. Zumindest vorübergehend gibt es im Defensivspiel kaum mehr einen Unterschied zur Konkurrenz. Der Sturz unter den Strich ist deshalb nicht ungewöhnlich. Sondern logisch. Aber ein Trainer wie Arno Del Curto kann das Defensivspiel im Training wieder justieren. Deshalb ist der HCD kein Playout-Kandidat.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Berna65 am 17.11.2012 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Schon Gut

    Für Davos schon gut so mit seinem möchtegern Herrgott an der Bande

  • hans am 17.11.2012 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Schreibt den HCD nie ab!!

    Ich gehe nicht davon aus, das der HCD im Playout sein wird. Lieber jetzt eine Krise, als nach Neujahr. Ich denke die Mannschaften die nicht so ein breites Kader haben, werden am Schluss unten sein. Aber es könnte diese Saison tatsächlich mal einen sogenannten grossen treffen. Hat aber auch noch mit der länge des Lockouts zu tun.

  • P.M. am 17.11.2012 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Alles sehr eng beieinander

    Die Differenz zwischen Rang 3 (Zug) und Rang 10 (Lakers) beträgt lediglich 6 Punkte. Jede Sieg bzw. jede Niederlage hat somit auf die Rangliste grosse Auswirkungen. So schlecht steht der HCD gar nicht da. Zug war vor wenigen Wochen auch auch Rang 10 und jetzt auf Rang 3. Da ist noch gar nichts entschieden. Sind wir doch froh um die enge Meisterschaft. Das wird ein spannender Playoff-Kampf und noch spannendere Play-offs.

  • AlexKeller am 17.11.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    HCD Fan schreibt

    Ich als langer HCD Fan bin keineswegs überrascht, darum sehe ich dieser Situation locker entgegen. Irgendwann musste der Umbruch ja kommen, nicht immer können die von Arx Brüder, Forster, Rizzi, Marha und Taticek hier sein. Die nächste Generation ist auch schon seit 2009 in der 1. Mannschaft, aber leider noch nicht so tragend wie die zuvor aufgezählten. Lieber Arno, du hast den Segen von mir, dass der HCD auch über 2-3 Jahre hinweg schlecht spielen darf. Dafür gibt es danach wieder eine Blau/Gelbe Ära.

  • Tia T am 17.11.2012 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    Davos.. playout?

    interessante Analyse Herr Zaugg, doch ich denke, dass Davos dieses Jahr wirklich die Playouts bestreiten könnte! Grund? Ambri.. ich habe Ihre alten Kommentare zu Ambri schnell durchgelesen..klar Sie sprechen von einem Zwischenhoch wenn Pelletier kommt, aber 15 punkte in 7 Spielen? Ich denke sogar Sie haben unterschätzt was sich da abspielt.. und irgendwie kommt mir vor das es in der Deutschschweiz noch keiner gemerkt hat! Die sind wieder gefährlich

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