Phänomen Markus Bösiger

04. Februar 2012 14:22; Akt: 04.02.2012 16:38 Print

Der urchige Oligarch aus dem OberaargauDer urchige Oligarch aus dem Oberaargau

von Klaus Zaugg - Er ist autoritär, verlangt absolute Loyalität und schart nur die Besten um sich: Wer ist der eigenwillige Roggwiler Unternehmer, der mit den «Helvetics» die russische KHL aufmischen will?

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Die «Helvetics» würden die Hockey-Landkarte in Europa über den Haufen werfen. (Bild: helveticshockey.ch)

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Seine Spezialität ist der Kauf von Immobilien in der Deutschschweiz, für die sich niemand recht interessiert. Mit eigenwilligen Ideen startet er Projekte, verkauft die Liegenschaften wieder oder behält sie, wenn sie rentieren. Sein Geschäftsprinzip: Er geschäftet nur dort, wo er die Sprache versteht. Und er spricht Deutsch: Markus Bösiger. Der Mann, der mit den «Helvetics» die russische KHL erobern will.

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Wie um alles in der Welt kommt er also auf die Idee, ausgerechnet mit dem russischen Oligarchen und Milliardär Alexander Medwedew zu geschäften? Nun, Medwedew spricht fliessend Deutsch. Der KHL-General hat sich mit Bösiger am KHL-Allstar-Spiel in Riga glänzend unterhalten. Sozusagen von Oligarch zu Oligarch.

«Mover and Shaker»

Aber wer ist eigentlich dieser Markus Bösiger, der mit einem KHL-Team die Schweizer Eishockey-Landschaft aufmischt? «Das weiss ich eigentlich auch nicht», pflegt der gelernte Maschinenmechaniker zu antworten. «Ich würde es so sagen: Ich verdiene mit dem Immobilienhandel das Geld, das ich für meine Projekte brauche, und ich mag es nicht, wenn es langweilig wird.» Die Amerikaner würden ihn einen «Mover and Shaker» nennen.

Ein Blick zurück hilft uns, ihn ein wenig besser zu verstehen. 1987 reist er mit ein paar Kollegen zum Töff-GP von Assen. Besonders fasziniert ihn das Rennen der Gespanne. «Da fahre ich mit», sagt er und erntet Gelächter und Gespött.

Zwei Jahre später hat er die GP-Lizenz und mischt die Gespann-Szene auf. Lange vor der Zeit kommt er mit einem Turbo-Viertakter (als noch alle Zweitakter fahren). Das von ihm in Zusammenarbeit mit einer Burgdorfer Technologiefirma («Swiss Auto») entwickelte Triebwerk wird später das Grundmodell für den Smart-Motor. Bösiger erfindet ein Gespann mit dem Fahrer in Sitzposition und fährt schliesslich regelmässig aufs Podest der ersten drei. 1996 beendet er die Seitenwagen-WM auf dem 3. Schlussrang. Heute ist er immer noch einer der besten Lastwagen-Rennfahrer der Welt. 2007 war er Truck-Europameister, letzte Saison EM-6. und voraussichtlich tritt er auch 2012 wieder zur EM an.

Die Bauern stehen Schlange

Früh ist zu erkennen, dass der Sohn eines Lohnarbeiters aus Untersteckholz (150 Einwohner) bei Langenthal eigene Wege gehen wird. Bereits während der Lehre als Maschinenmechaniker bei der Ammann AG in Langenthal (der Firma von Bundesrat Johann Schneider-Ammann) kauft er den damals modernsten Mähdrescher der Marke John Deere für 160 000 Franken. Das riesige Ding mit einem 4,30 Meter breiten Balken finanziert ihm die Filiale der Volksbank Burgdorf zu 100 Prozent.

Die Bauern stehen Schlange, die Getreideernte im Oberaargau wird revolutioniert. Das Geschäft läuft glänzend. Der Bankfilialleiter, der ihm den Deal finanziert hat, wird später sein Buchhalter. Vier Jahre später kann der Jungunternehmer den Mähdrescher immer noch für 120 000 Franken verkaufen und mit diesem Geld steigt er in den Immobilienhandel ein. Die erste Liegenschaft ist eine Metzgerei in Roggwil und auf diesem Grundstück betreibt er sein erstes Pneugeschäft.

Keine Klassierung, keine Kohle

Er bringt es zwar als Gespannrennfahrer schon in den 1990er Jahren zu überregionaler Prominenz, doch als Geschäftsmann bekommt er erst Ende der 1990er Jahre durch den Kauf des Areals der ehemaligen Porzellanfabrik in Langenthal (25 000 Quadratmeter) Profil. Dort hat nun unter anderem sein Pneuhaus, seine Büros, ein Bowling-Center und ein Fitnesscenter eingerichtet, das letztes Jahr als Bestes im Lande ausgezeichnet worden ist.

Das raue, joviale Wesen des eigenwilligen Berners - er tritt nie in Anzug und Krawatte, sondern in Pullover und Lederjacke auf - führt oft dazu, dass er unterschätzt wird. Und das kann Folgen haben: Markus Bösiger meint immer, was er sagt und alles zieht Konsequenzen nach sich. Eine Anekdote aus seiner Zeit als Gespannrennfahrer charakterisiert ihn vielleicht am treffendsten.

Seine Mechaniker bezahlte er nach Rennergebnis. Keine Klassierung, keine Kohle. Einmal vergassen die Schrauber ein Spezialwerkzeug und Bösiger musste es bei der Konkurrenz ausleihen. Er sagte, wenn das nochmals vorkomme, trete er nicht zum Rennen an, sondern fahre sofort wieder nach Hause. Es kam wieder vor. Er liess nach einer Anreise von über 500 Kilometer sofort einpacken, trat nicht zum Rennen an und fuhr heim. Ob wahr oder nicht - so funktioniert der Oberaargauer Oligarch.

Loyalität zum Chef und Leidenschaft für die Arbeit

Als Geschäftsmann ist er zu einer interessanten Schlussfolgerung gekommen: «Das Geld sollte ein Ablaufdatum haben. Dann würde es ausgegeben und wir hätten keine Finanzkrise.» Seine Firmengruppe hat er nicht als Holding strukturiert. Vielmehr besitzt er eine Reihe Aktiengesellschaften (darunter die «Helvetics»), die auf die jeweiligen Geschäftsfelder spezialisiert sind. Er wisse selber nicht, wie viele es sind. In seinen Firmen gibt es rund 70 Arbeitsplätze. Bösigers Führungsphilosophie ist seine Stärke und bisweilen auch seine Schwäche. Er hat nämlich ein Prinzip: «Die beste Struktur ist eine Aktiengesellschaft mit mir als einzigem Verwaltungsrat.»

Markus Bösiger führt seine Firmen also autoritär: Zuoberst steht die Loyalität zum Chef und die Leidenschaft für die Arbeit. Wer nicht spurt oder wer nicht mit Leib und Seele bei der Sache ist, fliegt. Subito. Das führt dazu, dass in den Firmen von Markus Bösiger die Entscheidungswege kurz sind und nur hochmotiviertes, kompetentes Personal zu finden ist. Aber es bremst eben auch niemand den Chef, keiner mahnt ihn zur Diplomatie, wenn er verärgert ist. So verschreckt er mit seinem «Rumpel-Charme» bisweilen seine Gesprächspartner - bis sich dann herausstellt, dass umso besser mit ihm kutschieren kann, wer nicht gleich in Schockstarre verfällt.

Tempel von Weltformat in der ehemaligen Kiesgrube

So autoritär sein Führungsstil, so ausgeprägt ist seine Fähigkeit, sehr wohl auf Rat zu hören und seine Einflüsterer sind nicht irgendwelche Schnorrer. Sondern Kenner. Seit Jahren ist beispielsweise Biels Erfolgstrainer Kevin Schläpfer sein engster Vertrauter in Hockeyfragen und im Rennsport arbeitete er eng mit Rolf Biland zusammen, dem grössten aller Zeiten.

Nun ist Markus Bösiger Hauptdarsteller des verrücktesten Projektes unserer Hockeygeschichte: In der ehemaligen Kiesgrube bei Huttwil will er das beschauliche Nationale Sportzentrum zu einem Tempel im Weltformat ausgebaut werden - bald sollen hier die «Helvetics» in der KHL spielen.

Das Gesuch für den ersten Ausbau (Volumen 20 Millionen) ist eingereicht und in der Schubladen stecken fertige Pläne für den Bau eines 70-Millionen-Stadions. Bösiger hat das Nationale Sportzentrum (mit Dreifachturnhalle, drei Fussballplätzen, einem Hockeystadion und einer offenen Kunsteisbahn) vor vier Jahren aus einer Nachlassstundung heraus gekauft.

«Ich kenne mehrere Top-Spieler, die sehr interessiert sind.»

KHL-Spiele in Huttwil - völlig unmöglich und verrückt? Für die Direktoren und Angestellten beim Schweizer Eishockeyverband gilt noch immer die offizielle Sprachregelung zu Markus Bösigers Plan, ab der Saison 2014/15 in der russischen Liga KHL zu spielen: «Wir haben via KHL-Homepage Kenntnis von einer offenbar getroffenen Absichtserklärung. Wir entnehmen der Information, dass offenbar die KHL eine Partie ist. Wir kennen aber die Partei nicht, zumindest nicht im Detail. Wir haben keine weiteren Informationen und äussern uns daher nicht weiter dazu.»

Im vertraulichen Gespräch tönt es indes ganz anders. Erste Abklärungen haben ergeben, dass es politisch und juristisch kaum möglich sein wird, die «Helvetics» auf dem Marsch nach Russland zu stoppen. Weil die «Helvetics» eine unabhängige Aktiengesellschaft sind, und weil die Spieler die freie Wahl des Arbeitsplatzes haben. Bereits sagt Biels Erfolgstrainer und Sportchef Kevin Schläpfer gegenüber 20 Minuten Online: «Ich kenne mehrere sehr gute Spieler, die jetzt schon interessiert sind.»

Falls die KHL das Interesse nicht verliert, die «Helvetics»-Macher durchhalten und der Spielbetrieb tatsächlich aufgenommen wird, entstehen ab 2014 rund 20 neue Arbeitsplätze für Schweizer Stars. Das kann zu einer Lohntreiberei um die besten Schweizer Spieler führen. Ein Verbandsgeneral, dessen Namen uns gerade entfallen ist, sieht zwei mögliche Gegenmassnahmen: Das Aushandeln einer Transferentschädigung mit der KHL für Schweizer Spieler, die in die KHL wechseln, und für die Saison 2014/15 die Erhöhung der Anzahl Ausländer von jetzt vier auf fünf.

«Christian Constantin on Ice»

Beim KHL-Projekt geht längst um viel mehr als die verrückte Idee, mit einer Mannschaft aus der Schweiz in der KHL mitzuspielen. Das Ziel ist eine «Homebase» in der sicheren Schweiz. Die Oligarchen leben in Russland seit Anbeginn der Zeiten mit der Urangst, die Staatsmacht könnte sie vernichten. Das war unter dem Zar und unter Stalin so und ist im Russland Putins nicht anders: Noch immer schmachtet mit Michail Chodorowski, der einstmals reichste Mann Russlands im Knast.

«Yes, we can!» war schon lange vor Barack Obama Bösigers Leitmotiv, und nichts motiviert den 54-jährigen stärker als Bedenkenträger, die sagen: «Das geht sicher nicht!». Am stärksten ist er in der Rolle des einsamen Rebellen gegen den Rest der Welt. Es ist etwas vom heilige Zorn zu spüren, es allen und auch «denen da oben» zu zeigen. Ein «Christian Constantin on Ice».

Privat lebt der Vater einer Tochter und Grossvater von zwei Enkelkindern diskret und mit seiner holländischen Lebenspartnerin in Roggwil. Als Hobby mag er es ruhig: Er ist ein anerkannter Spezialist für Fischhaltung. In einem riesigen Aquarium hält er unter anderem mehr als zwei Meter lange und über hundert Kilo schwere Störe. Das Hobby kommt seinem Führungsstil durchaus entgegen: Fische reizen ihren Halter nicht durch Widerspruch.

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  • Iafrate am 06.02.2012 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt nun wohl im 2-Wochen-Takt...

    Jaja, die Hockeyschweiz ist böse, und alle sind immer gegen alles. Klaus Zaugg rührt seit Wochen seine Werbetrommel, hier der gute und innovative Unternehmer, dort der böse und verkrustete Verband bzw. die arroganten Klubvertreter. Was sollen denn diese Leute vom Verband bzw. von den Klubs sagen? Die wissen auch nicht mehr als in den Zeitungen steht. Sollen sie ihre Klubs auflösen, um Solidarität mit Herrn Bösiger zu beweisen? Es wird so getan, als ob Hr. Bösiger gegen zig Widerstände seitens Verband und Klubs kämpfen müsste. Völlig verzerrte Darstellung.

  • Z-Pedro am 04.02.2012 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    CH-Nati profitiert

    Das Projekt wird auf jeden Fall gestartet werden koennen, wenn die Halle gebaut wird. Sollte der Klub dann noch einigermassen erfolgreich sein (und das ist wohl moeglich, wenn der Z die Champions League gewinnen kann), dann haengt die Zukunft nur noch von den Fans ab. Die Schweizer Nati wird davon so profitieren, dass auch ein Erfolg wie derjenige der Slowakei fuer uns moeglich ist.

  • Peter Briegel am 04.02.2012 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich ?

    Bitte den Ball resp. Puck flach halten. Herr Bösinger scheint Herrn Zaugg und anderen sehr sympatisch zu sein, und drum finden sie ihn einen 'lässigen' und loben ihn entsprechend. Ich wünschte es würde klappen mit der KHL, aber es ist doch sehr unrealistisch.

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