Canadiens im Hoch

25. Februar 2013 15:59; Akt: 25.02.2013 15:59 Print

Diaz ist besser als Streit

von Klaus Zaugg, Montreal - Die Montreal Canadiens sind so gut wie seit 13 Jahren nicht mehr. Raphael Diaz ist einer der Gründe für den Erfolg. Er spielt zurzeit besser als Mark Streit.

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Montreal rockt. Wenn die Canadiens erfolgreich sind, mahnen die Spiele im ausverkauften «Centre Bell» an ein Rockkonzert. Angeheizt durch die zweisprachige Unterhaltungsmaschinerie auf dem riesigen Videowürfel feiern 21 273 Fans. Die grösste Kulisse in der NHL. Beim 3:0 gegen die Rangers braust in den Schlussminuten die La-Ola-Welle durch die 270 Millionen Dollar teure Arena. In keiner anderen Stadt der Welt durchdringt Eishockey so sehr jeden Lebensbereich wie in Montreal.

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Diese Stadt verändert sich, wenn die Canadiens erfolgreich sind. Selbst bei garstigem Winterwetter scheint ein sanftes Licht die Gesichter der Menschen zu erhellen. Alle sind freundlicher. Denn hier ist Eishockey Religion. Es heisst, die Canadiens hätten im Staat Quebec mehr Einfluss auf die Gemütsverfassung der Menschen als die allmächtige Katholische Kirche. Jedenfalls wird glaubhaft versichert, die Warteliste für eine Saisonkarte sei so lang, dass man 80 Jahre warten müsse.

«Leidenschaft», «Disziplin» und «Arbeit»

Ein wichtiger Grund für den Höhenflug ist Verteidiger Raphael Diaz. Er passt perfekt zum neuen Stil dieser Mannschaft unter neuem Trainer und neuem Management. Die Canadiens spielen unheimlich aggressiv und lassen ihren Gegnern keine Zeit und keinen Raum. Trainer Michel Therrien braucht viele Wörter wie «Leidenschaft», «Disziplin», «Arbeit» oder «Stolz» und sagt, sein Stil stelle höchste Ansprüche an die Spieler.

Die Canadiens sind nicht die talentierteste Mannschaft der Ost-Konferenz. Aber sie spielen das intensivste Hockey. Deshalb stehen sie erstmals seit 13 Jahren wieder an der Spitze. Das «House Cleaning» im letzten Frühjahr, dem das gesamte Management um Pierre Gauthier und der gesamte Trainerstab zum Opfer gefallen sind, hat sich gelohnt. Die bange Frage ist bloss: Halten die Canadiens diesen kräfteraubenden Stil durch? Selbst die aktuelle Tabellenführung ist noch keine Garantie für die Rückkehr in die Playoffs. Der Vorsprung auf den «Strich» beträgt nur sieben Punkte.

Diaz arbeitet unauffällig und ist smart

Raphael Diaz hat noch nicht die Ausstrahlung von Mark Streit (35). Er kann in einzelnen Szenen das Spiel nicht so dominieren wie der Captain der New York Islanders. Aber er ist der komplettere, defensiv verlässlichere und deshalb der bessere Verteidiger. Auf dem Eis fällt der statistisch beste Verteidiger der Canadiens nicht sofort auf. Und doch ist er statistisch zurzeit mit 12 Punkten (1 Tor/11 Assists/+6) erfolgreicher als Mark Streit (4 Tore/6 Assists/-10).

Er arbeitet unauffällig als smarter defensiver Maschinist und nicht als offensiver Ingenieur wie Mark Streit. Will heissen: Raphael Diaz spielt die Scheibe schnell und direkt und beschleunigt so das Spiel. Und er macht die kleinen Dinge richtig und begeht kaum Fehler. Krachende Checks sind nicht seine Sache. Sein Positionsspiel ist so gut und er kann die Spielentwicklung so gut lesen, dass keine Gewaltanwendung notwendig ist, um an den Puck zu kommen. Er ist deshalb auch dazu in der Lage, das Powerplay zu steuern. Mit durchschnittlich 20:26 Minuten hat er bisher am drittmeisten Eiszeit.

«Ich brauchte einige Spiele, bis ich wieder auf NHL programmiert war»

Der Zuger bestätigt den optischen Eindruck seiner Spielweise. «Es ist tatsächlich so, dass es hier darum geht, das Spiel einfach zu halten und so rasch wie möglich nach vorne und nicht in die Breite zu spielen.» Die vielen Partien – zuletzt sieben in elf Tagen (!) – seien nur mit einer sehr guten Spielorganisation, mit einfachem Spiel durchzustehen. «Es ist eine grosse Umstellung vom Eishockey in der NLA auf das Spiel in der NHL. In der NLA hat man als Verteidiger viel Zeit zum Spielaufbau. Hier gar keine. Es brauchte einige Spiele, bis ich wieder auf NHL programmiert war.» Wer in der NHL überleben will, muss schon wissen, wohin er die Scheibe spielt, bevor er sie erhalten hat. Wie Raphael Diaz.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass jetzt der Spieler, der ihm letzte Saison in Montreal viel bei der Integration ins Team und ins Leben in der Stadt geholfen hat, nicht mehr spielen darf: Yannick Weber (24) hat diese Saison für Montreal exakt 10 Minuten und 16 Sekunden NHL-Hockey gespielt. Am 27. Januar gegen New Jersey. In den übrigen 17 Partien ist er nicht eingesetzt worden. Auch beim 3:0 gegen die Rangers kam er nicht zum Zuge. Raphael Diaz sagt: «Aber das belastet unsere gute Beziehung nicht. Wir wissen beide, wie hier die Dinge laufen und sind gute Kollegen.»

Der Zuger fühlt sich wohl in Montreal

Raphael Diaz verdient in Montreal diese Saison 1,20 Millionen Dollar. Nächste Saison sind es 1,25 Millionen. Um überhaupt auf dieses Salär in seinem neuen Zweijahresvertrag zu kommen, musste er im letzten Sommer das NHL-Lohn-Schiedsgericht anrufen. Sein Agent einigte sich dann aber mit Montreal, bevor das Verfahren in Gang kam. Raphael Diaz musste sogar um einen neuen Vertrag bangen. Sein erstes NHL-Jahr war zwar recht gut (59 Spiele/3 Tore, 13 Assists). Aber in der zweiten Hälfte der Saison litt er an einer hartnäckigen Leistenverletzung und blieb statistisch hinter Yannick Weber (60 Spiele/4 Tore/14 Assists).

Raphael Diaz ist inzwischen einer der meist unterbezahlten Spieler der Liga. Über den Verdienst beklagt er sich nicht. Er weiss zu gut: Wenn er dieses Niveau hält, wird er im Sommer 2014 bei der Vertragserneuerung in die Salär-Hubraumklasse von Mark Streit kommen (4,1 Millionen pro Saison). Er lebt in Montreal seinen Traum und selbst das garstige Winterwetter mit abwechslungsweise Schneefall, «Pflotsch», Frost und eisigen Winden macht ihm nichts aus. «Es gefällt mir, wenn es draussen kalt und stürmisch ist. Das gibt den richtigen Grove für das Eishockey.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • 7 Mio und 1 am 26.02.2013 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Def Top

    Ich finde man sollte nicht Streit mit Diaz vergleichen. Beide haben ihre eigenen Rollen in den unterschiedlichen Teams. Fakt ist, dass beide (auch wenn es bei Mark nicht so läuft im Moment) ihre Aufgabe sehr gut meistern. Def haben usere CH-NHL Spieler einiges dazugelernt und man darf nicht vergessen, das Streit das Aushängeschild der CH-NHL Spieler überhaupt ist. Top CH Leistung in der NHL im Moment, weiter so!

  • Ehem. Major Junior Hockey League Spieler am 26.02.2013 07:52 Report Diesen Beitrag melden

    Unter uns...

    Ehrlich gesagt interessieren mich wedere Statistiken noch irgendwelche Theorien über "bessere" oder "noch bessere" Spieler. - Fakt ist, dass sämtliche Schweizer in AHL und NHL heuer einen sehr guten Eindruck hinterlassen und genau das ist es, was das Eishockey in der Schweiz national und international weiterbringt. - Ob da Schtreit oder Diaaass besser ist, interessiert weniger...

    • Max73 am 26.02.2013 11:49 Report Diesen Beitrag melden

      Schöner Kommentar

      Genau auch meine Meinung! Als CH-Fan finde ich, dass erst jetzt wir Schweizer in der NHL wirklich angekommen ist. Ein vorläufiger Höhepunkt, der auch mich ein bisschen stolz macht! Da erinnere mich noch "Pioniere" wie Pauli Jaks und Reto v.A.!

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  • Predsfan am 26.02.2013 07:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Josi

    Ich finde Josi immer noch am besten 4 Skorerpunkte beim 5 4 Sieg über die Stars und dann noch das Tor in der OT bemerkenswert!

  • Martin am 25.02.2013 23:35 Report Diesen Beitrag melden

    (Noch) nicht ganz einverstanden

    Ich habe einen Grossteil der Spiele von Streit und Diaz gesehen, ok, Diaz spielt defensiv sicher stärker als Streit (dessen Aufgabe auch klar die Offensive ist). Aber der bessere Spieler ist er (noch) nicht: 8 seiner 11 Assists hatte er in den ersten 6 Spielen an der Seite des entfesselten Andrei Markov, seither ist er offensiv kaum mehr in Erscheinung getreten. Streit hingegen ist auch auf dem Eis eine absolute Leaderfigur, er spielt im Schnitt 5 Minuten mehr pro Spiel als Diaz, der bei Montreal einfach einer unter sechs guten Verteidigern ist.

    • Peter am 26.02.2013 07:06 Report Diesen Beitrag melden

      hmmm...

      Sehe ich auch so, wobei ich das Argument mit den 2. Assists etwas unfair finde. Gerade bei den Toren von Markov, alle im Power Play, sollte man die Arbeit von Diaz nicht unterschätzen. Es gibt einen Grund warum Diaz in ersten Welle den Vorzug gegenüber Subban erhält und das hat viel mit der Mobilität und den clevern Pässen zu tun. An Streit kommt Diaz aber nie und nimmer heran da die Rollen und die Verantwortungen sich doch stark unterscheiden. Diaz spielt in einer völlig ausgeglichenen Defense, während in New York STreit die Hauptlast trägt und wessentlich mehr Einfluss aufs Spiel hat.

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  • Iggy am 25.02.2013 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle NHL Schweizer spielen super!

    Ich finde es sind alle CH Verteidiger (Streit,diaz,josi und sbisa) auf gleichem niveau,man kann diese nicht miteinander vergleichen. Was auch noch zu sagen ist,das Streit den unerfahrensten Verteidiger als backpartner hat als die anderenSchweizer

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