Playofffinal

16. April 2018 22:54; Akt: 17.04.2018 16:50 Print

Die schwungvolle Rückkehr der Bianconeri

Der HC Lugano ist wieder im Meister-Geschäft. 3:0 besiegen die Tessiner die uninspirierten ZSC Lions und schöpfen nach dem 1:2 in der Playoff-Finalserie wieder berechtigte Hoffnungen.

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Als Alessio Bertaggia zu Beginn des zweiten Abschnitts einen Konter perfekt zum 2:0 abgeschlossen hatte, bebte die Resega wie in den besten Tessiner Hockey-Zeiten seines Vaters Sandro. Der Sohn des sechsfachen Champions löste bei den über 7000 Tifosi einen Sturm der Begeisterung aus. Die euphorisierte Kulisse zelebrierte das Heimteam in einem für National-League-Verhältnissen einmaligen Stil; die ganze Arena mutierte zur Curva Nord.

Während Jahren galt der HCL als Paradies für Hochlohnbezüger mit überschaubarem Return on Investment. Inzwischen ist das Gewicht jener Fraktion, die im Süden der Schweiz ausgebildet worden ist, grösser denn je. Mit ihrer Tor-Triplette ermöglichten Sannitz, Bertaggia und Hofmann Lugano ein wunschgemässes Comeback. Nun dürften Hoffnungen aufkeimen, einen ähnlichen Umschwung wie im Halbfinal gegen den EHC Biel (4:2-Erfolg nach einem 0:2-Rückstand) zu erzwingen.

Erneute Heimniederlage keine Option

Der Auftakt zur Serie war aus Tessiner Optik eher unterkühlt und ergebnislos verlaufen, die wilde und turbulente Fortsetzung in Zürich endete ebenfalls suboptimal. Beim dritten Rencontre mit den Lions wählten die Gastgeber eine taktisch clevere Zwischenform - sie bemühten sich zwar von Beginn weg um Akzente, aber nicht ohne defensives Kalkül.

Dass der Stadion-DJ im Warm-up «The Final Countdown» auflegte, war wohl eher Understatement als eine vorzeitige Rückzugserklärung der Einheimischen. Sie zählten nicht rückwärts, sondern stürmten beherzt vorwärts. Unter Hochdruck packten sie entschlossen zu, eine weitere Heimniederlage war für sie angesichts der aktuellen Verfassung des Kontrahenten selbstredend keine ernsthafte Option.

Den ersten, psychologisch angesichts des späten Knock-outs in der energieraubenden Overtime am vergangenen Samstag nicht zu unterschätzenden Vorteil verschaffte sich der HC Lugano. Sekundenbruchteile nach Ablauf der Strafe gegen Mike Künzle fand Altmeister Raffaele Sannitz nach über 78 torlosen Heimspielminuten im Final die Lücke.


Der erste Treffer: Sannitz bringt Lugano in Führung. (Video: Tamedia/SRF)

Brillanter Elvis Merzlikins

Das Timing passte, die Führung 96 Sekunden vor der ersten Pause verstärkte die Schubkraft der Tessiner generell. Und sie hinterliess bei den Gästen offensichtlich Spuren. Die Abstimmung stimmte mehrfach nicht mehr, die Fehlerquote war konstant zu hoch. Die Art und Weise, wie Christian Marti das kursweisende Solo Bertaggias verschuldete (23.), verdeutlichte die Zürcher Schwierigkeiten an dieser beschwingten Ticino-Sause in Porza.


Das wegweisende 2:0: Bertaggia trifft nach einem Solo. (Video: Tamedia/SRF)

Nach einem souveränen und einem eher glückhaften Erfolg hinterliess der Favorit in keinem Bereich einen restlos überzeugenden Eindruck - weder defensiv noch im Angriff. Die hoch dotierte Offensive um Topskorer Fredrik Pettersson fand gegen den brillanten Lugano-Keeper Elvis Merzlikins trotz bester Chancen kein Mittel - oder sie scheiterte wie Pius Suter am Pfosten; nach 26 Spielen in Serie mit mindestens einem Plustreffer resultierte erstmals eine Nullbilanz.
Spiel 4 findet am Mittwoch in Zürich statt.

Lugano - ZSC Lions 3:0 (1:0, 1:0, 1:0)
7200 Zuschauer (ausverkauft). SR Stricker/Urban, Wüst/Fluri.
Tore: 19. Sannitz (Hofmann) 1:0. 23. Bertaggia (Morini) 2:0. 45. Hofmann (Lajunen) 3:0.
Strafen: je 3mal 2 Minuten. PostFinance-Topskorer: Lapierre; Pettersson.
Lugano: Merzlikins; Johnston, Furrer; Sanguinetti, Vauclair; Ulmer, Wellinger; Riva; Walker, Sannitz, Reuille; Lapierre, Lajunen, Hofmann; Vedova, Morini, Romanenghi; Fazzini, Cunti, Bertaggia; Zorin.
ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Guerra, Marti; Sutter, Geering; Seger; Chris Baltisberger, Schäppi, Herzog; Pettersson, Pelletier, Korpikoski; Wick, Suter, Kenins; Miranda, Prassl, Künzle; Pestoni.
Bemerkungen: Lugano ohne Ronchetti, Chiesa, Bürgler, Brunner (alle verletzt), Etem, Klasen (beide überzählig), ZSC Lions ohne Blindenbacher, Nilsson, Sjögren, Vey (alle verletzt), Berni, Bachofner, Shore, Karrer, Hinterkircher (alle überzählig). 12. Pfostenschuss von Suter.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ZSC-Fan am 16.04.2018 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Spannung

    Gratulation an Lugano. Ich hoffe, dass der ZSC gewinnt, aber ich bin froh, dass es Lugano dem ZSC nicht einfach macht! Heute war Lugano einfach besser! Cooles Team! Hoffe, der ZSC antwortet im nächsten Spiel. Wenn nicht, selber schuld. Der Bessere möge gewinnen.

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  • Richi, Büli am 16.04.2018 23:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hochvrrdientrr Sieg von Lugano

    Hochverdienter Sieg von Lugano, auch wenn der Z mehr Schüsse hatte. Lugano waren heute in allen Belangen besser. Gewinnt Lugano am Mittwoch bei uns im Hallenstadion, wird es glaub sehr schwer für uns. Ein gut gemeinter Tipp nach Lugano. Bitte Lajunen und Johnston behalten. Was die leisten ist einfach sensationell. Klasen kann man Küechle. Sucht für einen mannschaftsdienlichen Stürmer, auch so einer schiesst Tore. Wir sehen uns am Mittwuch im HaSta. Gratulation nach Lugano

  • Busto Arsizio am 16.04.2018 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Complimenti! Dai Lugano!

    Ein souveräner Sieg der Luganesi und eigentlich ein gutes Spiel beider Mannschaften. Was für eine Stimmung im Stadion, das war unglaublich und es geht noch mehr!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Wick Fan am 17.04.2018 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Züri

    Die Lions haben dies absichtlich gemacht um die Spannung etwas beizubehalten.

  • Armin am 17.04.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    War zu erwarten

    Die ersten beiden Spiele waren äusserst knapp. Da war es eigentlich vollkommen klar, dass der ZSC hier keineswegs durchspazieren wird.

  • David Sutter am 17.04.2018 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grande Lugano

    Lugano spielte gestern sehr diszipliniert, stark, jeder half auch in der Abwehr mit, ein haufen die alle am gleichen Strang ziehen. Ein grosser Verdienst von Ireland. Könnte man jetzt auf nächste Saison Damien Brunner los werden, in einem Tauschgeschäft mit Simon Moser, wäre Lugano sehr stark. Klasen mit Pettersson wechseln, die sackstarken Lajunen und Johnston behaltet, ja dann wäre Lugano nächste Saison ein Krösus. Ich denke schafft Morgen Lugano den Ausgleich, wird der ZSC Mühe haben Lugano den möglichen Titel noch streitig zu machen. Lugano spielte gestern eigentlich wie der ZSC gegen den SCB spielte, wird trotz dem 2:1 in der Serie schwierig werden. Bin kein Luganesi, hoffe aber für die Bianconeris. In dieser Serie, Forza Lugano!

    • Dr. Stolte am 17.04.2018 13:07 Report Diesen Beitrag melden

      In der Halle wird es schwer werden

      für die Luganesi. Eine Chance haben sie sicher, aber die liegt nach meiner Einschätzung nur im einstelligen Prozentbereich.

    • Bär am 17.04.2018 13:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dr. Stolte

      Brunner gegen Moser tauschen? Nein danke! Moser ist ein Kämpfer, Brunner eine Diva. Schade, weil Talent hätte Damien allemal..

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  • Luganesi am 17.04.2018 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    UNSPORTSMANLIKE CONDUCT

    Naja Dave Sutter soll nochmals in die Benehmschule gehen. Geht ja gar nicht 5 Sekunden nach der Sirene noch einen Schuss abzufeuern. Das ist unsportlich, auch wenn Scharmützel part of the game sind. Aber ein Boxer schlägt auch nicht nochmals zu nach dem Gong, also bitte, ich frage mich warum gibt es dafür keine Strafe? UNSPORTSMANLIKE CONDUCT Regel 168 sollte da doch zur Anwendung kommen, nicht?

  • Südtessiner am 17.04.2018 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz ruhig

    Puck flach halten. Züri hat 2 Spiele gewonnen, Lugano 1. Der Unterschied war im Endeffekt dem Faktor Glück geschuldet, in allen Spielen. Aber man spührt schon den unbändigen Wille der Luganesi, den Titel zu holen. Dieser Kampfgeist und die Aufopferung habe ich in all meinen 35 Jahren als Luganofan so noch nie erlebt. Man hatte schon Spieler wie Fair oder Tschumi, die auch bis zum Umfallen gekämpft haben. Aber so wie gestern, das freut ganz ehrlich. Nur, es braucht noch 3 Siege zum Titel und Züri hat sicher etwas dagegen, auch wenn sie gestern etwas ratlos wirkten

    • Sidi am 17.04.2018 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      genau

      perfekt geschrieben. Jedes Spiel war so auf Messers Schneide, es könnte auch 3-0 für Lugano stehen in der Serie mit etwas mehr Glück. Und dann würden alle auf dem ZSC rumhacken, obwohl eben beide ziemlich ebenbürtig spielen. So solls weitergehen!

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