Hugh Quennec

26. Januar 2018 20:21; Akt: 26.01.2018 23:58 Print

«Mit meinem Abgang will ich den Club retten»

Servettes Präsident Hugh Quennec zieht sich per sofort zurück. Ob das den klammen Genfern hilft, wird sich zeigen.

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Unpopulärer Chef: Hugh Quennec (r.) schaut sich mit Ex-Tennis-Profi Marc Rosset das Heimspiel von Servette gegen den SCB an. (18. Januar 2018) (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

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Zehn Tage nachdem die vier Verwaltungsräte (inklusive Hugh Quennec) nochmals 1,2 Millionen Franken eingeschossen haben, tritt Hugh Quennec als Präsident des Genève-Servette Hockey Club zurück. Vor seiner Rücktrittsankündigung hatte der 52-jährige Anwalt aus Kanada alle seine Aktien an den Verein aus der National League abgegeben.

Servette kommunizierte den Abgang des Präsidenten anderthalb Stunden vor dem Derby gegen Lausanne. Die Stiftung «Fondation 1890» übernahm die Aktien. Die Stiftung – die gleiche die 2015 schon den Servette FC gerettet hat – will das Club-Schiff vorerst primär über Wasser halten. Dazu schiesst sie die notwendigen finanziellen Mittel zur Begleichung der dringendsten Rechnungen ein. Nachfolger von Quennec als Präsident ist François Bellanger. Der Genfer Rechtsanwalt befindet sich seit dem 22. März 2017 an Bord in Servettes Führungsgremium – dem Tag, an dem Chris McSorley als Headcoach zurückgetreten ist.

Grosser Druck von aussen

Quennec beugte sich auch dem öffentlichen Druck. Nachdem er vor zehn Tagen offenbar nochmals das Portemonnaie geöffnet hatte, wurde er trotzdem in der Les-Vernets-Eishalle gnadenlos ausgepfiffen. Er erhielt diese Woche den Kaktus der «L'Illustré». Immer wieder wurde um die düstere Zukunft des Hockey-Clubs der Vergleich bemüht, wie Quennec von 2013 bis 2015 schon Servettes Fussballsektion in den Ruin getrieben hat.

Eigentlich war klar: Mit Quennec an der Spitze hätte Servette in Genf keine Chance mehr gehabt. Und so meinte Quennec denn auch: «Mit meinem Abgang will ich den Klub retten.» Quennec stand seit 2006 dem Genève-Servette Hockey Club vor.

Schulden von 6 bis 8 Millionen Franken

Über die Info-Kanäle des Klubs erklärte Quennec seinen Abgang. Der Klub habe in den letzten zwei Saisons schwere Zeiten durchgemacht. Quennec sprach von Budgetproblemen und Liquiditäts-Engpässen. Als Präsident sei er für diese diffuse Situation verantwortlich. Deshalb habe er sich entschlossen, per sofort zu demissionieren und sich aus allen Positionen zurückzuziehen.

In Genf rechnet man per Ende Saison mit einem Schuldenberg von acht Millionen Franken. Diese horrenden Zahlen hatte Quennec Mitte Januar noch dementiert: Ende Saison sollen die Schulden maximal sechs Millionen Franken betragen. Wie schlimm es um den GSHC steht, dürften die neuen Leute am Ruder in den nächsten Wochen und Monaten bekannt geben. Klar ist: Die Zukunft des Vereins ist nicht gesichert. Das neue Stadion-Projekt wurde von der Gruppe um Quennec bereits um rund drei Millionen Franken gestutzt.

Das Lob an Quennec

Auch der neue Präsident meldete sich am Freitag zu Wort. Er verlor kein schlechtes Wort über seinen Vorgänger: «Ich verdanke die Arbeit und das Engagement von Hugh Quennec», so Bellanger. «Unter Quennec wurde Servette ein Hockeyclub, der in der Schweiz wahrgenommen wird, der zweimal den Spengler Cup gewann und zweimal den Playoff-Final erreichte. Quennec leistete auch Pionierdienste – beispielsweise beim Engagement für den Nachwuchs.» Bellanger rief in Erinnerung, dass Quennec in den letzten zwölf Jahren viel Gutes geleistet habe – und jetzt nicht nur an der schwierigen Situation bei seinem Abgang gemessen werden sollte.

(fal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Time To Play am 27.01.2018 03:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Die zweitgrösste stadt der schweiz? Eine wirtschaftsmacht mit internationaler ausstrahlung? Da muss sich doch ein Milliardär finden lassen der liebt! Die anderem sprachregionen lugano und zürich können das, warum nicht genf?

  • Franz der Eishockeyjurist am 28.01.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ratten verlassen..........

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff?? Jetzt gibt es nur "unfreiwilliger oder dann freiwilliger Abstieg" in die 1. Liga von HC Genf- Servette. Die sogenannten Verantwortlichen des Schweiz Eishockeyverbandes sind nur gefordert zu handeln, ob sie fähig sind ist eine andere Frage. Einem Dorfklub wie "die SCL - Tigers oder Ambri hätte man schon lange die Lizenz entzogen, aber eben "Seuhäfeli - Seudäckeli".

  • barmettler am 26.01.2018 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    helft diesem verein

    Es braucht mit lausanne und genf zwei vertreter aus der romandie!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz der Eishockeyjurist am 28.01.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die Ratten verlassen..........

    Die Ratten verlassen das sinkende Schiff?? Jetzt gibt es nur "unfreiwilliger oder dann freiwilliger Abstieg" in die 1. Liga von HC Genf- Servette. Die sogenannten Verantwortlichen des Schweiz Eishockeyverbandes sind nur gefordert zu handeln, ob sie fähig sind ist eine andere Frage. Einem Dorfklub wie "die SCL - Tigers oder Ambri hätte man schon lange die Lizenz entzogen, aber eben "Seuhäfeli - Seudäckeli".

  • wasp am 27.01.2018 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Teures Hobby

    Wer kann sich schon einen Eishockeyclub leisten? Der SC Bern ist einmalig, dank Lüthi.

  • Time To Play am 27.01.2018 03:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Integration

    Die zweitgrösste stadt der schweiz? Eine wirtschaftsmacht mit internationaler ausstrahlung? Da muss sich doch ein Milliardär finden lassen der liebt! Die anderem sprachregionen lugano und zürich können das, warum nicht genf?

  • barmettler am 26.01.2018 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    helft diesem verein

    Es braucht mit lausanne und genf zwei vertreter aus der romandie!

    • Welsch am 26.01.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @barmettler

      und Fribourg und Biel ?

    • Peter V. am 27.01.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Welsch

      Mit Fribourg haben Sie sicher Recht. Aber Biel in der Romandie? Wohl kaum. Ist doch der Anteil der deutsch sprechenden Bevölkerung höher als der frankophonen. Und ja, Genf ist wie Lausanne eine Bereicherung für und in der höchsten Liga.

    • p.cb am 27.01.2018 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @barmettler

      fribourg ist ja bekanntlich in der ostschweiz...

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