TV-Gelder

03. Januar 2018 16:04; Akt: 03.01.2018 16:04 Print

No Billag, no Spengler-Cup?

In der Szene sind die bekannten Befürworter des Show-Turniers in Überzahl, auf politischer Ebene hingegen droht nach 91 Ausgaben der Sudden Death.

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Der Berner NHL-Pionier Mark Streit wählt die direkte Linie: «Der Spengler-Cup ist wichtig für die ganze Hockey-Schweiz.» Der Spengler-Cup ist kein Relikt, sondern eine Institution. Die über 91-jährige Turniergeschichte beinhaltet alle Facetten des Spiels auf der gefrorenen Unterlage. Die älteste Club-Exhibition der Welt generiert nach wie vor ein hohes Interesse.

Zu ihren Gunsten sind die Macher früh Kooperationen mit den beiden einflussreichsten Eishockey-Grossmächten eingegangen: Seit 1984 figuriert das Team Canada ununterbrochen auf der Gästeliste, die russischen Exponenten debütierten vor einem halben Jahrhundert in Davos.

Die Verankerung in zwei der wichtigsten Märkte ist fundamental. In der Olympiasieger-Nation ist die sechstägige Veranstaltung im Bündnerland ein Begriff; das Spengler-Cup-Kader veröffentlicht «Hockey Canada» auf der eigenen Homepage, die Spiele der Auswahl werden in Nordamerika seit Jahren live übertragen.

Perfekte TV-Aufbereitung

Mark Streit, bis zu seinem Rücktritt mit elf NHL-Saisons ein veritabler Übersee-Saurier, kennt die kanadischen Verhältnisse wie kaum ein anderer Schweizer: «Die Leute schauen sich die Partien neben der Junioren-WM gern an. Spieler wie Taváres, Spezza, Seguin oder Kane liebten es, hier dabei zu sein.» Der 40-Jährige betont gegenüber der Nachrichtenagentur SDA den Stellenwert des Events: «Der Spengler-Cup ist wichtig für die ganze Hockey-Schweiz, und man kennt ihn weltweit.»

Auch Raphael Diaz, beim Spengler-Cup-Comeback des Nationalteams nach 38 Jahren Captain und eine zentrale Figur an den kommenden Winterspielen in Südkorea, spricht von einem «Riesen-Volksfest».

Aufbereitet wird das Spektakel seit 1960 vom gleichen Broadcaster – die Crew des Schweizer Fernsehens hat die Entwicklung zum sportgesellschaftlich relevanten Rendez-vous wesentlich mitgestaltet. «Für uns ist der Spengler-Cup nicht mehr wegzudenken», sagt Roland Mägerle, Chef der SRF-Sportabteilung. Im vorletzten Oktober bekräftigte die TV-Leitung ihre Haltung und verlängerte den Vertrag um fünf Jahre.

Für Mägerles Team bietet die Plattform eine Menge und mehr als nur viel offenes Eis. Der Zugang zu den Hauptdarstellern ist weniger kompliziert als im Alltag. In Davos gehen auch Kabinentüren auf, Spieler und Trainer gewähren unübliche Einblicke. Die Quoten stimmen, das Startspiel der Schweizer Nationalmannschaft gegen Riga erreichte über 26 Prozent Marktanteil allein auf SRF 2.

Das Horror-Szenario

Der HCD-Motor brummt, die Davoser Gruppe um den Verwaltungsratspräsidenten Gaudenz Domenig präsentierte einen Gesamtumsatz von über 26 Millionen Franken; die Spengler-Cup-Wertschöpfung ist nach wie vor wunschgemäss. Aber eine politische Bewegung könnte eine Lawine auslösen: das No-Billag-Komitee.

Sollte das Stimmvolk im März die Initiative zur radikalen Abschaffung der Fernsehgebühren annehmen, ist mit einem Zerfall der SRF-Zentrale zu rechnen. Was ein möglicher Kollaps des wichtigsten Partners für die Spengler-Cup-Zukunft zu bedeuten hätte, bringt der ehemalige OK-Chef Fredi Pargätzi auf den Brennpunkt: «Für uns wäre das ein Desaster. Praktisch alle Sponsoren-Verträge hängen am TV-Deal.»

Die erhebliche mediale Reichweite wäre mutmasslich schlagartig weg, der Spengler-Cup würde in seiner heutigen Form wohl über Nacht vom Bildschirm verschwinden – mit entsprechenden finanziellen Folgen: «Ein negativer Entscheid würde uns vor wirtschaftlich existenzielle Probleme stellen», ist sich Pargätzi sicher. No Billag, no Spengler-Cup?

(sda)

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