«Time-Out»

04. Dezember 2012 09:43; Akt: 04.12.2012 12:20 Print

Verheizt Biel seinen Trainer-Vulkan?

von Klaus Zaugg - In Biel braut sich ein Gewitter zusammen, dessen Stärke das Management unterschätzt. Am Schluss könnte das Ende der siebenjährigen «Ära Schläpfer» stehen.

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Es gibt Situationen, die sind so heikel, dass selbst einer wie Kevin Schläpfer zum Diplomaten wird. In Biel läuft ein dramatischer Ausverkauf. Die Verteidiger Thomas Wellinger (zum SCB), Clarence Kparghai (zu Lugano) und Anthony Huguenin gehen Ende Saison. Weitere Abgänge sind wahrscheinlich. Sogar jener von Torhütertitan Reto Berra.

Auf die Frage von 20 Minuten Online, wie er mit der Arbeit des neuen Sportchefs Martin Steinegger zufrieden sei, sagt Schläpfer: «Damit das klar ist: Ich habe kein Problem mit Stoney. Ich mag ihn.» Es ist allerdings sein Pech, dass er mit dem ganzen Körper kommuniziert. Mit den Händen, mit allen Gesichtsmuskeln. Was er nicht sagt, aber unbewusst kommuniziert: Er ist mit Steineggers Arbeit ganz und gar nicht zufrieden.

Schläpfers Werk zerbröckelt

Kevin Schläpfer ist einer der wichtigen Architekt des modernen EHC Biel. Der Seeländer Hockeykultur des 21. Jahrhunderts. Er hat in der NLB ab 2006 als Sportchef eine Aufstiegsmannschaft zusammengestellt und Biel nach der 13-jährigen NLB-Verbannung ins gelobte Land der höchsten Spielklasse zurückgeführt. Als er vor zwei Jahren Trainer wurde, hielt er sein Team weiterhin auch als Sportchef zusammen. Mit seiner schier unerschöpflichen Energie prägt der Baselbieter als Trainer das ganze Hockeyunternehmen EHC Biel wie es in der Liga sonst nur noch Arno Del Curto beim HCD vermag. Erst im letzten Sommer hat die Hockeylegende Martin Steinegger (219 Länderspiele) das Amt des Sportchefs übernommen.

Das Problem: Kevin Schläpfer ist ein erstklassiger Verkäufer und Verhandler und seine Bewunderer erzählen, dass ihm auch deshalb Transfers gelungen seien, weil er die Mutter eines Spielers davon überzeugt habe, ihrem Sohn den Wechsel nach Biel ans Herz zu legen. Der introvertierte und bisweilen gar grantlige Martin Steinegger ist kein Verkäufer und kein «Schnorri». Der Unterschied in der Aussenwirkung ist zwischen dem charismatischen Schläpfer und dem nüchternen Pragmatiker Steinegger noch weit grösser als zwischen Ralph Krueger und Sean Simpson oder zwischen Bill Clinton und Jimmy Carter. Aber der Sportchef muss einen Spieler halt auch zu einem Transfer nach Biel «überschnorren». Geld und Titelruhm kann er nicht bieten.

Zwei Welten prallen aufeinander

Sauer ist Kevin Schläpfer aufgestossen, dass sein Sportchef die letzte Nationalmannschaftspause für ein Amerika-Reisli genützt hat. «Dabei ist diese Zeit die wichtigste, um hier mit den Spielern zu verhandeln.» Aber er wolle das nicht als Steinegger-Kritik verstanden wissen. Er hätte es wohl auch nicht geschafft, Wellinger, Kparghai und Huguenin zu halten. «Die drei haben ohnehin nur noch wegen mir eine weitere Saison verlängert. Aber jetzt hilft auch mein Bonus nicht mehr. Alle hatten Angebote, die sie nicht mehr ablehnen konnten. Irgendwie kann ich das verstehen.»

Manager Daniel Villard, der Chef von Schläpfer und Steinegger, beruhigt. «Wir wissen, dass die beiden nicht die gleichen Typen sind. Das ist kein Problem. Es ist manchmal auch gut, wenn nicht alle die gleiche Meinung haben. Es kann auch nicht jeder ‹Schnorren›. Es muss auch jemand die Arbeit im Büro machen.»

Playoffs im Vordergrund

Aber ein tiefes Unbehagen beschleicht inzwischen den ewigen Optimisten Kevin Schläpfer angesichts des anhaltenden Ausverkaufes seiner Mannschaft: «Wir müssen alles daran setzen, um in die Playoffs zu kommen. Ich hoffe, dass ich mich wieder erholen kann, gesund werde und meine Stimmkraft wieder finde. Wenn wir in die Playouts geraten, haben wir mit so vielen Spielern, die schon jetzt wissen, dass sie nächste Saison nicht mehr bei uns sind, ein grosses Problem. Ich brauche jetzt meine ganze Energie für meine Arbeit als Trainer und kann mich nicht noch um Transfers kümmern.»

Biels «Hockeygott» sagt, er wisse sehr wohl, dass der Verlust von Spielern nun mal zur «Herausforderung Biel» gehöre. «Aber es kann sein, dass ich irgendwann die Energie für diesen Kampf nicht mehr aufbringe.» Diese Aussage lässt aufhorchen. Sie bedeutet nämlich, dass Biel Gefahr läuft, Kevin Schläpfer zu verheizen. Zumal für nächste Saison auch noch ein Ersatz für Assistent Dino Stecher (zu Basel) gesucht werden muss. «Wir stecken in einer schwierigen Situation», sagt Manager Daniel Villard. «So wie es jetzt aussieht, werden wir erst ab der Saison 2015/16 ein neues Stadion haben. Bis dahin ist es einfach nicht möglich, mehr Geld einzunehmen. Wir können unser Budget auch für nächste Saison nicht erhöhen.» Auf Kevin Schläpfer warten also weitere zwei Jahre am Rande der Belastungsgrenze.

Immer das gleiche Lied

Biels Trainer hat einen Vertrag bis zum 30. April 2014. Er dementiert es zwar. Aber die Geschichte ist verbürgt: Im kleinen Kreis hat der Baselbieter laut und ernsthaft darüber nachgedacht, im nächsten Herbst vorzeitig den Verzicht auf eine Vertragsverlängerung zu verkünden und per Saisonende eine neue Herausforderung zu suchen. Als ob er ahnen würde, dass er in Biel Gefahr läuft, letztlich im Kampf gegen die Transferwindmühlen verheizt zu werden: Er kann so gut arbeiten, so viele Talente entdecken, so viele Spieler ausbilden und besser machen wie er will – am Ende des Tages steht er immer noch am gleichen Ort. Weil die Spieler, die er besser macht, von der Konkurrenz bessere Verträge bekommen und Biel verlassen.

Aber vielleicht gelingt es ja im Falle eines Falles ausgerechnet Sportchef Martin Steinegger, seinen Trainer zum Bleiben zu überreden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • polet am 04.12.2012 17:43 Report Diesen Beitrag melden

    Das wahre Problem...

    Mister Klausi, warum nicht mal Ihre Lyrik-Energie für das wahre NLA-Problem aufbringen?Fakt ist:Bern, LugaNO oder bald auch Gaydoul und sein neues Spielzeug zahlen derart hohe Löhne an durschnittslöhnen, das es einem kleinen nicht Mal mehr möglich ist, mittelgute bis gute NLA Spieler (Wellinger, Huguenin) zu behalten.Sicher nicht im Sinne einer spannenden Meisterschaft. Die schon von Stoney angesprochene Gegenlösung (mehr Ausländer zulassen), ist nicht uninteressant...

    • hans am 05.12.2012 09:28 Report Diesen Beitrag melden

      Das wahre Problem

      Da hast nicht ganz unrecht. Wenn die Klubs zu Marionetten/Spielzeug werden um einen einzelnen zu befriedigen, dann sehe ich in der Liga schwarz. Da ist mir Frey/ZSC schon noch sympatischer, der kauft oder leiht nicht permanent Spieler aus. Er Finaziert mit, aber im vernüftigen Rahmen. Der ZSC ist eine der wenigen Mannschaften die mit 4 Ausländern spielen und wenn Verletzte dazu kommen, z.Z. 4 Stammspieler wird nicht gejammert, sonder man versucht das Beste.

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  • SCB-Fanatic am 04.12.2012 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wär's mit dem SCB???

    Schläpfer beim SCB?? - Eine Vorstellung die mich zum Schmunzeln bringt :-)

  • go kevin go am 04.12.2012 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Anstand und Moral gesucht...

    Ein Mitglied des Verwaltungsrates von Biel hat es so formuliert: Wenn der SCB bereits nach 5 Spielrunden anfängt mit Spielern zu verhandeln (Wellinger) und wenn Fribourg 4 Stunden vor dem Spiel den Wechsel eines Spielers verkündet (Huguenin), dann ist das zwar Part of the Game aber dennoch respektlos! Alle wollen sich an der NHL orientieren, aber deren Gesetze wollen die reichen Clubs dann doch nicht (keine Transferverhandlungen während der Saison, Salary cap, usw.).

  • John Fust am 04.12.2012 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kevin ist ein Tiger :)

    Schläpfer zu Langnau :) Er hatte dort als Spieler seine schönste und erfolgreichste Zeit. Er hat immer noch viele Freunde in Langnau und geniesst auch dort Kultstatus.

  • umhcb am 04.12.2012 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    So ist das Geschäft

    Ist noch gar nicht so lange her da wurde Schläpfer als Wodoo Trainer bezeichnet. Das Schläpfer die notwendigen Qualitäten als Chef Trainer mitbringt wurde hier vom gleichen Autor in Frage gestellt. Nun so schnell ändern sich die Zeiten, zum Glück für die NLA gibt es auch Klubs die kleinere Brötchen backen müssen. Ich glaube vor drei Jahren wäre es keinem Grossklub in den Sinn gekommen Kevin Schläpfer als Trainer zu verpflichten. Eine gute Sache für die Grossen sie können getrost abwarten um die fertigen Spieler oder Trainer mit ihrem Geld aufzukaufen. So ist das Hockey Geschäft.

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