Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Liga-Präsi will durchgreifen
08. Oktober 2011 13:54; Akt: 09.10.2011 00:47 Print
«Bei Pyros den ganzen Sektor räumen»
von Simon Beeli - Nach der Schande vom Letzigrund fordert der Zürcher Grasshopper Club beim ersten Abfackeln einer Petarde einen kompletten Spielabbruch. Für den Präsidenten der Swiss Football League ist der Vorschlag zu radikal.
-
Schande von Zürich: Neues Video und Bilder vom Letzigrund
-
Chaoten im Letzigrund: Ein Petardenwerfer festgenommen
-
Letzigrund-Krawalle: Bauliche Massnahmen gegen Chaoten
-
Letzigrund-Ausschreitungen: Keine Polizei im Letzigrund
-
Krawalle im Stadion: Polizei-Einsätze sind eine riskante Lösung
- Dossiers
-
Die Schande von Zürich
Auch Thomas Grimm, Präsident der Swiss Football League, war schon an einem Fussballspiel mit Gewaltausschreitungen. Der Abend blieb ihm in lebhafter Erinnerung: «Das war das berühmt berüchtigte Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich, das Entscheidungsspiel der Meisterschaft, wo der FC Zürich mit einem Tor in der Nachspielzeit Schweizermeister wurde. Anschliessend stürmten die Basel-Fans das Spielfeld, es kam zu massiven Ausschreitungen.» Angst hatte Grimm keine, er sass auf der Tribüne, fern ab der Scharmützel. Doch Grimm war entsetzt über die Bilder, die er in jenem Mai 2006 im Basler St. Jakob-Park zu sehen bekam.
«Wir müssen die bisherige Strategie überdenken»: Thomas Grimm, Präsident der Swiss Football League.(Bild: Keystone)
Nach den schlimmen Ausschreitungen vom vergangenen Wochenende im Zürcher Letzigrund beim Derby zwischen GC und dem FCZ ist die Liga wieder gefordert. Nach einem Pyro-Angriff eines FCZ-Fans kam es auf den Zuschauerrängen zu schweren Krawallen, sechs Personen sind dabei verletzt worden. Inzwischen konnte einer der Petardenwerfer festgenommen werden. Diese schändlichen Szenen haben schweizweit für Entsetzen gesorgt und die Frage aufkommen lassen, wie man die Gewalt rund um Fussballspiele in den Griff bekommen kann.
Nur ein kleiner Teil, der Probleme macht
In einem Interview in der Sendung «Samstagsrundschau» auf DRS1 gibt Thomas Grimm zu, dass die bisherige Strategie des Verbands überdenkt werden muss: «Wir sind immer davon ausgegangen, dass wir die Gewalt ausserhalb der Stadien nicht im Griff haben, im Stadion selbst die Situation aber unter Kontrolle ist. Der Vorfall von Zürich hat nun das Gegenteil bewiesen. Wir haben bisher nicht damit gerechnet, dass es in den Stadien zu solchen Gewaltausbrüchen kommen kann.» Dabei beruft sich Grimm auf Statistiken, die ein solches Szenario nicht vorhersehbar gemacht hätten und kontert damit, dass die Swiss Football League viel Geld und Zeit in die Prävention gesteckt hat. Man habe intensiv die Diskussion mit den Fans gesucht und in diesem Bereich grosse Fortschritte gemacht.
Thomas Grimm rechnet in der Schweiz mit etwa 600 - 900 gewaltbereiten Fans, dazu kommen noch Sympathisanten. Insgesamt schätzt er die Szene auf 1200 - 1500 sogenannte Risikofans. «Das ist ein sehr kleiner Teil, der Probleme macht und den wir leider mit all unseren guten Ideen und Vorsätzen nicht erreichen können.» Doch genau dieser «kleine Teil» von Problem-Fans hält die Funktionäre auf Trab. Sie prügeln sich, randalieren und sind auch immer wieder dafür verantwortlich, dass Pyros angezündet werden, obwohl das in den Stadien eigentlich verboten ist.
Bussen für Pyros gesenkt
Die Clubs müssen vom Verband mit einer Bestrafung rechnen, sollten Uneinsichtige trotzdem in den Fankurven Feuerwerk anzünden. Unlängst hat die Football League aber die Busse, die von den Clubs bezahlt werden muss, gesenkt. Grimm begründet den Entscheid damit, dass er den Frust und die Wut der Clubs, immer wieder hohe Bussen bezahlen zu müssen, verstehen kann: «Bei jedem Spiel gibt es einen Inspektionsbericht, wo unter anderem auch die Eingangskontrolle beurteilt wird. Obwohl die Eingangskontrolle meist sehr gut ist, gelingt es den Fans immer wieder 25 - 40 Pyros reinzuschmuggeln. Werden die dann gezündet wird der Club bestraft, obwohl man ihm zuvor attestiert hatte, eine sehr gute Kontrolle beim Einlass durchgeführt zu haben.»
«Man muss die friedlichen Zuschauer schützen»
Für den scheidenden Liga-Präsidenten steht fest, dass etwas gegen das Problem der Pyros gemacht werden muss. Vom Vorschlag des Zürcher Grasshopper Clubs hält er hingegen wenig. Wie die Stadt Zürich verlangt der Verein einen kompletten Spielabbruch bei einem Pyro-Einsatz und will somit eine Politik der Nulltoleranz verfolgen. Ein entsprechendes Begehren ist bereits bei der Liga eingereicht worden. Grimm hält wenig von dieser Idee: «Der Vorschlag von GC ist zu radikal und wird bei den Präsidenten der Clubs keine Chance haben», sagt er im Interview. Die wenigen Chaoten, die Feuerwerk abbrennen, dürften nicht die Macht bekommen über einen Spiellabbruch zu entscheiden. Viel eher schlägt er eine partielle Sektorräumung vor. Sollten Petarden gezündet werden, würden die Fans zuerst über die Stadionlautsprecher verwarnt werden. Bei einem weiteren Abbrennen von Pyros, so der Vorschlag von Grimm, sollte dann der ganze betroffene Sektor geräumt werden. Dies würde allerdings gewisse sicherheitstechnische Probleme mit sich bringen und die Sicherheitskräfte vor eine grosse Herausforderung stellen. «Eine solche Sektorenräumung könnte ohne Mithilfe der Polizei nicht stattfinden», ist Grimm überzeugt.
Das wichtigste und oberste Ziel der Liga und auch von Grimm selbst, ist klar formuliert: «Man muss die 99.9 Prozent friedlichen Zuschauer schützen und darf sie nicht ein paar Chaoten oder Idioten ausliefern, die nur ins Stadion kommen, um ihre Frustration rauszulassen und sich gar nicht für das Spiel interessieren. Zum jetzigen Zeitpunkt können sie dies aber immer noch, da die Chance, sie zu erwischen, relativ klein ist», sagt Grimm gegenüber DRS1. Um die Fans in die Schranken zu weisen und die Gewaltausbrüche aus den Schweizer Stadien zu verbannen, sind Rezepte gefragt, die auf einer Zusammenarbeit zwischen Verband, Polizei und Fans basiert, glaubt Grimm. Die Zukunft sieht er aber nicht nur positiv: «Wir werden wohl nie ein Fussballspiel haben ohne eine gewisse Polizeipräsenz.»
Im Grossformat auf dem Videoportal ![]()
Hier spazieren FCZ-Anhänger in den GC-Sektor:
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 28 Kommentare






























Einfache Lösungen...
Die Pyros werden in Hotdogs ins Stadion geschmuggelt? Dann gibts vor dem Stadion vor dem Match keine mehr zu kaufen, drinnen schon. Bratwurst wird ohne Bürli sondern mit einer Scheibe Brot abgegeben! Trainings nicht mehr öffentlich, das ganze Stadion permanent Videoüberwacht, die ganze Woche! So werden versteckte Pyros gefunden! Muss erst ein Mensch fürs Leben lang entstellt sein bis gehandelt wird? Vermummungsverbot kompromisslos durchziehen und Vermummte zur Feststellung der Personalien 48 Stunden auf der Polizeiwache festhalten! Arbeitgeber informieren! Prämie aussetzen, wer Chaoten meldet
Hot Dog..?
Waren sie überhaupt schon mal an einem Fussballmatch..?
Aber sicher!
Aber sicher! Und bloss weil ich eine Frau bin heisst das noch lange nicht, dass ich keinen Fussball ansehe! Und ich bin eine entschiedene Gegnerin solcher Chaoten! So machts keinen Spass an einen Fussballmatch zu gehen!
verboten
Wenn Sie doch schon einmal an einem Fussballspiel waren, dann haben Sie sicherlich gemerkt, dass Ihnen jegliche Lebensmittel am Eingang abgenommen werden. Es ist also nicht möglich einen Hotdog ins Stadion zu bringen. Wieder einmal eine erfundene Story des Blicks.
Hot Dog
Evt. waren Sie beim Golf?? Da gabs was mit nem Hot Dog :)
Alles verbieten/bestrafen hilft nichts!
Sektor Räumung in Basel oder Bern wäre einfach nur kontraproduktiv und führt unumgänglich zum Spielabbruch! Die Kosten dazu wären um das 100 fache höher als wenn Pyros endlich wieder legal und kontrolliert abgebrannt werden dürfen (ja, früher hatte auch niemand etwas gegen Pyros, sogar auf SF1 hiess es, voller Freude was für eine tolle Atmosphäre im Stadion am heutigen Spiel und da sah man ausser Fackeln nicht mehr viel!!!) und durch die Kontrolle werden die auch nicht mehr geworfen... Schlimmsten falls halt keine Gästefans mehr im Stadion! Dann ist das Problem auch gelöst!
Grimm zurücktreten
Die Swiss Football League ist das eigentliche Problen. Die sind einfach noch nicht bereit harte Sanktionen mitzutragen. Es braucht zuerst Tote.