Schiri-Mord in Almere

05. Dezember 2012 10:59; Akt: 05.12.2012 11:45 Print

«So schön am Tag, so gefährlich in der Nacht»

von Eva Tedesco - Am letzten Sonntag ist in den Niederlanden ein Linienrichter von Amateurfussballern zu Tode geprügelt worden. Der Schweizer Ex-Stürmer Milos Malenovic über seine Zeit in Almere.

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Drei Jahre hat der ehemalige GC-, St. Gallen- und Xamax-Stürmer Milos Malenovic in der zweiten holländischen Liga gespielt. 2008/09 wechselte er für eine Saison zu Omniworld Almere. 2009 zog es ihn in den Norden zu Emmen, ehe er bei Veendam seine Karriere beendete. Dass in Almere ein Linienrichter von Juniorenfussballern totgeprügelt wurde, verwundert Malenovic nicht, stimmt ihn aber nachdenklich.

«Der FC Buitenboys ist der Amateurklub in Almere. Ich habe beim Profiklub Omniworld – heute heisst er Almere City – gespielt. Der Zweitligist war meine erste Station in Holland. Ich kam von Neuenburg in eine neue, fremde Welt. Damals war ich sehr jung und machte mir kaum Gedanken. Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass es hier sehr viel Kriminalität und Gewalt gibt. So schön die Stadt tagsüber ist, so gefährlich war es, am Abend auszugehen.»

Waffengewalt in der Kabine

Der Ausländeranteil sei in Almere, unweit von Amsterdam, sehr hoch. Vor allem Menschen aus Marokko und Surinam habe man angetroffen. Grosse Mentalitätsunterschiede trafen aufeinander, Rassismus sei alltäglich gewesen. «Wir hatten sicher acht oder neun dunkelhäutige Spieler in der Mannschaft, die eine eigene Gruppe waren. Alle wussten, dass man sich mit einigen von ihnen nicht anlegen sollte», erzählt der ehemalige Stürmer.

«Ein Jahr nach meinem Weggang hat mir ein ehemaliger Mannschaftskollege erzählt, dass ein Spieler vor dem Training mit einem Teamkollegen Streit hatte und dann plötzlich in der Kabine stand und dem Mitspieler eine Pistole an den Kopf gehalten hat. Das war krass und wurde auch von der Presse aufgenommen. Der Spieler ist danach sofort entlassen worden.»

Junioren technisch und taktisch sehr gut ausgebildet

Die Gründe für die Aggression, so Malenovic, könnten in den tiefen Löhnen und der hohen Arbeitslosigkeit gepaart mit dem hohen Ausländeranteil liegen. «Das schürt Unzufriedenheit, Aggression und Gewalt.» Grundsätzlich sei es ein gesellschaftliches Problem, das auch den Sport erreicht habe.

Vom Fussball kann Malenovic nur Positives sagen: «Selbst in der Jupiler League, der zweithöchsten Liga in Holland, wird gut gespielt und die Junioren sind technisch und taktisch sehr gut ausgebildet. Die Begeisterung für den Fussball ist gross», sagt Malenovic, der heute noch Kontakt zu seinem ehemaligen Klub pflegt.
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(Video: Reuters)

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