Kicken zur Lunchzeit

10. Juli 2012 12:53; Akt: 10.07.2012 13:06 Print

«Spielbeginn um 13.45 Uhr ist ein Witz»

von Eva Tedesco - Am Freitag startet die Super-League-Saison - mit einigen Neuerungen. So werden die Sonntagsspiele um 13.45 Uhr ausgetragen. Viel zu früh, finden Spieler und warnen vor Kollapsen.

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Ein Platzwart im Letzigrund zeichnet den Anspielpunkt ein. In Zukunft muss der Punkt am Sonntag bereits um 13.45 Uhr bereit sein. (Bild: Keystone/AP)

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Die meisten Menschen haben kaum Lust sich zu bewegen, wenn es draussen richtig heiss ist. Es sei denn, um in die nächste Badi zu gelangen. Schon früh am Morgen ist es schwül. Der Kreislauf kommt nur langsam in Schwung. Was aber, wenn man Leistungssportler ist und ein Wettkampf oder Fussballspiel ansteht? Und was, wenn wie die Swiss Football League dem Druck des Geldes nachgibt und Partien der sonntäglichen Fussballrunde zur Lunchtime ansetzt? Der Fussballprofi hat keine Wahl.

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Wenig Verständnis für den kommerziellen Aspekt hat die Profispielervereinigung Swiss Association of Football Players (SAFP) und verschickte am Montag ein Communiqué, in dem man sich gegen die frühe Anspielzeit wehrt.

Spielergewerkschaft SAFP wehrt sich

«Wir sind erstaunt, dass solche Entscheidungen ohne den Einbezug von Spielern gefällt werden. Die Gesundheit der Spieler wird so einer unnötigen Belastung ausgesetzt», schreibt SAFP-Präsident Lucien Valloni. Die Forderung des Zürcher Anwalts: «Die Anspielzeiten sind den klimatischen Verhältnissen anzupassen. Wir sind nicht in England, hier in der Schweiz sind Anspielzeiten im Sommer um 13.45 Uhr in der grössten Hitze des Jahres ein Witz - insbesondere bei einem derart frühen Saisonstart.»

Zwar habe die Profispielervereinigung mit der Liga eine Grundsatzvereinbarung, dass man bei solchen Dingen auch die Spieler bzw. ihre Gewerkschaft einbezieht und die Liga kenne die Haltung der SAFP, aber da dies in diesem Fall nicht geschehen war, werde man das Communiqué auch bei der Liga deponieren. Valloni gegenüber 20 Minuten Online: «Es ist weltfremd, wenn man solche Dinge nicht auch mit den direkt Betroffenen diskutiert. Derzeit herrscht der Trend der kommerziellen Ausschlachtung bis zum Gehtnichtmehr vor.» Jeder Hobbysportler wisse, dass er nicht bei der stärksten Sonneneinstrahlung über Mittag trainieren soll.

Dem Wunsch der TV-Partner nachgekommen

«13.45 Uhr sei ein Wunsch der TV-Partner gewesen», räumte Claudius Schäfer, CEO der Liga, bei der Präsentation des Spielplans Mitte Juli an einer Pressekonferenz ein. «So ein Vertrag sei halt ein Geben und Nehmen, und die neuen Zeiten lediglich eine Umgewöhnung.» Den Faktor Gesundheit hat die Liga aber bei der Diskussion über Sinn und Unsinn der frühen Zeit nicht ausser Acht gelassen. Die SFL habe sich bei MeteoSwiss erkundigt und die Antwort erhalten, dass zwar die Sonneneinstrahlung zur Mittagszeit intensiver sei, aber die Temperaturen und Luftfeuchtigkeit an Sommertagen gegen 16 und 17 Uhr zum Beispiel statistisch gesehen wesentlich höher ist – und damit für den Körper belastender.

Generelle Temperaturbegrenzungen wie bei Minusgraden gibt es bei Plustemperaturen nicht. Hier gelten lediglich für bestimmte Veranstaltungen Ausnahmeregeln, wie die sogenannte Extreme Heat Policy bei den Australian Open. Massgeblich für den Abbruch eines Spieles sind hier Temperaturen von 35 Grad und das Erreichen eines bestimmten Indexes bei der Luftfeuchtigkeit. Das Thema sei nicht die Hitze, sondern die UV-Einstrahlung, sagt Dr. med. Sascha Käsermann, Teamarzt des FC Luzern.

Keine Bedenken aus medizinischer Sicht

Der FCL (gegen den FCZ) ist neben GC (gegen Sion) der erste Gastgeber zum frühen Sonntagstermin. «Die Gefahren sind Sonnenbrand und Hitzestau. Mit genügend Sonnencreme und ausreichender Flüssigkeitszufuhr kann aber beidem entgegengewirkt werden», so Käsermann. «Vor allem viel trinken sei für die Spieler sehr wichtig. Die Schiedsrichter sind an extrem heissen Tagen angewiesen, zusätzliche Trinkpausen anzuordnen.»

Weitere gesundheitliche Bedenken äussert der Mediziner nicht, auch wenn er einräumt, dass für Topleistungen hohe Temperaturen und direkte Sonneneinstrahlung nicht ideal sind. Fussball in brütender Hitze gehe meist zu Lasten der Qualität – zumindest gegen Spielschluss hin. Bleibt zu hoffen, dass die Akteure dann wenigstens zu Beginn der Partie hellwach sind - oder der Sommer in der Schweiz weiter kühl bleibt.