Lucien Favre

17. November 2011 23:25; Akt: 18.11.2011 11:29 Print

«Wir sind nicht Bayern-Jäger»«Wir sind nicht Bayern-Jäger»

von Sandro Compagno - Spitzenkampf im Borussen-Park: Vor dem Spiel gegen Bremen spricht Lucien Favre über seinen Star Marco Reus, über den ewigen Werder-Trainer – und über den Schweizer Meister 2012.

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Lucien Favre in Aktion am Spielfeldrand. (Bild: Reuters)

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In den Medien wird vor der Partie gegen Werder von einem «Verfolgerduell» geschrieben. Fühlen Sie sich mit Borussia Mönchengladbach als Bayern-Verfolger?
Lucien Favre: Nein, keineswegs! Wir sind keine Bayern-Jäger und keine Bayern-Verfolger. Ich habe zu Beginn der Saison gesagt, dass wir um jeden Punkt kämpfen müssen. Das haben wir bislang gut gemacht, aber deswegen hat sich an unserer Ausgangslage nichts geändert. Wir spielen momentan guten Fussball, doch mit Bremen erwartet uns ein Gegner mit unglaublichem Potenzial.

Und mit einem interessanten Trainer. Thomas Schaaf leitet seit 1999 die sportlichen Geschicke an der Weser. Können Sie sich so etwas auch vorstellen?
Thomas Schaaf ist in der Bundesliga eine absolute Ausnahmeerscheinung. Er hat seine Karriere als Spieler ausschliesslich bei Werder Bremen bestritten, ist jetzt seit zwölf Jahren dort Cheftrainer. Es ist unbestritten, dass er hervorragende Arbeit leistet – er war Meister, mehrfacher Cup-Sieger, hat Werder in die Champions League geführt. Aber es ist in unserer Branche sehr schwierig, längerfristig zu planen.

Woran liegt das?
Die Bundesliga hat alles: volle Stadien, gesunde Finanzen, tolle Organisation. Woran es mancherorts mangelt, ist Kontinuität.

Ihr Jungstar Marco Reus ist derzeit in aller Munde: Bayern, Arsenal… Wie lange können Sie ihn halten?
Er ist unter Vertrag. Er spielt gerne für Mönchengladbach. Er ist glücklich hier. Punkt. Mehr möchte ich zu Marco Reus nicht mehr sagen.

Gut, dann frage ich anders herum: Ist es für Sie nicht beinahe Pflicht, mit Gladbach baldmöglichst europäisch zu spielen, damit Talente wie Reus oder Goalie Marc-André ter Stegen nicht abspringen?
Ich spreche nicht über Europa. Wir müssen am Boden bleiben. Vor vier Monaten waren wir Tabellen-16. und wir spielen heute mit der exakt gleichen Mannschaft. Wir haben jetzt 23 Punkte, aber vergessen wir nicht: Letzte Saison hatte Eintracht Frankfurt in der Winterpause 26 Punkte und ist danach abgestiegen. Natürlich bin ich ehrgeizig. Ich bereite jedes Spiel vor, um es zu gewinnen. Sonst hätte ich den falschen Beruf. Aber wir müssen realistisch bleiben.

Ihre Mannschaft kassiert fast keine Tore, aber sie schiesst auch wenige.
Als ich im Februar nach Mönchengladbach kam, stand die Mannschaft bei 2,7 Gegentoren pro Spiel. So kannst du die Bundesliga vergessen! Mein erstes Ziel war also die Stabilisierung der Abwehr. Das haben wir sehr schnell erreicht. Die zweite Etappe bestand darin, mehr Chancen zu kreieren. Auch das haben wir geschafft. Jetzt geht es darum, aus diesen Möglichkeiten auch mehr Tore zu machen.

Wie viel Geld dürfen Sie in der nächsten Transferperiode ausgeben?
Im Sommer haben wir uns entschieden, nur sehr junge Spieler zu verpflichten, Perspektivspieler zwischen 18 und 21 Jahren. Momentan bin ich mit dem Kader zufrieden. Aber wir haben ein paar – wie soll ich sagen? – spannende Wochen vor uns: Am Samstag kommt Bremen, dann folgt das Derby gegen Köln, wir spielen noch gegen Dortmund und im DFB-Pokal gegen Schalke. An Weihnachten wissen wir sicher mehr.

Sprechen wir kurz über den Schweizer Fussball. Wer wird Meister?
Wahrscheinlich der FC Basel. Luzern spielt zwar bisher eine sehr gute Saison, aber das Potenzial von Basel ist deutlich grösser.

Am Samstag spielt Basel gegen YB. Was trauen Sie den Bernern zu?
YB ist im Aufbau. Die Young Boys werden in sechs Monaten viel besser sein als jetzt. Christian Gross braucht ein Jahr Zeit – dann wird er Erfolg haben.

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Axpo Super League

Datum Spiel Resultat
23.05.12  Basel - Young Boys 1:2 (1:1)
23.05.12  Sion - Luzern 1:3 (1:1)
23.05.12  Lausanne-Sport - Grasshoppers 2:1 (1:1)
23.05.12  Thun - Zürich 2:4 (0:0)
R Mannschaft Sp S U N G : E P
1. Basel 34 22 8 4 78 : 33 74

2. Luzern 34 14 12 8 46 : 32 54
3. Young Boys 34 13 12 9 52 : 38 51
4. Servette 34 14 6 14 45 : 53 48

5. Thun 34 11 10 13 38 : 41 43
6. Zürich 34 11 8 15 43 : 44 41
7. Lausanne-Sport 34 8 6 20 29 : 61 30
8. Grasshoppers 34 7 5 22 32 : 66 26

9. Sion 34 15 8 11 40 : 35 17 (-36)

10. Neuchâtel Xamax 18 7 5 6 22 : 22 26
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